Schwierigkeiten beim Schlucken

Schluckbeschwerden: Was tun bei Dysphagie?

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Schluckbeschwerden kommen im Rahmen vieler Krankheiten vor. Nach der Ursache richtet sich auch die Behandlung – von Halstabletten über eine Schlucktherapie bis hin zur Operation reichen die Möglichkeiten. Woran erkennt man Schluckstörungen und was verursacht sie?

Frau hat Halsschmerzen und Schluckbeschwerden
© Getty Images/Davi Zapico

Schluckbeschwerden sind kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. Medizinisch ist die Rede von Schluckstörungen oder Dysphagie. Da Schlucken eine lebenswichtige Funktion des Körpers ist, können schwere Schluckbeschwerden auch gefährlich werden.

Artikelinhalte im Überblick:

Halsschmerzen: Welche Hausmittel helfen?

Behandlung von Schluckbeschwerden

Die Therapie von Dysphagie hängt von der Ursache ab. Gegen bakterielle Entzündungen und Pilzinfektionen können Ärzt*innen Antibiotika und Antipilzmittel (Antimykotika) verschreiben. Schluckbeschwerden im Rahmen einer Erkältung oder eines grippalen Infekts können meist mit Halswickeln, Gurgeln oder Halstabletten gelindert werden. Das hilft in der Regel auch gegen die begleitenden Halsschmerzen.

Hilfreich bei der Behandlung von anhaltenden Schluckstörungen ist die Schlucktherapie. Speziell ausgebildete Therapeut*innen, in der Regel aus der Logopädie, entwickeln ein individuelles Übungsprogramm – je nach Art der Schluckbeschwerden. Patient*innen trainieren zunächst unter Anleitung, später selbstständig zu Hause.

Es gibt verschiedene Arten des Schlucktrainings:

  • Wiederherstellende (restituierende) Verfahren zielen darauf ab, gestörte Schluckvorgänge wieder zu normalisieren. Fachleute setzen bestimmte Reize ein, zum Beispiel Dehnung, Pinseln, Klopfen, Kaltreize, Duft- und Geschmacksreize. Wirksam sind motorische Funktionsübungen für die Mund- und Gesichtsmuskulatur, Sprech- und Stimmübungen, Muskelentspannungs-, Atem-, Saug- und Blasübungen.

  • Kompensatorische Verfahren sollen das Schlucken erleichtern und werden zum Bestandteil des Alltags. Eine Möglichkeit besteht darin, die Konsistenz und Temperatur der Nahrungsmittel sowie die Größe der einzelnen Bissen zu verkleinern. Auch eine Änderung der Körperhaltung erleichtert das Schlucken, indem man den Kopf beispielsweise nach vorne beugt, dreht oder kippt. Daneben helfen bestimmte Schluckmanöver, die das Eindringen der Nahrung in die Luftwege verhindern.

Für Menschen mit Dysphagie gibt es außerdem spezielle Ess- und Trinkhilfen, zum Beispiel besonders gebogene Löffel, Becher mit ausgeschnittener Nasenkerbe, Strohhalme oder Schnabeltassen. Um das Schlucken zu erleichtern, können Betroffene Lebensmittel mit weicher, breiiger Konsistenz zu sich nehmen.

Operation bei Schluckbeschwerden

Eine Operation ist notwendig, wenn Tumoren im Bereich der oberen Verdauungsorgane die Beschwerden verursachen. Ein*e Chirurg*in beseitigt sie operativ. Ist der Tumor bösartig, folgen meist Chemotherapie oder Strahlentherapie. Manchmal ist eine vorübergehende künstliche Ernährung über eine Nasensonde nötig. Bei dauerhafter künstlicher Ernährung wird die perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG) eingesetzt, bei der eine Sonde zur Nahrungszufuhr durch die Bauchhaut in den Magen eingepflanzt wird. Sie stellt die Versorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen sicher.

Weitere Eingriffe sind – je nach Ursache der Schluckbeschwerden:

  • Durchtrennung des Muskels (Myotomie) am Speiseröhreneingang oder Lähmung dieses Muskels mit Botox (Botulinumtoxin A), wenn ein zu stark verengter oder verkrampfter Muskel die Schluckbeschwerden verursacht

  • Abtragung von Knochenneubildungen der Halswirbelsäulenkörper, wenn sie die Auslöser der Schluckstörungen sind

  • Verschluss des Kehlkopfs, wenn Speisen in die Luftröhre (Aspirationen) eindringen; manchmal wird der Kehlkopf auch vollständig entfernt

  • Luftröhrenschnitt (Tracheostoma) und Einsetzen einer Luftröhrenkanüle (Trachealkanüle), etwa bei fortgeschrittenem Kehlkopfkrebs

Schluckbeschwerden sind nicht selten

Schlucken ist ein ziemlich komplexer Vorgang, an dem viele Muskeln beteiligt sind. Das zentrale Nervensystem koordiniert und steuert den Schluckvorgang. Es sorgt dafür, dass alle Muskeln und Nerven gut zusammenspielen. Beschwerden beim Schlucken kommen relativ häufig vor. Fachleute schätzen, dass in Deutschland etwa sieben Prozent der Gesamtbevölkerung betroffen ist. Ältere Menschen leiden häufiger daran: Bei Menschen über 55 Jahren liegt der Anteil sogar bei 16 bis 22 Prozent.

Schluckbeschwerden: Ursachen sind äußerst vielfältig

Für eine Dysphagie gibt es verschiedenste Ursachen. So können die anatomischen Strukturen des Schluckweges verändert und die Schluckfunktion selbst gestört sein. Wie stark die Beschwerden sind, hängt davon ab, wie wichtig die geschädigte Struktur für den Schluckakt ist. Auch der Schweregrad der Schädigung und das Ausmaß des Funktionsverlustes spielen eine wichtige Rolle.

Häufige Gründe:

  • Entzündungen der Schleimhaut im Mund-Nasen-Rachenraum, zum Beispiel eine Rachenentzündung oder Mandelentzündung

  • Infektionen der Atemwege wie eine Erkältung oder Grippe

  • Pilzinfektionen im Mund und Rachen

  • Verbrühungen, Verätzungen im Mund und Rachenraum

  • Verschlucken von Fremdkörpern

  • Refluxkrankheit führt dazu, dass saure Magenflüssigkeit in die Speiseröhre aufsteigt, manchmal bis in den Schlund

  • gut- oder bösartige Tumoren, die im Bereich des Schluckweges liegen, wie beispielsweise Papillome

  • Tumoroperationen im Kopf-Hals-Bereich, vor allem bei Rachen-, Speiseröhren- und Kehlkopfkrebs; eine anschließende Strahlentherapie verstärkt die Schluckbeschwerden oft

  • Schlaganfall (Hirninfarkt) sorgt dafür, dass bestimmte Gehirnbereiche schlechter durchblutet werden; in der Folge sind Gehirnregionen betroffen, die den Schluckvorgang koordinieren oder am Schlucken beteiligte Muskeln zur Kontraktion anregen

  • neurologische Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Schädel-Hirn-Trauma

  • Nebenwirkungen von Medikamenten, zum Beispiel Neuroleptika

  • hohes Lebensalter verursacht funktionelle Störungen

  • Ausstülpungen im Rachenbereich, die sogenannten Zenker-Divertikel

  • vergrößerte Schilddrüse aufgrund von Jodmangel

  • Achalasie: lässt den Muskel verkrampfen, der die untere Speiseröhre zum Magen hin abschließt

  • Krampfadern in der Speiseröhre, etwa bei Menschen mit Leberzirrhose

  • verstärkte Knochenspornbildung im Bereich der Halswirbelsäule, welche den Speiseweg einengt

  • chronisch-entzündliche Speiseröhrenentzündung (eosinophile Ösophagitis) durch eine Nahrungsmittelallergie auf Milchprodukte, Eier, Weizen, Soja, Nüsse oder Meeresfrüchte

Schluckbeschwerden: Symptome ernst nehmen

Je nach Ursache der Dysphagie können folgende Symptome auftreten, die man ernst nehmen sollte:

  • Halsschmerzen, Schmerzen beim Schlucken

  • ständiges Druckgefühl oder Kloßgefühl im Hals oder hinter dem Brustbein

  • Nahrung oder Flüssigkeiten bleiben in der Kehle stecken

  • häufiges Verschlucken und Husten beim Essen und Trinken

  • häufiges Räuspern und Räusperzwang

  • Speichel läuft aus dem Mund

  • Nahrung tritt aus der Nase aus

  • Probleme und Störungen beim Kauen

  • Näseln, nasale Stimme

  • Stimm-, Sprach- und Sprechstörungen

  • Sodbrennen, Magendruck und Völlegefühl

  • Heiserkeit

  • starke Gewichtsabnahme

  • eingeschränkte Atmung

  • Fieber

Die Symptome können einzeln oder kombiniert auftreten – je nach zugrunde liegender Erkrankung. Im Verlauf der Dysphagie kann die Stärke der Beschwerden zu- und abnehmen, manchmal verlaufen die Symptome auch schubweise und es liegen Phasen ohne Beschwerden dazwischen.


Diagnose bei Verdacht auf Dysphagie

Erste Anlaufstelle bei Schluckbeschwerden ist die hausärztliche Praxis. Bei Bedarf werden Betroffene an eine*n Facharzt*ärztin überwiesen. Die Diagnose Dysphagie stellen Fachleute aus der HNO, Phoniatrie (Stimm-, Sprach-, Sprech- und Schluckerkrankungen), Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie, Gastroenterologie (Erkrankungen der Verdauungsorgane), Neurologie (Nervenerkrankungen), Radiologie und Psychosomatik.

Endoskopie und Biopsie: Schluckfunktion überprüfen, Krankheiten aufdecken

Zur Diagnose setzen Ärzt*innen die Spiegelung (Endoskopie) von Nase, Ohren, Rachen, Kehlkopf und Speiseröhre ein. Dabei wird geprüft, ob Strukturen im Bereich des Speiseweges verändert sind. Auch die Schluckfunktion mit und ohne Nahrungszufuhr (gefärbte Flüssigkeiten oder farbige Götterspeise) wird überprüft und ob beim Schlucken Speisen in die Luftwege (Aspiration) gelangen. Die Funktion der Kehlkopfnerven lässt sich mittels Elektromyographie – Messung der elektrischen Spannung im Muskel – ermitteln.

Die internistische Untersuchung hilft, gut- oder bösartige Speiseröhrentumoren und Krankheiten aufzudecken, bei denen Magensäure in die Speiseröhre zurückfließt (Sodbrennen, Refluxkrankheit). Eingesetzt wird zum Beispiel eine Magenspiegelung (Gastroskopie), bei der gleichzeitig Gewebeproben (Biopsien) entnommen werden können. Bei besonderen Fragestellungen helfen Druck- und Säuremessungen mittels kleiner Sonden innerhalb der Speiseröhre.

Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel

Mit Röntgen lassen sich Veränderungen sichtbar machen, die sich mittels Endoskopie nicht aufspüren lassen. Patient*innen schlucken dafür ein breiiges Kontrastmittel, um die Hohlräume des Speiseweges auf dem Röntgenbild sichtbar zu machen (Röntgen-Breischluck-Aufnahmen). Die Röntgenaufnahme zeigt zum Beispiel Aussackungen und Verengungen der Speiseröhre, Wanddefekte oder Störungen des Bewegungsablaufs beim Schlucken. Auch ein Rückfluss der Magensäure ist auf dem Röntgenbild sichtbar.

Weitere Untersuchungsmethoden:

Kann man Schluckbeschwerden vorbeugen?

Vorbeugen kann man Dysphagien nicht. Wer immer wieder Beschwerden beim Schlucken hat, sollte zeitnah ärztliche Hilfe suchen. Außerdem können diese allgemeinen Tipps helfen:

  • Langsam essen und die Nahrung gut kauen. Außerdem auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung achten, um Mangelzustände zu vermeiden.

  • Betroffene sollten möglichst nicht rauchen.

  • Auf einen geringen bis moderaten Alkoholkonsum achten, da Alkohol Erkrankungen in Mund, Rachen und Speiseröhre fördern kann.

  • Sodbrennen und Refluxkrankheit, die Schluckbeschwerden verursachen können, ausreichend behandeln lassen. Es gibt beispielsweise wirksame Medikamente, um die Produktion von Magensäure zu bremsen.

Sodbrennen: Was sollte man meiden und welche Hausmittel helfen?
Zusammenfassung


Was hilft gegen Schluckbeschwerden? Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Schluckstörungen. Werden sie durch eine Erkältung verursacht, können warmer Tee, Halswickel und Lutschpastillen oft helfen. Bei neurologischen Krankheiten ist dagegen eine Schlucktherapie angebracht. Und bei Tumoren erfolgt meist eine Operation kombiniert mit Chemo- und Strahlentherapie.

Ursachen: Die Gründe für Schluckstörungen sind sehr vielfältig und reichen von grippalen Infekten über die Refluxkrankheit bis zum Schlaganfall.

Symptome: Möglich sind begleitende Symptome wie beispielsweise Halsschmerzen, Fieber, Räusperzwang, näselnde Stimme, Verschlucken oder Sodbrennen.

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