Beschwerden des Bewegungsapparates

Manuelle Therapie: Was ist das?

Die manuelle Therapie dient der Behandlung von Beschwerden und Funktionsstörungen des Bewegungsapparates. Mithilfe spezieller Handgriffe, Dehnung oder Druck auf das Gewebe sollen Blockaden gelöst, die Beweglichkeit wiederhergestellt oder Schmerzen gelindert werden. Wann hilft die manuelle Therapie?

Manuelle Therapie: Wie wirkt sie?
© Getty Images/dmphoto

Kurzübersicht: Manuelle Therapie

Was ist manuelle Therapie? Manuelle Therapie ist ein Teilbereich der manuellen Medizin. Sie wird von Physiotherapeuten und Physiotherapeutinnen mit spezieller Weiterbildung angewendet und dient der Untersuchung und Behandlung verschiedener Funktionsstörungen des Bewegungsapparates.

Ist manuelle Therapie seriös? Manualtherapie ist wissenschaftlich anerkannt und wird von den Krankenkassen übernommen. Voraussetzung ist, dass sie von gut ausgebildeten physiotherapeutischen Fachkräften durchgeführt wird.

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Was ist manuelle Therapie?

Die manuelle Therapie zählt zur physikalischen Bewegungstherapie. Dabei handelt es sich um spezielle Handgrifftechniken, die der Prüfung und Diagnose von Bewegungsstörungen im Bereich der Extremitätengelenke oder der Wirbelsäule dienen. Dieser Befund dient als Grundlage der therapeutischen Handgriffe, die etwa der Dehnung und Streckung von Muskeln und Gelenken dient. Fachleute sprechen auch von einer Mobilisationstherapie.

Der Begriff manuelle Therapie ist heute sehr weit gefasst. Methoden der manuellen Therapie werden in der Physiotherapie und in den zwei sehr ähnlichen Zweigen Chiropraktik und Osteopathie angewendet. In der Praxis ist die manuelle Therapie nicht immer klar von alternativmedizinischen Ansätzen abzugrenzen. In der Alternativmedizin sollen die Mobilisationstechniken neben Problemen mit Muskeln, Gelenken und der Wirbelsäule auch etwa "energetische Blockaden" lösen und somit allgemeine Symptome lindern.

Jedoch gilt die von Physiotherapeut*innen durchgeführte manuelle Therapie als wissenschaftlich überprüft und die Ergebnisse als messbar. Grundlegende Techniken sind die passive Mobilisation und aktive Übungen. Die Weiter- beziehungsweise Ausbildung zur Manualtherapeut*in ist umfassend und erfordert in der Regel ein Zertifikat zum Abschluss. So wird ein hoher Standard in der Manualtherapie erreicht.

Die manuelle Therapie ist in Deutschland Bestandteil des Heilmittelkatalogs: Manuelle Therapie kann so ärztlich verschrieben und neben Krankengymnastik in der physiotherapeutischen Praxis durchgeführt werden. Die Kosten übernimmt in der Regel die Krankenkasse.

Manuelle Therapie in der Alternativmedizin

Innerhalb der manuellen Therapie haben sich zudem zahlreiche Spezialisierungen und alternative Behandlungsmethoden entwickelt, die sich auf bestimmte Körperregionen oder Techniken konzentrieren. Unterformen sind zum Beispiel:

  • craniosacrale Therapie
  • Dornmethode oder Dorn-Breuss-Methode
  • Rolfing
  • Bowtech
  • Naprapathie

Im Gegensatz zur klassischen manuellen Therapie gehören die meisten dieser alternativen Therapieformen jedoch nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland, da ihre Wirkung oft nicht ausreichend nachgewiesen ist. Ärzt*innen verschreiben sie in der Regel nicht. Auch osteopathische Behandlungen werden nach wie vor der Alternativmedizin zugeordnet und nicht immer von den Krankenkassen erstattet.

Wann wird die manuelle Therapie eingesetzt?

Die manuelle Therapie kann zur Behandlung verschiedener Erkrankungen eingesetzt werden. Klassische Anwendungsgebiete sind:

  • Schmerzen und Bewegungseinschränkungen von Rücken und Extremitäten durch Blockaden, Fehlbelastungen, Verspannungen, verkürzte Muskeln und Sehnen
  • Einschränkung der Beweglichkeit der Gelenke, zum Beispiel nach Entzündungen, Operationen oder Ruhigstellungen
  • Arthrose
  • Narbenbehandlung und Rehabilitation nach Verletzungen
  • Flüssigkeitsansammlung im Gewebe (Ödeme)
  • Schlafstörungen
  • bestimmte Formen von Kopfschmerzen, Tinnitus und Schwindel
  • Schweißausbrüche

Wie wirkt die manuelle Therapie?

Die Behandlungstechniken der manuellen Therapie eignen sich zur Schmerzlinderung und Mobilisation von Bewegungseinschränkungen. Voraussetzung ist, dass die Einschränkungen durch eine Funktionsstörung des Gelenks oder der zugehörigen Muskulatur verursacht werden, die sich durch die Anwendung auch beheben lassen können. Bei degenerativen Erkrankungen wie etwa einer Gelenksarthose und damit nachhaltig beschädigten Gelenksknorpeln kann die manuelle Therapie nur bedingt helfen.

Durch Techniken wie Zug, Druck und Dehnung werden Reize eingesetzt, welche die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen. Die Durchblutung wird gefördert, Muskelverspannungen gelöst und die Beweglichkeit gesteigert.

Wie wird die manuelle Therapie durchgeführt?

Die manuelle Therapie umfasst verschiedene Anwendungen und Techniken und ist weitaus mehr als eine gängige Massage. Dazu kommen Techniken zum Einsatz, bei denen zum Beispiel Gelenke passiv bewegt werden, sanft in das Gewebe hineingegriffen wird und Druck oder kreisende Bewegungen ausgeübt werden. Die Therapeut*innen benutzen dabei vorrangig ihre Hände, um Gewebsveränderungen zu ertasten und zu behandeln. Während der manuellen Therapie werden außerdem auch Übungen, bei denen Patient*innen aktiv mitarbeiten, angewendet.

Die Auswahl der jeweiligen Verfahren zur Mobilisation, die bei der Manualtherapie einsetzt werden, basiert auf dem Befund, der eingeschränkten Bewegungsrichtung und der Gelenkart. Die Grundtechniken der manuellen Therapie sind:

  • Traktion: Bei dieser Technik wird das Gelenk gedehnt und der Gelenkspalt vergrößert. Dies führt unter anderem zur Druckminderung, Entlastung und Schmerzlinderung. Außerdem verbessert sich durch die Dehnung von Bändern und der Gelenkkapsel die Beweglichkeit.

  • Gleittechnik: Mithilfe der Gleittechnik werden zwei Gelenkflächen parallel zueinander bewegt. Dies führt zu einem optimierten Gelenkspiel. Die Bewegung fühlt sich wieder freier an.

  • Entspannungs-, Dehn- und Gleittechnik: Spezielle Entspannungs-, Dehn- und Gleittechniken verbessern das Zusammenspiel von Muskulatur und Nervenbahnen, wodurch sich die neu gewonnene Bewegungsfreiheit voll ausschöpfen lässt.

  • Adjustierung: Durch spezielle Handgriffe werden kleine Verschiebungen der Wirbelkörper am Rückgrat wieder eingerenkt. Dadurch soll der Druck auf das Rückenmark in die dort abgehenden Nerven (Spinalnerv) gemindert werden. Diese Behandlung eignet sich beispielsweise bei Rückenschmerzen durch einen "Hexenschuss".

Eine Behandlungseinheit dauert je nach Therapieplan zwischen 15 und 25 Minuten. Oft schließen sich daran eine Wärmebehandlung sowie eine Nachruhe an. Je nach gestellter Diagnose können Zyklen von sechs, zwölf oder 18 Behandlungen verordnet werden.

Nebenwirkungen und Risiken: Ist die manuelle Therapie gefährlich?

Die teilweise mit hohem Kraftaufwand praktizierten Techniken der manuellen Therapie haben direkte Auswirkungen auf die Gelenke – genau das ist auch das Ziel. Da hierbei oder durch ruckartige Bewegungen jedoch Schaden an den Gelenken angerichtet werden kann, ist die Zusatzausbildung gesetzlich geregelt. Mögliche Schäden durch eine manuelle Therapie wie akute Verletzungen, Knochenbrüche oder das Einklemmen von Nerven sind daher selten.

Techniken an Halswirbelsäule und Kopfgelenken sollten nur behutsam durchgeführt werden. Nach einer Therapiesitzung kann es vorübergehend zu muskelkaterähnlichen Schmerzen, Kopfschmerzen und Schwindel kommen.

Nicht angewandt werden darf die manuelle Therapie beispielsweise bei akuten Entzündungen des zu behandelnden Gelenks, Knochenbrüchen, ausgeprägter Osteoporose oder akutem Bandscheibenvorfall.

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