Gelenkentzündung bei Schuppenflechte

Psoriasis-Arthritis

Bei der Psoriasis-Arthritis handelt es sich um eine entzündlich-rheumatische Gelenkerkrankung. Wird die Erkrankung nicht rechtzeitig und konsequent behandelt, kann es zur fortschreitenden Zerstörung der Gelenke kommen.

Frau mit Knieschmerzen
Psoriasis-Arthritis ist eine Verlaufsform der Schuppenflechte. Zusätzlich zu Hautveränderungen entzünden sich die Gelenke an verschiedenen Körperregionen.
© iStock.com/PhotoBylove

Die Psoriasis-Arthritis – auch Psoriasis arthropatica genannt – ist eine chronisch entzündliche Gelenkerkrankung, die in Schüben verläuft. Bis zu 30 Prozent aller Menschen mit Schuppenflechte (Psoriasis) erkranken im Laufe ihres Lebens auch an Psoriasis-Arthritis. Männer und Frauen sind dabei etwa gleich häufig betroffen. Auch Kinder können betroffen sein. Bei einem Auftreten der Erkrankung vor dem 16. Lebensjahr wird sie als juvenile Psoriasis-Arthritis bezeichnet. Meist beginnen die Beschwerden jedoch zwischen dem 35. und 55. Lebensjahr und durchschnittlich zehn Jahre nach den ersten Hautsymptomen bei Schuppenflechte. Wie bei der Psoriasis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung.

Im Überblick:

  • Vielfältige Symptome bei Psoriasis-Arthritis
  • Ursachen und Risikofaktoren
  • Verlaufsformen
  • Diagnose bei Psoriasis-Arthritis
  • Therapie

Ursachen und Risikofaktoren für Psoriasis-Arthritis

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Die Ursache der Psoriasis-Arthritis sowie ihr genauer Entstehungsmechanismus sind noch nicht endgültig aufgeklärt. Man weiß aber inzwischen, dass es sich um sogenannte autoimmunologische Prozesse handelt, also um Reaktionen des Abwehrsystems gegen körpereigene Strukturen. Die Neigung, an einer Psoriasis-Arthritis zu erkranken, ist wie bei der Schuppenflechte ohne Gelenkbeteiligung genetisch bedingt. Diese erbliche Veranlagung bleibt lebenslang bestehen. Deshalb muss die Krankheit aber nicht zwangsläufig ausbrechen. Bestimmte genetische Merkmale finden sich gehäuft bei bestimmten Ausprägungsformen des Gelenkbefalls.

Zu der genetischen Veranlagung müssen in der Regel weitere Faktoren kommen, damit die Psoriasis-Arthritis ausbricht. Dazu gehören:

  • Stress und andere psychische Faktoren
  • Infektionskrankheiten
  • hormonelle Faktoren
  • Medikamente wie beispielsweise ACE-Hemmer bei Bluthochdruck

Auch Übergewicht als möglicher auslösender Faktor wird diskutiert. Gibt es in der engen Familie bereits eine Person, die an Psoriasis-Arthritis erkrankt ist, ist das Risiko, selber zu erkranken, deutlich erhöht.

Vielfältige Symptome bei Psoriasis-Arthritis

Die Beschwerden bei Psoriasis-Arthritis ähneln häufig denen einer rheumatoiden Arthritis oder des Morbus Bechterews. Meist ist zunächst ein Gelenk entzündet, was häufig das Knie ist. Bis zu vier Gelenke können zu Beginn der Erkrankung betroffen sein. Typisch ist, dass zunächst nur Gelenke einer Körperhälfte betroffen sind. Neben den Gelenken sind auch die Sehnenscheiden und die Sehnenansätze an den Knochen entzündet. Neben dem Knie sind häufig auch kleine Gelenke der Finger und Zehen betroffen. Im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis sind jedoch die Finger- und Zehenendgelenke betroffen. Auch eine Augenentzündung kann auftreten.

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Die betroffenen Gelenke sind typischerweise schmerzhaft, gerötet, geschwollen und überwärmt. Die Beweglichkeit ist dann eingeschränkt. Charakteristische Symptome der Psoriasis-Arthritis sind Morgensteifigkeit und Schmerzen in den betroffenen Gelenken. Diese Gelenkbeschwerden können den für Psoriasis typischen Hautveränderungen vorausgehen, gleichzeitig mit diesen auftreten oder diesen folgen. Unbehandelt führt die Psoriasis-Arthritis zu einer Funktionseinschränkung der betroffenen Gelenke und im schlimmsten Fall zu Deformationen.

Diagnose bei Psoriasis-Arthritis

Eine Psoriasis mit Gelenkbeteiligung wird oftmals erst dann erkannt, wenn bereits mehrere Gelenke von den entzündlichen Prozessen betroffen sind. In der Regel kann nur eine eingehende körperliche Untersuchung, bei der verschiedene Gelenke begutachtet werden, zur richtigen Diagnose führen. Doch selbst für erfahrene Fachärzte ist es nicht immer leicht, erste Symptome wie Muskel- und Gelenkschmerzen oder Morgensteifigkeit mit einer beginnenden Psoriasis-Arthritis in Verbindung zu bringen.

Zwar gibt es keine eindeutigen Marker in den Blutwerten für die Erkrankung. Für die Abgrenzung zu anderen entzündlichen Gelenkerkrankungen ist die Laboruntersuchung des Blutes dennoch hilfreich.

Allgemeine Entzündungszeichen

Bei der Psoriasis-Arthritis handelt es sich um eine durch eine Autoimmunreaktion verursachte Entzündung eines oder mehrerer Gelenke. Dementsprechend können bei der Blutuntersuchung die so genannten unspezifischen Entzündungszeichen wie die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und das C-reaktive Potein (CRP) erhöht sein.

Mitunter kann es in Verbindung mit Infekten der Harnwege, des Darmes und der Haut zu einer Aktivierung der Psoriasis-Arthritis kommen. Erreger solcher Infektionen sind oft Streptokokken. Dann sind zeitweise vermehrt weiße Blutkörperchen und erhöhte Antikörperspiegel gegen Streptokokkenantigene nachweisbar.

Rheumafaktor

Wichtig ist die Untersuchung des Blutes auf den Rheumafaktor (RF). Er ist in der überwiegenden Anzahl der Fälle nicht nachweisbar, was eine Hilfe bei der Abgrenzung zur rheumatoiden Arthritis sein kann. Leider kann man sich darauf aber nicht hundertprozentig verlassen: Der Rheumafaktor ist bei den rheumatoiden Verläufen der Psoriasis-Arthritis, die auch im klinischen Erscheinungsbild der rheumatoiden Arthritis ähnlich sind, manchmal trotzdem nachweisbar.

Bei Patienten, bei denen die Wirbelsäule betroffen ist, lässt sich zudem häufig der genetische Risikomarker HLA-B27 finden.

Untersuchung der Gelenkflüssigkeit und Harnsäurewert

In Zweifelsfällen kann auch eine Untersuchung der Gelenkflüssigkeit sinnvoll sein. Das Gelenk wird dabei unter sterilen Bedingungen punktiert. Die Farbe des Punktats bei der Psoriasis-Arthritis ist gelb bis grünlich, es ist leicht getrübt und weniger zähflüssig als normal. Die Zahl der weißen Blutkörperchen sowie die Aktivität von bestimmten Enzymen sind darin typischerweise erhöht.

Ebenfalls zur Abgrenzung von anderen Gelenkerkrankungen dient die Bestimmung der Harnsäure. Eine deutliche Erhöhung wäre hier bei der Gicht zu erwarten, leicht erhöhte Harnsäurespiegel können jedoch gelegentlich auch bei der Psoriasis-Arthrotis.

Szintigraphie macht  Veränderungen an Knochen sichtbar

Unter den bildgebenden Verfahren eignet sich vor allem die Szintigraphie zur Diagnose und Verlaufskontrolle der Psoriasis-Arthritis. Bei dem Verfahren werden schwach radioaktive Substanzen gespritzt. Diese sammelt sich im Skelett in solchen Bereichen an, wo ein erhöhter Knochenstoffwechsel abläuft und werden durch das bildgebende Verfahren sichtbar gemacht.

Vermehrte Stoffwechselaktivität im Knochen ist ein Hinweis für Knochenabbau oder aktive Entzündungen. Das Verfahren weist zwar sehr empfindlich nach, dass eine krankhafte Veränderung vorliegt, man kann damit jedoch nicht eindeutig auf die zu Grunde liegende Ursache schließen. Die Szintigraphie ist jedoch geeignet, um bei einer Psoriasis-Arthritis die Lokalisation sowie die Krankheitsaktivität abzuschätzen. Auch Hinweise auf den Verlauf, die Prognose und die Therapiebedürftigkeit können gewonnen werden.

Therapie: So wird Psoriasis-Arthritis behandelt

Der entzündlichen Befall von Gelenken und Knochen sollte frühzeitig behandelt werden, um folgenreiche Schäden zu verhindern. Die Behandlung stützt sich dabei auf mehrere Säulen, und ist mit dem klassischen Behandlungsschema bei Rheuma vergleichbar.

Bei der Behandlung ist eine Vielzahl von Faktoren zu berücksichtigen. Art und Ausmaß der Haut- und Gelenksymptome gehören ebenso dazu wie das Alter und Geschlecht des Patienten, die von ihm empfundene Beeinträchtigung durch die Beschwerden, bereits früher durchgeführte Therapien, begleitende Erkrankungen und deren Behandlungsformen sowie ein bestehender Kinderwunsch bei Frauen.

Medikamente bei Psoriasis-Arthritis

Leichte Formen der Psoriasis-Arthritis können zunächst mit nichtsteroidalen antientzündlichen Wirkstoffen (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen behandelt werden. Der zusätzliche Einsatz von niedrig dosierten Glukokortikoiden (Kortison) ist möglich, wobei jedoch eine gewisse Vorsicht geboten ist, da NSAR-Präparate und Kortison bestehende Hautsymptome einer Schuppenflechte zuweilen verschlechtern.

Bei einem akuten Verlauf der Psoriasis-Arthritis und beginnender Gelenkzerstörung wird ein frühzeitiger Einsatz so genannter Rheuma-Basismittel (DMARDs) empfohlen. Sie wirken Entzündungsreaktionen entgegen und verhindern eine Zerstörung der befallenen Gelenke. Einige der Bei Rheuma eingesetzten Basismittel sind jedoch für die Psoriasis-Arthritis nicht zugelassen, sind nicht genügend wirksam oder führen zu erheblichen Nebenwirkungen. 

Als wirksame und sichere Behandlungsoption gegen Psoriasis-Arthritis haben sich zudem die so genannten TNF-alpha-Blocker erwiesen. Neben der Verbesserung von Hautsymptomen und der Linderung von Gelenkbeschwerden wirken sie nachweislich der Zerstörung befallener Knochenabschnitte entgegen. Auch die mitunter bei Psoriasis-Arthritis auftretenden Entzündungen von Fingern oder Zehen (Daktylitis) sowie Entzündungen am Übergang von Sehnen auf den Knochen (Enthesitis), die bislang nur schwer behandelbar waren, lassen sich durch diese Wirkstoffe lindern.

Begleitende Therapie

Frühzeitig sollte mit einem Einsatz physikalischer Therapie, zum Beispiel Balneotherapie (Bädertherapie), und Krankengymnastik begonnen werden. Sie unterstützen die Schmerzlinderung, beeinflussen Entzündungen günstig und verbessern die Beweglichkeit der Gelenke.

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