Häufig sind die Schuhe schuld

Hallux valgus: Hilfe durch Fußgymnastik bis OP

Hallux valgus ist eine Schiefstellung der großen Zehe. Gleichzeitig gerät der Mittelfußknochen aus seiner normalen Achse und bildet eine dicke Beule. Meistens stört der Hallux valgus zunächst nur kosmetisch, später kann er ziemlich schmerzhaft sein. Frauen sind weitaus häufiger vom Ballenzeh betroffen als Männer. Ein Grund: hohe, enge und spitze Schuhe. Aber auch die Gene spielen eine Rolle. Ein Hallux valgus lässt sich unterschiedlich behandeln – die Therapien reichen von Fußgymnastik bis Operation. Einem Ballenzeh können Sie auch vorbeugen.

Frauenfüße mit Hallux valgus
Der Hallux valgus, auch Ballenzeh genannt, ist ein typisches Frauenleiden. Doch auch Männer können betroffen sein.
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Der Hallux valgus ist eine Schiefstellung der Großzehe. Sie knickt von der Körpermitte weg nach außen in Richtung der kleineren Zehen. Gleichzeitig gerät der Mittelfußknochen aus seiner normalen Achse. An der Innenseite des Fußes bildet sich eine mehr oder weniger deutliche Wölbung – je nach Schweregrad der Fehlstellung. Optisch ähnelt die Ausbuchtung einem Überbein. Allerdings lagert sich beim Ballenzeh kein zusätzliches Knochenmaterial an, sondern der Knochen verschiebt sich aus seiner ursprünglichen Position. Der Hallux valgus hat noch andere Namen, zum Beispiel Ballenzeh, schiefer Zeh, dicker Zeh, Großzehenballen oder Ballengroßzehe. Der Name leitet sich aus dem Lateinischen ab: "hallux" bedeutet "große Zehe" und "valgus" steht für "schief".

Fußgymnastik bei Hallux valgus: Die besten Übungen

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Hallux valgus ist oft Sache der Frauen

Der Hallux valgus zählt zu den häufigsten Fehlstellungen des Fußes. Mit dem Alter steigt die Gefahr. Schätzungen gehen davon aus, dass 20 bis 35 Prozent der Bevölkerung einen Ballenzeh entwickeln. Vor allem bei Frauen ist er keine Seltenheit: Sie sind wesentlich häufiger betroffen als Männer. Der Grund ist oft falsches Schuhwerk, zum Beispiel hohe, spitze und enge Schuhe, die die Zehen zusammendrücken.

Hallux-Formen: Hallux rigidus und Hallux varus

Bei einem Hallux rigidus ist ebenfalls die Großzehe betroffen, deren Beweglichkeit eingeschränkt ist. Der Hallux rigidus ist äußerst schmerzhaft. Er bildet sich, weil das Großzehengelenk mit zunehmenden Lebensjahren und verstärkter Belastung verschleißt. Anders als beim Hallux valgus sind hier Männer öfter betroffen. Zum Hallux valgus gibt es ein Gegenstück – den Hallux varus. Hier passiert genau das Gegenteil, nämlich die Großzehe biegt sich zur Körpermitte hin. Der Hallux varus ist allerdings seltener.

Die sieben häufigsten Fußprobleme

Enge Schuhe, schwaches Bindegewebe: Ursachen des Hallux valgus

Ein Hallux valgus kann verschiedene Ursachen haben. In der Regel spielen mehrere Faktoren zusammen, wenn sich ein Ballenzeh entwickelt.

Die häufigsten Gründe sind:

  • zu hohe, enge oder spitze Schuhe

  • Fußfehlstellungen wie Spreizfuß und Knickfuß

  • familiäre Veranlagung: Der Ballenzieh tritt in manchen Familien gehäuft auf; erbliche Faktoren scheinen damit eine Rolle zu spielen.

  • Bindegewebsschwäche, die sich auch auf die Bänder auswirkt, welche das Fußgewölbe stützen

  • Gelenkentzündungen (Arthritis)

  • Folgen von Verletzungen, zum Beispiel Knochenbruch nach einem Unfall, der falsch verheilt ist

  • Fehlfunktionen der Muskeln

  • neurologische Krankheiten wie Multiple Sklerose

  • Folge von Gelenkverschleiß (Arthrose)

Die genannten Faktoren führen dazu, dass der Vorderfuß zu stark und falsch belastet wird. Die große Zehe weicht seitlich aus und es entwickelt sich ein Hallux valgus.

Symptome des Hallux valgus: Ballenzeh ist oft schmerzhaft

Ein Hallux valgus geht mit verschiedenen Beschwerden einher. Sie fallen umso schwerer aus, je ausgeprägter die Fehlstellung des Vorderfußes ist.

Folgende Hallux-valgus-Symptome können sich entwickeln:

  • schiefe Großzehe: Sie verbiegt sich in Richtung der kleineren Zehen von der Körpermitte weg.

  • verdickter Großzehenballen: Er tritt seitlich am Fuß hervor. Viele Betroffene empfinden das als kosmetisches Problem.

  • Schmerzen: Sie entstehen durch Schädigungen der Haut, des Gelenkschleimbeutels und Großzehengrundgelenks. Wirkt weiterhin Druck auf das Gelenk und die Haut ein, zum Beispiel durch das Tragen zu enger, hoher Schuhe, verstärken sich die Schmerzen.

  • Schwellung, Rötung, Verhornung, Schwielen und Entzündung des Großzehenballens

  • Einengung benachbarter Kleinzehen; die falsche Druckverteilung führt zu schmerzhafter Überlastung der restlichen Zehen, Gelenke und Knochen im Fuß.

  • Schmerzen, Bewegungseinbußen und Verschleiß (Arthrose) des Großzehengrundgelenks

In manchen Fällen sind die Beschwerden so stark, dass Betroffene kaum noch gehen oder stehen können. Mitunter führt der Hallux valgus auch zur Fehlbelastung weiterer Gelenke, zum Beispiel an Knie oder Hüfte, und löst dort weitere Beschwerden aus.

Ein Ballenzeh ist zwar nicht immer mit Schmerzen, Leidensdruck oder Funktionsverlust verbunden. In der Regel verschlimmert er sich allerdings im Laufe der Zeit (progredienter Verlauf), da die Fehlstellung der Großzehe die Kapsel des Grundgelenks schwächt und dies wiederum die Fehlstellung begünstigt. Ein Orthopäde ist der richtige Ansprechpartner.

Hallux valgus: auf einen Blick zu erkennen

Einen Hallux valgus bemerken die meisten Patienten selbst. Die Verbiegung der Zehe und der dicke Ballen am Fuß sind kaum zu übersehen. Für viele ist die Optik ihres Fußes zunächst ein kosmetisches Problem, weshalb sie einen Arzt aufsuchen. Auch Schmerzen im Fuß sind ein Grund für den Gang zum Fachmann, in der Regel einem Orthopäden. Diesem genügt meist schon ein Blick auf den Fuß, um die Diagnose Hallux valgus zu stellen.

Der Arzt erfragt zunächst Ihre Beschwerden und Ihre Krankheitsgeschichte (Anamnese). Wichtig sind zum Beispiel folgende Angaben zu Ihrem Lebensstil und eventuell bestehenden Krankheiten:

  • Haben Sie Schmerzen am Fuß oder andere Beschwerden wie Entzündungen oder Hautrötungen?

  • Ist die Fehlstellung in der letzten Zeit fortgeschritten?

  • Welches Schuhwerk tragen Sie hauptsächlich? Hohe, spitze oder breite, flache und bequeme Schuhe?

  • Sind Fehlstellungen des Fußes bekannt, zum Beispiel ein Knick- oder Spreizfuß?

  • Leiden andere Mitglieder in Ihrer Familie unter einem Ballenzeh?

  • Stehen Sie viel in Ihrem Alltag und Beruf und leiden anschließend unter Schmerzen?

  • Treiben Sie Sport? Wenn ja: welche Sportart?

  • Empfinden Sie die Beweglichkeit und Funktion des Fußes als eingeschränkt?

  • Sind bei Ihnen Krankheiten wie die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus, Fußpilz, rheumatische Erkrankungen oder neurologische Krankheiten bekannt?

Diese und andere Fragen lassen Rückschlüsse auf die Ursache des Hallux valgus zu.

Körperliche Untersuchung bei Hallux valgus

Der Arzt untersucht zudem Ihre Füße genauer. Er prüft, ob Hautveränderungen vorliegen, die Haut über dem hervortretenden Ballen gereizt ist oder sich Schwielen, Verhornungen, Hautverletzungen oder Geschwüre gebildet haben. Zudem testet er, wie gut sich das Großzehengrundgelenk bewegen lässt und ob Bewegungsschmerzen auftreten. Auch die benachbarten Zehen und Zehengelenke sieht er sich näher an und prüft sie auf Fehlstellungen.

Röntgenuntersuchung

Eine Röntgenaufnahme des Vor- und Mittelfußes unter Belastung, also während der Patient steht, sichert die Diagnose Hallux valgus. Auf dem Röntgenbild sehen Ärzte auch das Ausmaß der Fehlstellung. Folgende grobe Einteilung lässt sich treffen:

  • milder Hallux valgus: Die Verbiegung der Großzehe im Vergleich zur Normalposition beträgt weniger als 20 Grad.

  • mittlerer Hallux valgus: Die Abweichung beträgt zwischen 20 und 40 Grad.

  • schwerer Hallux valgus: Die Abweichung von der Norm liegt bei mehr als 40 Grad.

Weitere mögliche Untersuchungen

Hilfreich kann auch die Fußdruckmessung (Pedobarographie, Podometrie) sein. Dabei wird die Druckbelastung bestimmt, die im Stehen auf den Fuß einwirkt. Das Ergebnis lässt sich digital in einer Grafik darstellen. Bei der Podographie nimmt der Arzt die Fußabdrücke auf. So lässt sich die Form des Fußes gut festhalten. Die Magnetresonanztomographie (MRT, Kernspintomographie) setzen Ärzte nur in speziellen Fällen ein. Sie zeigt zum Beispiel, ob neben dem Hallux valgus noch weitere Schäden an Knochen oder Gelenken bestehen. Die MRT ist aber keine Routineuntersuchung.

Von Fußgymnastik bis Operation – so wird ein Hallux valgus behandelt

Die Behandlung soll die Schmerzen lindern, die Fehlstellung korrigieren und das Ergebnis erhalten. Ziel ist auch, das Fortschreiten zu bremsen und die Funktionsfähigkeit wieder zu verbessern. Eingesetzt werden zunächst nicht-operative (konservative) Behandlungsmaßnahmen. Bei ausgeprägten Deformationen und starken Schmerzen hilft eine Operation, die am besten ein Fußchirurg durchführt. Patienten können aber auch selbst etwas zur Verbesserung der Beschwerden beitragen.

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Regelmäßige Fußgymnastik

Fußgymnastik kräftigt die Muskulatur und Bänder im Fuß, was sich positiv auf die Beweglichkeit der Gelenke auswirkt. Im Idealfall lässt der Fußsport auch die Schmerzen verschwinden. Allerdings müssen Sie regelmäßig üben, die Fußgymnastik sollte keine Eintagsfliege sein. Anleitungen zu Fußgymnastik und passende Übungen gibt es mittlerweile im Internet. Besonders wirksam sind Übungen, bei denen Sie die Großzehe von den restlichen Zehen abspreizen. Sie können aber auch versuchen, Gegenstände mit den Zehen aufzuheben.

Gesundes Schuhwerk

Tragen Sie außerdem bequemes Schuhwerk, das Ihre Füße nicht einengt und weiter strapaziert. Es sollte weich, weit und möglichst flach sein. Holen sie spitz zulaufende High Heels am besten nur selten aus Ihrem Schuhschrank. Danach entspannt Fußgymnastik die Füße. Laufen Sie auch öfters barfuß, um Ihren Fuß zu entlasten und die Fußmuskulatur zu trainieren.

Medikamente gegen Hallux valgus

Ein Ballenzeh kann mit großen Schmerzen verbunden sein. Gegen diese wirken Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Dazu zählen unter anderem Ibuprofen, Naproxen oder Acetylsalicylsäure (ASS).

Orthopädische Hilfsmittel

Orthopädische Mittel helfen, die Fehlstellung des Fußes zu korrigieren. Es gibt sie zum Beispiel als Nachtschienen, Zehenpolster oder Zehenspreizer, welche die große Zehe von der zweiten Zehe trennen. Sie beseitigen zwar die Ursache des Hallux valgus nicht, können aber schmerzhafte Druckstellen und Hautentzündungen lindern sowie ein Fortschreiten des Hallux valgus bremsen. Orthopädische Hilfsmittel sind oft freiverkäuflich in Apotheken, Drogerien oder im Internet erhältlich. Spezielle orthopädische Einlagen werden dagegen vom Arzt verschrieben und im Sanitätsfachgeschäft angefertigt. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten, es wird aber eine Zuzahlung fällig.

Daneben können physikalische Therapien wie eine Physiotherapie (Krankengymnastik) oder manuelle Therapien einen Versuch wert sein.

Operation

Manchmal bringen nicht-operative Behandlungsverfahren nicht den gewünschten Erfolg. Bei einem ausgeprägten Hallux valgus, erheblichen Schmerzen, Druckstellen, Geschwüren, Funktionseinschränkungen des Fußes oder einer verminderten Lebensqualität ist eine Operation des Ballenzehs unter Umständen ratsam.

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Es gibt etliche Operationsmethoden, deren Auswahl von verschiedenen Faktoren abhängt. Beispiele sind das Ausmaß des Hallux valgus, das Alter des Patienten oder die körperliche Aktivität. Meist erhalten Operateure das Großzehengrundgelenk, nur manchmal gelingt dies nicht und sie entfernen es teilweise. Ziel der Operation ist es, die Funktion des Fußes wiederherzustellen und die Schmerzen verschwinden zu lassen.

Eine Hallux-valgus-OP ist nicht ohne Risiken. Der Fußchirurg greift bei der Operation in das komplexe Zusammenspiel der Knochen und Gelenke im Fuß ein. Die Folgen können weitere Fehlstellung des Fußes oder ein erneutes Auftreten des Hallux valgus sein.

Den Heilungserfolg nach einer Operation können Physiotherapie (Hochlegen, Kältetherapie, Lymphdrainage), Spezialschuhe, Nachtschienen oder Zehenspreizer unterstützen.

Hallux valgus vorbeugen – die besten Tipps!

Einem Hallux valgus vorbeugen können Sie mit bestimmten Maßnahmen. Die besten Tipps zum Schutz vor dem Ballenzeh:

  • Trainieren Sie Ihre Fußmuskulatur und Ihr Fußgewölbe; dies ist der beste Schutz vor Fehlstellungen.

  • Laufen Sie öfters barfuß. Beginnen Sie mit einer kurzen Dauer, um Ihre Füße daran zu gewöhnen.

  • Tragen Sie hauptsächlich gut sitzendes, bequemes Schuhwerk, das die Füße nicht einengt. Ab und zu können Sie auch zu High Heels greifen. Bewegen und dehnen Sie Ihre Füße und Zehen aber anschließend zum Ausgleich.

  • Orthopädische Hilfsmittel und Fußgymnastik können Fehlstellungen des Fußes, etwa beim Spreizfuß, ausgleichen und der Entwicklung eines Hallux valgus vorbeugen.

  • Tun Sie Ihren Füßen öfter mal etwas Gutes, zum Beispiel ein Fußbad oder eine Fußmassage. So fördern Sie die Durchblutung, entfernen überschüssige Haut und sorgen für Entspannung in den Füßen.

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