Psychogene und körperliche Schwindelursachen

Schwankschwindel: Ursachen und Behandlung

Schwankt die Erde oder schwanke nur ich? Beide Gefühlsausprägungen sind beim Schwankschwindel möglich. Für die Behandlung ist der Ursprung des Schwindels entscheidend. In vielen Fällen sind Muskelverspannungen der Auslöser für Schwankschwindel. Bei einer Sonderform – dem phobischen Schwankschwindel – sind es psychische Faktoren.

frau schwindelig
Benommenheit zählt zu den Hauptsymptomen von Schwankschwindel.
© iStock.com/sdominick

Das Symptom Schwindel beschreibt eine Störung des Gleichgewichtssinns und ist nach Kopfschmerzen das zweithäufigste Leitsymptom überhaupt. Mediziner unterscheiden zwischen verschiedenen Schwindelformen. Zu den häufigsten zählen neben Schwankschwindel auch der Lagerungsschwindel und Drehschwindel. Beim Schwankschwindel verspüren Betroffene eine Benommenheit und meinen, selbst zu schwanken oder sie nehmen ihre Umgebung als schwankend wahr. Sie können sich deshalb kaum auf den Beinen halten oder aufrecht stehen. Manchmal ist dieses Schwanken auch für andere von außen wahrnehmbar.

Die Betroffenen sagen, sie gingen wie auf Watte oder der Untergrund trage sie nicht, alles wackle. Die erhöhte Fallneigung führt teilweise zu einer extremen Verunsicherung und Betroffene haben Angst, bei Schwindelanfällen den Boden unter den Füßen zu verlieren.

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Ursachen: So entsteht Schwankschwindel

Die Ursachen von Schwankschwindel können entweder muskuläre Verspannungen oder psychogene Faktoren sein. Im zweiten Fall spricht man von phobischem Schwindel, hinter dem zum Beispiel eine Angststörung stecken kann.

Schwankschwindel durch Verspannungen

Liegt die Ursache des Schwankschwindels in Verspannungen der oberen Körperregion, so betrifft dies die Muskulatur der Halswirbelsäule, also von Nacken, Schulter und Hals. Daneben kommen auch die mimischen Muskeln der Augenpartie, gemeinsam mit dem für den Lidschluss verantwortlichen Corrugator-Muskel sowie den Stellmuskeln des Augapfels als mögliche Verspannungsquellen infrage. Schwankschwindel kann somit auch entstehen, wenn aufgrund einer falschen Brillenstärke ständig die Augen zusammengekniffen werden, um manuell mehr Sehschärfe zu erzielen. Auch ein falsch eingestellter Brennpunkt oder Fokus der Brillengläser, der das Auge zum Schielen zwingt, kann eine permanente Verspannung dieser Muskeln erzeugen.

Entsteht das Schwankschwindelgefühl nicht in Ruhe, sondern zeigt sich beim Laufen – etwa durch einen Gleichgewichtsverlust mit dem Gefühl, seitlich wegzurutschen – ist die Ursache in den Muskeln an der Hüfte, den Beinen oder dem Fuß, insbesondere in der Fußsohle, zu suchen. Dann besteht häufig auch eine Gangunsicherheit mit einer Schiefhaltung des Körpers, die oft durch Stürze mit Folgeverletzungen und Operationen oder auch durch eine angewöhnte Schonhaltung wie dem Stehen auf einem Bein hervorgerufen werden kann.

Was ist phobischer Schwankschwindel?

Hinter mehr als der Hälfte aller Formen von Schwindel stecken keine körperlichen, sondern psychische Ursachen. Auch beim Schwankschwindel sind psychische Auslöser denkbar. Die als psychogener oder phobischer Schwankschwindel sowie als Angstschwindel bezeichnete Gleichgewichtsstörung entsteht häufig bei Endzwanzigern und erreicht ihren Höhepunkt meist im Alter zwischen 30 und 40 Jahren.

Oft sind besondere psychische Belastungen ausreichend, um die Schwindelsymptome auszulösen. So kann Angstschwindel in einer traumatischen Belastungssituation, durch Stress am Arbeitsplatz oder in einer unerfüllten Beziehung sowie durch einen schweren Verlust hervorgerufen werden.

Bei über einen längeren Zeitraum anhaltenden Schwankschwindelanfällen können Angststörungen sowie neurologische Erkrankungen wie Depressionen der Grund für die Schwindelattacken sein. In den meisten Fällen steckt eine Panikstörung dahinter. Auch eine soziale Phobie sowie spezifischere Formen von Phobien wie die Angst vor großen Menschenansammlungen (Enochlophobie) oder Platzangst (Agoraphobie) können phobische Schwindelanfälle verursachen. Betroffene entwickeln in solchen Fällen unbewusst häufig Vermeidungsstrategien, um auslösende Reize und damit die Schwindelanfälle zu umgehen.

Beim psychogenen Schwankschwindel kann die Ursache für die eigentlichen Schwindelattacken allerdings – wie beim körperlich bedingten Schwankschwindel auch – in Verspannungen der Muskulatur liegen. Ist dies der Fall, sprechen Mediziner dennoch von Angstschwindel und zwar immer dann, wenn davon auszugehen ist, dass die Muskelverspannungen auf anhaltende emotionale Belastungssituationen oder ernsthafte psychische Erkrankungen wie eine Depression oder Angststörung zurückzuführen sind.

Symptome von Schwankschwindel

Für Patienten mit Schwankschwindel aufgrund von Muskelverspannungen in oberen oder unteren Körperregionen sind folgende Symptome typisch:

  • Schwindelgefühle und -attacken (das Gefühl, dass die Erde oder man selbst schwankt)
  • plötzliches Benommenheitsgefühl
  • Stand- und Gangunsicherheiten
  • Nystagmus (rhythmisch unkontrollierbare Bewegung der Augen)

Zusätzlich sind beim psychogenen Schwindel je nach psychischer Ursache weitere Symptome denkbar:

Die erlebte Angst wird von Betroffenen meist als Folge des Schwindels vermutet. Im Normalfall ist es allerdings umgekehrt und die Angsterkrankung löst die Schwindelsymptome aus. Bei sportlichen Aktivitäten erleben einige Patienten eine Besserung der Beschwerden.

Diagnose: Schildkrötenhaltung verrät den Schwankschwindel

Bei der körperlichen Untersuchung zeigen sich beim Schwankschwindel mit körperlicher Ursache dauerhafte, muskuläre Verspannungen in den jeweiligen Muskeln oder dem sie umgebenden Bindegewebe unter der Haut. Dem Arzt fallen diese Patienten durch die typische Kopfhaltung auf: Anfangs wird der Kopf aufgrund der einseitigen Muskelverspannung in eine Schieflage gezwungen.

Hält die Verspannung langfristig an, so kompensiert der Körper diese Schieflage, indem auch die eigentlich gesunden Muskeln der Gegenseite angespannt und damit verkürzt werden. So sind beide Muskelpartien dann längenmäßig ausgeglichen und der Kopf wieder gerade ausgerichtet. Jedoch wird er komplett näher an die Schulterpartie herangezogen und erzeugt in dieser Schonhaltung weitere Verspannungen, was wiederum den Schwankschwindel verstärkt. Mediziner bezeichnen diese Kopfstellung entsprechend einem Bild aus dem Tierreich dann als Schildkrötenhaltung, da der Kopf augenscheinlich in Richtung des Brustkorbs eingezogen wird.

Diagnostik des phobischen Schwankschwindels

Beim phobischen Schwankschwindel ist eine eindeutige Diagnosestellung schwieriger, da Betroffene selbst häufig davon ausgehen, dass die Schwindelanfälle auf körperliche Ursachen zurückzuführen sind. So bleibt der wirkliche Auslöser in vielen Fällen zunächst unerkannt. Können bei der Untersuchung nicht die für Schwankschwindel typischen körperlichen Ursachen gefunden werden, müssen weitere mögliche organische Ursachen ausgeschlossen werden. Dazu gehören unter anderem Durchblutungsstörungen im Bereich des Hirnstamms, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Polyneuropathie, eine Erkrankung des peripheren Nervensystems.


Eine Untersuchungsmöglichkeit bei Angstschwindel ist die Posturographie (Gleichgewichtsanalyse), bei der durch einen Neurologen oder HNO-Arzt ermittelt wird, ob die Gleichgewichtsregulation normal funktioniert. Beim phobischen Schwankschwindel ist dabei ein typisches Muster zu erkennen: im normalen Stand ist ein erhöhtes Schwanken zu beobachten. Je schwieriger die Übungen sind, unter denen Patienten versuchen sollen, die Balance zu halten, umso besser können sie in der Regel ihr Gleichgewicht koordinieren.

Mediziner werden den Patienten außerdem auf einen Nystagmus hin untersuchen. Das ist eine rhythmisch unkontrollierbare Bewegung der Augen, die bei einem auf körperliche Ursachen zurückzuführenden Schwindel zu erkennen ist, wohingegen sie beim Angstschwindel fehlt.

Was tun bei Schwankschwindel?

Die Behandlung zielt bei Schwankschwindel immer darauf ab, nicht das Symptom, sondern dessen Ursache zu therapieren, weshalb verschiedene Behandlungsmethoden infrage kommen. Bei Verspannungen wird versucht, diese beispielsweise durch Physiotherapie oder Wärmeanwendungen zu lösen. Beim phobischen Schwankschwindel werden in erster Linie psychotherapeuthische Maßnahmen eingesetzt.

Therapie bei Schwankschwindel durch Verspannungen

Bei Schwankschwindel mit körperlicher Ursache ist der Ort der Verspannung maßgeblich. Erst wenn die Quelle des Schwankschwindels, also die Region der Muskelverspannung, gefunden wurde, können die Verspannungen mittels Physiotherapie und beispielsweise Wärmeanwendungen gezielt gelöst werden. Man kann die Verspannungen, Alltagsgewohnheiten und Fehlhaltungen, die zu Schwankschwindel führen, nicht einfach abstellen – selbst wenn sie einem bewusst werden. Korrekturversuche durch "Geradehalten" scheitern daran, dass man der einen Spannung eine andere entgegensetzt.

Entstehen die Muskelverhärtungen durch eine orthopädische Fehlstellung, kann mittels Einlagen in den Schuhen eine Korrektur der Körperhaltung vorgenommen werden. Physiotherapie und Krafttraining stärken die Stützmuskulatur und sollen haltungsbedingte Schäden verhindern. Eine begleitende Therapie mit einem leichten Muskelrelaxans und Schmerzmitteln ist ebenso möglich.

Sind verspannte Muskeln der Augenpartie die Ursache für den Schwankschwindel, wird das Sehvermögen überprüft und gegebenenfalls eine Sehhilfe verschrieben beziehungsweise die Brillen- oder Kontaktlinsenstärke angepasst.

Was tun gegen phobischen Schwankschwindel?

Beim phobischen Schwankschwindel können psychotherapeuthische Maßnahmen wie eine Verhaltenstherapie und eine Aufklärung über die Ursachen der Schwindelattacken zu einer Verbesserung der Schwindelsymptome führen. In schweren Fällen wird eine Behandlung mit angstlösenden Medikamenten, Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI), empfohlen.

Hilfreich können bei dieser Form des Schwindels auch ein Gleichgewichtstraining sowie das Führen eines Gleichgewichtstagebuches sein. Beim Gleichgewichtstraining setzen sich Betroffene unter Anleitung gezielt den schwindelauslösenden Situationen aus, um das Vertrauen in den eigenen Gleichgewichtssinn wiederzuerlangen und den Angstschwindel so schneller zu besiegen.

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