Geschlechterunterschied bei Multipler Sklerose

MS: Warum Frauen so viel öfter betroffen sind

Frauen erkranken vier Mal so häufig an Multipler Sklerose wie Männer. Warum das so ist, konnten US-Forscher enträtseln. Den Schlüssel dazu fanden sie im Gehirn.

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Weibliche Gehirne sind offenbar anfälliger für Multiple Sklerose. Schuld ist ein Protein namens S1PR2.
Getty Images/iStockphoto

Weibliche Gehirne ticken ein wenig anders als männliche. Diese nach Gemeinplatz klingende Erkenntnis könnte das Verständnis und die Therapie von Multipler Sklerose (MS) einen großen Schritt nach vorne bringen. Das legen Ergebnisse nahe, die Forscher der Universität Washington (School of Medicine) erzielt haben. Sie untersuchten für ihre Studie einerseits Mäuse, andererseits an MS erkrankte und bereits verstorbene Menschen.

Protein S1PR2 in MS-Gehirnen übermäßig vorhanden

Mit Hilfe der Mäuse identifizierte das Team 20 genetische Unterschiede zwischen MS-Gehirnen und den Denkorganen gesunder Tiere. Eines dieser Gene trägt den Code für ein Eiweiß (Protein) namens S1PR2 - welches die Forscher auch in den Gehirnen der menschlichen MS-Patienten fanden. "Es war ein 'Bingo'-Moment", beschreibt die Studienautorin, Robyn Sue Klein.

Der kleine Unterschied reduziert die Blut-Hirn-Schranke

Das gefundene Protein macht die Barriere zwischen Blutgefäßen und Gehirn, die Blut-Hirn-Schranke, offenbar durchlässig für Immunzellen. Eben diese Zellen lösen im Fall einer MS-Erkrankung die Symptome der Multiplen Sklerose aus. Dazu gehören Lähmungen, Seh- und Sprachstörungen. In weiblichen Mäusegehirnen kommt das als Schuldiger überführte Protein weitaus häufiger vor.

Die Autorin hofft nun auf eine Methode, um die S1PR2-Konzentration im Gehirn lebender MS-Patienten zu messen. „Das ist ein spannender, erster Schritt hin zur Lösung des Rätsels, weshalb MS bei Frauen so dramatisch häufiger auftritt“, sagt Klein. Ebenso eröffne die Studie Möglichkeiten, die Häufigkeit des Auftretens von Multipler Sklerose zu verringern und die Symptome des Nervenleidens besser in den Griff zu bekommen.

Elf kleine Unterschiede zwischen Mann und Frau

Autor:
Letzte Aktualisierung: 12. Mai 2014
Quellen: PM der Washington School of Medicine über die "Gender gap" bei Multipler Sklerose

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