Häufiges Symptom der Wechseljahre

Scheidentrockenheit behandeln: Das bringt den Spaß am Sex zurück

Viele Frauen leiden in und nach den Wechseljahren durch den Östrogenmangel unter Scheidentrockenheit. Wie sich Scheidentrockenheit behandeln lässt und warum das Sexleben von betroffenen Frauen dadurch enorm gewinnt.

Älteres Paar im Bett
Scheidentrockenheit in den Wechseljahren lässt sich mit wirksamen Mitteln behandeln.
© iStock.com/PeopleImages

Bis zu 40 Prozent aller Frauen berichten während oder nach den Wechseljahren von Symptomen wie Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Juckreiz im Scheidenbereich. Grund ist, dass sich durch den Östrogenmangel die Scheidenschleimhaut zurückbildet. Mediziner sprechen von einer vaginalen Atrophie, auch Vaginalatrophie, vulvovaginale oder urogenitale Atrophie genannt.

Artikelinhalte im Überblick:

Scheidentrockenheit: Diese Tipps helfen Frauen

Ursachen der Scheidentrockenheit

Um Scheidentrockenheit effektiv zu behandeln, muss man zunächst der Ursache auf den Grund gehen. Normalerweise hält ihre Haut die Vagina feucht und sorgt so für die Bedingungen einer gesunden Scheidenflora: Milchsäurebakterien (Laktobazillen) benötigen Feuchtigkeit, um sich anzusiedeln. Sie bilden einen natürlichen Schutz gegen krankmachende Keime.

Mögliche Ursachen von Scheidentrockenheit:

  • Hormonelle Schwankungen

  • Stress, Angst und psychische Belastungen

  • Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille (Mikropille)

  • Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Endometriose, Multiple Sklerose und Sjögren-Syndrom

  • Operationen an Eierstöcken oder der Gebärmutter

  • Medikamente wie Psychopharmaka, Schlafmittel oder gegen Inkontinenz

  • Ausgeprägter Konsum von Genussmitteln (Alkohol, Zigaretten)

Scheidentrockenheit in den Wechseljahren

Während der Wechseljahre und danach nimmt der Östrogenspiegel ab, woraufhin die Scheidenschleimhaut dünner wird und die Durchblutung der Vagina und Schamlippen zurückgeht. In der Folge wird die Vagina trockener, ihre Haut reißt leicht ein. Das führt nicht nur zu Schmerzen – auch Keime können durch die kleinen Einrisse in die Scheidenhaut eindringen.

Unbehandelt können sich Beschwerden wie Schmerzen und Juckreiz bei einer trockenen Scheide verstärken. Daher sollte man bei anhaltenden oder schlimmer werdenden Schmerzen besser einen Gynäkologen aufsuchen. Er kann bei der Untersuchung klären, ob möglicherweise eine Infektion mit Bakterien oder Pilzen vorliegt und deshalb die Scheide trocken ist.

Zu viel Hygiene oder Probleme in der Partnerschaft

Auch bei übertriebener Intimpflege drohen Störungen der Scheidenflora. Normalerweise reicht es völlig aus, den äußeren Bereich der Vagina mit Wasser zu waschen. da sich die Vagina selbst reinigt. Wer mag, kann zusätzlich eine milde Waschlotion für den Intimbereich verwenden. Nicht geeignet sind dagegen Seifen, Parfüm oder Spülungen, denn sie verändern den sauren pH-Wert in der Scheide. Auch häufiges Schwimmen in stark gechlortem Wasser im Schwimmbad kann der vaginalen Haut zusetzen.

Als psychische Faktoren für Scheidentrockenheit gelten Angst, Stress und Nervosität. Auch auf Probleme mit der Erregbarkeit kann vaginale Trockenheit hinweisen: Normalerweise nimmt beim Lustempfinden vor und während des Geschlechtsverkehrs die Produktion von Scheidensekret zu. Fehlt bei der Frau die Erregung, bleibt in aller Regel auch die zusätzliche Sekret-Produktion aus. Betroffene sollten dann klären, ob möglicherweise Schwierigkeiten in der Partnerschaft vorliegen, welche auch die sexuelle Erregung beeinflussen können.

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Lifeline/Wochit

Scheidentrockenheit behandeln: Salben, Cremes und Gleitgel

Je nach Ursache der Scheidentrockenheit kommen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten infrage. Führt eine Grunderkrankung zu den Beschwerden, wird der Arzt zunächst diese entsprechend behandeln. In vielen Fällen lässt sich eine trockene Scheide mit hormonhaltigen oder hormonfreien Salben und Cremes behandeln.

  • Feuchtigkeitscreme für die Vagina: Sie ist hormonfrei und enthält häufig Hyaluronsäure, die Wasser bindet und die Schleimhaut in ihrer Funktion unterstützt.

  • Gleitgel: Es gibt Gleitgele, die auf Wasser, Silikon oder Öl basieren. Sie unterstützen die Vagina bei mangelnder Erregbarkeit und zu wenig Feuchtigkeit. So beugen sie Schmerzen beim Sex durch die Scheidentrockenheit vor. Am besten mit dem Partner ausprobieren, welche Art für beide am besten passt.

  • Östrogenpräparate: Sie werden in der Regel lokal in der Vagina als Zäpfchen oder Salbe angewendet. Daneben kann auch eine niedrig dosierte Hormontherapie in Form von Tabletten verschrieben werden. Seit 2015 ist in der EU mit Ospemifem ein neuer Wirkstoff zur Behandlung der postmenopausalen Scheidentrockenheit zugelassen, der in Tablettenform verabreicht wird.

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Hausmittel und mikrobielle Therapie bei vaginaler Trockenheit

Möglich ist die Anwendung von Hausmitteln, um die Scheidentrockenheit in den Griff zu bekommen. Lokal auf die Schleimhaut aufgetragenes natives Oliven- oder Kokosöl können die Haut wieder geschmeidiger machen. Bei beiden Ölen sollte man auf eine gute Qualität achten, möglichst Bio-Produkte verwenden und zunächst testen, ob es zu allergischen Reaktionen im Intimbereich kommt.

Bei manchen Frauen kann auch eine Umstellung der Ernährung helfen, indem sie den Anteil an Omega-3-Fettsäuren in der Nahrung erhöhen. Besonders viel Omega 3 steckt in fettem Fisch, speziellen Algenölen, Leinsamen und Leinsamenöl, Walnüssen, Raps, Chiasamen und Soja.  

Auch mikrobielle Präparate, die ausgewählte Bakterienstämme enthalten, können als mikrobielle Therapie gegen Scheidentrockenheit helfen. Die Präparate gibt es zum Beispiel als Kapseln und sollen die Scheidenflora regulieren. In Joghurt getränkte Tampons, die hilfreiche Laktobazillen enthalten, sollten dagegen nur in Rücksprache mit dem behandelnden Frauenarzt angewendet werden.

Wer zu einer trockenen Scheide neigt, sollte während der Menstruation besser Binden und Slipeinlagen statt Tampons verwenden. Letztere saugen neben dem Menstruationsblut auch Scheidensekret auf und begünstigen damit Scheidentrockenheit. Gerade wenn die Monatsblutung schwach ist, sollte auf Tampons daher verzichtet werden.

So klappt es mit Sex trotz Scheidentrockenheit

Scheidentrockenheit kann eine deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität mit sich bringen. Schließlich ist der Wunsch nach erfüllter Sexualität selbstverständlich auch in und nach den Wechselahren im höheren Alter vorhanden. Bei Schmerzen und Scheidentrockenheit ist das sexuelle Erleben jedoch stark beeinträchtigt. Viele Frauen gehen Sex aufgrund dieser Symptome sogar bewusst aus dem Weg.

Deshalb ist es wichtig, eine stark ausgeprägte und anhaltende Scheidentrockenheit frühzeitig zu behandeln. Denn mit der richtigen Therapie nehmen Schmerzen beim Sex in der Regel ab. Viele Frauen erlangen außerdem ihr sexuelles Wohlbefinden wieder, nachdem sie ihre Scheidentrockenheit mit vaginalen Feuchtigkeitscremes oder hormonhaltigen Präparaten behandeln.

Daneben kann es helfen, wenn sich beide Partner beim Vorspiel ausreichend Zeit lassen und besonders auf die Wünsche der Frau eingehen. Um den Mangel an Feuchtigkeit beim Sex auszugleichen, kann ein Gleitgel oder hautverträgliches Massage- und Babyöl helfen. Dabei sollte man jedoch auf mögliche allergische Reaktionen achten und Öl nicht zusammen mit einem Kondom verwenden, da das Material durch das Öl beschädigt wird.


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Frau Dr. Barbara Grüne

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