Gelenkentzündung bei Schuppenflechte

Psoriasis-Arthritis

Bei der Psoriasis-Arthritis handelt es sich um eine entzündlich-rheumatische Gelenkerkrankung. Wird die Erkrankung nicht rechtzeitig und konsequent behandelt, kann es zur fortschreitenden Zerstörung der Gelenke kommen.

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Psoriasis-Arthritis ist eine Verlaufsform der Schuppenflechte. Zusätzlich zu Hautveränderungen entzünden sich die Gelenke an verschiedenen Körperregionen.

Die Psoriasis-Arthritis – auch Psoriasis arthropatica genannt – ist eine spezielle Verlaufsform der im Volksmund auch als Schuppenflechte bekannten Hauterkrankung Psoriasis. Sie ist mit Morbus Bechterew und den reaktiven Arthritiden teilweise eng verwandt. Etwa fünf bis 30 Prozent aller Schuppenflechte-Patienten erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Psoriasis-Arthritis. Männer und Frauen sind dabei etwa gleich häufig betroffen. Auch Kinder können betroffen sein. Meist beginnen die Beschwerden jedoch zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr.

Vielfältige Symptome bei Psoriasis möglich

Die Beschwerden ähneln häufig denen einer rheumatoiden Arthritis oder den Symptomen eines Morbus Bechterew. Es können einzelne oder mehrere Gelenke und die Wirbelsäule betroffen sein.

Die betroffenen Gelenke sind oft schmerzhaft gerötet, geschwollen und überwärmt. Die Beweglichkeit kann dann eingeschränkt sein. Nicht selten findet sich ein gleichzeitiger Befall der Nägel.

Typischerweise sind kleine Gelenke der Finger und Zehen betroffen. Häufig sind auch die Ileosakralgelenke, also die Gelenkflächen zwischen Darm- und Kreuzbein, in das Krankheitsgeschehen einbezogen. Die Veränderungen können schon jahrelang bestehen, obwohl die Betroffenen noch keine Psoriasis-Arthritis Symptome aufweisen und beschwerdefrei sind. Charakteristisch sind ein akutes Auftreten der Schmerzen und ein einseitiger Befall. Die betroffenen Gelenke sind dann geschwollen und (druck-)schmerzhaft. Die Bewegungsfähigkeit kann eingeschränkt sein.

Diese Gelenkbeschwerden können den für Psoriasis typischen Hautveränderungen vorausgehen, gleichzeitig mit diesen auftreten oder diesen folgen. Meist treten die Haut- und Gelenkprobleme jedoch gemeinsam auf.

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Die Hautveränderungen manifestieren sich gelegentlich an eher schlecht sichtbaren Stellen oder in untypischer Form (beispielsweise als scheinbar unspezifisches Ekzem in der Analfalte oder im Nabelbereich). Neben der rheumatologischen Diagnose ist deshalb immer auch eine ausführliche hautärztliche Untersuchung notwendig.

Verlaufsformen

Die Erkrankung verläuft in der Regel schubweise. Am Erkrankungsprozess sind Gelenke, Knochen sowie teilweise auch der Sehnenapparat des Skeletts in unterschiedlicher Ausprägung beteiligt.

Anhand des Gelenkbefalls und des Verlaufes lassen sich vier Hauptformen unterscheiden:

  • Befall des Achsenskeletts (Wirbelsäule und Kreuz-Darmbein-Gelenke) und/oder Befall von einem oder mehreren "peripheren" Gelenken. Besonders häufig betroffene "periphere" Gelenke sind bei dieser Form der Psoriasis-Arthritis insbesondere die Finger- oder Zehengelenke, ebenso wie das Sprung- oder das Kniegelenk. Der medizinische Begriff für diese Form lautet: Asymmetrische Psoriasis-Arthritis
  • Befall der Finger- und Zehenzwischengelenke, oder aller Gelenke innerhalb eines Strahls. Der medizinische Begriff für diese Form lautet: Distale interphalangeale Psoriasis-Arthritis
  • Arthritis mit einem beidseitigem Befallmuster vieler verschiedener Gelenke ähnlich dem der rheumatoiden Arthritis. Der medizinische Begriff für diese Form lautet deshalb auch: Psoriasis-Arthritis vom rheumatoiden Typ
  • Gelenkbefall mit rasch fortschreitender Gelenkzerstörung bei hoher Entzündungsaktivität. Besonders betroffen sind die Hände und die Füße, aber auch das Achsenskelett. Der medizinische Begriff dieser sehr bedrohlichen Form lautet: Mutilierende Psoriasis-Arthritis oder Arthritis mutilans (verstümmelnde Arthritis) . Die Erkrankung geht mit einem Abbau von Knochensubstanz (Osteolyse) einher. Das kann schwere Verformungen und eine Einschränkung der Beweglichkeit zur Folge haben. Häufig nehmen die Betroffenen eine Schonhaltung ein, welche einen Beweglichkeitsverlust zusätzlich unterstützt. Akute Schübe sind häufig mit einer Verschlechterung der Hautsymptomatik verbunden und können mit Fieber und Gewichtsverlust einhergehen.

Männer und Frauen sind zwar insgesamt gleich häufig betroffen, unterscheiden sich oft jedoch in der Form des Gelenkbefalls. Zeigen Männer häufiger einen Befall des Achsenskeletts, so äußert sich die Psoriasis-Arthritis bei Frauen eher als symmetrische Polyarthritis mit beidseitigem Befall vieler Gelenke.

Ursachen und Risikofaktoren für Psoriasis-Arthritis

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Die Ursache der Gelenkentzündung sowie ihr genauer Entstehungsmechanismus sind noch nicht endgültig aufgeklärt. Man weiß aber inzwischen, dass es sich um so genannte autoimmunologische Prozesse handelt, also um Reaktionen des Abwehrsystems gegen körpereigene Strukturen. Bei manchen Patienten kann eine vorangegangene Infektion mit Streptokokken (zum Beispiel bei einer eitrigen Mandelentzündung) das Krankheitsgeschehen in Gang bringen. Andere Risikofaktoren wie Übergewicht werden diskutiert.

Die Neigung, an einer Psoriasis-Arthritis zu erkranken, ist wie bei der Schuppenflechte ohne Gelenkbeteiligung genetisch bedingt. Diese erbliche Veranlagung bleibt lebenslang bestehen. Deshalb muss die Krankheit aber nicht zwangsläufig ausbrechen. Bestimmte genetische Merkmale finden sich gehäuft bei bestimmten Ausprägungsformen des Gelenkbefalls.

Vergleicht man die beiden Haupttypen der Psoriasis (Typ I und Typ II) hinsichtlich ihrer Gelenkbeteiligung, so findet man Gelenkbeschwerden häufiger bei Patienten mit einer Typ-II-Psoriasis. Diese Form betrifft überwiegend ältere Patienten (über 40 Jahre) und tritt nicht familiär gehäuft auf.

Diagnose bei Psoriasis-Arthritis

Eine Psoriasis mit Gelenkbeteiligung wird oftmals erst dann erkannt, wenn bereits mehrere Gelenke von den entzündlichen Prozessen betroffen sind. In der Regel kann nur eine eingehende körperliche Untersuchung, bei der verschiedene Gelenke begutachtet werden, zur richtigen Diagnose führen. Doch selbst für erfahrene Fachärzte ist es nicht immer leicht, erste Symptome wie Muskel- und Gelenkschmerzen oder Morgensteifigkeit mit einer beginnenden Psoriasis-Arthritis in Verbindung zu bringen.

Zwar gibt es keine eindeutigen Marker in den Blutwerten für die Erkrankung. Für die Abgrenzung zu anderen entzündlichen Gelenkerkrankungen ist die Laboruntersuchung des Blutes dennoch hilfreich.

Allgemeine Entzündungszeichen

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Marker, die eine Entzündung verraten, sind lediglich ein Hinweis für die Diagnose bei Psoriasis-Arthritis.
Getty Images/Comstock Images

Bei der Psoriasis-Arthritis handelt es sich um eine durch eine Autoimmunreaktion verursachte Entzündung eines oder mehrerer Gelenke. Dementsprechend können bei der Blutuntersuchung die so genannten unspezifischen Entzündungszeichen wie die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und das C-reaktive Potein (CRP) erhöht sein.

Mitunter kann es in Verbindung mit Infekten der Harnwege, des Darmes und der Haut zu einer Aktivierung der Psoriasis-Arthritis kommen. Erreger solcher Infektionen sind oft Streptokokken. Dann sind zeitweise vermehrt weiße Blutkörperchen und erhöhte Antikörperspiegel gegen Streptokokkenantigene nachweisbar.

Rheumafaktor

Wichtig ist die Untersuchung des Blutes auf den Rheumafaktor (RF). Er ist in der überwiegenden Anzahl der Fälle nicht nachweisbar, was eine Hilfe bei der Abgrenzung zur rheumatoiden Arthritis sein kann. Leider kann man sich darauf aber nicht hundertprozentig verlassen: Der Rheumafaktor ist bei den rheumatoiden Verläufen der Psoriasis-Arthritis, die auch im klinischen Erscheinungsbild der rheumatoiden Arthritis ähnlich sind, manchmal trotzdem nachweisbar.

Bei Patienten, bei denen die Wirbelsäule betroffen ist, lässt sich zudem häufig der genetische Risikomarker HLA-B27 finden.

Untersuchung der Gelenkflüssigkeit und Harnsäurewert

In Zweifelsfällen kann auch eine Untersuchung der Gelenkflüssigkeit sinnvoll sein. Das Gelenk wird dabei unter sterilen Bedingungen punktiert. Die Farbe des Punktats bei der Psoriasis-Arthritis ist gelb bis grünlich, es ist leicht getrübt und weniger zähflüssig als normal. Die Zahl der weißen Blutkörperchen sowie die Aktivität von bestimmten Enzymen sind darin typischerweise erhöht.

Ebenfalls zur Abgrenzung von anderen Gelenkerkrankungen dient die Bestimmung der Harnsäure. Eine deutliche Erhöhung wäre hier bei der Gicht zu erwarten, leicht erhöhte Harnsäurespiegel können jedoch gelegentlich auch bei der Psoriasis-Arthrotis.

Szintigraphie macht  Veränderungen an Knochen sichtbar

Unter den bildgebenden Verfahren eignet sich vor allem die Szintigraphie zur Diagnose und Verlaufskontrolle der Psoriasis-Arthritis. Bei dem Verfahren werden schwach radioaktive Substanzen gespritzt. Diese sammelt sich im Skelett in solchen Bereichen an, wo ein erhöhter Knochenstoffwechsel abläuft und werden durch das bildgebende Verfahren sichtbar gemacht.

Vermehrte Stoffwechselaktivität im Knochen ist ein Hinweis für Knochenabbau oder aktive Entzündungen. Das Verfahren weist zwar sehr empfindlich nach, dass eine krankhafte Veränderung vorliegt, man kann damit jedoch nicht eindeutig auf die zu Grunde liegende Ursache schließen. Die Szintigraphie ist jedoch geeignet, um bei einer Psoriasis-Arthritis die Lokalisation sowie die Krankheitsaktivität abzuschätzen. Auch Hinweise auf den Verlauf, die Prognose und die Therapiebedürftigkeit können gewonnen werden.

Therapie: So wird Psoriasis-Arthritis behandelt

Der entzündlichen Befall von Gelenken und Knochen sollte frühzeitig behandelt werden, um folgenreiche Schäden zu verhindern. Die Behandlung stützt sich dabei auf mehrere Säulen, und ist mit dem klassischen Behandlungsschema bei Rheuma vergleichbar.

Bei der Behandlung ist eine Vielzahl von Faktoren zu berücksichtigen. Art und Ausmaß der Haut- und Gelenksymptome gehören ebenso dazu wie das Alter und Geschlecht des Patienten, die von ihm empfundene Beeinträchtigung durch die Beschwerden, bereits früher durchgeführte Therapien, begleitende Erkrankungen und deren Behandlungsformen sowie ein bestehender Kinderwunsch bei Frauen.

Medikamente bei Psoriasis-Arthritis

Leichte Formen der Psoriasis-Arthritis können zunächst mit nichtsteroidalen antientzündlichen Wirkstoffen (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen behandelt werden. Der zusätzliche Einsatz von niedrig dosierten Glukokortikoiden (Kortison) ist möglich, wobei jedoch eine gewisse Vorsicht geboten ist, da NSAR-Präparate und Kortison bestehende Hautsymptome einer Schuppenflechte zuweilen verschlechtern.

Bei einem akuten Verlauf der Psoriasis-Arthritis und beginnender Gelenkzerstörung wird ein frühzeitiger Einsatz so genannter Rheuma-Basismittel (DMARDs) empfohlen. Sie wirken Entzündungsreaktionen entgegen und verhindern eine Zerstörung der befallenen Gelenke. Einige der Bei Rheuma eingesetzten Basismittel sind jedoch für die Psoriasis-Arthritis nicht zugelassen, sind nicht genügend wirksam oder führen zu erheblichen Nebenwirkungen. 

Als wirksame und sichere Behandlungsoption gegen Psoriasis-Arthritis haben sich zudem die so genannten TNF-alpha-Blocker erwiesen. Neben der Verbesserung von Hautsymptomen und der Linderung von Gelenkbeschwerden wirken sie nachweislich der Zerstörung befallener Knochenabschnitte entgegen. Auch die mitunter bei Psoriasis-Arthritis auftretenden Entzündungen von Fingern oder Zehen (Daktylitis) sowie Entzündungen am Übergang von Sehnen auf den Knochen (Enthesitis), die bislang nur schwer behandelbar waren, lassen sich durch diese Wirkstoffe lindern.

Begleitende Therapie

Frühzeitig sollte mit einem Einsatz physikalischer Therapie, zum Beispiel Balneotherapie (Bädertherapie), und Krankengymnastik begonnen werden. Sie unterstützen die Schmerzlinderung, beeinflussen Entzündungen günstig und verbessern die Beweglichkeit der Gelenke.

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Letzte Aktualisierung: 03. Februar 2017
Durch: es

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