Ursachen und Behandlung

Gelenkschmerzen: Was Sie dagegen tun können

Wenn die Gelenke schmerzen, liegt das meist an Arthritis (Gelenkentzündung) oder – im fortgeschrittenen Alter – an Arthrose, einem Gelenkverschleiß. Auch ein Gelenkbruch, etwa des Kniegelenks, ist mit Schmerzen verbunden. Schmerzen entstehen aber nicht nur im Gelenk selbst, auch die Bänder, Sehnen und Schleimbeutel können wehtun.

Gelenkschmerzen-Arthrose oder rheumatoide Arthritis_
Gelenkverschleiß und Entzündungen des Gelenkapparats sind die häufigsten Ursachen für Gelenkschmerzen.
Getty Images/Pixland

Gelenkschmerzen sind Symptome, hinter denen meist Abnutzungserscheinungen oder eine Entzündung in den Gelenken stehen:

  • Arthrose (Gelenkverschleiß) – sie tritt ein, wenn der elastische Knorpel zwischen den Knochen abgebaut wird. Durch den Verlust von Knorpelmasse ist die Funktion des Gelenks gestört. Die Gelenke versteifen.

  • Arthritis (Gelenkentzündung) – sie bezeichnet einen entzündlichen Prozess im Gelenk oder den umgebenden Strukturen. Es wird zwischen einer rheumatoiden Arthritis (chronische Polyarthritis), bei der mehrere Gelenke betroffen sind, und einer einfachen Arthritis (Monoarthritis) unterschieden. Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste Erkrankung im rheumatisch-entzündlichen Formenkreis und kann in jedem Alter auftreten. Eine Arthritis macht sich durch Begleitsymptome wie Rötung, Schwellung oder Überwärmung des Gelenks bemerkbar.

Auch der Bereich der umgebenden Bänder, Sehnen und Schleimbeutel kann von den Beschwerden betroffen sein. Da Gelenke selbst komplexe Systeme sind, sind die Schmerzen nicht immer leicht zu verorten. Bei Rheuma und bestimmten Stoffwechselerkrankungen sind zudem in der Regel mehrere Gelenke gleichzeitig von den Schmerzen betroffen.

Schmerzen lindern bei Arthrose

Je nach Ursache können sich Gelenkschmerzen ganz unterschiedlich äußern. Grundsätzlich unterscheiden Ärzte zwischen:

  • Ruhe- oder Nachtschmerzen – sie kommen bei der Arthritis vor.
  • Anlaufschmerzen – sie sind typisch für eine Arthrose und treten nach einer Ruhephase, etwa nach der Nachtruhe, auf.
  • Belastungsschmerzen – sie machen sich bemerkbar, wenn das Gelenk belastet oder bewegt wird.

Welche Ursachen können Gelenkschmerzen haben?

Schmerzen in den Gelenken können viele Ursachen haben. Manchmal sind Sie Folge von entzündlichen Prozessen oder sie entstehen, weil eine Verletzung, eine Gelenküberlastung oder auch ein Gelenkverschleiß (Arthrose) vorliegt. Wer sich aufgrund eines Unfalls die Schulter gebrochen hat, wird sich über Schmerzen an der Schulter nicht wundern. Oft sind Gelenkschmerzen aber auch Teil eines komplexen Krankheitsgeschehens, das den gesamten Körper betrifft (systemische Krankheiten wie Rheuma oder Lupus erythematodes). Dann treten sie als eines von vielen Symptomen oder als dominierendes Symptom auf.

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Folgende Krankheitsbilder sind mit Schmerzen an den Gelenken verbunden:

  • Verletzungen wie Knochenbrüche, Kapsel-Band-Verletzungen, Zerrungen, Prellungen, Verrenkungen – sie gehen einher mit Bluterguss und Schwellungen.
  • Arthrose oder Gelenkverschleiß – degenerative Gelenkerkrankungen entstehen durch Abnutzung oder übermäßige Belastung eines Gelenks.

Rheumatisch-entzündliche Erkrankungen

  • Rheumatoide Arthritis: Die chronische Gelenkentzündung macht sich mit geschwollenen, schmerzenden und steifen Gelenken bemerkbar, zunächst am Morgen (Morgensteifigkeit), aber auch nachts.
  • Morbus Bechterew: Morgensteifigkeit und Schwellungen an den großen Gelenken und der Wirbelsäule sind Symptome.
  • Schultergelenkentzündung: Sie äußert sich mit Schmerzen und Bewegungseinschränkung in Oberarm und Schulterblatt.
  • Psoriasisarthritis: Bei ihr sind die Endgelenke an Fingern und Zehen entzündet, die Hautsymptome einer Schuppenflechte (Psoriasis) kommen hinzu.
  • Schleimbeutelentzündung (Bursitis): Schwellung und Bewegungseinschränkung im Bereich des Ellbogen- und Kniegelenks.

Entzündliche Gelenkerkrankungen:

  • bakterielle Arthritis nach Verletzungen oder Operationen
  • Arthritis infolge von anderen Infektionskrankheiten. Dazu zählen: postinfektiöse Arthritis, etwa Spät-Borreliose, tuberkulöse Arthritis oder virale Arthritis bei Masern, Mumps, Windpocken, Influenza, HIV u.a.
  • erneuter Krankheitsschub nach bestimmten bakteriellen Infektionen von Magen, Darm , Harnwegen, Geschlechtsorganen (reaktive Arthritis; Reiter-Syndrom)
  • Rheumatisches Fieber (Autoimmunreaktion durch Streptokokken-Antigene)

Sonstige Erkrankungen mit Gelenkschmerzen:

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Diagnose: So untersucht der Arzt bei Gelenkschmerzen

Um die Ursache von schmerzenden Gelenken zu klären, setzt der Arzt oftmals auf ein komplexes diagnostisches Vorgehen. Zunächst wird er aber Ihre Krankengeschichte abfragen (Anamnese) und Sie körperlich untersuchen.
Das Patientengespräch dient dem Arzt dazu, wichtige Informationen über den Schmerzcharakter, den Beginn sowie den zeitlichen Verlauf der Schmerzen zu erhalten. Ihn interessieren begleitende Symptome, familiäre Erkrankungen und andere vorliegende Erkrankungen, die mit den Gelenkbeschwerden in Zusammenhang stehen könnten.

Stellen Sie sich auf folgende Fragen ein:

  • Treten die Schmerzen überwiegend bei Bewegung oder in Ruhe, zu Beginn einer Gelenkbelastung (Anlaufschmerz), vor allem morgens (Morgenschmerz) oder dauerhaft auf?

  • Sind die Schmerzen plötzlich aufgetreten und nahmen sie einen rasanten Verlauf (etwa Gichtanfall, akute bakterielle Infektion)?

  • Knirschen die Gelenke? Liegt eine Morgensteifigkeit vor?

  • Welche und wie viele Gelenke sind von den Schmerzen betroffen?

  • Sind im Vorfeld Infektionskrankheiten aufgetreten?

  • Bestehen familiär Stoffwechsel- oder rheumatische Krankheiten?

  • Hat es Gelenkoperationen, Verletzungen oder Unfälle mit Gelenkbeteiligung gegeben oder sind die Gelenke besonderen Belastungen ausgesetzt (beruflich, Sport)?

  • Sind Symptome in bzw. an anderen Körperregionen bzw. Organen aufgetreten (Augenbeschwerden, Hautveränderungen)?

Im Rahmen der Anamnese zeigen sich mögliche Ursachen für die Beschwerden, die dem Arzt als Orientierung für weitere Untersuchungen dienen. Heftiger Morgenschmerz mit länger andauernder Morgensteifigkeit und Belastungsschmerz selbst bei kleinsten Bewegungen, auch Ruhe- und Nachtschmerzen, sind Anzeichen einer entzündlichen Ursache. Hingegen weisen belastungsabhängige Schmerzen mit Linderung durch Ruhigstellung, Anlaufschmerzen sowie eine nur kurze Morgensteifigkeit auf eine mechanisch bedingte Ursache (Gelenkabnutzung, Arthrose) der Schmerzen hin.

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Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung betrachtet und tastet der Arzt das Gelenk ab und führt Bewegungstests durch.  Er sucht nach Entzündungszeichen, Ergüssen, Gelenkdeformitäten, Veränderungen am Gelenk, Druckschmerz, typische Bewegungseinschränkungen oder Hautveränderungen. Dabei geht es auch Begleitsymptome, die möglicherweise auf bestimmte Erkrankungen hinweisen – wie Veränderungen an Haut, Schleimhaut, Augen, inneren Organen. Darüber hinaus wird er auf Fehlstellungen, Fehlhaltungen und Asymmetrien des Skelettsystems  – etwa der Wirbelsäulenachsen oder der Beinachsen – achten.

Labor und bildgebende Verfahren

Abhängig von bereits vorliegenden Befunden folgen weitere Untersuchungen. Zum Beispiel:

  • Verschiedene Blutuntersuchungen zur Bestimmung von Entzündungs- oder Rheumafaktoren oder Harnsäurewerten (bei Verdacht auf Gicht)
  • Röntgenuntersuchung der betroffenen Gelenke (erfolgt routinemäßig)
  • Weitere bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT), Computertomographie (CT)
  • Gelenkpunktion und Untersuchung der Gelenkflüssigkeit
  • Ultraschall des Gelenks (Gelenksonographie)
  • Gelenkspiegelung (Arthroskopie)
  • Spezielle Knochenuntersuchung (Knochenszintigrafie)

Behandlung von Gelenkschmerzen: Welche Hausmittel und Medikamente helfen?

Je nach Ursachen der Beschwerden gibt es folgende Therapien:

  • Bei geringfügigen Verletzungen, etwa bei leichten Zerrungen oder Prellungen ohne direkte Verletzung der Gelenkstrukturen reicht es mitunter, wenn Sie das betroffene Gelenk einfach ruhigstellen. In manchen Fällen helfen als Erste-Hilfe-Maßnahme kühlende Auflagen und schmerzstillende, abschwellende Salben. Bei anhaltenden oder starken Schmerzen empfiehlt sich immer ein Arztbesuch.

  • Bei Gelenkverletzungen wie Knochenbrüchen oder Bänderrissen muss das Gelenk fixiert werden, bei komplizierteren Gelenkverletzungen ist unter Umständen sogar eine Operation erforderlich. Möglicherweise liegt auch eine Verrenkung bzw. Ausrenkung des Gelenks vor, sodass der Arzt das Gelenk wieder einrenken muss. Gelenkergüsse erfordern mitunter eine Gelenkpunktion. Zur Linderung der Schmerzen kann der Arzt vorübergehend ein Schmerzmittel verordnen. Dies ermöglicht auch, dass der Betroffene das Gelenk wieder bewegen kann. In vielen Fällen trägt eine Schonhaltung zur Verschlechterung bei und soll deshalb durch die Schmerzlinderung verhindert werden.

  • Bei Schmerzen und Entzündungen wird Ihnen der Arzt möglicherweise ein Schmerzmittel empfehlen. Häufig sind dies Medikamente aus der Gruppe der sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), etwa Diclofenac, Acetylsalcylsäure oder Ibuprofen. Auch Gelenkinjektionen und Gelenkspülungen mit Kortison oder Schmerzmitteln können erfolgen, um Entzündung und Schmerzen direkt vor Ort zu bekämpfen. Gelenkschmerzen mit bakteriellem Hintergrund (Infektarthritis, reaktive Arthritis) erfordern in der Regel die Anwendung von Antibiotika.
    Bei Arthrose stellt auch das Spritzen von knorpelaufbauenden Präparaten (etwa Hyaluronsäure) eine Behandlungsoption dar.
    Um Folgeschäden am Gelenk zu vermeiden, sind weitere Maßnahmen wie Physiotherapie notwendig. Bei Arthrose kann es günstig sein, das Körpergewicht zu reduzieren. Empfehlenswert sind auch eine gesunde Ernährung und Sport.

  • Häufige Ursache von chronischen Gelenkschmerzen sind entzündlich rheumatische Erkrankungen. Sie verlaufen oft fortschreitend mit akuten Schüben. Ziel ist hier, neben der Schmerzlinderung die Entzündungsreaktion zu unterdrücken und so die Zerstörung von Gelenkgewebe mit entsprechendem Funktionsverlust zu verhindern. Die Behandlung erfolgt mit Kortison (Schubtherapie) und sogenannten Antirheumatika (Basistherapie). Bei der Gichtarthritis können Medikamente, die die Harnsäureausscheidung steigern oder den Harnsäurespiegel senken (Urikosurika, Urikostatika) zum Einsatz kommen. Je nach Ursache der Gelenkschmerzen können daneben viele weitere medikamentöse Therapien in Frage kommen.

Gelenkoperation – wann ist sie sinnvoll?

In bestimmten Fällen sind auch Gelenkoperationen erforderlich, etwa zum Richten des Gelenks nach Verletzungen und/oder Brüchen, zur Rekonstruktion und Fixation verletzten Gewebes oder zur Entfernung überschüssigen Gewebes aus dem Gelenk. Diese können in vielen Fällen schonend, mithilfe der Arthroskopie (Gelenkspiegelung) erfolgen. Mitunter, etwa bei schwerer Arthrose, kann auch der teilweise oder vollständige Ersatz eines Gelenks (Kniegelenksersatz, Hüftgelenksersatz) nötig sein.

Physiotherapie und weitere Maßnahmen

Ergänzend zu den genannten Behandlungsverfahren sind oft auch physiotherapeutische Maßnahmen sinnvoll. Zum Beispiel:

  • Elektrotherapie
  • Ultraschalltherapie
  • Wärme- oder Kälteanwendungen
  • Bewegungsbäder
  • Massagen
  • Krankengymnastik
  • Bewegungsschulung
  • Anwendung von Hilfsmitteln wie Bandagen, Einlagen, Schuhzurichtungen
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Bekannte Hausmittel gegen Gelenkschmerzen

Wenn Sie an Gicht, Rheuma oder Arthrose leiden, können begleitend auch Hausmittel gegen Ihre Gelenkschmerzen helfen. Probieren Sie aus, was Ihnen gut tut:

  • Kümmelumschlag: Mahlen Sie Kümmel und rühren Sie diesen mit Essig zu einem Brei an. Geben Sie eventuell Wacholderbeeren und Honig hinzu. Tragen Sie den Brei auf ein Tuch auf und verwenden Sie den Umschlag an der schmerzenden Stelle. Die Mischung wirkt durchblutungsfördernd und wärmend.

  • Rosmarinöl: Reiben Sie die betroffenen Stellen/Gelenke mit Rosmarinöl ein. Rosmarin fördert die Durchblutung.

  • Heublumensäckchen: Legen Sie ein Heublumensäckchen auf die betroffenen Gelenke. Ein Heublumensack wirkt entspannend, fördert die Durchblutung und kann den Schmerz lindern.

  • Salz-und-Essig-Mischung: Reiben Sie die betroffenen Stellen/Gelenke mit einem Gemisch aus Salz und Essig ein.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 09. November 2017
Quellen: Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme. Stuttgart (2010); Schaps, K.-P. W.; Kessler, O.; Fetzner, U.: Gesundheitsstörungen. Springer-Lehrbuch. Springer Medizin Verlag Heidelberg (2008), S. 550-552; Pitsch, Th.: Differenzialdiagnose des Gelenkschmerzes. In: Manuelle Medizin und Osteopathische Medizin (2) 2001, S. 88-102; Bayeler, Ch.: Gelenkschmerzen. Klinische Wegweiser in der Differenzialdiagnostik. In: Schweiz Med Forum (49) 2003, S. 1.200-1.205; Zeidler, H.; Michel, B.: Differenzialdiagnosen rheumatischer Erkrankungen. Springer Medizin Verlag Heidelberg (2009); Lemmer, B.; Brune, K.: Pharmakotherapie: Klinische Pharmakologie. 14. Auflage, Springer Medizin Verlag Heidelberg (2010); https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-662-06712-3_6; https://gelenk-klinik.de/arthrose/gelenkschmerzen-und-arthrose-untersuchung-und-diagnose.html

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