Wie oft ist normal?

Harndrang: Häufiges Wasserlassen kann Alarmsignal sein

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Harndrang ist ein normales Signal des Körpers, wenn die Blase gefüllt ist. Wenn er aber sehr häufig – auch mit Wasserlassen – auftritt, kann dies ein Hinweis auf eine Störung sein. Mögliche Ursachen für ständigen Harndrang und was helfen kann.

Häufiges Wasserlassen bei starkem Harndrang kann ein Hinweis auf eine Blasenfunktionsstörung sein.
Häufiges Wasserlassen? Wenn der nächtliche Harndrang einen mehrmals zum Aufstehen zwingt, sollte die Ursache abgeklärt werden.
© iStock.com/KittisakJirasittichai

Häufiger Harndrang ist nicht nur lästig, er kann auch Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung. Diese Ursachen stecken dahinter.

Im Überblick:

Hilfe bei häufigem und nächtlichem Harndrang

Wie wird Harndrang ausgelöst?

Urin oder Harn wird in den Nieren durch ein komplexes Filtrationsverfahren aus Blut gewonnen. Wichtige Blutbestandteile werden im Körper zurückgehalten, überschüssige Substanzen wie Wasser, Salze und Mineralstoffe, verschiedene Stoffwechselprodukte sowie einige Giftstoffe werden hingegen abgetrennt und gelangen über die Harnleiter zur Harnblase. Von dort werden sie kontrolliert ausgeschieden.

Zu Harndrang kommt es ab einem Füllungsstand der Blase, der von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Auslöser des Harndrangs sind Nerven in der Blasenwand und im Blasenverschluss. Sie melden an das Gehrin, dass die Speicherfähigkeit der Blase weitgehend ausgeschöpft ist und die Blase entleert werden sollte.

Entscheidend für eine normale Blasenfunktion beziehungsweise einen normalen Harndrang sind die korrekte Meldung des Füllungsstands der Blase an das Gehirn, die ordnungsgemäße Funktion des Blasenverschlusses und der zusammenziehenden Muskulatur der Blasenwand sowie die willentliche Kontrolle über die Blasenentleerung. Deshalb sollte der Harndrang auch nicht zu oft unterdrückt werden, denn das kann die Muskulatur schwächen.

Wie oft ist Harndrang normal?

Normalerweise bildet der Körper etwa 1,5 Liter Urin pro Tag. Blasenentleerungen erfolgen bei Erwachsenen während des Tages etwa alle vier bis sechs Stunden. Während der Nacht dient die Harnblase als Speicher für den Urin, sodass der Schlaf im Regelfall nicht unterbrochen werden muss, um Wasser zu lassen.

Harndrang entsteht normalerweise, wenn die Blase in etwa halb gefüllt ist. Die Blase von Frauen ist tendenziell kleiner als die von Männern und hat eine andere räumliche Lage. Dabei liegt das Fassungsvermögen der Blase zwischen 250 und 500 Milliliter, ist jedoch individuell abhängig von Körpergröße und anderen Faktoren.

Wie oft ein Mensch zur Toilette muss, ist aber auch abhängig vom Alter. Babys nässen rund 20 Mal pro Tag ein, Kinder zwischen einem und zwei Jahren etwa zwölf Mal, zwischen zwei und drei Jahren etwa zehn Mal. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) e.V. empfiehlt, dass Kinder zwischen vier und zwölf Jahren täglich etwa sieben Mal die Blase entleeren sollten.

Es wird dazu geraten, den Toilettengang nicht hinauszuzögern oder zu unterdrücken, damit das Kind nicht verlernt, den Schließmuskel zu öffnen und zu entspannen. So soll eine Blasenentleerungsstörung verhindert werden. Ab einem Alter von zwölf Jahren sind etwa vier bis fünf Toilettengänge zur Entleerung der Blase normal.

Formen von häufigem Harndrang und Wasserlassen

Abweichungen vom normalen Harndrang können sich auf verschiedene Arten bemerkbar machen. In der medizinischen Fachsprache werden folgende Begriffe für die Beschwerden verwendet:

  • Polyurie: Ausscheidung von deutlich mehr als 2 Liter Urin pro Tag
  • Pollakisurie: häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen
  • Anurie: Ausbleiben der Harnausscheidung (weniger als 100 Milliliter pro Tag)
  • Algurie: Schmerzen beim Wasserlassen
  • Nykturie: nächtliches Wasserlassen

Ursachen für häufiges Wasserlassen

Vermehrter Harndrang ist ein Phänomen, das bei großen Trinkmengen auftritt – zum Beispiel nach starkem Schwitzen. Er kann aber auch auf Erkrankungen zurückzuführen sein, die zu Reizungen der Blasennerven führen. In diesem Fall werden falsche Informationen über den Blasenfüllungsstand an das Gehirn weitergeleitet. Dadurch entsteht Harndrang, obwohl unter Umständen nur wenig Urin in der Blase gespeichert ist. Bei einigen Erkrankungen tritt der zugehörige Harndrang so plötzlich und stark auf (imperativer Harndrang), dass die Blase sich manchmal entleert, bevor eine Toilette erreicht werden kann (Dranginkontinenz).

Ebenso gut können die Ursachen für häufiges Wasserlassen harmlos sein. Schwangere Frauen leiden zum Beispiel darunter, weil die wachsende Gebärmutter auf ihre Blase drückt.


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Vermehrter Harndrang ist ein Symptom, das beispielsweise auf folgende Ursachen zurückzuführen ist:

  • große Trinkmengen
  • Erkrankungen, die vermehrten Durst bewirken – wie Diabetes
  • Blasenfunktionsstörungen
  • Entzündungen
  • Harnsteine
  • psychisch belastende Situationen wie zum Beispiel Angst, Aufregung oder Stress

Im Detail können die Ursachen für häufiges Wasserlassen folgendermaßen unterschieden werden.

Ursachen für häufigen Harndrang mit schmerzhaftem Wasserlassen (kleine Mengen an Urin):

Ursachen für häufigen Harndrang mit schmerzlosem Wasserlassen:

  • Prostatavergrößerung: nur schwacher Harnstrahl, unvollständige Blasenentleerung
  • Glomerulonephritis: Entzündung der Nierenkörperchen, Blut im Urin
  • vermehrter Durst: zum Beispiel als Folge von Diabetes insipidus. Letzteres ist eine Hormonerkrankung, bei der es zu einer extrem erhöhten Urinausscheidung kommt, weil Steuersignale zur Rückgewinnung von Wasser aus dem Urin die Nieren nicht erreichen oder dort nicht wirken. Die Erkrankung geht mit einem extremen Durstgefühl und enormen Trinkmengen einher.

Weitere Ursachen für ständigen Harndrang können sein:

  • Einnahme von harntreibenden Medikamenten (Diuretika) oder anderer Arzneimittel
  • bei Frauen: Gebärmuttersenkung, Schwäche der Beckenbodenmuskulatur, Schwangerschaft
  • Herzinsuffizienz: Während des Tages lagert sich Wasser im Körper in Ödemen ein, das nachts wieder ausgeschieden wird und zu nächtlichem Harndrang führen kann.
  • Harninkontinenz (Dranginkontinenz): Plötzlicher Harndrang, bei dem der Toilettengang unaufschiebbar ist. Häufig gehen einige Tropfen Urin bereits vor dem Toilettengang ab.
  • Ein Blasentumor (Harnblasenkarzinom) kann ständigen Harndrang auslösen.

Häufiges Wasserlassen nachts – was steckt dahinter?

In der Regel ist die Blase dazu in der Lage, den Urin über Nacht zu speichern. Nächtliches Wasserlassen stellt daher im Normalfall die Ausnahme dar – zum Beispiel nach einer erhöhten Flüssigkeitsaufnahme in den Stunden vor dem Schlafengehen. Häufiges Wasserlassen von zwei oder mehreren Malen pro Nacht ist ein Symptom, das auf verschiedene Ursachen hindeuten könnte, und sollte ärztlich abgeklärt werden. Bei Männern kann die Ursache beispielsweise eine gutartig vergrößerte Prostata sein. Aber auch Hormonstörungen zählen zu den möglichen Ursachen.

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU) betont, dass Nykturie bei Frauen wie Männern ein verbreitetes Leiden ist. Doch obwohl dieses Symptom viele Menschen betrifft, werden die Folgen oft unterschätzt: "Fälschlicherweise wird Nykturie in der Bevölkerung vielfach als eine unvermeidbare Alterserscheinung, vorrangig des Mannes, abgetan, obwohl es der Abklärung der individuellen Ursachen bedarf", erklärt Prof. Dr. Kurt Miller, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU).

Häufiges Wasserlassen – ein Warnsignal für Diabetes?

Übermäßiger Harndrang gehört zusammen mit anderen Symptomen wie starkem Durst zu den Symptomen von Diabetes mellitus. Der Grund: Der Körper versucht auf diese Weise die überflüssige Glukose, also den Zucker, auszuscheiden. Der Harndrang ist in diesen Fällen auch dann erhöht, wenn vorher keine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme stattfand: Betroffene scheiden große Flüssigkeitsmengen aus, obwohl sie zuvor nur wenig getrunken haben.

Das Symptom tritt bei Diabetes Typ 1 vor allem in jüngeren Lebensjahren auf. Eltern sollten bei Beschwerden ihrer Kinder daher ärztlichen Rat einholen. Neben häufigem Wasserlassen kommt es in solchen Fällen öfters auch zu Symptomen wie

Bei Diabetes Typ 2 ist häufiges Wasserlassen seltener Anlass für die Diagnose: Hier wird die Krankheit oft erst nach Jahren erkannt, wenn schon Folgeerkrankungen bestehen.

Diagnose: Abklärung der Ursachen von häufigem Wasserlassen

Bei der Diagnose von Harndrang werden zunächst bei einem Gespräch (Anamnese) einige Fragen geklärt. Angaben zur Häufigkeit des Wasserlassens, der Ausscheidungsmenge, nächtlichem Harndrang, Schmerzen, Durstgefühl oder Medikamenteneinnahme können Hinweise auf die Ursache geben.

Wichtig ist auch die Unterscheidung, ob die Beschwerden akut aufgetreten sind oder bereits seit längerer Zeit bestehen. Ein Ausscheidungsprotokoll, in dem die Uhrzeit, die Urinmenge und Besonderheiten wie Schmerzen oder (sichtbares) Blut im Urin erfasst werden, kann helfen, den Harndrang genauer zu beschreiben.

Blut- und Urinuntersuchungen können im Anschluss erfolgen. Hierbei werden insbesondere der Blutzucker, die Nierenfunktion (Kreatininwert) und verschiedene Hormonwerte sowie Veränderungen bestimmt, die auf Infektionen hinweisen.

Mittels Ultraschall werden anschließend die Nieren, die Harnblase und die benachbarten Organe untersucht. So können unter anderem Harnsteine, eine Prostatavergrößerung oder auch der jeweilige Füllungsstand der Blase erkannt werden. Ebenso lässt sich mit Ultraschall die Herzfunktion erfassen. Bei Verdacht können Röntgenaufnahmen zur Erkennung von Harnleitersteinen und Spezialuntersuchungen wie Harnflussmessungen eingesetzt werden, um eine Diagnose zu sichern.

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Wie wird häufiges Wasserlassen oder nächtlicher Harndrang behandelt?

Die Behandlung von Harndrang ist von der Ursache der Beschwerden abhängig: Also beispielsweise Blaseninfektionen behandeln, Harnsteine entfernen oder Hormonstörungen beheben. Bei ständigem Wasserlassen als Folge der Dranginkontinenz kann ein spezielles Training helfen, den Toilettengang hinauszuzögern und die Blase an zunehmend größere Füllungsmengen zu gewöhnen (Toilettentraining).

Kleinere Harnsteine, die bereits in die Blase gelangt sind, können in vielen Fällen auf natürlichem Weg ausgeschieden werden. Größere Blasensteine und Steine, die im Harnleiter feststecken, werden von Urolog*innen entweder im Verlauf einer Blasen- und Harnleiterspiegelung zerkleinert oder durch Schallwellen von außen zertrümmert (extrakorporale Stoßwellen-Lithotripsie – ESWL).

Hormonstörungen werden in der Regel medikamentös behandelt. Liegt Diabetes mellitus vor, ist eine angemessene Einstellung des Blutzuckerspiegels erforderlich.

Verbirgt sich eine Schädigung der Nieren hinter dem ständigen Harndrang, steht die Unterstützung der Nierenfunktion im Vordergrund. Dazu wird beispielsweise erhöhter Blutdruck, der für die Nieren besonders schädlich ist, gesenkt und die Ausscheidung durch harntreibende Medikamente unterstützt.

Operative Eingriffe sind häufig erforderlich, wenn beispielsweise eine vergrößerte Prostata oder eine Gebärmuttersenkung das häufige Wasserlassen auslöst. Bei plötzlichem Harndrang und unwillkürlichem Harnverlust in Folge einer Dranginkontinenz als eine Form der Dranginkontinenz kann gegebenenfalls ein gezieltes Blasen- und Beckenbodentraining notwendig sein. Spezielle Inkontinenzprodukte geben Sicherheit und können helfen, die Lebensqualität zu steigern.

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