Therapie

Was ist Logopädie und wann wird sie eingesetzt?

Kindern, die in der Sprachentwicklung zurückgeblieben sind, stotternde, lispelnde Menschen oder die nach Schlaganfall, Unfall oder Tumoroperation mühsam das Sprechen wieder lernen: All diesen Menschen hilft die Logopädie, wieder mit der Umwelt kommunizieren zu können. Wie das gelingt?

Kind bei der Logopaedie
© iStock.com/KatarzynaBialasiewicz

Als medizinische Fachdisziplin beschäftigt sich die Logopädie mit Sprach-, Sprech-, Stimm-, Hör- und Schluckstörungen. Zur Ergreifung des Berufs der Logopäd*in ist in Deutschland eine dreijährige Ausbildung erforderlich. Anschließend kann zum Beispiel in logopädischen Praxen, einem Rehabilitationszentrum oder einer Förderschule gearbeitet werden.

Artikelinhalte im Überblick:

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Bereiche der Logopädie

Die Logopädie basiert auf der Stimm- und Sprachheilkunde und umfasst die Therapie von Sprech-, Sprach- und Stimmstörungen. Daneben führen Logopäd*innen Maßnahmen zur Prävention, Früherkennung und Frühförderung sowie Rehabilitation mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durch. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich übersetzt "Sprecherziehung". Er wurde in den 1920er-Jahren von Emil Fröschels, einem Wiener Arzt für Sprach- und Stimmheilkunde eingeführt.

Die Logopädie umfasst verschiedene Teilgebiete, dazu zählen zum Beispiel:

  • Laute, Klang der Wörter (Phonologie)
  • Bedeutung der Wörter (Semantik, mentales Lexikon)
  • Aufbau von Wörtern, Wortbildung (Morphologie)
  • Grammatik (Syntax)
  • Anwendung der Sprache (Pragmatik)
  • Artikulation (Aussprache von Wörtern)
  • Redefluss
  • orofaziale Funktion (den Mund- beziehungsweise Gesichtsbereich betreffende Funktionen)

Störungen innerhalb dieser Teilgebiete der Logopädie, die behandlungsbedürftig sind, können einzeln oder kombiniert auftreten. Manchmal gehen sie auch mit weiteren Defiziten, zum Beispiel der Wahrnehmung, des Denkens oder der Motorik, einher.

Wann wird Logopädie verordnet?

Probleme mit der Sprache, dem Sprechen, Schlucken oder der Stimme können sowohl bei Kindern während der Entwicklung auftreten als auch bei Erwachsenen. In höherem Alter häufig nach

Die Aufgabenfelder der Logopädie sind vielfältig. Sie wird sowohl zur Besserung als auch zur Behandlung der Defizite eingesetzt. Darüber hinaus gelten zudem Beratung und Training der Angehörigen wie Eltern als Aufgabenbereich von Logopäd*innen. Sie sind auch vorbeugend tätig und unterstützen Menschen in Sprechberufen oder Sänger*innen, ihre Stimme optimal einzusetzen.

Sprachstörungen bei Kindern:

Es gibt viele verschiedene Einsatzgebiete der Logopädie. Bei Kindern sind es häufig:

  • spezifische Sprachentwicklungsstörungen (primäre Sprachstörung)

  • sekundäre Sprachentwicklungsstörungen, beispielsweise bei geistiger Entwicklungsstörung, bei sensorischer Behinderung oder Hörstörungen

  • erworbene Sprachstörungen (kindliche Aphasien)

  • Redeflussstörungen zum Beispiel des Sprechtempos, der Sprechmelodie und -deutlichkeit

  • Stottern

  • Poltern durch hastiges Sprechen und eine verwaschene Aussprache gekennzeichnet

  • Artikulationsstörungen (Dysarthrie), bei denen die Sprechmotorik beeinträchtigt ist, zum Beispiel Lispeln, Lautbildungsstörungen, bei denen bestimmte Laute (wie "g" oder "k") nicht korrekt gebildet werden. Ursache sind häufig Hörstörungen, auditive Wahrnehmungsstörungen, Funktionsstörungen der Sprechmuskeln, neurologische Erkrankungen oder Fehlbildungen wie die Kiefer-Lippen-Gaumenspalte.

Sprech- und Sprachstörungen bei Erwachsenen:

  • Aphasie (Probleme mit dem Sprachverständnis, Wortfindungsstörungen, gestörte Aussprache, Störungen der Grammatik, des Lesens und Schreibens, Störungen der Kommunikation)

  • nicht-aphasische Störungen: Sprachstörungen infolge von Aufmerksamkeits- und Gedächtnisdefiziten bei Epilepsie – kognitive Dysphasien)

  • komplexe Sprach- und Kommunikationsstörung, zum Beispiel bei Demenz

  • Stottern

  • Poltern

  • neurogene Sprechstörungen (Dysarthrophonie = neurologische Störung, bei der Sprechbewegungen, Stimmgebung und Atmung beeinträchtigt sind; Sprechapraxie = Störung der Handlungsplanung beim Sprechen)

Daneben können bei Kindern und Erwachsenen organische, funktionelle oder psychogene Stimmstörungen sowie Schluckstörungen auftreten.

Diagnostik zur Klärung der Störungen

Zunächst klärt der*die Logopäd*in im Erstgespräch, welche Probleme genau vorliegen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch, zu welchem Zeitpunkt die Sprach-, Sprech- oder Hörstörung zum ersten Mal aufgefallen ist und ob körperliche Ursachen bekannt sind. Sind Kinder betroffen, werden die Angehörigen auch gefragt, ob es

  • bekannte Störungen in der Familie gibt,
  • Komplikationen während Schwangerschaft oder Geburt aufgetreten sind,
  • es einen Unfall gab,
  • das Kind im Kopf- oder Gesichtsbereich operiert werden musste oder
  • häufig eine Mittelohrentzündung hatte.

Anschließend sollen verschiedene Untersuchungen klären, wie es um die Sprachfähigkeiten steht. Außerdem soll sie es den Logopäd*innen ermöglichen, die vorliegende Störung genau zu analysieren und einzuordnen. Auf der Grundlage dieses Befundes kann dann die geeignete Therapie ausgewählt werden.


So läuft die logopädische Therapie ab

Ziel der Therapie ist es, die Kommunikationsfähigkeit von Betroffenen zu stärken oder zu verbessern. Abhängig von der zugrunde liegenden Störung beinhalten die Therapiesitzungen beispielsweise

  • Übungen zur Aussprache von Wörtern und Lauten,
  • Atem- und Haltungsübungen,
  • Stimmtherapie sowie
  • Lese- und Schreibübungen.

Die Behandlung erfolgt meist mehrfach pro Woche zu Hause oder in der logopädischen Praxis, die Einzelsitzungen dauern in der Regel 30 bis 45 Minuten. Die Übungen können mit technischen Hilfsmitteln wie einem Computer unterstützt werden.

Eine logopädische Therapie dauert meist mehrere Wochen oder Monate. Erfolge stellen sich nicht sofort ein, weshalb Patient*innen geduldig sein müssen. Wichtig ist zudem, dass die vom*von der Logopäd*in gezeigten Übungen auch allein zu Hause regelmäßig trainiert werden.

Was kostet die Logopädie-Behandlung?

Eine logopädische Therapie wird von den gesetzlichen Krankenkassen als Heilmittelverordnung übernommen. Voraussetzung ist die vorherige Verordnung der Behandlung durch eine*n Ärztin*Arzt. Die Patient*innen müssen lediglich pro Verordnung einmalig eine Pauschale von zehn Euro sowie eine Zuzahlung in Höhe von zehn Prozent der gesamten Verordnung entrichten. Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr sind von der Zuzahlung befreit. Private Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine logopädische Behandlung in unterschiedlicher Höhe.

Gehirn: Mythen und überraschende Fakten
Zusammenfassung


Definition: Medizinische Fachdisziplin, die sich mit Sprach-, Sprech-, Stimm-, Hör- und Schluckstörungen bei Kindern und Erwachsenen beschäftigt.

Kosten: Werden von gesetzlichen Krankenkassen übernommen, Patient*innen ab 18 Jahren müssen nur eine Zuzahlung leisten.

Therapie: Es gibt viele verschiedene Therapieansätze, zum Beispiel Übungen zur Aussprache von Wörtern und Lauten, Atemübungen, gezielte Stimmtherapie sowie Lese- und Schreibübungen.

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