Letzte Behandlungsoption für schwerkrankes Herz

Herztransplantation: Neues Herz benötigt

Weltweit haben mehr als 80.000 Menschen diese Situation bereits erlebt: Wenn mit den herkömmlichen Verfahren Patienten mit schwerer Herzschwäche nicht mehr geholfen werden kann, bleibt als einzige Behandlung die Herztransplantation, also die Verpflanzung eines Spenderherzens, das die Funktion des kranken, schwachen Organs übernimmt.

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Eine Herztransplantation ist ein großer operativer Eingriff, de in Deutschland in 22 spezialisierten Kliniken durchgeführt wird.
(c) Jochen Sands

Unter einer Herztransplantation versteht man die Verpflanzung eines noch lebensfähigen Spenderherzens in einen anderen Menschen. Die Operation ist meist die letzte Möglichkeit, ein geschädigtes Herz zu behandeln, nachdem andere Therapieoptionen bereits ausgeschöpft wurden.

Die erste Herztransplantation führte der südafrikanische Herzchirurgen Christiaan Barnard im Dezember 1967 durch. Sie erregte weltweit großes Aufsehen. Die Herztransplantation hat sich in den folgenden Jahrzehnten enorm weiterentwickelt. Dabei haben sich die Operationsmethoden und auch die Nachbehandlung immer mehr verfeinert, mit neuen Medikamenten lassen sich die Abstoßungsreaktionen des Körpers besser beherrschen. Der Anteil der Menschen, die Jahre und Jahrzehnte mit dem neuen Organ leben, ist kontinuierlich gestiegen. Nach einem Jahr leben heute noch 80 Prozent, nach fünf Jahren noch 75 Prozent der Patienten mit einem Spenderherz.

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Lifeline/Wochit

2016 wurden in Deutschland 297 Spenderherzen transplantiert. 450 Menschen wurden neu für eine Herztransplantation angemeldet, insgesamt standen zum Jahresende 725 Menschen auf der Warteliste für eine Herztransplantation.

Allerdings geht die Zahl der Herztransplantationen als auch der neu angemeldeten Patienten für eine solche Operation in Deutschland seit Jahren zurück. Das liegt einerseits daran, dass immer weniger Spenderherzen zur Verfügung stehen. Andererseits gibt es durch verbesserte Behandlungsoptionen bei schweren Herzerkrankungen mittlerweile mehr Alternativen, den Betroffenen zu helfen.

Wann eine Herztransplantation durchgeführt wird

Die Transplantation wird in Erwägung gezogen, wenn ein erkranktes Herz nicht mehr medikamentös oder mithilfe anderer Operationen behandelt werden kann und die Gefahr des Herzversagens droht. Dahinter können verschiedene Ursachen stecken. Hauptindikationen für eine Herztransplantation sind

  • schwere koronare Herzkrankheit mit Verengung der Herzkranzgefäße. Diese entsteht durch nicht behandeltem Bluthochdruck oder Blutzucker (Diabetes), Rauchen, erhöhten Blutfettwerten, selten durch genetische Vorbelastung.

  • krankhafte Vergrößerung des Herzens (dilatative Kardiomyopathie). Diese entsteht zum Beispiel durch Infektionen oder exzessiven Alkoholkonsum. Sie kann aber auch angeboren sein.

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Weitere Indikationen für eine Herztransplantation sind langjährige unbehandelte Fehlfunktionen der Herzklappen, schwere angeborene Herzfehler, sowie erneute Herztransplantationen.

Wann keine Transplantation durchgeführt wird

Trotz der schweren Herzerkrankung muss der Patient in einem stabilen Allgemeinzustand sein und seine Organe die Operation und die anschließende Behandlung gut verkraften können. Nicht für eine Herztransplantation infrage kommen daher zum Beispiel Patienten mit

  • lebensbedrohlichen Erkrankungen (zum Beispiel Krebs),
  • chronischen Infektionen (zum Beispiel HIV),
  • schweren Nieren-, Leber- und Lungenleiden,
  • erhöhtem Lungengefäßwiderstand,
  • schweren Gefäßverkalkungen der Arterien,
  • Insulinpflichtigem Diabetes mit Organschäden.

Grundsätzlich kann eine Herztransplantation in jedem Alter durchgeführt werden, auch bei Kindern und Jugendlichen. Die meisten Herztransplantationen finden zwischen dem 50. Und 65. Lebensjahr statt. Jenseits des 65. bis 70. Lebensjahrs sind Herztransplantationen selten, da meist zusätzliche Organerkrankungen vorliegen, die eine Transplantation erschweren oder ausschließen.

Warteliste und Organzuteilung bei Herztransplantationen

Ist ein Patient mit einer dieser Indikationen in einem Organtransplantationsprogramm aufgenommen worden, beträgt die Wartezeit auf ein gesundes Herz meist noch zwischen sechs und 24 Monaten. Registriert werden die Patienten mit ihren Daten bei der Eurotransplant-Stiftung in den Niederlanden, von dort werden die Spenderorgane vermittelt.

Herzschwäche rechtzeitig erkennen

Dr. Heart / Expertenteam

Ob ein Spenderorgan für einen Patienten geeignet ist und zugeteilt werden kann, wird anhand mehrerer Kriterien entschieden:

  1. Blutgruppe von Spender und Empfänger müssen übereinstimmen.

  2. Gewicht und Größe von Spender und Empfänger sollten möglichst übereinstimmen, Abweichungen von bis zu 20 Prozent sind tolerierbar.

  3. Dringlichkeit: Patienten in akut lebensbedrohlichen Zustand bekommen bevorzugt ein Spenderherz, rund zehn Prozent der Patienten auf der Warteliste haben HU-Status (High urgency = hohe Dringlichkeit).

  4. Wartezeit des potentiellen Empfängers und Konservierungszeit für das Spenderorgan. Die Konservierungszeit ist der Zeitraum zwischen Entnahme und Transplantation des Herzens und soll möglichst kurz sein.

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Steht aktuell kein Spenderorgan zu Verfügung und das Herz des Patienten droht, völlig zu versagen, so gibt es die weitere Möglichkeit, zunächst ein mechanisches Unterstützungssystem zu implantieren. Rund ein Viertel der Patienten, die ein Spenderherz brauchen, erhalten heutzutage zunächst ein solches Kunstherz, ehe dann später eine Herztransplantation vorgenommen wird. Die mechanischen Unterstützungssysteme dienen als Überbrückung. Sie halten den Kreislauf aufrecht, bis ein geeignetes Spenderherz verfügbar wird.

Ablauf der Herztransplantation

Man unterscheidet bei der Herztransplantation grundsätzlich zwei Verfahren:

  • Bei der sogenannten orthotropen Transplantation wird das kranke Herz entfernt und durch das Spenderherz ersetzt.

  • Bei der heterotropen Transplantation bleibt das kranke Herz im Körper und bekommt Unterstützung durch das zusätzlich implantierte Spenderherz.

Auch die gleichzeitige Transplantation von Herz und Lunge oder anderen Organen kann durchgeführt werden.

Bereits während die ersten Informationen zu möglichen Spenderherzen zwischen Transplantationsklinik und Vermittlungsstelle ausgetauscht werden, wird der Patient informiert, zur Klinik gebracht (falls er sich noch nicht dort befindet) und für die Operation vorbereitet.

Das Spenderherz kommt gekühlt im Operationssaal an. Unter Vollnarkose wird der Brustkorb geöffnet und der Blutkreislauf an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Diese Apparatur sorgt für die Dauer der Transplantation (rund zwei bis drei Stunden) dafür, dass der Körper mit Sauerstoff versorgt und der Blutkreislauf aufrecht erhalten bleibt.

Der Herzchirurg trennt nun zunächst die großen Blutgefäße vom kranken Herzen und entnimmt dieses. Häufig verbleiben die Vorhöfe des alten Herzens im Brustkorb. Anschließend wird das Spenderherz mit den Blutgefäßen des Empfängers verbunden.

Wie lange dauert die Genesung?

Nach der Operation kommt der Patient zunächst auf die Intensivstation und wird dort je nach Verlauf für zwei bis sieben Tage überwacht. Der gesamte Klinikaufenthalt beträgt – wenn die Heilung komplikationslos verläuft – etwa zwei Wochen. Während dieser Zeit beobachtet man mögliche Abstoßungsreaktionen und stellt die individuelle Therapie mit Medikamenten ein. Nach dem Klinikaufenthalt erfolgt eine mehrwöchige Rehabilitation, während der Patient wieder körperlich fit wird und lernt, mit dem neuen Herzen zu leben. Viele Herztransplantierte spüren schon bald, dass es ihnen mit dem gesunden Herzen körperlich besser geht.

Komplikationen nach der Herztransplantation

Die Herztransplantation ist ein großer operativer Eingriff und als solcher mit Risiken verbunden. Dazu gehören Blutungen während und nach der Operation, Wundheilungsstörungen und die Bildung von Blutgerinnseln.

Abstoßung des fremden Organs

Viel gefürchteter ist jedoch die Abstoßungsreaktion. Auch wenn Spender und Empfänger möglichst genau zueinander passen, wird das neue Organ vom körpereigenen Immunsystem als "fremd" erkannt und attackiert. Die Abstoßungsreaktion kann zur Folge haben, dass das neue Organ geschädigt wird, seine Funktion einstellt und sogar abstirbt.

Besonders hoch ist das Risiko hierfür in den ersten Monaten nach der Herztransplantation, weshalb intensiv nach Methoden und Faktoren gesucht wird, die den Beginn einer solchen akuten Abstoßungsreaktion frühzeitig anzeigen. Denn dann muss die Unterdrückung des Immunsystems (Immunsuppression) forciert werden.

Dies gelingt in aller Regel, indem zumindest für eine gewisse Zeitspanne mehrere immunsuppressiv wirksame Medikamente kombiniert gegeben werden. Die Dosis der Medikamente kann meist nach gewisser Zeit zurückgenommen werden.

Die Immunsuppressiva müssen von den Patienten ein Leben lang eingenommen werden, da ansonsten auch chronische Abstoßungsreaktionen drohen. Diese verlaufen schleichend und sind vor allem durch Entzündungsreaktionen der im Transplantat liegenden Blutgefäße gekennzeichnet. Sie können Durchblutungsstörungen des Spenderorgans verursachen und so dazu beitragen, dass das Organ in seiner Funktion nachhaltig gestört wird und schließlich abstirbt.

Unterdrückung des Immunsystems hat Konsequenzen

Die Gabe der Immunsuppresiva wird individuell auf den Patienten eingestellt. Jedoch werden die Medikamente immer das körpereigene Immunsystem schwächen. Der Körper kann sich nicht mehr ausreichend gegen eindringende Krankheitskeime wehren, das Risiko für Infektionen durch Viren, Bakterien und Pilze ist ungleich höher als bei Menschen ohne Transplantat. Gefürchtet sind vor allem schwere Infektionen bis hin zur Sepsis, wenn die durch die Immunsuppressiva entstandene Abwehrschwäche zu ausgeprägt ist. Menschen mit einem transplantierten Herz müssen sehr genau auf Hygiene achten und ihr Infektionsrisiko möglichst minimieren.

Deshalb wird Patienten, bei denen eine Herztransplantation geplant ist, zu einem umfassenden Impfschutz geraten. Auch nach dem Eingriff sollten sie regelmäßig die Möglichkeiten der Schutzimpfungen, also zum Beispiel gegen Grippe, nutzen. Eine gute gesundheitliche Überwachung ist außerdem erforderlich, weil die immunsuppressive Behandlung auf lange Sicht gesehen in Einzelfällen auch das Wachstum bösartiger Tumore fördern kann.

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