Myokarditis

Herzmuskelentzündung 

Bei der Herzmuskelentzündung kommt es zur akuten oder chronisch verlaufenden Entzündung des Herzmuskels, was vielfältige Ursachen haben kann. Die Erkrankung kann symptomlos bleiben, aber auch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen.

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Die Symptome einer Myokarditis: Schmerzen in der Brust und allgemeine Schwäche, mitunter auch Fieber.
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Das Herz wird im Wesentlichen von einem großen Muskel, dem Myokard, gebildet. Dieser stellt praktisch ein Hohlorgan dar, das von Blut durchströmt wird. Durch die rhythmischen Kontraktionen des Herzmuskels, die Herzschläge, wird das Blut durch den Körper gepumpt.  Damit wird die Durchblutung aller Organe gewährleistet. Das aber setzt einen leistungsstarken Herzmuskel voraus, der keinesfalls ermüden darf. Der Herzmuskel hat daher eine etwas andere Struktur als die übrigen Muskeln im Körper.

Wie in praktisch allen anderen Organsystemen, so kann es auch im Herzen zu Entzündungsprozessen kommen. Betrifft die Entzündung (Inflammation) direkt den Herzmuskel, so spricht der Mediziner von einer Herzmuskelentzündung. Diese wird wissenschaftlich als Myokarditis bezeichnet. Die Entzündung stellt für den betreffenden Menschen eine erhebliche gesundheitliche Gefährdung dar, da sie die Leistungskraft des Herzmuskels schwächt und damit die Durchblutung der Organsysteme beeinträchtigen kann. Sie kann zudem zu Herzrhythmusstörungen und im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod führen!

Bei der Herzmuskelentzündung liegt per Definition noch ein normal großes Herz vor. Kommt es im Verlaufe der Erkrankung zu einer deutlichen Vergrößerung des Herzens, so kann das Herz seiner normalen Funktion nicht mehr voll nachkommen. Es kommt zur Funktionsstörung, der sogenannten dilatativen Dysfunktion, ins Deutsche übertragen zur „gestörten Funktion aufgrund eines vergrößerten Herzens“. Gleichzeitig besteht eine „inflammatorische Kardiomyopathie“, also eine „Herzmuskelentzündung mit vergrößertem Herzen“. Geht die Entzündung auch auf den Herzbeutel (Perikard) über, so liegt eine Perikarditis oder genauer eine Perimyokarditis vor.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Symptome

Die Symptome, mit denen sich die Herzmuskelentzündung bemerkbar macht, sind unterschiedlich und hängen direkt vom Verlauf und von der Schwere der Erkrankung ab.

So macht sich die akute Myokarditis oft mit akuten Schmerzen im Brustraum bemerkbar, die nicht selten zunächst an eine Angina Pectoris oder einen Herzinfarkt denken lassen. Ebenso oft äußert sich eine Herzmuskelentzündung anfangs durch Unregelmäßigkeiten im Herzschlag, viele empfinden sich als körperlich schwächer als zuvor. Sie tritt besonders häufig nach einer bereits abgeklungenen Erkältung auf.

In der Mehrzahl der Fälle aber stehen Symptome der sich aus der Entzündung ergebenden Herzschwäche im Vordergrund. Dazu gehören ein Nachlassen der körperlichen Belastbarkeit eventuell bis hin zu einer ausgeprägten körperlichen Schwäche, ein beschleunigter Herzschlag (Tachykardie), Fieber, Atemnot, Herzklopfen und Schwindel. Die einzelnen Symptome können isoliert oder auch in unterschiedlicher Konstellation kombiniert miteinander auftreten.

Bei chronischem Verlauf zeigt sich oft eine leicht bläuliche Verfärbung von Haut und Schleimhäuten, insbesondere der Lippen (Zyanose). Sie ist eine Folge der nachlassenden Herzkraft. Denn durch die beeinträchtigte Pumpfunktion strömt weniger gut mit Sauerstoff angereichertes, hellrotes Blut durch die Blutgefässe und stattdessen mehr sauerstoffarmes, eher dunkel gefärbtes Blut. Im Falle einer chronischen Herzmuskelentzündung steht außerdem das Gefühl der Abgeschlagenheit im Vordergrund. Es kommt ebenfalls zur Minderung der Leistungsfähigkeit sowie zu Appetitstörungen und zur Gewichtsabnahme.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Ursachen

Entsprechend der jeweiligen Ursache werden verschiedene Formen der Herzmuskelentzündung unterschieden. Es sind dies die infektiöse Form, die auf eine Infektion mit Viren oder - was aber eher selten der Fall ist - mit Bakterien zurückgeht, die autoimmune Form, bei der Reaktionen des Immunsystems Ursache der Entzündung sind sowie die toxische Form, die durch Giftstoffe hervorgerufen wird. In vielen Fällen wird eine infektiöse Ursache vermutet, obwohl de facto bei den jeweiligen Patienten Viren oder Bakterien nicht - oder nicht mehr - nachzuweisen sind.

Infektiöse Form der Herzmuskelentzündung

Die Herzmuskelentzündung kann durch eine Infektion mit Viren verursacht werden, wobei sich offenbar bestimmte Viren bevorzugt im Bereich des Herzmuskels anheften. Bekannt ist dies zum Beispiel für die sogenannten Coxackie-B-Viren und weitere Enteroviren. Diese Erreger werden für rund 50 Prozent der Fälle einer infektiösen Herzmuskelentzündung in Europa und in den USA verantwortlich gemacht. Allerdings können auch Influenza-Viren, die allgemein als Erreger der Grippe gelten, eine Myokarditis hervorrufen. Ursache der Erkrankung können ferner Zytomegalieviren sowie Adeno- und Epstein-Barr-Viren und das Parvovirus B19 sein, der Erreger der Ringelröteln , der in den vergangenen Jahren zunehmend als Infektionserreger bei einer Herzmuskelentzündung nachgewiesen wird.

Obwohl die Zahl der potenziell infrage kommenden Bakterien einer Herzmuskelentzündung groß ist, ist in unseren Breitengraden eine bakteriell verursachte Myokarditis eher selten. Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang, dass in seltenen Fällen die von Zecken übertragene Borreliose eine Myokarditis auslösen kann. Die Erkrankung geht auf das Bakterium Borrelia burgdorferi zurück, das mit dem Zeckenbiss in die Blutbahn gelangt und auch den Herzmuskel befallen kann. Die Myokarditis wird dann als Lyme-Karditis bezeichnet.

Theoretisch können auch Parasiten den Herzmuskel befallen und eine Herzmuskelentzündung hervorrufen. Dies ist beispielsweise bei der sogenannten Chagas-Krankheit der Fall, die vor allem in Mittel- und Südamerika vorkommt. In unseren Breitengraden sind Herzmuskelentzündungen durch Parasiten sehr selten. Auch Pilze können Ursache einer Myokarditis sein, doch ist dies ebenfalls sehr selten und kommt praktisch nur bei Menschen mit schwerer Immunschwäche vor.

Autoimmune Form der Myokarditis

Erkrankungen des Immunsystems, bei denen sich Immunzellen gegen körpereigene Strukturen richten (Autoimmunerkrankungen), gehen üblicherweise mit entzündlichen Prozessen einher, die unter Umständen auch auf den Herzmuskel übergehen können. Unabhängig davon kann sich der Entzündungsprozess bei einer ursprünglich infektiös bedingten Herzmuskelentzündung im weiteren Verlauf quasi verselbstständigen. Die weitere Entzündung wird dann durch das Immunsystem des Körpers bedingt und das nicht selten, obwohl die eigentlich ursächliche Infektion gar nicht mehr nachweisbar ist.

Toxische Form der Herzmuskelentzündung

Die toxische Form der Herzmuskelentzündung wird durch Giftstoffe (Toxine) hervorgerufen. Dazu gehören in erster Linie Alkohol sowie Schwermetalle. Auch Chemikalien und Medikamente können in seltenen Fällen eine Myokarditis verursachen.

Herzmuskelentzündung als Begleiterkrankung

Die Herzmuskelentzündung kann isoliert, aber ebenso auch im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung, quasi als Begleiterkrankung, auftreten. Meist handelt es sich hierbei um Infektionskrankheiten wie zum Beispiel eine Hepatitis C oder auch eine HIV-Infektion. Neben diesen durch Viren hervorgerufenen Erkrankungen können auch bakterielle Infektionen eine Myokarditis nach sich ziehen. Nicht selten kommt es hierzu im Falle einer durch Zecken übertragenen Borreliose oder bei einer Salmonelleninfektion.

Doch nicht nur Infektionskrankheiten können auf den Herzmuskel übergehen. Auch bei Störungen des Immunsystems und speziell Autoimmunerkrankungen ist dies möglich. Gut dokumentiert ist das für die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, also für die sogenannte Colitis ulcerosa und den Morbus Crohn. Auch bei rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis kann es neben den Entzündungsreaktionen im Gelenk zur Entzündung des Herzmuskels kommen. Weitere Autoimmunerkrankungen, bei denen in einzelnen Fällen eine Beteiligung des Herzmuskels beobachtet wurde, sind die systemische Sklerose, eine Erkrankung, die durch gravierende Hautveränderungen gekennzeichnet ist sowie der Lupus erythematodes, eine Störung mit Immunreaktionen gegen verschiedene Bestandteile körpereigener Zellen.

Tritt die Myokarditis quasi als „Begleiterkrankung“ im Gefolge anderer Erkrankungen auf, so kommt es üblicherweise neben den durch die Grunderkrankung bedingten Symptomen zu weiteren Krankheitszeichen aufgrund der Herzmuskelentzündung und der dadurch beeinträchtigten Herzfunktion. Allerdings kann die Herzmuskelentzündung auch ohne Symptome verlaufen und dadurch völlig unbemerkt bleiben. Sie kann vorübergehend bestehen oder anhalten und bei chronischem Verlauf (ähnlich wie bei der primären Herzmuskelentzündung ohne Begleiterkrankung) in einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) mündet.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Diagnose

Ein diagnostisches Kriterium, das eindeutig einer Herzmuskelentzündung zuzuordnen ist, gibt es nicht, was die Diagnosestellung einer Myokarditis erschwert. An das Krankheitsbild zu denken ist immer, wenn mehrere der geschilderten Symptome zusammentreffen und eine andere Ursache hierfür nicht erkennbar ist.

Dann wird üblicherweise versucht, der Ursache der Symptome durch Untersuchungsverfahren wie einem EKG, einem 24-Stunden-Langzeit-EKG und einer Ultraschalluntersuchung des Herzens auf den Grund zu gehen. Hinweisend auf eine Myokarditis können zum Beispiel Herzrhythmusstörungen sein, die im EKG zu erkennen sind. Die Ultraschalluntersuchung des Herzens dient dagegen in erster Linie dem Nachweis oder dem Ausschluss anderer Ursachen der Krankheitssymptome. Mit ihr lässt sich außerdem die Herzfunktion prüfen und untersuchen, ob sich das Herz möglicherweise bereits vergrößert hat.

Blutuntersuchungen und speziell eine Abklärung der Entzündungsfaktoren im Blut können den Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung erhärten. Zu den Entzündungsfaktoren gehört zum Beispiel das so genannte C-reaktive Protein. Ist dieser Eiweißstoff vermehrt im Blut zu finden, so bedeutet dies, dass eine Entzündung vorliegt, ohne dass der Parameter jedoch deren Ursprungsort markiert.

Im Zweifel: eine Biopsie aus dem Herzmuskel

Lassen die klinischen Befunde weiterhin die Diagnose „Herzmuskelentzündung“ zu, so wird im Zweifelsfall eine Biopsie, also eine Gewebeentnahme aus dem Herzmuskel erforderlich. Die dabei gewonnen Proben werden auf Entzündungszellen und weitere Entzündungszeichen hin untersucht. Gegebenenfalls schließen sich Tests an, bei denen nach den Ursachen der Entzündung gefahndet wird. So kann zum Beispiel durch spezielle Untersuchungsverfahren versucht werden, Teile von Viren oder Bakterien aufzuspüren, was auf eine Infektion mit nachfolgender Herzmuskelentzündung hindeuten würde.

Herzmuskelentzündungen im Kindesalter

Eine Herzmuskelentzündung tritt keinesfalls nur bei Erwachsenen auf, sondern kann sich auch schon im Kindesalter und hierbei durchaus auch schon bei Säuglingen und Neugeborenen entwickeln. Meist ist bei Kindern eine Infektion mit Coxackie-Viren die Ursache. Die Infektion erfolgt zum Teil schon kurz nach oder sogar schon während der Geburt, wobei sogar vermutet wird, dass bereits im Mutterleib Infektionen des heranwachsenden Embryos möglich sind.

Dass die Myokarditis eine ernste Erkrankung im Kindesalter darstellt, zeigen Befunde aus Obduktionen von Kindern und Jugendlichen, die an einem plötzlichen Herztod verstorben sind. In rund 20 Prozent der Fälle fanden sich bei der Untersuchung Zeichen einer Herzmuskelentzündung.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Therapie

Die Behandlung der Herzmuskelentzündung richtet sich nach der individuellen Situation und hierbei vor allem nach dem Schweregrad. Wenn die Erkrankung hochakut verläuft, dreht sich zunächst alles darum, das Leben des Patienten zu retten. Der Patient muss auf der Intensivstation behandelt und überwacht werden und es muss alles getan werden, um die Pumpfunktion des Herzens zu sichern.

Ist die Situation nicht lebensbedrohlich, so ist eine rigorose körperliche Schonung mit absoluter Bettruhe wichtig, damit das Herz nicht über Gebühr belastet wird. Zu seiner Entlastung wird ferner mit Medikamenten behandelt, die Flüssigkeit aus dem Körper ausschwemmen (Diuretika).

Gibt es Hinweise auf eine fortbestehende Virusinfektion als Ursache der Myokarditis, so kann versucht werden, die Viren durch eine gezielte antivirale Behandlung in den Griff zu bekommen. Behandelt wird dann zum Beispiel mit Immunglobulinen oder mit Interferon.

Gibt es anderseits Zeichen auf einen immunologischen Prozess als Trigger der Entzündung, so sind Medikamente hilfreich, die die übersteigerte Aktivität des Immunsystems dämpfen (Immunsuppressiva). Eine solche Behandlung wird allerdings nur gestartet, wenn feststeht, dass die zugrundeliegende Infektion nicht mehr fortbesteht, da die noch vorhandenen Viren sich ansonsten infolge der Immunsuppression praktisch ungestört weiter vermehren könnten.

In den seltenen Fällen, in denen die Erkrankung durch Bakterien, Pilze oder Parasiten hervorgerufen wird und diese noch nachweisbar sind, wird in aller Regel durch eine spezifische Behandlung - also zum Beispiel durch Antibiotika im Falle einer bakteriellen Infektion - versucht, die jeweiligen Erreger zu eliminieren, um so die Erkrankung zur Ausheilung zu bringen.

Im weiteren Verlauf der Myokarditis werden praktisch deren Folgen behandelt, wie die sich entwickelnde Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Es werden dabei Medikamente verordnet, die üblicherweise bei einer Herzschwäche einzunehmen sind und das Herz entlasten wie zum Beispiel Wirkstoffe aus der Gruppe der Diuretika, der ACE-Hemmer, der Angiotensin-Antagonisten oder der Betablocker.

Herztransplantation bleibt als letzte Option

Lässt sich die Herzschwäche als Folge der Herzmuskelentzündung durch die üblichen Behandlungsmöglichkeiten nicht in den Griff bekommen, so ist als letzte mögliche Therapieoption eine Herztransplantation zu erwägen.

Ein solcher Eingriff kann auch bei akut verlaufender Herzmuskelentzündung notwendig werden, wenn das Herz infolge der massiven Entzündungsreaktion seiner Funktion nicht mehr nachkommen kann. Ist infolge des Spenderorganmangels die Implantation eines Spenderherzens nicht sofort möglich, so kann zur Überbrückung auch ein Kunstherz implantiert werden. Es wird später durch ein Spenderherz ersetzt, sobald ein passendes Organ verfügbar ist.

Die Überlebenschancen nach einer Herztransplantation haben sich im Verlaufe der vergangenen Jahre kontinuierlich verbessert. So leben trotz der schweren Grunderkrankung ein Jahr nach dem Eingriff noch mehr als 80 Prozent und nach fünf Jahren noch mehr als 70 Prozent der Patienten mit dem neuen Herzen. Allerdings müssen sie lebenslang Medikamente einnehmen, die das Immunsystem dämpfen (Immunsuppressiva), damit das Spenderherz vom körpereigenen Abwehrsystem nicht abgestoßen wird.

Nach Herzmuskelentzündung: langfristige Überwachung notwendig

Auch wenn die akute Herzmuskelentzündung abgeklungen ist, brauchen die Patienten weiterhin eine gute Überwachung. Denn es kann sich anschließend eine sogenannte Kardiomyopathie ausbilden, also eine Herzmuskelerkrankung mit Fehlfunktion des Herzens. Unter dem Begriff der Kardiomyopathie werden verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst, bei denen die Funktion des Herzmuskels durch eine angeborene oder erworbene Störung des Herzmuskels beeinträchtigt ist.

Ist die Ursache eine Herzmuskelentzündung, so signalisiert die sich bei einigen der betroffenen Patienten ausbildende Kardiomyopathie, dass das Herz sich nicht mehr vollständig von der Myokarditis erholt hat. Vergrößert sich dazu parallel das Herz, so liegt eine sogenannte dilatative Kardiomyopathie vor mit einem praktisch „ausgeleierten Herzmuskel“, der seiner ursprüngliche Funktion nur noch bedingt nachkommen kann.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Verlauf

Die Myokarditis kann einen sehr unterschiedlichen Verlauf nehmen. Es kann bei einer eher milden Erkrankung bleiben, die kaum Symptome verursacht und nach kurzer Zeit völlig ausheilt. Die Herzmuskelentzündung kann allerdings auch hochakut ablaufen, sich rasch verschlechtern und das Leben des Patienten gefährden.

Dies ist bei etwa fünf bis zehn Prozent der Patienten der Fall. Es kommt ohne schnell einsetzende Behandlung zu massiven Störungen der Herzfunktion bis hin zum sogenannten kardiogenen Schock mit drohendem Herzversagen.

Bei einer akuten Herzmuskelentzündung können außerdem schwere Herzrhythmusstörungen auftreten und es kann zum plötzlichen Herztod  kommen. Ein solcher Verlauf ist nicht selten die Ursache bei plötzlich und unerwartet auftretenden Todesfällen. Zusammenhänge werden insbesondere bei plötzlichen Todesfällen bei Sportlern gesehen. So geht man davon aus, dass bis zu 20 Prozent dieser Ereignisse bei Sportlern durch eine Myokarditis verursacht sind.

Chronischer Verlauf einer Herzmuskelentzündung

Die Herzmuskelentzündung kann aber auch einen chronischen Verlauf nehmen. Die betroffenen Patienten sind dann vor allem auf lange Sicht durch die Erkrankung beeinträchtigt und gesundheitlich gefährdet. Denn während die akut verlaufenden Krankheitsformen folgenlos ausheilen können, bildet sich bei der chronisch verlaufenden Herzmuskelentzündung oft langsam schleichend eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) aus.

Die Übergänge zwischen den verschiedenen Krankheitsformen sind fließend. So kann die zunächst durch eine Infektion bedingte Herzmuskelentzündung in eine chronische Krankheitsform übergehen, bei der die Entzündung durch immunologische Faktoren aufrecht erhalten wird. Es kann im weiteren Verlauf zu Störungen der Herzfunktion und zu einer Vergrößerung des Herzens, einer sogenannten dilatativen Kardiomyopathie kommen und damit zu einer chronischen Herzerkrankung.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Vorbeugen

Vorbeugen lässt sich der Herzmuskelentzündung praktisch durch alle Maßnahmen, die der Vorbeugung von Infektionen dienen - von hygienischen Maßnahmen bis hin zu Impfungen wie beispielsweise der Grippeschutzimpfung.

Liegt eine gravierende Infektionskrankheit vor, so sollte diese unbedingt ausgeheilt werden, damit die Viren oder Bakterien nicht auf den Herzmuskel übergehen. Dazu gehört auch, dass man dem Körper Ruhe und Zeit zur Genesung lässt, ehe man sich körperlich wieder stark belastet. Beherzigen sollten dies vor allem Sportler und insbesondere Leistungssportler. Sie sollten nach einer schweren Infektionskrankheit mindestens vier Wochen lang auf sportliche Betätigung verzichten.

Nach der Herzmuskelentzündung ist Schonzeit wichtig!

Ist bereits eine Myokarditis bekannt, so ist körperliche Schonung ein „Muss“, damit das Immunsystem die Infektion und die sich daraus ergebende Herzmuskelentzündung zur Ausheilung bringen kann und keine Folgeschäden auftreten. Sportler sollten im Falle einer nachgewiesenen Herzmuskelentzündung für sechs Monate auf Sport verzichten. Vor der Wiederaufnahme sportlicher Aktivitäten ist außerdem unbedingt eine umfassende Untersuchung beim Herzspezialisten (Kardiologen) erforderlich.

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Letzte Aktualisierung: 22. Dezember 2015
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie: AWMF-Leitlinie „Myokarditis“, http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/023-025.htm B. Maisch et al.: „Das Herz bei viralen, bakteriellen und parasitären Infektionen“, Internist 2007 - 48:255-267, Springer Medizin Verlag B. Naegeli, Myokarditis: Diagnose und Verlauf, Kardiovaskuläre Medizin 2004;7:248-257 Schumacher, Hess, Bühlmeyer (Hrsg.): Klinische Kinderkardiologie, Kapitel 19: R. Kandolf „Myokarditis und Kardiomyopathie“, S. 450-460, 4. Auflage, Springer Medizin Verlag 2008 M. Brehm et al.: „Entzündliche Herzerkrankungen bei primär extrakardialern Erkrankungen“, Internist 2007- 49:27-33, Springer Medizin Verlag M. Frick et al.: „Myokarditis als Ursache des plötzlichen Herztodes bei Sportlern“, Herz 2009;34:299-304, Springer Medizin Verlag

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