Symptome A - Z

Schulterschmerzen

Bei Schulterschmerzen sind alltägliche Bewegungen oft extrem erschwert

Schulter.jpg
Das Schultergelenk ist sehr beweglich, aber auch anfällig für Verletzungen.
Getty Images/iStockphoto

Schulterschmerzen sind ein verbreitetes orthopädisches Problem. Sie treten bei Verschleißerscheinungen im zunehmenden Alter, als Folge von Entzündungen oder Verletzungen auf.

Die Schulter kann je nach Ursache bei starker Belastung, bei im Alltag üblichen Armbewegungen oder auch nachts Schmerzen bereiten.

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk im menschlichen Körper. Es besteht aus drei Knochen: Oberarmknochen, Schulterblatt und Schlüsselbein. Das Hauptgelenk wird aus dem Oberarmknochen und dem Schulterblatt gebildet. Eine flache Mulde im Schulterblatt (Gelenkpfanne) umfasst den oberen Teil des Oberarmknochens, den Oberarmkopf. Im Gegensatz zu anderen Gelenken, wie zum Beispiel dem Hüftgelenk, ist die Gelenkpfanne des Schulterblatts deutlich flacher.

Die Bewegungen des Schultergelenks werden vor allem durch Muskeln geführt, wodurch die hohe Beweglichkeit gewährleistet wird. Die hat allerdings ihren Preis: Das Schultergelenk ist durch seine Instabilität besonders anfällig für Verletzungen.

Ursachen von Schulterschmerzen

Schulterschmerzen gehen häufig von den Weichteilen im Schulterbereich, also von Muskeln, Sehnen, Bändern und dem Schleimbeutel aus. Verschleißerscheinungen, Überlastung aber auch Fehlhaltungen und eine unzureichend trainierte Muskulatur können zugrunde liegen. Bestimmte Sportarten wie Tennis oder Golf können können das Gelenk belasten und schwächen. Infolge von Unfällen oder Stürzen kann das Schultergelenk auskugeln oder das knöcherne Schlüsselbein brechen.

  • zum Special

    Rückenschmerzen, Verspannungen oder Muskelkrämpfe: Muskel- und Gelenkbeschwerden haben viele Gesichter. Lesen Sie alles über Symptome, Ursachen und Behandlung!

Vermeintliche Schulterschmerzen können allerdings auch von Organen im Brust- und oberen Bauchraum (Herz, Lunge, Rippenfell, Leber, Nieren, Gallenblase) ausgehen. Dann treten meistens auch andere Beschwerden auf, die für das jeweilige Krankheitsbild charakteristisch sind. Auch Erkrankungen der Halswirbelsäule, Bandscheibenvorfälle oder Rückenmarkserkrankungen können Schulterschmerzen auslösen.

Grundsätzlich lassen sich die Ursachen von chronischen und akuten Schulterschmerzen unterscheiden:

Chronische Schulterschmerzen

Chronische Schulterschmerzen können zum Beispiel durch folgende Krankheitsbilder ausgelöst werden: 

  • Impingement-Syndrom

Beim Impingement-Syndrom ist das Schultergelenk verengt. Das führt zu Schmerzen und beeinträchtigt die Beweglichkeit des Gelenks. Insbesondere die Abspreizung der Arme bereitet den Betroffenen Schmerzen („schmerzhafter Bogen“). Häufig tritt das Impingement-Syndrom infolge einer Überbelastung durch Überkopfbewegungen der Arme  auf. Bestimmte Berufsgruppen wie Maler oder Sportler (zum Beispiel Volleyballspieler) haben ein erhöhtes Risiko für das Impingement-Syndrom.

  • Riss der Rotatorenmanschette

Die sogenannte Rotatorenmanschette ist ein Muskelmantel, der zur Stabilisierung des Schultergelenks dient. Sie ist auch für die Drehbewegung der Schulter und zum Teil auch für das Abspreizen der Arme verantwortlich. Ursachen für einen Riss der Rotatorenmanschette können ein Impingement-Syndrom, altersbedingte Verschleißerscheinungen oder plötzliche Belastungen (Sturz auf den ausgestreckten Arm, Krafttraining) sein.

  • Kalkschulter

Bei diesem Krankheitsbild, das Frauen ab etwa 40 Jahre häufiger als Männer betrifft, kommt es zu Kalkeinlagerungen im Bereich der Rotatorenmanschette. Schmerzhaft wird die Kalkschulter häufig erst dann, wenn der Raum unter dem Schulterdach durch die  Kalkablagerungen stark verengt wird (Impingement-Syndrom) oder Entzündungen ausgelöst werden.

  • Schultersteife („Frozen shoulder“)

Von einer Schultersteife oder auch „frozen shoulder“ (engl. eingefrorene Schulter) spricht der Mediziner, wenn die Kapsel des Schultergelenks dessen Beweglichkeit stark einschränkt. Die Schultersteife kann sich etwa nach Unfällen, Operationen aber auch ohne äußere Ursache einstellen. Bestimmte Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes oder Schilddrüsenüberfunktion) sind Risikofaktoren für die Entwicklung der Schultersteife.

  • Schulter-Arthrose (Osmarthrose) 

Der Schulter-Arthrose liegt ein Knorpelverschleiß im Schultergelenk zugrunde. Sie tritt meistens ohne erkennbare Ursache auf, wird aber auch nach Unfällen oder nach unbehandelten Schultererkrankungen beobachtet.

Akute Schulterschmerzen gehen oft auf

  • eine Ausrenkung des Schultergelenks (Luxation) oder
  • einen Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur)

zurück.

Schulterausrenkung (Luxation) 

Aufgrund der hohen Beweglichkeit ist das Schultergelenk im Vergleich zu anderen Gelenken besonders häufig von einer so genannten Ausrenkung (Luxation) betroffen. Häufig wird die Schulter bei Sportunfällen oder Stürzen „ausgekugelt“: Dabei springt der Oberarmknochenkopf aus der Gelenkpfanne. Nicht immer ist eine Operation erforderlich, um die Schulter wieder einzurenken. Bei älteren Menschen reicht häufig die zeitweise Ruhigstellung der Schulter und anschließende Krankengymnastik aus. Jüngere Patienten haben dagegen ohne Operation ein erhöhtes Risiko für ein wiederholtes Auskugeln der Schulter.

Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur) 

Ein leichter Schlag oder ein einfacher Sturz auf die Schulter oder auf den ausgestreckten Arm können schon ausreichen, und der empfindliche Schlüsselbeinknochen bricht. Insbesondere Kinder und Jugendliche sind häufig betroffen. Meist ist eine Schwellung im Bereich des Knochens zu erkennen und der Patient nimmt eine Schonhaltung ein. In der Regel wird der Bruch mit einem sogenannten Rucksackverband ruhiggestellt.

Schulterschmerzen: Symptome

Die Symptome der Schulterschmerzen können je nach Ursache unterschiedlich ausgeprägt sein:

  • Bewegungs- und Funktionsstörungen des Schultergelenks
  • Ausstrahlende Schmerzen bis in die Hände oder den Rücken
  • Druckschmerz

Je nach Ursache können sich die Schmerzen bei bestimmten Armbewegungen (Abspreizung, Drehbewegungen) äußern oder sich – z. B. nach Unfällen – als brennender, stechender, einschließender Schmerz bemerkbar machen. Häufig ist gleichzeitig auch die Beweglichkeit der Arme extrem eingeschränkt. Betroffene können alltägliche Bewegungen, wie zum Beispiel Haarekämmen, Zähneputzen oder Ankleiden kaum oder nur unter großen Schmerzen durchführen.

Diagnose von Schulterschmerzen

Bei Schmerzen erhebt der Arzt im Gespräch die Krankengeschichte (Anamnese) und befragt den Patienten nach bekannten Schultererkrankungen, nach Stürzen oder Unfällen. Wichtig ist dabei die Charakteristik der Schmerzen, also beispielsweise seit wann die Schmerzen bestehen, ob sie nachts auftreten, ob die Schmerzen belastungsabhängig und mit einer eingeschränkten Beweglichkeit verbunden sind.

Anschließend folgt die Untersuchung: Der Arzt beobachtet die Körperhaltung und die Bewegungen des Patienten. Er kontrolliert Schulterstand, Schlüsselbeine und die Armhaltung. Wichtige Hinweise liefern auch bestimmte Beweglichkeitstests, bei denen der Patient die Arme aktiv oder passiv (geführt durch den Arzt), teilweise auch gegen einen Widerstand, nach innen beziehungsweise nach außen dreht oder abspreizt.

Je nach Verdacht kann der Arzt zusätzlich bildgebende Diagnoseverfahren einsetzen: 

Was hilft bei Schulterschmerzen?

Je nach Ursache ist die Behandlung von Schulterschmerzen sehr unterschiedlich. Sie kann konservativ, also ohne Operation, oder operativ erfolgen. Bei der konservativen Therapie werden beispielsweise Salben, Gele oder Lotionen angewandt, die kühlend oder wärmend wirken und häufig mit entzündungshemmenden oder antirheumatischen Medikamenten angereichert sind. Bei chronischen Schmerzen ist Wärme ratsam, bei akuten Beschwerden – vor allem infolge von Unfällen – Kälte. Auch bei Gelenkreizungen (beispielsweise bei Arthrose oder einer Schleimbeutelentzündung) hilft Kälte in der Regel am besten.

Die Ruhigstellung der Schulter ist nur nach Schulterverrenkungen, Kapselzerreißungen und Brüchen sowie nach Operationen sinnvoll. Bei anderen Ursachen wird eine Ruhigstellung vermieden, um ein Verkleben der Kapselfalten, die für den vollen Bewegungsumfang benötigt werden, zu verhindern.

Weitere Therapiemöglichkeiten bei Schulterschmerzen sind:

Zur langfristigen Behandlung wird meist regelmäßige Krankengymnastik zur Kräftigung der Muskulatur verordnet.

Die aktive Mitarbeit des Patienten ist hier besonders wichtig: Da in vielen Fällen Bewegungsmangel und Muskelschwäche oder eine fehlerhafte Haltung die Schmerzen auslösen, kann der Betroffene selbst viel tun, um seine Genesung zu unterstützen. Führen diese Maßnahmen nicht zum Erfolg, kann unter Umständen eine Operation erforderlich werden.

Wie kann ich Schulterschmerzen vorbeugen?

Regelmäßige Bewegung stärkt die stabilisierenden Muskeln rund um das Schultergelenk. Bei sportlichen Aktivitäten empfiehlt es sich, das Schultergelenk nicht zu stark zu beanspruchen, um Schulterschmerzen vorzubeugen. Ist bekannt, welche Reize die Schulterschmerzen auslösen, ist es wichtig, diese zu vermeiden. Bestehen bereits Beschwerden, die durch Gelenkverschleiß auftreten, kann eine rechtzeitige Therapie dem raschen Fortschreiten der Erkrankung vorbeugen.

Autor: / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 10. April 2014
Durch:
Quellen: Carola C. Würgler-Hauri, Ralph Sheikh, Bernhard Jost, Christian Gerber. Periarthropathia humeroscapularis – Diagnostik und Therapie. Schweiz Med Forum 2007;7:81–86. http://www.medicalforum.ch/pdf/pdf_d/2007/2007-03/2007-03-256.PDF Simone Ernst. Die Entstehung von Schulterschmerzen. ORTHOpress 2 /2009. http://www.orthopress.de/pdf/inhalte/OP2_09_Schulterschmerzen.pdf Informationen des Universitäts- und Rehablilitationskliniken Ulm: Schulterchirurgie: www.rku.de Informationen der Klinik am Ring Köln: Orthopädie: www.klinik-am-ring.de Debrunner, H. et al: Orthopädisches Diagnostikum. Thieme, Stuttgart F.A. Brockhaus (Hrsg.).: Der Brockhaus Gesundheit. F. A. Brockhaus GmbH, Leipzig/Mannheim Grifka, J.: Die Schulterschule. Rohwolt Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg

comments powered by Disqus
Meistgelesen in dieser Rubrik
Hodenschmerzen
Das Ziehen im Unterleib

Ratgeber zur Selbstdiagnose, wenn der Hoden schmerzt mehr...

Ischiasschmerzen (Ischialgie)
Symptome von A bis Z

Woher Ischiasschmerzen kommen und wie Sie sie loswerden mehr...

Blut im Urin (Hämaturie)
Symptom

Das Symptom Hämaturie bedeutet, dass Blut im Urin eines Patienten nachweisbar ist mehr...

Fragen Sie unser Gesundheitsteam

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...

Einfach, schnell und kostenlos den richtigen Arzt finden und online Termine vereinbaren

Arzt finden
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.



Newsletter-Leser wissen mehr

Mit dem kostenlosen Lifeline-Newsletter sind Sie immer auf dem aktuellen Stand

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang