Wie oft ist normal?

Harndrang: Häufiges Wasserlassen kann Alarmsignal sein

Frauen kennen das Gefühl von ständigem Harndrang vor allem aus der Schwangerschaft, Männer leiden oft aufgrund von Prostatavergrößerungen darunter. Welche Ursachen das häufige Wasserlassen haben kann, warum gerade nachts die Blase drückt und welche Behandlungen helfen.

Harndrang: Häufiges Wasserlassen kann Alarmsignal sein
Häufiges Wasserlassen? Wenn der nächtliche Harndrang einen mehrmals zum Aufstehen zwingt, sollte die Ursache abgeklärt werden.
© iStock.com/Sergey Dogadin

Harndrang entsteht, wenn Nerven der Harnblasenwand oder des Blasenverschlusses dem Gehirn einen hohen Füllungsstand der Blase signalisieren. Dies ist ein an sich normaler körperlicher Vorgang. Häufiges Wasserlassen oder auch plötzlicher, unaufschiebbarer Harndrang kann allerdings Folge einer Erkrankung oder Blasenfunktionsstörung sein und bedarf deshalb zur Sicherheit der Diagnose eines Experten.

Wie wird Harndrang ausgelöst?

Urin oder Harn wird in den Nieren durch ein komplexes Filtrationsverfahren aus Blut gewonnen. Wichtige Blutbestandteile werden im Körper zurückgehalten, überschüssige Substanzen wie Wasser, Salze, verschiedene Stoffwechselprodukte und einige Giftstoffe werden hingegen abgetrennt und gelangen über die Harnleiter zur Harnblase. Von dort werden sie kontrolliert ausgeschieden.

Zu Harndrang kommt es ab einem Füllungsstand der Blase, der von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Auslöser des Harndrangs sind Nerven in der Blasenwand und im Blasenverschluss. Sie melden an das Gehrin, dass die Speicherfähigkeit der Blase weitgehend ausgeschöpft ist und die Blase entleert werden sollte.

Hilfe bei häufigem und nächtlichem Harndrang

Entscheidend für eine normale Blasenfunktion beziehungsweise einen normalen Harndrang sind die korrekte Meldung des Füllungsstands der Blase an das Gehirn, die ordnungsgemäße Funktion des Blasenverschlusses und der zusammenziehenden Muskulatur der Blasenwand sowie die willentliche Kontrolle über die Blasenentleerung. Deshalb sollte der Harndrang auch nicht absichtlich zu oft unterdrückt werden, denn das kann die Muskulatur schwächen.

Wie oft ist Harndrang normal?

Normalerweise bildet der Körper etwa 1,5 Liter Urin pro Tag (Normalbereich: 0,5 bis zwei Liter pro Tag). Blasenentleerungen erfolgen bei Erwachsenen während des Tages etwa alle vier bis sechs Stunden. Während der Nacht dient die Harnblase als Speicher für den Urin, so dass der Schlaf im Regelfall nicht unterbrochen werden muss, um wasserzulassen.

Die Blase von Frauen kann weniger Urin speichern als die von Männern. Der Grund dafür ist im Bauchraum zu finden, denn die Gebärmutter macht der Blase den Platz streitig. Wie oft ein Mensch zur Toilette muss, ist aber auch abhängig vom Alter. Babys nässen rund 20 Mal pro Tag ein, Kinder zwischen einem und zwei Jahren etwa zwölf Mal, zwischen zwei und drei Jahren etwa zehn Mal. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) e.V. empfiehlt, dass Kinder zwischen vier und zwölf Jahren täglich etwa sieben Mal die Blase entleeren sollten. Die Experten raten dazu, den Toilettengang nicht hinauszuzögern oder zu unterdrücken, damit das Kind nicht verlernt, den Schließmuskel zu öffnen und zu entspannen und eine Blasenentleerungsstörung verhindert wird. Ab einem Alter von zwölf Jahren sollten Jugendliche vier bis fünf Toilettengänge zur Entleerung der Blase einplanen.

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Abweichungen vom normalen Harndrang können sich auf verschiedene Arten bemerkbar machen. In der medizinischen Fachsprache werden folgende Begriffe für die Beschwerden verwendet:

  • Polyurie: Ausscheidung von deutlich mehr als 2 l Urin pro Tag
  • Pollakisurie: häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen
  • Anurie: Ausbleiben der Harnausscheidung (weniger als 100 ml pro Tag)
  • Algurie: Schmerzen beim Wasserlassen
  • Nykturie: nächtliches Wasserlassen

Harndrang: Ursachen für häufiges Wasserlassen

Vermehrter Harndrang ist zunächst einmal ein Phänomen, das bei großen Trinkmengen auftritt – zum Beispiel nach starkem Schwitzen. Er kann aber auch auf Erkrankungen zurückzuführen sein, die zu Reizungen der Blasennerven führen. In diesem Fall werden falsche Informationen über den Blasenfüllungsstand an das Gehirn weitergeleitet. Dadurch entsteht Harndrang, obwohl unter Umständen nur wenig Urin in der Blase gespeichert ist. Bei einigen Erkrankungen tritt der zugehörige Harndrang so plötzlich und so stark auf (imperativer Harndrang), dass die Blase sich manchmal entleert, bevor eine Toilette erreicht werden kann (Dranginkontinenz).

Ebenso gut können die Ursachen für häufiges Wasserlassen harmloser Natur sein. Schwangere Frauen leiden zum Beispiel darunter, weil die wachsende Gebärmutter im wahrsten Sinne des Wortes auf ihre Blase drückt.

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Ursachen für Harndrang und häufiges Wasserlassen im Überblick

Vermehrter Harndrang ist ein Symptom, das beispielsweise auf folgende Ursachen zurückzuführen ist:

  • große Trinkmengen
  • Erkrankungen, die vermehrten Durst bewirken – wie Diabetes
  • Blasenfunktionsstörungen
  • Entzündungen
  • Harnsteine
  • psychisch belastende Situationen wie zum Beispiel Angst, Aufregung oder Stress

Im Detail können die Ursachen für häufiges Wasserlassen folgendermaßen unterschieden werden.

Ursachen für häufigen Harndrang mit schmerzhaftem Wasserlassen (kleine Mengen an Urin):

Ursachen für häufigen Harndrang mit schmerzlosem Wasserlassen:

  • Prostatavergrößerung: nur schwacher Harnstrahl, unvollständige Blasenentleerung
  • Glomerulonephritis: Entzündung der Nierenkörperchen, Blut im Urin
  • vermehrter Durst: zum Beispiel als Folge von Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Diabetes insipidus. Letzteres ist eine Hormonerkrankung, bei der es zu einer extrem erhöhten Urinausscheidung kommt, weil Steuersignale zur Rückgewinnung von Wasser aus dem Urin die Nieren nicht erreichen oder dort nicht wirken. Die Erkrankung geht mit extremem Durstgefühl und enormen Trinkmengen (bis zu 20 l und mehr pro Tag) einher.

Weitere Ursachen für veränderten Harndrang können sein:

  • Einnahme von harntreibenden Medikamenten (Diuretika, "Wassertabletten") oder anderer Arzneimittel
  • Bei Frauen: Gebärmuttersenkung, Schwäche der Beckenbodenmuskulatur
  • Schwangerschaft
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz) – während des Tages lagert sich Wasser im Körper in Gestalt von Ödemen ein, das nachts wieder ausgeschieden wird und zu nächtlichem Harndrang führt
  • Harninkontinenz (Dranginkontinenz): Plötzlicher Harndrang, bei dem der Toilettengang unaufschiebbar ist. Häufig gehen einige Tropfen Urin bereits vor dem Toilettengang ab.
  • Blasentumor

Häufiges Wasserlassen nachts – was steckt dahinter?

In der Regel ist die Blase dazu in der Lage, den Urin über Nacht zu speichern. Nächtliches Wasserlassen stellt daher im Normalfall die Ausnahme dar – zum Beispiel nach einer erhöhten Flüssigkeitsaufnahme in den Stunden vor dem Schlafengehen. Häufiges Wasserlassen von zwei oder mehreren Malen pro Nacht ist ein Symptom, das auf verschiedene Ursachen hindeuten könnte, und sollte ärztlich abgeklärt werden. Bei Männern kann beispielsweise eine (gutartig) vergrößerte Prostata dahinterstecken. Aber auch Hormonstörungen zählen zu den möglichen Ursachen.

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. warnt, dass Nykturie – wie das nächtliche Wasserlassen in der Fachsprache genannt wird – ein verbreitetes Leiden ist. Doch obwohl es vielen Menschen den Schlaf raubt, werden die Folgen oft unterschätzt: "Fälschlicherweise wird Nykturie in der Bevölkerung vielfach als eine unvermeidbare Alterserscheinung, vorrangig des Mannes, abgetan, obwohl es der Abklärung der individuellen Ursachen bedarf", erklärt Prof. Dr. Kurt Miller, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) in einer Pressemitteilung.

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Häufiges Wasserlassen – ein Warnsignal für Diabetes?

Übermäßiger Harndrang gehört zusammen mit anderen Symptomen wie starkem Durst zu den Symptomen von Diabetes Typ 1 (Autoimmunerkrankung) und Typ 2 (Diabetes mellitus, Stoffwechselerkrankung). Der Grund: Der Körper versucht auf diese Weise die überflüssige Glukose, also den Zucker, loszuwerden. Der Harndrang ist in diesen Fällen auch dann erhöht, wenn vorher keine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme stattfand: Betroffene scheiden eine große Flüssigkeitsmenge aus, obwohl sie zuvor nur wenig getrunken haben.

Das Symptom tritt bei Diabetes Typ 1 vor allem in jüngeren Lebensjahren auf. Eltern sollten bei Beschwerden ihrer Kinder daher den Arzt kontaktieren. Neben häufigem Wasserlassen kommt es in solchen Fällen öfters auch zu Symptomen wie Gewichtverlust, Müdigkeit, Schwindel und Schwächegefühl. Bei der Stoffwechselerkrankung Diabetes Typ 2 ist häufiges Wasserlassen seltener Anlass für die Diagnose: Hier wird die Krankheit oft erst nach Jahren erkannt, wenn schon Folgeerkrankungen bestehen.

Diagnose: So klärt der Arzt die Ursachen von häufigem Wasserlassen ab

Bei der Diagnose von Harndrang kommt dem Arztgespräch (Anamnese) eine herausragende Bedeutung zu. Angaben zur Häufigkeit des Wasserlassens, der Ausscheidungsmenge, nächtlichem Harndrang, Schmerzen, Durstgefühl oder Medikamenteneinnahme weisen oft den Weg zur Krankheitsursache. Blut- und Urinuntersuchungen, Ultraschall- und eventuell Röntgenaufnahmen werden individuell vorgenommen.

Im Arztgespräch wird geklärt, in welcher Form sich der Harndrang äußert, etwa ob das häufige Wasserlassen mit größeren oder eher unbedeutenden Ausscheidungsmengen verbunden ist. Außerdem werden Begleitsymptome wie Schmerzen, Brennen oder pulsierende Blasenentleerung erfasst. Wichtig ist auch die Unterscheidung, ob die Beschwerden akut aufgetreten sind oder bereits seit einer geraumen Zeit bestehen. Ein Ausscheidungsprotokoll, in dem jeweils die Uhrzeit, die Urinmenge und Besonderheiten wie Schmerzen oder Blutbeimengungen beim Wasserlassen erfasst werden, kann helfen, das Symptom Harndrang genauer zu beschreiben. Aussagen zu Durstgefühl, körperlicher Leistungsfähigkeit und Medikamenteneinnahme liefern Hinweise auf Erkrankungen von Herz und Nieren sowie Störungen der hormonellen Regulation der Harnausscheidung.

Die körperliche Untersuchung sowie die Laboranalyse von Blut und Urin grenzen die Ursachen des Harndrangs weiter ein. Hier werden insbesondere der Blutzucker, die Nierenfunktion (Kreatininwert) und verschiedene Hormonwerte sowie Veränderungen bestimmt, die auf Infektionen hinweisen.

Mittels Ultraschall werden die Nieren, die Harnblase und die benachbarten Organe untersucht. So können unter anderem gewisse Harnsteine, eine Prostatavergrößerung oder auch der jeweilige Füllungsstand der Blase erkannt werden. Ebenso lässt sich mit Ultraschall die Herzfunktion erfassen. Bei Bedarf können Röntgenaufnahmen bei Verdacht auf Harnleitersteine und Spezialuntersuchungen wie Harnflussmessungen eingesetzt werden, um die Diagnose endgültig zu sichern.

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Therapie: Wie wird häufiges Wasserlassen oder nächtlicher Harndrang behandelt?

Die Behandlung von Harndrang ist vom Ursprung der Beschwerden abhängig. Nach Möglichkeit wird versucht, die jeweilige Ursache des Harndrangs auszuräumen, also beispielsweise Infektionen durch Antibiotika zu behandeln, Harnsteine zu entfernen oder Hormonstörungen zu beheben. Bei häufigem Wasserlassen als Folge der Dranginkontinenz kann ein spezielles Training helfen, den Toilettengang hinauszuzögern und die Blase an zunehmend größere Füllungsmengen zu gewöhnen (Toilettentraining).

Kleinere Harnsteine, die bereits in die Blase gelangt sind, können in vielen Fällen auf natürlichem Weg ausgeschieden werden. Größere Blasensteine und Steine, die im Harnleiter feststecken, werden von Urologen entweder im Verlauf einer Blasen- und Harnleiterspiegelung zerkleinert oder durch Schallwellen von außen zertrümmert (extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie: ESWL).

Hormonstörungen werden in der Regel medikamentös behandelt. Liegt eine Zuckerkrankheit vor, ist eine angemessene Einstellung des Blutzuckerspiegels erforderlich.

Verbirgt sich eine Schädigung der Nieren hinter dem Harndrang, steht die Unterstützung der Nierenfunktion im Vordergrund. Dazu wird beispielsweise erhöhter Blutdruck, der für die Nieren besonders schädlich ist, gesenkt und die Ausscheidung durch harntreibende Medikamente unterstützt.

Operative Eingriffe sind häufig erforderlich, wenn beispielsweise eine vergrößerte Prostata oder eine Gebärmuttersenkung das häufige Wasserlassen auslöst. Bei plötzlichem Harndrang und unwillkürlichem Harnverlust in Folge einer Dranginkontinenz, als eine Form der Blasenschwäche, kann gegebenenfalls ein gezieltes Blasen- und Beckenbodentraining angezeigt sein. Spezielle Vorlagen schaffen ein Gefühl der Sicherheit und können helfen, die Lebensqualität zu steigern.

Hausmittel bei häufigem Wasserlassen

Einfache Blaseninfektionen lassen sich mitunter durch eine erhöhte Trinkmenge und spezielle Nieren- und Blasen-Tees behandeln. Ist nach ein oder zwei Tagen allerdings keine grundlegende Besserung eingetreten, ist eine ärztliche Behandlung unverzichtbar, da Infektionen aus der Blase in die Niere aufsteigen und diese gefährden können. Auf den Einsatz von Antibiotika kann daher oft nicht verzichtet werden, um den Infekt zu bekämpfen und eine Beteiligung der Nieren zu verhindern.

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