Heilen mit den Händen

Manuelle Therapie

Die manuelle Therapie oder Chirotherapie umfasst Behandlungstechniken, bei denen der Therapeut allein seine Hände einsetzt. Durch Massage, Dehnung oder Druck auf Gewebe sollen Blockaden gelöst, die Beweglichkeit wiederhergestellt oder Schmerzen gelindert werden.

Manuelle-Therapie-87700032.jpg
Die Hände sind das wichtigste Behandlungsinstrument bei der Manuellen Therapie.
© iStock.com/PeopleImages

Bei der manuellen Therapie handelt es sich um spezielle Handgrifftechniken, die dazu dienen, eine Bewegungsstörung im Bereich der Extremitätengelenke oder der Wirbelsäule zu lokalisieren und zu analysieren. Dieser Befund dient als Grundlage der therapeutischen Handgriffe, die ein Physiotherapeut als sogenannte Mobilisation durchführt.

Der Begriff manuelle Therapie ist heute sehr weit gefasst. Methoden der manuellen Therapie werden in der Physiotherapie und in den zwei sehr ähnlichen Zweigen Chiropraktik und Osteopathie eingesetzt. Ihre Anfänge nahm die manuelle Medizin bereits im Altertum; im 20. Jahrhundert entstanden die Osteopathie und Chiropraktik.

In Deutschland werden für manuelle Therapie auch die Begriffe manuelle Medizin und/oder Chirotherapie verwendet. Manuelle Medizin ist hier seit 1976 eine geschützte Zusatzbezeichnung für Ärzte, die manuelle Behandlungen anbieten.

Die dabei angewandten Verfahren sind wissenschaftlich überprüft und messbar. Grundlegende Techniken sind die passive Mobilisation und aktive Übungen an den Gelenken und der Wirbelsäule.

Chirotherapie oder Chiropraktik?

Die Chiropraktik wurde im 19. Jahrhundert von Daniel David Palmer begründeten. Er vertrat die Ansicht, dass eine Vielzahl von Erkrankungen und Organbeschwerden auf einer Fehlstellung der Wirbelgelenke beruhe und sich durch eine Wiederherstellung der Normallage von Muskeln, Knochen und Gelenken heilen lassen.

Als Universalerklärung für Erkrankungen von Körper und Geist konnte Palmers These im 20. Jahrhundert aber nicht standhalten. Erkenntnisse der modernen Medizin widerlegen eine orthopädische Erklärung für Erkrankungen wie Krebs oder Diabetes.

Darum verfolgt die moderne Chiropraktik die Behandlung und Heilung von funktionellen und reversiblen Störungen des Bewegungsapparats. Vereinfacht ausgedrückt geht es um das Einrenken akut verschobener Gelenke.

Tipps gegen geschwollene Beine

Lifeline/Wochit

Die manuelle Therapie oder Chirotherapie ist in Deutschland Bestandteil des Heilmittelkatalogs, wird von Ärzten bei zahlreichen Erkrankungen verordnet und von den Krankenkassen bezahlt, wenn ein Physiotherapeut oder Arzt mit entsprechender Aus- oder Fortbildung diese durchführt. Der Beruf des Chiropraktors (Chiropraktiker) ist dagegen Deutschland nicht eindeutig geregelt. Wer als Chiropraktiker behandeln möchte, muss Arzt oder Heilpraktiker sein. Im Ausland erworbene Abschlüsse gelten nur im Zusammenhang mit diesen Ausbildungen.

Dagegen ist in der Schweiz der Chiropraktor ein anerkannter Medizinberuf und dem Humanmediziner gleichgestellt. Für das Studium der Chiropraktischen Medizin gelten die gleichen Zulassungsbedingungen wie für Medizin. Die Leistungen der Chiropraktik werden von den Schweizer Krankenkassen bezahlt.

Spezielle Anwendungsformen der manuellen Therapie

Innerhalb der manuellen Therapie haben sich zudem zahlreiche Spezialisierungen und alternative Behandlungsmethoden entwickelt, die sich auf bestimmte Körperregionen oder Techniken konzentrieren. Unterformen sind zum Beispiel:

22 sanfte Hilfen gegen Rückenschmerzen

 

Im Gegensatz zur klassischen manuellen Therapie (Chirotherapie) gehören die meisten dieser alternativen Therapieformen jedoch nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland, da ihre Wirkung oft nicht ausreichend nachgewiesen ist.

Wie wirkt die manuelle Therapie?

Die Techniken der manuellen Therapie eignen sich zur Schmerzlinderung wie auch zur Mobilisation von Bewegungseinschränkungen. Voraussetzung ist, dass die Einschränkungen durch eine Funktionsstörung des Gelenks oder der zugehörigen Muskulatur verursacht werden, die sich durch die Anwendung auch beheben lassen kann. Bei degenerativen Erkrankungen wie etwa einer Gelenksarthose und damit nachhaltig beschädigten Gelenksknorpeln kann die manuelle Therapie nur bedingt helfen.

Bei der manuellen Therapie spielt das Bindegewebe eine wichtige Rolle. Die manuelle Therapie soll krankhafte Veränderungen des Bindegewebes auflösen, welche durch Krankheit, Verletzung, Fehlhaltungen oder Bewegungsmangel entstehen.

Durch Techniken wie Zug, Druck und Dehnung setzt der Therapeut Reize, welche die Selbstheilungskräfte des Gewebes anregen. Der Fluss von Gewebswasser und Lymphe sowie die Durchblutung werden gefördert, Muskelverspannungen abgebaut und die Beweglichkeit gesteigert. Durch Druck auf Zellen werden außerdem Signalwege und Gewebshormone aktiviert – dies kann Nerven und Psyche beeinflussen und beispielsweise Schmerzen lindern.

Wann wird die manuelle Therapie eingesetzt?

Die manuelle Therapie kann zur Behandlung verschiedenster Erkrankungsbilder eingesetzt werden.  Klassische Anwendungsgebiete sind

  • Schmerzen und Bewegungseinschränkungen von Rücken und Extremitäten durch Blockaden, Fehlbelastungen, verkürzte Muskeln und Sehnen
  • Einschränkung der Beweglichkeit der Gelenke, zum Beispiel nach Entzündungen, Operationen oder Ruhigstellungen
  • Arthrose
  • Narbenbehandlung und Rehabilitation nach Verletzungen
  • bei Flüssigkeitsansammlung im Gewebe (Ödemen)
  • bei bestimmten Formen von Kopfschmerzen, Tinnitus und Schwindel

Wie wird die manuelle Therapie durchgeführt?

Die manuelle Therapie umfasst verschiedene Anwendungen und Techniken. Dazu zählen Massage und Lymphdrainage sowie Techniken, bei denen der Therapeut zum Beispiel Gelenke passiv bewegt, sanft in Gewebe hineingreift, Druck oder kreisende Bewegungen ausübt. Der Therapeut benutzt allein seine Hände, um Gewebsveränderungen zu ertasten und zu behandeln. Während der manuellen Therapie werden außerdem auch Übungen, bei denen der Patient aktiv mitarbeitet, angewendet.

Die Auswahl der jeweiligen Mobilisationstechniken, die der Physiotherapeut einsetzt, wird durch den Befund, die eingeschränkte Bewegungsrichtung und die Form des Gelenks bestimmt. Die drei Grundtechniken der manuellen Therapie sind die Traktion, die Gleittechnik und die Entspannungs- Dehn- und Gleittechnik.

Manuelle Therapie Traktion.jpg

Traktion
Bei dieser Technik wird das Gelenk gedehnt der Gelenkspalt vergrößert. Dies führt unter anderem zu Druckminderung, Entlastung und Schmerzlinderung. Außerdem verbessert sich durch die Dehnung von Bändern und der Gelenkkapsel die Beweglichkeit.

 

 

Manuelle Therapie Gleiten.jpg

Gleittechnik
Mit Hilfe von Gleittechniken bewegt der Physiotherapeut die beiden Gelenkflächen parallel zueinander. Dadurch verbessert sich das Gelenkspiel und die Bewegung fühlt sich wieder leichter an.

Adjustierung: Durch spezielle Handgriffe werden kleine Verschiebungen der Wirbelkörper am Rückgrat wieder eingerenkt. Dadurch soll der Druck auf das Rückenmark in die dort abgehenden Nerven (Spinalnerv) gemindert werden. Diese Behandlung eignet sich beispielsweise bei Rückenschmerzen durch einen "Hexenschuss".

 

 

Manuelle Therapie Dehnen.jpg

Entspannungs-, Dehn- und Gleittechnik
Eine Auswahl an speziellen Entspannungs-, Dehn- und Gleittechniken verbessert schließlich den Zustand der Muskulatur und der Nervenbahnen, so dass die neu gewonnene Bewegungsfreiheit voll ausgeschöpft werden kann.

Eine Behandlungseinheit dauert je nach Therapieplan zwischen 15 und 25 Minuten. Oft schließt sich daran eine Wärmebehandlung und/oder eine Nachruhe an. Je nach  aufgestellter Diagnose können Zyklen von sechs, zwölf oder 18 Behandlungen verordnet werden.

Nebenwirkungen und Risiken: Ist die manuelle Therapie gefährlich?

Die teilweise mit hohem Kraftaufwand praktizierten Techniken der manuellen Therapie haben direkte Auswirkungen auf die Gelenke – genau das ist auch das Ziel. Da hierbei oder durch ruckartige Bewegungen jedoch Schaden an den Gelenken angerichtet werden kann, ist die Weiterbildung zum Physiotherapeuten gesetzlich geregelt und umfasst mindestens 260 Stunden. Mögliche Schäden durch eine manuelle Therapie wie akute Verletzungen, Knochenbrüche oder das Einklemmen von Nerven sind daher selten.

Techniken an Halswirbelsäule und Kopfgelenken sollten nur behutsam durchgeführt werden. Nach einer Therapiesitzung kann es vorübergehend zu muskelkaterähnlichen Schmerzen, Kopfschmerzen und Schwindel kommen.

Nicht angewandt werden darf die manuelle Therapie bei akuten Entzündungen des zu behandelnden Gelenks, Infektionen, Knochenbrüchen, ausgeprägter Osteoporose, akutem Bandscheibenvorfall, Bluterkrankheit, Thrombose oder angeborenen Fehlstellungen.

Reden Sie mit!

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Meistgeklickt zum Thema
Reanimation (Wiederbelebung)
Therapien

Die Bildergalerie erklärt die Reanimation Schritt für Schritt mehr...

Hysterektomie: Methoden und Folgen der Gebärmutterentfernung
Wann ist der Eingriff nötig?

Nicht immer ist der Eingriff nötig. Alles zu Operationsmethoden, Risiken und Alternativen der Gebärmutterentfernung mehr...

Fußreflexzonenmassage: Landkarte gegen Beschwerden
Alternativmedizin

Füße drücken – Schmerz lass nach? Wie die Massage funktioniert und wann sie angewendet wird mehr...

Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen
Unsere Empfehlung
  • Gürtelrose (Herpes zoster): Ursache, Symptome und BehandlungGürtelrose

    Gürtelrose ist mehr als Herpes – oft bleiben danach chronische Schmerzen! mehr...

  • Drehen Sie das Glücksrad!Drehen Sie das Glücksrad!

    Vielleicht ist das Glück heute auf Ihrer Seite. Mit der Teilnahme an unseren interaktiven Gewinnspielen haben Sie die Chance auf hochwertige Preise. mehr...

Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Wie leiste ich Erste Hilfe?

Im Notfall richtig handeln

mehr...
Ausführliche Informationen
  • DiagnoseDiagnose

    Wir erklären Ihnen medizinische Untersuchungen einfach und verständlich. Damit Sie Bescheid wissen, was der Doktor mit Ihnen vorhat. mehr...

  • Laborbefund verstehenLaborwerte

    Verstehen Sie die Abkürzungen und Fachausdrücke Ihrer Laborergebnisse nicht? Einen roten Faden durchs Fachchinesich bietet das Laborwerte A bis Z. mehr...

Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren
Expertenrat Allgemeinmedizin

Die Lifeline-Experten beantworten Ihre Fragen fundiert und kompetent!

mehr...

Zum Seitenanfang