Verspannter Nacken, steifer Hals und HWS-Syndrom

Nackenschmerzen: Was hilft mir sofort?

Zugluft, Kälte, eine falsche Bewegung oder ein kleiner Unfall im Verkehr oder beim Sport – und jetzt schmerzt der Nacken, es zieht bis in die Schultern oder der Kopf sitzt steif auf der Halswirbelsäule. Nackenschmerzen sind eine der häufigsten Schmerzarten. Jedem zweiten Erwachsenen ist das statistisch schon passiert, leider oft mehrfach. Alle Arten von Nackenschmerzen, welche Hausmittel und Medikamente im Notfall schnell helfen und wie Sie Nackenschmerzen vorbeugen.

Junge Frau sitzt vor dem Computer und hat Nackenschmerzen
Arbeiten am Laptop ist praktisch: Jeder Ort kann damit zum Heimbüro werden. Doch die Bauart der Geräte erlaubt keine entspannte Sitzhaltung – und schon schmerzt der Nacken.
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Auslöser für Nackenschmerzen oder einen steifen Hals gibt es viele. Doch meist sind der zugige Sitzplatz im Restaurant oder "die eine dumme Bewegung" nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, weil die Halswirbelsäule (HWS) bereits seit Längerem überreizt und überanstrengt ist.

Nackenschmerzen kommen spontan – aber nicht überraschend

Eigentlich ist der Hals ein äußerst beweglicher Teil unseres Körpers: Drehen, beugen strecken, auch in Kombination über mehrere Achsen – warum sollte dann eine Bewegung plötzlich Schmerzen auslösen? Oder Kälte und Zugluft: Ist unser Körper wirklich so empfindlich? Es sind zwar genau diese Kleinigkeiten, die der Halswirbelsäule und der Nackenmuskulatur zu viel werden. Dennoch sind die akuten Auslöser für Nackenschmerzen nicht das eigentliche Problem.

Erst die langfristige Überbeanspruchung der Schulterpartie und des Stützapparats unseres Kopfs lässt die dort Entzündungen und Muskelverhärtungen entstehen. Meist sind sie auf eine Fehlhaltung zurückzuführen, also eine falsche Körperhaltung am Schreibtisch, beim eigentlich entspannten Sitzen auf der Couch vor dem Fernseher oder beim Stehen: Die Schultern sind eingefallen, der Rücken rund, die Hüfte steht quer und die Wirbelsäule wölbt sich nach außen. In der Folge verkürzen sich die ersten Muskeln, die Haltung wird noch schlechter, Muskelverspannungen entstehen und eine daraus resultierende Schonhaltung macht das ganze Problem noch schlimmer.

Nackenschmerzen natürlich lindern mit diesen Hausmitteln!

 

Denn wenn sich die Nackenmuskulatur verhärtet, quetschen die Muskeln wichtige Arterien ab. Der Blutfluss ist gestört oder gar unterbrochen und das kann die unterschiedlichsten Krankheitsbilder hervorrufen, so auch Kopfschmerzen, Schwindel, Atembeschwerden, Herzrasen und sogar unregelmäßigen und schmerzhaften Monatsblutungen.

Die Muskeln im Nackenbereich ziehen wie ein sich spannendes Seil an den Knochen und erstarren förmlich. Der Hartspann, so der medizinische Ausdruck, drückt auf die Nervenstrukturen und verursacht Schmerzen. Reflektorisch reagiert der Körper mit Verspannungen.

Die häufigsten Ursachen für Nackenschmerzen und steifen Hals

Fast immer resultieren Nackenschmerzen aus Problemen mit den Muskeln, Sehnen, Bändern und Faszien des Nackens selbst und/oder des Schultergürtels. Verspannungen und Zerrungen entstehen spontan und vergehen binnen Tagen.

Doch können auch Verschleiß oder akute bis chronische Erkrankungen Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule auslösen. Dazu gehören:

  • Entzündungen (Spondylitis, Spondylodiszitis, Schleimbeutelentzündung des Schultergürtels)
  • akute Verletzungen (Schleudertrauma, Wirbelkörperbruch, Bandscheibenvorfall)
  • akute internistische Erkrankungen (Angina pectoris, akuter Herzinfarkt)
  • rheumatische Erkrankungen (Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew)
  • neurologische Erkrankungen (Lähmungen, Nervenläsionen, Rückenmarksschädigungen)
  • Verschleiß (Beschädigungen der Bandscheiben bis hin zum Bandscheibenvorfall)
  • Gelenkverschleiß (Arthrose) im Bereich der Halswirbelkörper und des Schultergürtel)

Bei häufig wiederkehrenden Nackenschmerzen sollte ein zusätzlicher Auslöser in Erwägung gezogen werden: die Psyche. Emotionaler Stress und Belastungen im beruflichen oder auch privaten Lebensbereich führen zu einer erhöhten Körperspannung und somit Verspannung der Muskulatur. Dies wird besonders stark am Nacken spürbar. Obgleich die Behandlung der Symptome sich nicht von einem orthopädisch bedingten Nackenschmerz unterscheidet, so sieht die Prävention in diesem Fall ganz anders angesetzt aus.

Nackenschmerzen erwischen jeden Zweiten: Symptome

Nackenschmerzen kommen in jeder Altersgruppe vor. Selbst Kinder klagen im Wachstum über Schmerzen in der HWS. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlich noch einmal deutlich, wenn Muskeln und Gelenkflächen allmählich verschleißen. Wohl aufgrund einer geringeren Muskelmasse tritt dieser Prozess bei Frauen häufiger und früher auf.

Das Zervikalsyndrom ist der Oberbegriff für die Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule. Es beinhaltet die Nackenschmerzen als Leitsymptom, begleitet von einem ausstrahlenden Schmerz in die Schultern aber ohne Neurologie, wie Mediziner Empfindungsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl der Haut zusammenfassen. Um den Schmerz zu minimieren, nehmen die Betroffenen eine Schonhaltung ein (Schiefhals), was die dann unbewegte Muskulatur weiter verhärten lässt und zur Blockade der Halswirbelsäule sowie einem steifen Nacken führt.

Kommen zu den oben beschriebenen Symptomen neurologische Ausfälle hinzu, also kribbeln Arme, Hände oder Finger, spricht der Arzt vom Zerviko-Brachial-Syndrom. Dafür sind gereizte Nerven im unteren Bereich der Halswirbelsäule (Wirbelkörper C5 bis C7), dort, wo die Nerven der oberen Extremitäten austreten, verantwortlich. Sie können durch eine Wirbelfehlstellung gereizt oder bei einem hohen Bandscheibenvorfall sogar eingeklemmt sein.

Setzt sich der Schmerz nicht in Richtung des Körperstamms, also zu Rücken oder Brust, sondern zum Kopf hin fort – also wenn zum Nackenschmerz Symptome wie Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, Sehstörungen und Ohrensausen hinzukommen – wird dies als zervikozephales Syndrom bezeichnet.

So untersucht der Arzt: Diagnose und Verlauf von Nackenschmerzen

Die Diagnose Nackenschmerzen ist selbst für den Laien einfach zu stellen. Es sind einfach diese starken Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule, die das akute Problem ganz deutlich machen. Doch für den Arzt zählt nicht nur die Behandlung der prominenten Symptome, vielmehr muss er den Auslöser finden, damit der Schmerz nicht wieder entsteht. So geht er dabei vor:

  1. Darstellung einer entzündeten Halswirbelsäule bei Nackenschmerzen
    Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Wirbelkörpern (C1 bis C7). Der erste Halswirbel (auch als Atlas oder C1 bezeichnet) trägt den Kopf und bildet mit dem zweiten Halswirbel (auch als Axis oder 2 bezeichnet) das sogenannte Nickergelenk.
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    Blickdiagnose:
    Am Anfang der Diagnostik erfolgt der Blickbefund. Eine möglicherweise fFehlhaltung des Kopfes ist ein erster Hinweis auf muskulär bedingte Nackenschmerzen. Grund dafür sind Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich, die den Kopf in eine Schonhaltung zwingen, in der der Schmerz erträglicher wird.

  2. Bewegungsfähigkeit ermitteln:
    Der Patient muss dafür den Kopf in alle Richtungen drehen und neigen. Der Arzt ermittelt daraus die maximale, noch vorhandene Beweglichkeit. Daraus folgert er, welche Muskeln von der Verspannung betroffen sind, ob es Gelenkblockaden gibt, oder welche Nerven gerade leiden. Schmerzt die Nickbewegung, muss der Arzt auch an eine Gehirnhautentzündung (Meningitis) als mögliche Ursache denken.

  3. Tastbefund:
    Wie stark ein Muskel verspannt ist und ob sich Triggerpunkte gebildet haben, ermittelt der Arzt durch Abtasten der schmerzenden Region.

  4. Röntgen:
    Wie stehen die Wirbel genau zueinander? Ist die Halswirbelsäule etwa nach außen geneigt (Skoliose)? Sind die Wirbelzwischenräume groß genug? Eine Röntgenaufnahme in vier Ebenen zeigt die Stellung der HWS aus allen Perspektiven und ist Standard bei der Abklärung von wiederkehrenden Nackenschmerzen.

  5. Erweiterte Diagnostik nach Bedarf:
    Ist der Befund weiter unklar, können weitere bildgebende Verfahren wie die Kernspintomographie / Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt werden. Dies ist insbesondere bei neurologischen Ausfällen unerlässlich.

Hausmittel und Medikamente gegen Nackenschmerzen

Je nach Auslöser können Nackenschmerzen fast so schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen sind. Zumindest lassen sich die muskulären Ursachen gut therapieren. Bleibt ein leichter Schmerz jedoch unbehandelt, so führt er zu einer weiteren Nackenverspannung, eine Entzündung entsteht und es kommt zum steifen Nacken. Bei der Therapie von Nackenschmerzen werden zwei Phasen unterschieden:

Frau wärmt schmerzenden Nacken zur Muskelentspannung
Warm oder Kalt? Obwohl Entzündungen gekühlt werden sollte lindert Wärme bei Nackenschmerzen den Schmerz besser: Die verhärteten Muskeln entspannen sich.
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In der Akutphase wird das Leitsymptom selbst, also die Nackenverspannung, umfassend behandelt. Zugleich werden Begleiterscheinungen wie Schwindel, Sehstörungen oder Kopfschmerzen mittherapiert. Da der Schmerz meist plötzlich zuschlägt, kommen für den ersten Behandlungsansatz zunächst Hausmittel und Medikamente aus der Hausapotheke in Frage:

  • Wärme, etwa durch Kirschkernkissen, Quarkwickel oder Infrarotlichtstrahler, Wärmesalbe oder Capsaicin-Pflaster.

  • Schmerzmittel mit entzündungshemmendem Wirkstoff wie Ibuprofen oder Diclofenac können als Tablette eingenommen systemisch – also von innen – wirken.

  • Eine lokale Anwendung von Salbe oder Gel mit diesen Wirkstoffen auf der schmerzenden Muskelpartie ist hilfreich. Während Gele jedoch schnell einziehen, kann eine Salbe behutsam einmassiert werden, so dass Muskelknoten zusätzlich mechanisch gelöst werden.

Verschwinden die Schmerzen nicht binnen Stunden, oder wenn es zu neurologischen Symptomen wir Kribbeln oder Taubheitsgefühl der Haut kommt, muss ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann Schmerzmittel hochdosiert intravenös verabreichen. Eine Schmerzstillung mittels eines unter die Haut gespritzten Lokalanästhetikums (Quaddeln) wird nur noch in Ausnahmefällen durchgeführt.

In der Post-Akutphase muss die Ursache der Nackenschmerzen und Nackenverspannung gefunden und behandelt werden. Auch die Gabe von Schmerzmitteln sollte möglichst kurz gehalten werden. So ist Krankengymnastik (physikalische Therapie) der wichtigste Baustein in der Re-Mobilisierung des steifen Nackens.

Bei den Manuellen Therapien kommt die Friktionsbehandlung zum Einsatz.  Sie ist in der Lage, die verhärteten Muskelstrukturen zu lösen. Dabei bearbeitet der Therapeut Muskulatur und Bindegewebe mit großem Druck. Das ist nicht immer ganz schmerzfrei.

Alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur sind zusätzlich möglich.

Ist keine Verbesserung mittels Physiotherapie möglich, stehen schmerztherapeutische Methoden zur Wahl, etwa durch das Legen eines Schmerzkatheters. Ein letzter Schritt – und bei einem Bandscheibenvorfall leider oftmals die einzige Therapieoption – ist die OP: Mikrochirurgische Eingriffe aus dem Fachbereich der Wirbelsäulenchirurgie schenken den Betroffenen wieder Beweglichkeit ohne Schmerzen.

Tennisbälle gegen Rücken- und Nackenschmerzen

Sat.1

 

Wie beuge ich Nackenschmerzen vor?

Vorbeugen ist besser als die beste Therapie. Darum sollten Sie es gar nicht erst zu Nackenschmerzen kommen lassen. Diese Tipps schützen Sie vor einem steifen Hals:

  • Vermeiden Sie monotone Belastungen!
    Überprüfen Sie sich selbst immer wieder: Sitze ich richtig? Sind mein Stuhl im Büro und der Schreitisch passend für meine Größe eingestellt? Ist der Computerbildschirm weit genug entfernt und nicht zu hoch?

  • Entlasten Sie den Nackenbereich!
    Auf Reisen im Flugzeug, Auto oder in der Bahn sind Nackenstützkissen Ihr bester Reisebegleiter.

  • Trainieren Sie Ihren Nacken!
    Und lassen Sie es dabei langsam angehen. Ein starker Nacken beginnt bereits am Rücken. Mit Fitnessgeräten können Sie die Belastung langsam steigern und riskieren keine Überanstrengung. Schwimmen, insbesondere Rückenschwimmen, ist ein gutes Training für den Rücken und den Nackenbereich.

  • Machen Sie sich locker!
    Gerade vor dem Computer neigen viele dazu, die Schultern hochzuziehen, vor allem wenn wieder mal alles drunter und drüber geht. Darum öfter mal dran denken und die Schultern einfach fallen lassen, abwechselnd nach vorn und hinten kreisen und die Arme über den Kopf strecken. Das Handy oder Telefon sollte grundsätzlich mit der Hand und nicht zwischen Ohr und Schulter gehalten werden.

  • Überprüfen Sie Ihre Schlafhaltung!
    Wer morgens mit verspanntem Nacken aufwacht, nachts immer wieder aus dem Schlaf gerissen wird, sollte sich ein orthopädisches Nackenkissen besorgen. Diese gibt es sowohl für Seitenschläfer als auch Rückenschläfer.

  • Sorgen Sie für Entspannung!
    Mehr als die Hälfte aller Nackenverspannten hat psychische Probleme, zu viel Stress und Ärger. Deshalb wichtig: Entspannungstherapien wie Yoga, und Autogenes Training gegen Stress.

  • Mit Wärme den Nacken schützen!
    Bei Wind und Frost sollten Sie den Nackenbereich vor Zugluft und Auskühlung schützen.  Regelmäßige Bäder zum Beispiel mit Lavendel-, Fichtennadel- oder Thymianzusatz wirken wahre Wunder.

22 sanfte Hilfen gegen Rücken- und Nackenschmerzen

Autor:
Letzte Aktualisierung:21. Januar 2018
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM): Leitlinie Nackenschmerzen, AWMF-Registernummer 053-007, Entwicklungsstufe: S1, Stand 06/2016;

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