Häufig sind die Schuhe schuld

Hallux valgus: Hilfe durch Fußgymnastik bis OP

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Hallux valgus ist eine unter Frauen häufig vorkommende Fehlstellung der großen Zehe. Stört er zunächst nur kosmetisch, kann der Ballenzeh später sehr schmerzhaft sein. Es gibt verschiedene Therapien von Fußgymnastik bis Operation und Maßnahmen, um einem Hallux valgus vorzubeugen.

Frau mit Hallux valgus
© Getty Images/Jatuporn Tansirimas

Der Hallux valgus (Ballenzeh) zählt zu den häufigsten Fehlstellungen des Fußes. Mit dem Alter steigt die Häufigkeit. Vor allem bei Frauen ist der Ballenzeh keine Seltenheit: Sie sind wesentlich öfter betroffen als Männer. Der Grund ist meist falsches Schuhwerk, zum Beispiel hohe, spitze und enge Schuhe, die die Zehen zusammendrücken.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist ein Hallux valgus?

Der Hallux valgus ist eine Schiefstellung der Großzehe. Sie knickt von der Körpermitte weg nach außen in Richtung der kleineren Zehen. Gleichzeitig gerät der Mittelfußknochen aus seiner normalen Achse. An der Innenseite des Fußes bildet sich eine mehr oder weniger deutliche Wölbung – je nach Schweregrad der Fehlstellung. Optisch ähnelt die Ausbuchtung einem Überbein. Allerdings lagert sich beim Ballenzeh kein zusätzliches Knochenmaterial an, sondern der Knochen verschiebt sich aus seiner ursprünglichen Position.

Der Hallux valgus hat noch andere Namen, zum Beispiel Ballenzeh, schiefer Zeh, dicker Zeh, Großzehenballen oder Ballengroßzehe. Der Name leitet sich aus dem Lateinischen ab: "hallux" bedeutet "große Zehe" und "valgus" steht für "schief".

Hallux-Formen: Hallux rigidus und Hallux varus

Bei einem Hallux rigidus ist ebenfalls die Großzehe betroffen, deren Beweglichkeit eingeschränkt ist. Der Hallux rigidus ist äußerst schmerzhaft. Er bildet sich, weil das Großzehengrundgelenk mit zunehmenden Lebensjahren und verstärkter Belastung verschleißt (Arthrose). Anders als beim Hallux valgus sind hier Männer öfter betroffen. Zum Hallux valgus gibt es ein Gegenstück – den Hallux varus. Hier passiert genau das Gegenteil, nämlich die Großzehe biegt sich zur Körpermitte hin. Der Hallux varus ist allerdings seltener.

Enge Schuhe, schwaches Bindegewebe: Ursachen des Hallux valgus

Ein Hallux valgus kann verschiedene Ursachen haben. In der Regel spielen mehrere Faktoren zusammen, wenn sich ein Ballenzeh entwickelt.

Die häufigsten Gründe sind:

  • Zu hohe, enge oder spitze Schuhe

  • Fußfehlstellungen wie Spreizfuß und Knickfuß

  • Familiäre Veranlagung: Der Ballenzeh tritt in manchen Familien gehäuft auf

  • Bindegewebsschwäche, die sich auch auf die Sehnen und Bänder auswirkt, welche das Fußgewölbe stützen

  • Gelenkentzündungen (Arthritis)

  • Folgen von Verletzungen, zum Beispiel Knochenbruch nach einem Unfall, der falsch verheilt ist

  • Fehlfunktionen der Muskeln

  • Neurologische Krankheiten wie Multiple Sklerose

  • Folge von Gelenkverschleiß (Arthrose)

Die genannten Faktoren führen dazu, dass der Vorderfuß zu stark und falsch belastet wird. Die große Zehe weicht seitlich aus und es entwickelt sich ein Hallux valgus. Oftmals geht ein Ballenzeh auch mit einem Hammerzeh einher.

Symptome des Hallux valgus: Ballenzeh ist oft schmerzhaft

Ein Hallux valgus geht mit verschiedenen Beschwerden einher. Sie fallen umso schwerer aus, je ausgeprägter die Fehlstellung des Vorderfußes ist.

Mögliche Symptome:

  • Schiefe Großzehe, die sich in Richtung der kleineren Zehen von der Körpermitte wegbiegt.

  • Verdickter Großzehenballen, der seitlich am Fuß hervortritt. Viele Betroffene empfinden das als kosmetisches Problem.

  • Schmerzen durch Schädigungen der Haut, des Gelenkschleimbeutels und Großzehengrundgelenks.

  • Schwellung, Rötung, Verhornung, Schwielen und Entzündung des Großzehenballens

  • Einengung benachbarter Kleinzehen; die falsche Druckverteilung führt zu schmerzhafter Überbelastung der restlichen Zehen, Gelenke (Mittelfußgelenk), Sehnen und Knochen im Fuß.

  • Bewegungseinbußen und Verschleiß (Arthrose) des Großzehengrundgelenks

In manchen Fällen sind die Beschwerden so stark, dass Betroffene kaum noch gehen oder stehen können. Mitunter führt der Hallux valgus auch zur Fehlbelastung weiterer Gelenke, zum Beispiel an Knie oder Hüfte, und löst dort weitere Beschwerden aus.

Ein Ballenzeh ist zwar nicht immer mit Schmerzen, Leidensdruck oder Funktionsverlust verbunden. In der Regel verschlimmert er sich allerdings im Laufe der Zeit (progredienter Verlauf), da die Fehlstellung der Großzehe die Kapsel des Grundgelenks schwächt und dies wiederum die Fehlstellung begünstigt. Bei Beschwerden sollte ein*e Orthopäd*in aufgesucht werden.

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Hallux valgus oft auf einen Blick zu erkennen

Einen Hallux valgus bemerken die meisten Patient*innen selbst. Die Verbiegung der Zehe und der dicke Ballen am Fuß sind kaum zu übersehen. Für viele ist die Optik ihres Fußes zunächst ein kosmetisches Problem, weshalb sie ärztliche Hilfe aufsuchen. Auch Fußschmerzen sind ein Grund für den Besuch bei Fachleuten, in der Regel einer orthopädischen Praxis. Hier genügt meist schon ein Blick auf den Fuß, um die Diagnose Hallux valgus zu stellen.

Die*Der Ärztin*Arzt erfragt zunächst die Beschwerden und Krankheitsgeschichte (Anamnese). Wichtig sind zum Beispiel Angaben zum Lebensstil und eventuell bestehende Krankheiten. Anschließend folgt die körperliche Untersuchung, der Fokus liegt auf den Füßen. Es wird geprüft, ob Hautveränderungen vorliegen, die Haut über dem hervortretenden Ballen gereizt ist oder sich Schwielen, Verhornungen, Hautverletzungen oder Geschwüre gebildet haben. Außerdem wird getestet, wie gut sich das Großzehengrundgelenk bewegen lässt und ob Bewegungsschmerzen auftreten. Auch die benachbarten Zehen und Zehengelenke werden auf Fehlstellungen geprüft.

Röntgenuntersuchung und weitere Diagnostik-Maßnahmen

Eine Röntgenaufnahme des Vor- und Mittelfußes unter Belastung, also während Patient*innen stehen, sichert die Diagnose Hallux valgus. Das Röntgenbild zeigt das Ausmaß der Fehlstellung. Folgende grobe Einteilung lässt sich treffen:

  • Milder Hallux valgus: Die Verbiegung der Großzehe im Vergleich zur Normalposition beträgt weniger als 20 Grad.

  • Mittlerer Hallux valgus: Die Abweichung beträgt zwischen 20 und 40 Grad.

  • Schwerer Hallux valgus: Die Abweichung von der Norm liegt bei mehr als 40 Grad.

Hilfreich kann auch eine Fußdruckmessung (Pedobarographie, Podometrie) sein, welche die Form des Fußes aufzeigt. Dabei wird die Druckbelastung bestimmt, die im Stehen auf den Fuß einwirkt. Das Ergebnis lässt sich digital in einer Grafik darstellen. Eine Magnetresonanztomografie (MRT) wird nur in speziellen Fällen eingesetzt. Sie zeigt zum Beispiel, ob neben dem Hallux valgus noch weitere Schäden an Knochen oder Gelenken bestehen.

Von Fußgymnastik bis Operation – so wird ein Hallux valgus behandelt

Die Behandlung soll Schmerzen lindern, die Fehlstellung korrigieren und das Ergebnis erhalten. Ziel ist auch, das Fortschreiten zu bremsen und die Funktionsfähigkeit wieder zu verbessern. Eingesetzt werden zunächst nicht-operative (konservative) Behandlungsmaßnahmen. Bei ausgeprägten Deformationen und starken Schmerzen hilft eine Operation, die am besten ein*e Fußchirurg*in durchführt. Betroffene können aber auch selbst etwas zur Verbesserung der Beschwerden beitragen.

  • Regelmäßige Fußgymnastik: Sie kräftigt die Muskulatur und Bänder im Fuß, was sich positiv auf die Beweglichkeit der Gelenke auswirkt. Im Idealfall lässt der Fußsport auch die Schmerzen verschwinden. Allerdings müssen Betroffene regelmäßig üben. Anleitungen zur Fußgymnastik und passende Übungen gibt es mittlerweile im Internet. Besonders wirksam sind Übungen, bei denen man die Großzehe von den restlichen Zehen abspreizt oder Gegenstände mit den Zehen aufheben muss.

  • Gesundes Schuhwerk: Betroffene sollten bequemes Schuhwerk tragen, das die Füße nicht einengt und weiter strapaziert. Es sollte weich, weit und möglichst flach sein. Nach dem Tragen von spitz zulaufenden High Heels entspannt Fußgymnastik die Füße. Auch öfters barfuß laufen entlastet den Fuß und trainiert die Fußmuskulatur.

  • Medikamente gegen Hallux valgus: Ein Ballenzeh kann mit großen Schmerzen verbunden sein. Gegen diese wirken Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Dazu zählen unter anderem Ibuprofen, Naproxen oder Acetylsalicylsäure (ASS).

  • Orthopädische Hilfsmittel: Sie helfen, die Fehlstellung des Fußes zu korrigieren. Es gibt sie zum Beispiel als Nachtschienen, Zehenpolster oder Zehenspreizer, welche die große Zehe von der zweiten Zehe trennen. Orthopädische Hilfsmittel beseitigen zwar nicht die Ursache des Hallux valgus, können aber schmerzhafte Druckstellen und Hautentzündungen lindern sowie ein Fortschreiten des Hallux valgus bremsen. Sie sind oft freiverkäuflich in Apotheken, Drogerien oder im Internet erhältlich. Spezielle orthopädische Einlagen werden dagegen ärztlich verschrieben und im Sanitätsfachgeschäft angefertigt. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten, es wird aber eine Zuzahlung fällig.

  • Physikalische Therapien: Daneben können physikalische Therapien wie eine Physiotherapie (Krankengymnastik) oder manuelle Therapien einen Versuch wert sein.

Operation bei Hallux valgus

Manchmal bringen konservative Behandlungsverfahren nicht den gewünschten Erfolg. Bei einem ausgeprägten Hallux valgus, erheblichen Schmerzen, Druckstellen, Geschwüren, Funktionseinschränkungen des Fußes oder einer verminderten Lebensqualität ist eine Operation des Ballenzehs unter Umständen ratsam.

Meist erhalten Operationen das Großzehengrundgelenk, nur manchmal gelingt dies nicht und es muss teilweise entfernt werden. Auch eine Umstellung (Osteotomie) des Mittelfußknochens kann erforderlich sein, bei der die Knochenachse verändert wird. Ziel der Operation ist es, die Funktion des Fußes wiederherzustellen und die Schmerzen verschwinden zu lassen. Die Folgen können eine weitere Fehlstellung des Fußes oder ein erneutes Auftreten des Hallux valgus sein.

Den Heilungserfolg nach einer Operation können Physiotherapie (Hochlegen, Kältetherapie, Lymphdrainage), Spezialschuhe, Nachtschienen oder Zehenspreizer unterstützen.

Hallux valgus vorbeugen: Hilfreiche Tipps

Mit bestimmten Maßnahmen lässt sich einem Hallux valgus vorbeugen. Dazu gehören unter anderem folgende Tipps:

  • Fußmuskulatur und Fußgewölbe können zum Schutz vor Fehlstellungen trainiert werden.

  • Auch öfter barfuß laufen ist empfehlenswert. Am besten man beginnt mit kurzen Strecken, um die Füße daran zu gewöhnen.

  • Es sollte hauptsächlich gut sitzendes, bequemes Schuhwerk getragen werden, das die Füße nicht einengt. Zum Ausgleich bei High Heels die Füße und Zehen anschließend zum Ausgleich bewegen und dehnen.

  • Orthopädische Hilfsmittel und Fußgymnastik können Fehlstellungen des Fußes, etwa beim Spreizfuß, ausgleichen und der Entwicklung eines Hallux valgus vorbeugen.

  • Fußbäder oder Fußmassagen fördern die Durchblutung, entfernen überschüssige Haut und sorgen für Entspannung in den Füßen.
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