Unterscheidung in Aktion- und Ruhetremor

Tremor: Zittern außer Kontrolle

Als Tremor wird das rhythmische, nicht willentlich beeinflussbare (unwillkürliche) Zittern bezeichnet, von der ein oder mehrere Körperteile wie Hände, Beine, Kopf oder Stimme und Körperfunktionen betroffen sein können. Der Tremor wird mitunter durch Stress oder Alkohol ausgelöst. Zittern kann aber auch auf zugrunde liegende Erkrankungen hinweisen – und sogar selbst zur Krankheit werden.

Frau friert und ist nachdenklich
Zittern kann eine natürliche Reaktion sein – manchmal aber ist es das Zeichen für eine Erkrankung.
iStock

Die unwillkürliche Bewegung entsteht durch das Zusammenziehen von einander entgegenwirkenden Muskelgruppen. Der medizinische Fachausdruck für Zittern ist Tremor.

Zittern ist dabei nicht per se ein krankhafter Prozess. Auch bei Gesunden lassen sich entsprechende Muskelbewegungen nachweisen. Allerdings sind sie mit bloßem Auge kaum wahrnehmbar beziehungsweise im Falle der Finger gerade noch sichtbar und führen zu keinerlei Beeinträchtigungen. Man spricht dabei auch von physiologischem Tremor (physiologisch = natürlich, normal).

Zittern als Krankheitensymptom

Durch den Einfluss von Kälte, Stress, Erschöpfung, Alkohol und weiteren Einflussfaktoren kann es - zumeist vorübergehend – zu einem verstärkten physiologischen Tremor kommen. Zittern kann aber auch als Symptom bei verschiedenen Krankheiten, als Nebenwirkung von Medikamenten oder auch als eigenständige Erkrankung auftreten. Je nach Ursache kann das Zittern bereits Jugendliche betreffen. Mediziner unterscheiden darüber hinaus verschiedene Formen des Zitterns.

Je nachdem unter welchen Bedingungen das Zittern bzw. der Tremor auftritt, lassen sich beispielsweise folgende grundlegende Formen differenzieren, deren Auftreten im individuellen Fall entscheidend für die Diagnose ist:

  • Ruhetremor: Betroffene Körperteile zittern im Ruhezustand
  • Aktionstremor, dabei im Einzelnen:

Haltetremor: Gliedmaßen zittern, wenn sie hochgehalten werden

Bewegungstremor: Zittern bei nicht zielgerichteter Bewegung, z.B. bei Auf-und Abbewegung von Armen und Händen

Intensionstremor: Zittern bei zielgerichteter Bewegung, z.B. wenn der Finger an die Nasenspitze geführt wird

Aufgabenspezifischer Tremor: Zittern bei bestimmten Tätigkeiten, z.B. beim Schreiben, beim Sprechen oder beim Spielen eines Instruments

Weitere Unterscheidungen sowie Hinweise auf die Ursache des Zitterns können sich zum Beispiel auch anhand der Frequenz der Zitterbewegung (Anzahl der Ausschläge im Sekundentakt), der Stärke der Ausschläge (Bewegungsamplitude), des speziellen Erscheinungsbildes (etwa ein- oder beidseitiges Zittern der Gliedmaßen, vom Zittern betroffene Körperteile) und der mit dem Zittern einhergehenden weiteren körperlichen Symptome ergeben.

Zittern: Ursachen

Für Zittern kommen verschiedene Ursachen in Betracht. Diese können harmlos und von vorübergehender Natur sein. Hinter dem Zittern können aber auch ernste Erkrankungen stecken, die behandelt werden müssen.

Zittern kann zum Beispiel folgende Ursachen haben:

Einflüsse wie z.B. Schmerz, Koffein, Angst, Kälte, Muskelüberanstrengung, zu viel Alkohol, Erschöpfung, Emotionen, Stress -> typische Auslöser von vorübergehendem Zittern

  • Vitamin-B-12-Mangel
  • Chronischer Alkoholmissbrauch
  • Entzug von Alkohol und Drogen
  • Seelischen Belastungen und traumatische Ereignisse wie Unfälle, tätliche Angriffe, Kriegseinsätze, die nachträglich Zitterattacken auslösen können (psychogener Tremor)
  • Zittern als Nebenwirkung von Medikamenten (medikamenteninduzierter Tremor), z.B. durch
  • Krebsmedikamente (Zytostatika, Antiöstrogene)
  • Schilddrüsenhormone
  • Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva)
  • Medikamente zur Behandlung von Psychosen (Neuroleptika)
  • Antidepressiva
  • Asthmamedikamente (Sympathomimetika, Theophyllin, Kortison)
  • Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika)
  • Mittel gegen Epilepsie (Antiepileptika)
  • Einige Blutdruckmedikamente

Zittern als Symptom bei Krankheiten, z. B. bei:

Essentieller Tremor: Zittern als eigenständige Erkrankung

Darüber hinaus tritt Zittern auch als eigenständige Erkrankung auf. Dies bedeutet, dass in diesen Fällen kein Zusammenhang mit anderen Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder ähnlichen Einflüssen besteht. Diese Form des Zitterns wird essentieller Tremor genannt. Die Ursachen sind noch weitgehend ungeklärt, Wissenschaftler haben aber eine genetische (erbliche) Komponente ermittelt, die bei mehr als der Hälfte der Fälle einen Einfluss zu haben scheint. Der essentielle Tremor kann mehrere Körperregionen wie Hände (meistens), Kopf, Stimme, Gesicht, Beine und Rumpf betreffen und auch bereits im Jugendalter auftreten.

Zittern: Diagnose

Die exakte Diagnose beim Arzt ist sehr wichtig, vor allem wenn Zittern plötzlich bzw. unerklärlich auftritt oder länger besteht. Zum einen können bestimmte Erkrankungen zugrunde liegen, die behandelt werden müssen. Zum anderen kann das Zittern selbst mitunter so stark ausgeprägt sein, dass es eine Behandlung erfordert. Diese kann nur erfolgreich sein, wenn der Arzt das spezielle Krankheitsbild genau kennt, da bei den einzelnen Formen des Zitterns unterschiedliche Therapien wirksam sind.

Patientengespräch

Um sich ein genaues Bild zu machen, führt der Arzt zunächst eine ausführliche Befragung des Patienten durch. Wie genau äußert sich das Zittern? Welche Körperteile sind betroffen? Wann tritt das Zittern auf, in Ruhe oder in Bewegung, z.B. beim Schreiben, Essen, Trinken oder Sprechen? Verschlimmert es sich z.B. durch Stress oder andere Einflussfaktoren? Und lässt sich das Zittern eventuell durch bestimmte Maßnahmen wie z.B. Bewegungen  minimieren? Ebenso sind Informationen über regelmäßig eingenommene Medikamente, bestehende andere Erkrankungen und die weiteren Lebensumstände (z.B. traumatische Ereignisse in der Vergangenheit, Alkoholkonsum) sowie bestimmte Erkrankungen in der Familie relevant.

Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung umfasst unter anderem wichtige Tests, um das Auftreten des Tremors unter verschiedenen Bedingungen zu ermitteln: Besteht beispielsweise ein Ruhetremor, Haltetremor, Bewegungstremor? Dazu wird der Patient z.B. angehalten, seine Hände zunächst in den Schoß zu legen (Ruhetremor), dann seine Arme und Hände in Schulterhöhe vorzustrecken und zu halten, sie auf und ab zu bewegen und weitere gezielte Bewegungen auszuführen (z.B. Finger an die Nase führen). Die Tests können auch weitere Einflüsse simulieren (z.B. Ablenkung durch Rückwärtszählen), oder auf bestimmte Tätigkeiten ausgerichtet sein (z.B. Schreibtests). Der Arzt erfasst dabei auch die Art und Häufigkeit der Zitterbewegungen (grobschlächtiges Zittern oder feines hochfrequentes Zittern?) und ob und wann sich die Bewegungsamplituden vergrößern, welche Körperbereiche betroffen sind und ob die Symptome ein- oder beidseitig auftreten.

Weitere Untersuchungen

Ebenso gehören Blut- und Urinuntersuchungen, apparative Untersuchungen wie die Elektromyografie (EMG), die unter anderem eine genaue Bestimmung der Tremorfrequenz (Anzahl der Zitterbewegungen im Sekundentakt) ermöglicht, sowie neurologische Untersuchungen (z.B. Testung von Sehfähigkeit, Augenbewegungen, Gleichgewichtssinn, Bewegungskoordination, Reflexen), zur Standarddiagnostik bei Zittern.

Je nach Ausgangsverdacht bzw. vermuteter Ursache des Zitterns können weitere Untersuchungen folgen, z.B.

• Magnetresonanztomografie (MRT)

• Computertomografie (CT)

• Untersuchungen der Gehirnflüssigkeit (Lumbalpunktion)

• Elektroneurografie (ENG)

Zittern: Behandlung

Die Behandlung bei Zittern erfolgt in Abhängigkeit der Ursache. Liegt eine Erkrankung zugrunde, spielt deren optimale Therapie eine zentrale Rolle, um auch das Zittern in den Griff zu bekommen.

Des Weiteren stehen bei Bedarf Medikamente zur Verfügung, die gegen das Zittern direkt wirken. Sie werden in Abhängigkeit von der speziellen Erscheinungsform des Zitterns eingesetzt. Bei Halte- und Aktionstremoren, die z.B. beim essentiellen Tremor (also Tremor= eigenständige Erkrankung) dominieren, sind sogenannte nicht-selektive Betablocker (z.B. Propranolol), Primidon, bestimmte Antiepileptika und Benzodiazepine wirksam. Betablocker wie Propanolol können auch bei physiologischem Tremor, der besonders in Haltesituationen zutage tritt, eingesetzt werden, wenn das Zittern zu starken Beeinträchtigungen führt. Beim Ruhetremor (typischer Parkinson-Tremor) kommen dagegen hauptsächlich dopaminergene Substanzen (Dopaminagonisten) und Anticholinergika zum Einsatz.

Botulinumtoxin wird unter anderem beim aufgabenspezifischen Tremor (z.B. Schreibtremor, Stimmtremor), aber auch bei anderen Formen des Zitterns gespritzt. Daneben stehen weitere Medikamente gegen Zittern zur Verfügung. Welches Medikament im individuellen Fall in Frage kommt, wird der behandelnde Arzt gemeinsam mit dem Patienten entscheiden.

Nichtmedikamentöse Optionen

Bei leicht bis mäßig ausgeprägtem, essentiellen Tremor, der sich bei Aufregung, Stress oder Unsicherheit zumeist verstärkt, können auch Entspannungstechniken wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung sinnvoll sein, die der Betroffene in entsprechenden Situationen anwenden kann. Ist das Zittern sehr stark ausgeprägt und zeigt die medikamentöse Behandlung keinen Erfolg, kann mitunter eine Operation sinnvoll sein. In schweren Fällen des Zitterns (z.B. bei schwerem Parkinson-Tremor) kann gegebenenfalls die Implantation von Stimulationselektroden in das Gehirn (tiefe Hirnstimulation) eine Therapie-Option sein.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 08. Dezember 2011
Quellen: Herold, G: Innere Medizin. Selbstverlag (2011) Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie - AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/011: „Tremor“ URL: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-011_S1_Tremor_10-2008_10-2013.pdf (Stand: 28.11.2011) Wilms, H.; Raethjen, J.: Tremor - Differenzialdiagnose und Therapie. In: Der Nervenarzt (8) 2008, S. 975-981

Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang