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Rheumatische Erkrankungen: Welche gibt es?

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Rheuma ist nicht gleich Rheuma: Hinter diesem Begriff verbergen sich viele verschiedene Krankheiten, die den Bewegungsapparat betreffen und die prinzipiell in jedem Lebensalter auftreten können. Erfahren Sie hier, welche rheumatischen Erkrankungen es gibt.

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© Getty Images/PIKSEL

Rheuma kann in allen Altersgruppen auftreten. Die Ursachen sind vielfältig und zum Teil noch unbekannt. Die Symptome der verschiedenen Krankheiten sind deshalb sehr uneinheitlich: Sie reichen von steifen Gelenken über Rückenschmerzen bis hin zu Kraftverlust, Müdigkeit und Fieber. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung wirken sich günstig auf den Verlauf der Erkrankungen aus.

Artikelinhalte im Überblick:

13 Typische Anzeichen für Rheuma

Was sind rheumatische Erkrankungen?

Rheuma ist der Sammelbegriff für eine Vielzahl verschiedener Krankheiten. Sie alle gehen meist mit Funktionsstörungen des Bewegungsapparates einher. Neben Gelenken, Wirbelsäule und Knochen können aber auch die sie umgebenden Weichteile wie die Muskulatur und die Sehnen erkranken. Bei einem Teil der rheumatischen Krankheiten besteht die Gefahr, dass sie weitere Organe (etwa Lunge, Herz und Gefäße, Nieren oder Auge) betreffen.

Die verschiedenen Krankheitsbilder von Rheuma werden meist vier Hauptgruppen zugeordnet.

  1. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen
  2. Degenerative rheumatische Erkrankungen
  3. Chronische Schmerzsyndrome des Bewegungsapparates
  4. Stoffwechselstörungen mit rheumatischen Beschwerden

1. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen

Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Dabei handelt es sich meist um chronische Krankheiten, die auf eine Fehlfunktion des Immunsystems zurückzuführen sind. Dieses richtet sich fälschlicherweise gegen den eigenen Körper und verursacht Entzündungen – vor allem an den Gelenken. Die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen werden wiederum in verschiedene Untergruppen eingeteilt.

Rheumatoide Arthritis (RA, auch chronische Polyarthritis)

Bei der rheumatoiden Arthritis handelt es sich um eine chronische Gelenkentzündung. Typisch sind zu Beginn vor allem steife und geschwollene Gelenke an Fingern oder Zehen. Die Schmerzen treten bei Arthritiden oft schon früh morgens auf (Morgensteifigkeit, Ruheschmerz) und bessern sich im Laufe des Tages.

In Deutschland sind etwa 0,8 Prozent der Erwachsenen betroffen, Frauen dreimal häufiger als Männer. Die Krankheit kann in jedem Alter auftreten, beginnt aber meistens zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr. Oft wird der Begriff Rheuma umgangssprachlich verwendet, wenn eigentlich die rheumatoide Arthritis gemeint ist. Die gute Nachricht ist: Die Beschwerden können mit Medikamenten, Physio- und Ergotherapie gelindert und das Fortschreiten der Gelenkerkrankung aufgehalten werden.

Spondyloarthritiden (SpA)

Spondyloarthritiden bezeichnen entzündliche Erkrankungen der Wirbelsäule und peripherer Gelenke. Diese können allein oder in Verbindung mit anderen Erkrankungen wie einer Schuppenflechte (Psoriasis-Arthritis) oder einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) auftreten.

Zu dieser Rheuma-Gruppe gehört beispielsweise Morbus Bechterew (ankylosierende Spondylitis) – eine Erkrankung, die bei etwa einem Prozent der mitteleuropäischen Bevölkerung auftritt. Sie äußert sich vor allem durch starke Rückenschmerzen und kann auf Dauer zur Versteifung der Wirbelsäule führen. Meist beginnt die Erkrankung, die in Schüben verläuft, bereits zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr.

Spondyloarthritiden lassen sich bisher nicht heilen, verschiedene Therapieansätze können die Symptome aber deutlich verbessern und der Versteifung entgegenwirken.

Kollagenosen (Bindegewebserkrankungen)

Früher wurde angenommen, dass bei den Kollagenosen vor allem Veränderungen des Bindegewebes vorliegen. Heute ist jedoch bekannt, dass es sich um seltene Autoimmunerkrankungen handelt: Das Immunsystem richtet sich vorwiegend gegen das Bindegewebe und die Blutgefäße, kann prinzipiell aber jedes Organ befallen. Frauen erkranken wesentlich häufiger an diesen Rheuma-Arten als Männer.

Zu den Erkrankungen aus dem Formenkreis der Kollagenosen gehören:

  • systemischer Lupus erythematodes (SLE): betrifft alle Organe

  • systemische Sklerose (früher: Sklerodermie): Verdickung und Verhärtung der Haut, vor allem der Hände

  • Polymyositis und Dermatomyositis: Muskelschwäche und -schmerzen stehen im Vordergrund

  • Sjögren-Syndrom: betrifft vor allem Speichel- und Tränendrüsen

  • Mischkollagenosen (Sharp-Syndrom): Mischung aus Lupus erythematodes, Sklerodermie, Polymyositis und rheumatoider Arthritis

Mittlerweile gibt es viele Medikamente (Kortison, Anti-Malaria-Mittel, Nichtsteroidale Antirheumatika), die bei Kollagenosen wirksam helfen. Bei einer Polymyositis oder Dermatomyositis ist zudem Krankengymnastik wichtig, um Muskelkraft wieder aufzubauen.

Vaskulitiden

Bei Vaskulitiden handelt es sich um unterschiedliche Formen von Gefäßentzündungen. Eine Vaskulitis verursacht oft Schmerzen an Gelenken oder Muskeln und selten Schwellungen. Weitere Anzeichen sind Augenrötungen, Kopfschmerzen, blutiger Schnupfen oder Taubheitsgefühle.

Bei einigen Formen besteht ein Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung oder der Einnahme von Medikamenten (sekundäre Vaskulitis), bei anderen ist hingegen keine Grunderkrankung bekannt (primäre Vaskulitis). Die einzelnen Krankheitsbilder sind selten. Beispielsweise erkranken an der Granulomatose mit Polyangiitis (Morbus Wegener) im Durchschnitt 2,4-15,7 von 100.000 Erwachsenen.

Viele Vaskulitiden werden vor allem mit Kortison behandelt, aber auch nicht-medikamentöse Therapieansätze wie eine angepasste Ernährung spielen häufig eine zentrale Rolle.

Juvenile idiopathische Arthritis (JIA)

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen im Kinder- und Jugendalter werden als juvenile idiopathische Arthritis bezeichnet. Es gibt verschiedene Erscheinungsformen von Kinderrheuma. Die Beschwerden reichen von Schwellungen und schmerzenden Gelenken bis zu Augenentzündungen und Hautausschlägen. In Deutschland leben etwa 15.000 Kinder und Jugendliche mit JIA. Bei etwa der Hälfte aller Betroffenen ist die Krankheit im Erwachsenenalter aber nicht mehr aktiv.

2. Degenerative rheumatische Erkrankungen

Degenerative Erkrankungen sind vor allem auf Gelenkverschleiß zurückzuführen. Gründe hierfür sind in erster Linie Fehl- oder Überbelastung, Alterung, Bewegungsmangel und Übergewicht. Ebenso können aber angeborene Veranlagungen eine Rolle spielen.

Ein bekannter Vertreter der degenerativen rheumatischen Erkrankungen ist die Arthrose (Verschleißrheuma). Typisch sind vor allem sogenannte Anlaufschmerzen – etwa nach dem Aufstehen aus dem Bett. In Ruhephasen ohne Belastung bessern sich die Beschwerden hingegen meist. Vor allem Knie- und Hüftarthrosen sind sehr häufig. Ab dem 65. Lebensjahr sind etwa die Hälfte aller Frauen sowie ein Drittel der Männer betroffen.

Zerstörte Knorpel lassen sich nicht wieder aufbauen, mit einer frühzeitigen Arthrose-Therapie lässt sich das Voranschreiten der Erkrankung aber aufhalten.

3. Chronische Schmerzsyndrome des Bewegungsapparates

Zu dieser Gruppe zählen verschiedene Krankheitsbilder mit chronischen Schmerzen der weichen, nicht-knöchernen Strukturen des Körpers wie Muskeln, Sehnen oder Bänder. Ein Vertreter dieser Gruppe ist die Fibromyalgie, die etwa 3,5 Prozent der Bevölkerung betrifft und noch viele Rätsel aufwirft. Patient*innen mit dieser chronischen Erkrankung leiden an diffusen Schmerzen in verschiedenen Körperregionen – in den Gelenken, Muskeln sowie auf der Haut. Weitere typische Symptome sind Schlafstörungen, ständige Müdigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme.

Mit einer individuell auf den*die Patient*in abgestimmten Therapie lassen sich Beschwerden oftmals bessern. Häufig ist eine Kombination aus Medikamenten, Bewegungstherapie und Entspannungstechniken zielführend.

4. Stoffwechselstörungen mit rheumatischen Beschwerden

Eine häufige Stoffwechselstörung ist die Gicht. Ursache ist eine zu hohe Konzentration an Harnsäure im Blut. Es bilden sich Kristalle, die sich in den Gelenken ablagern und schmerzhafte Entzündungen verursachen. Bei Gichtanfällen kommt es zu sehr plötzlichen Gelenkschmerzen und -schwellungen. Das betroffene Gelenk (meist die große Zehe) ist überwärmt, gerötet und schmerzempfindlich.

Eine weitere Stoffwechselerkrankung mit rheumatischen Beschwerden ist die Osteoporose. Bei dieser weitverbreiteten Erkrankung werden die Knochen mit der Zeit immer poröser und können leichter brechen. Die Krankheit beginnt bei Frauen vor allem in den Wechseljahren. Insgesamt sind in Deutschland etwa 6,3 Millionen Menschen betroffen. Als Basistherapie der Osteoporose gilt vor allem die ausreichende Zufuhr von Kalzium und Vitamin D, darüber hinaus stehen verschiedene Osteoporose-Medikamente zur Verfügung.

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