Mögliches Alarmsignal

Häufiger Harndrang: Ursachen und was hilft

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Harndrang ist ein normales Signal des Körpers, wenn die Blase gefüllt ist. Häufiges Wasserlassen kann aber auch ein Hinweis auf eine Störung sein. Mögliche Ursachen für ständigen Harndrang und was helfen kann.

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Im Überblick:

Hilfe bei häufigem und nächtlichem Harndrang

Wie oft ist Harndrang normal?

Normalerweise bildet der Körper etwa einen bis eineinhalb Liter Urin pro Tag. Blasenentleerungen erfolgen bei Erwachsenen während des Tages etwa alle vier bis sechs Stunden. Während der Nacht dient die Harnblase als Speicher für den Urin, sodass der Schlaf im Regelfall nicht unterbrochen werden muss, um Wasser zu lassen.

Harndrang entsteht normalerweise, wenn die Blase in etwa halb gefüllt ist. Die Blase von Frauen ist tendenziell kleiner als die von Männern und hat eine andere räumliche Lage. Dabei liegt das Fassungsvermögen der Blase zwischen 250 und 500 Milliliter, ist jedoch individuell abhängig von Körpergröße und anderen Faktoren.

Wie wird Harndrang ausgelöst?

Urin oder Harn wird in den Nieren durch ein komplexes Filtrationsverfahren aus Blut gewonnen und über die ableitenden Harnwege nach außen geleitet. Auslöser des Harndrangs sind Signale der Nerven in der Blasenwand und im Blasenverschluss. Sie melden dem Gehirn, dass die Speicherfähigkeit der Blase weitgehend ausgeschöpft ist und die Blase entleert werden sollte.

Entscheidend für eine normale Blasenfunktion beziehungsweise einen normalen Harndrang sind

  • die korrekte Meldung des Füllungsstands der Blase an das Gehirn,

  • die ordnungsgemäße Funktion des Blasenverschlusses und

  • der zusammenziehenden Muskulatur der Blasenwand sowie die willentliche Kontrolle über die Blasenentleerung.

     

Warnsignale: Wann bei häufigem Harndrang zum Arzt?

Häufiger Harndrang ist in vielen Fällen harmlos, kann aber auch ein Anzeichen für eine ernst zu nehmende Erkrankung sein. Ärztlicher Rat sollte unverzüglich eingeholt werden, wenn zusätzlich eines oder mehrere der folgenden Symptome beobachtet werden:

Bei einem Schwächegefühl könnte eine Erkrankung des Rückenmarkes vorliegen. Fieber und Nierenschmerzen in Verbindung mit häufigem Harndrang sind ein möglicher Hinweis auf eine Nierenentzündung. Betroffene sollten am besten noch am selben Tag einen*eine Arzt*Ärztin aufsuchen.

Treten keine alarmierenden Anzeichen auf, sollten Menschen mit ständigem Harndrang dennoch innerhalb der nächsten Wochen einen Arzttermin vereinbaren, um der Ursache auf den Grund zu gehen.

Formen von Harndrang

Abweichungen vom normalen Harndrang können sich auf verschiedene Arten bemerkbar machen. In der medizinischen Fachsprache werden folgende Begriffe für die Beschwerden verwendet:

  • Polyurie: Ausscheidung von deutlich mehr als zwei Litern Urin pro Tag
  • Pollakisurie: häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen
  • Anurie: Ausbleiben der Harnausscheidung (< 100 Milliliter pro Tag)
  • Algurie: Schmerzen beim Urinieren
  • Nykturie: nächtliches Wasserlassen

Ursachen für häufiges Wasserlassen

Vermehrter Harndrang muss nicht krankhaft sein. Dazu kommt es beispielsweise nach der übermäßigen Aufnahme von Flüssigkeit. Und auch schwangere Frauen müssen meist häufiger die Toilette aufsuchen, weil die wachsende Gebärmutter auf ihre Blase drückt.

Ständiger Harndrang kann aber auch auf Erkrankungen zurückzuführen sein, die zu Reizungen der Blasennerven führen. In diesem Fall werden falsche Informationen über den Blasenfüllungsstand an das Gehirn weitergeleitet. Dadurch entsteht Harndrang, obwohl unter Umständen nur wenig Urin in der Blase gespeichert ist.

Bei einigen Erkrankungen, etwa bei Blasensteinen, tritt der zugehörige Harndrang so plötzlich und stark auf (imperativer Harndrang), dass die Blase sich manchmal entleert, bevor eine Toilette erreicht werden kann (Dranginkontinenz).

Ursachen für Harndrang mit Schmerzen:

Der ständige Harndrang ist oft mit Schmerzen beim Wasserlassen (Algurie) verbunden. Betroffene scheiden meist nur kleine Mengen Urin aus und müssen daher häufiger zur Toilette.

Ursachen für häufigen Harndrang ohne Schmerzen:

Weitere Ursachen für häufigen Harndrang:

Häufiges Wasserlassen nachts – was steckt dahinter?

In der Regel ist die Blase dazu in der Lage, den Urin über Nacht zu speichern. Nächtliches Wasserlassen (Nykturie) stellt daher im Normalfall die Ausnahme dar – zum Beispiel nach einer erhöhten Flüssigkeitsaufnahme in den Stunden vor dem Schlafengehen. Häufiges Wasserlassen von zwei oder mehreren Malen pro Nacht sollte ärztlich abgeklärt werden.

  • Bei Männern kann die Ursache beispielsweise eine gutartige Vergrößerung der Prostata sein. Aber auch Hormonstörungen zählen zu den möglichen Ursachen.
  • Bei Frauen ist der nächtliche Harndrang hingegen meist auf eine überaktive Blase oder eine Fehlsteuerung des Blasenmuskels zurückzuführen.
Blasenentzündung: Was die Beschwerden lindert

Häufiges Wasserlassen und Diabetes

Übermäßiger Harndrang gehört zusammen mit anderen Symptomen wie starkem Durst zu den Symptomen von Diabetes mellitus. Denn der Körper versucht auf diese Weise die überflüssige Glukose, also den Zucker, auszuscheiden. Der Harndrang ist in diesen Fällen auch dann erhöht, wenn vorher keine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme stattfand: Betroffene scheiden große Flüssigkeitsmengen aus, obwohl sie zuvor nur wenig getrunken haben.

Wie wird häufiges Wasserlassen behandelt?

Die Behandlung von ständigem Harndrang richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Überblick der Therapiemöglichkeiten bei ständigem Harndrang:

  • Reduktion koffeinhaltiger Getränke wie Kaffee
  • Vermeidung von übermäßigem Alkoholkonsum
  • Gewichtsabnahme (bei starkem Übergewicht)
  • Regelmäßiges Blasen- und Beckenbodentraining
  • Psychologische Beratung, Entspannungstechniken (falls Nervosität der Auslöser ist)
  • Spezielle Inkontinenzprodukte (geben bei unfreiwilligem Harnabgang Sicherheit)
  • Operative Verfahren (etwa bei Blasensteinen, vergrößerte Prostata oder eine Gebärmuttersenkung)
  • Medikamentöse Therapie

Blasentraining für zu Hause

Bei ständigem Wasserlassen als Folge der Dranginkontinenz kann ein spezielles Training helfen, den Toilettengang hinauszuzögern und das Fassungsvermögen der Blase zu steigern (Toilettentraining).

Grundlage ist ein sogenanntes Miktationstagebuch. Darin sollen Betroffene täglich notieren, wann und wie häufig sie am Tag die Toilette aufsuchen mussten und wie viel sie getrunken haben. Ziel ist es, die Zahl der Toilettengänge zu reduzieren, indem der aufkommende Harndrang bewusst unterdrückt wird.

Medikamente gegen häufigen Harndrang

Wenn allgemeine Maßnahmen nicht zu einer Verbesserung der Beschwerden führen, kommen Medikamente in Betracht, etwa:

  • Anticholinergika und Spasmolytika: Die Wirkstoffe senken die Aktivität der Blasenmuskulatur herab.

  • Östrogenzäpfchen oder -salben (für Frauen): Bei Frauen in den Wechseljahren führt der sinkende Östrogenspiegel zu einer Schwächung der Blase. Mit einer lokalen Östrogenbehandlung kann dem entgegengewirkt werden.

  • Alphablocker (für Männer): Die Mittel werde häufig bei Prostatabeschwerden eingesetzt. Sie helfen, die Muskelzellen der Prostata und Blase zu entspannen.

  • Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen der Harnwege kommen meist Antibiotika zum Einsatz.

  • Pflanzliche Arzneimittel: Infrage kommen beispielsweise Präparate mit Kürbiskern, Brennnesselwurzel oder Sägepalmfrüchten aus der Apotheke. Diese sollten allerdings nur nach ärztlicher Absprache eingenommen werden.

Bei Diabetes mellitus ist eine angemessene Einstellung des Blutzuckerspiegels erforderlich.

Diagnose: Abklärung der Ursachen von häufigem Wasserlassen

Bei der Diagnose von Harndrang werden zunächst bei einem Gespräch (Anamnese) einige Fragen geklärt. Wichtige Hinweise geben beispielsweise Angaben zu:

  • Häufigkeit des Wasserlassens
  • Urinmengen
  • Bestehenden Erkrankungen
  • Medikamenteneinnahme

Im Anschluss erfolgen Blut- und Urinuntersuchungen. Hierbei werden insbesondere der Blutzucker, die Nierenfunktion (Kreatininwert) und verschiedene Hormonwerte sowie Veränderungen bestimmt, die auf Infektionen hinweisen.

Mittels Ultraschall werden anschließend die Nieren, die Harnblase und die benachbarten Organe untersucht. So können unter anderem Harnsteine, eine Prostatavergrößerung oder auch der jeweilige Füllungsstand der Blase erkannt werden. Ebenso lässt sich mit Ultraschall die Herzfunktion erfassen. Bei Verdacht können Röntgenaufnahmen zur Erkennung von Harnleitersteinen und Spezialuntersuchungen wie Harnflussmessungen eingesetzt werden, um eine Diagnose zu sichern.

Warnsignale im Urin: Was Farbe, Geruch und Trübung verraten
Zusammenfassung


Ursachen: Hohe Flüssigkeitszufuhr, Blasen- oder Nierenentzündung, Erkrankung der Prostata, Harnsteine, harntreibende Medikamente.

Diagnose: Ausführliche Befragung (Anamnese), körperliche Untersuchung, Urin- und Blutuntersuchung, bildgebende Verfahren.

Behandlung: Therapie der Grunderkrankung, Medikamente (zum Beispiel Anticholinergika und Spasmolytika), Blasen- und Beckenbodentraining, Operationen.

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