Ursachen und Behandlung

Tremor: Zittern außer Kontrolle

Bei einem Tremor zittern die Muskeln unwillkürlich, ohne dass Menschen dies beeinflussen können. Das Zittern ist oft harmlos und etwa eine Reaktion auf zu viel Alkohol, Angst, Stress oder Kälte. Manchmal stecken hinter dem Zittern aber auch schwere Krankheiten wie Parkinson oder Multiple Sklerose. Suchen Sie daher immer einen Arzt auf, wenn der Tremor stark ausgeprägt ist und nicht wieder abklingt. Betroffen sein können im Prinzip sämtliche Körperteile: Hände, Beine, Kopf oder sogar die Stimme. Meist lässt sich das Symptom gut behandeln, etwa mit Medikamenten oder Entspannung.

Frau friert und ist nachdenklich
Zittern kann eine natürliche Reaktion sein – manchmal aber ist es das Zeichen für eine Erkrankung.
iStock

Tremor spielt bei vielen Krankheiten, aber auch bei gesunden Menschen eine Rolle. Das Symptom entsteht, wenn sich einander entgegenwirkende Muskelgruppen unwillkürlich zusammenziehen. Die feinen Bewegungen sind mit dem bloßen Auge oft kaum wahrnehmbar und beeinträchtigen den Betroffenen nicht. Dieses natürliche und normale Zittern nennen Experten physiologischen Tremor.

Durch innere und äußere Einflüsse, etwa Kälte oder Stress, verstärkt er sich und fällt optisch auf. Das Zittern bei eisigen Außentemperaturen oder nach dem Sprung ins kalte Wasser, durch das die Muskeln Wärme erzeugen, kennt wohl jeder Mensch. Es gilt aber auch als ein Begleitsymptom bei bestimmten Erkrankungen, etwa der Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson) oder der Multiplen Sklerose. Zittern kann zudem eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente sein und sich als eigenständige Erkrankung entwickeln.

Diese gefährlichen Wechselwirkungen sollten Sie kennen

Mediziner unterscheiden zwei Formen, die unter verschiedenen Bedingungen in Erscheinung treten:

  • Beim Ruhetremor zittern die Körperteile im Ruhezustand.

  • Beim Aktionstremor zittern sie dagegen bei verschiedenen Bewegungen, etwa dem Hochhalten der Gliedmaßen oder zielgerichteten Bewegungen.

Die Umstände, unter denen das Zittern auftritt, liefern wichtige Hinweise auf die Ursache und sind entscheidend für die Diagnose. Auch kann es schnell oder langsam sowie stark oder schwach ausgeprägt sein. Betroffen sein können die verschiedensten Körperteile – von den Fingern bis hin zum gesamten Körper.

Tremor hat oft Krankheiten oder Medikamente als Ursache

Für einen Tremor kommen verschiedene Ursachen in Betracht. Diese können harmlos und von vorübergehender Natur sein. Hinter dem Zittern können aber auch ernste Erkrankungen stecken, die behandelt werden müssen.

Mögliche Ursachen sind:

  • Vitamin-B-12-Mangel
  • chronischer Alkoholmissbrauch
  • Alkohol- und Drogenentzug
  • Konsum von zu viel Koffein
  • Überanstrengung der Muskeln
  • Erschöpfung
  • Seelische Belastungen, etwa Stress
  • Gefühle wie Angst, Aggression oder Wut
  • Kälte
  • Schmerz
  • traumatische Erlebnisse, etwa Unfälle, tätliche Angriffe, Kriegseinsätze, die nachträglich Zitterattacken auslösen können (psychogener Tremor)

Tremor als Nebenwirkung von Medikamenten

Bei einigen Betroffenen entsteht das Zittern aber auch durch die Einnahme bestimmter Medikamente. Ärzte sprechen dann von einem medikamenteninduzierten Tremor. Folgende Arzneien können das Zittern auslösen:

  • Krebsmedikamente (Zytostatika, Antiöstrogene)
  • Schilddrüsenhormone
  • Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva)
  • Medikamente zur Behandlung von Psychosen (Neuroleptika)
  • Antidepressiva
  • Asthmamedikamente (Sympathomimetika, Theophyllin, Kortison)
  • Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika)
  • Mittel gegen Epilepsie (Antiepileptika)
  • Einige Blutdruckmedikamente (Antihypertensiva)

Zittern als Symptom bei Krankheiten

Einige Krankheiten stehen mit dem Symptom Zittern in Verbindung. Die häufigsten sind:

  • Parkinson-Krankheit (Tremor bei Parkinson-Syndrom)
  • Multiple Sklerose (MS)
  • Epilepsie
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Akutes Nierenversagen (Niereninsuffizienz)
  • Erkrankungen der Leber, etwa Leberzirrhose, akutes Leberversagen (Leberinsuffizienz)
  • Erkrankungen des peripheren Nervensystems (= die Nervenbahnen außerhalb des Gehirns- und Rückenmarks betreffend), zum Beispiel Polyneuropathie
  • Diabetes mellitus
  • Erkrankungen des Kleinhirns
Schilddrüsenüberfunktion: Diese Symptome sollten Sie kennen

Der Tremor kann auch ein eigenständiges Krankheitsbild sein. Dann steht das Zittern nicht in Zusammenhang mit Erkrankungen, der Einnahme von Medikamenten oder anderen Faktoren. Ärzte nennen diese Form des Zitterns essentieller Tremor. Die Ursachen dieser Erkrankung sind noch weitgehend unklar. Wissenschaftler haben aber eine genetische (erbliche) Komponente ausgemacht, die bei mehr als der Hälfte der Patienten eine Rolle spielt. Sie kann mehrere Körperregionen wie Hände (meistens), Kopf, Stimme, Gesicht, Beine und Rumpf betreffen und schon im Jugendalter auftreten.

Diagnose eines Tremor: Das macht der Arzt

Suchen Sie immer einen Arzt auf, wenn Sie unter einem Zittern leiden, das plötzlich und unerklärlich auftritt, stark ausgeprägt ist und nicht wieder vergeht. Nur ein Arzt kann herausfinden, ob eine harmlose oder ernste Ursache dahinter steckt.

Zu Beginn befragt der Arzt Sie in einem Patientengespräch ausführlich zu Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte (Anamnese). Folgende Punkte sind beispielsweise für den Arzt interessant:

  • Wann haben Sie den Tremor erstmals bemerkt?
  • In welchen Situationen ist das Zittern aufgetreten? Kälte, Stress, Angst oder ohne Grund?
  • Welche Körperteile betrifft der Tremor?
  • Tritt das Zittern in Ruhe oder bei bestimmten Bewegungen auf, etwa beim Halten von Dingen, zielgerichteten Bewegungen, dem Schreiben, Essen, Trinken oder Sprechen?
  • Gibt es Faktoren, die den Tremor verschlimmern, zum Beispiel Stress?
  • Sind Grunderkrankungen bei Ihnen bekannt, zum Beispiel eine neurologische Krankheit, Schilddrüsenüberfunktion, Nieren- oder Lebererkrankung?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein? Wenn ja: seit wann und welche?
  • Hatten Sie traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit?
  • Wie viel Alkohol trinken Sie?
  • Konsumieren Sie andere Drogen?
  • Gibt es Familienmitglieder, die ebenfalls unter Tremor leiden?

Anhand Ihrer Antworten verschafft sich Ihr Arzt schon einen ersten Überblick über mögliche Ursachen.

Körperliche Untersuchung: Diese Tests führt der Arzt durch

Die körperliche Untersuchung umfasst bestimmte Tests, die das Auftreten des Zitterns unter verschiedenen Bedingungen überprüfen. Der Arzt will zunächst wissen, ob es in Ruhe, beim Halten oder bei bestimmten Bewegungen in Erscheinung tritt. Dafür legen Sie Ihre Hände zunächst ruhig in den Schoß: Zittern sie, handelt es sich um einen Ruhetremor. Dann strecken Sie Ihre Arme und Hände in Schulterhöhe nach vorne aus, halten sie in dieser Position, bewegen sie auf und ab und führen gezielte Bewegungen aus: Sie tippen zum Beispiel mit dem Finger auf die Nase.

Die Tests beinhalten auch bestimmte Ablenkungsmanöver, etwa das Rückwärtszählen, oder sind auf bestimmte Tätigkeiten ausgerichtet, etwa das Schreiben. Der Arzt erfasst zudem folgende Parameter:

  • Art der Zitterbewegungen, zum Beispiel grobschlächtiges oder feines Zittern?

  • Frequenz der Tremors: Bestimmt wird die Anzahl der Ausschläge im Sekundentakt – ist es  selten oder hochfrequent?

  • Stärke des Tremors: Vergrößern sich die Bewegungsamplituden beim Zittern und unter welchen Umständen?

  • Welche Körperbereiche betrifft der Tremor?

  • Tritt der Tremor ein- oder beidseitig auf?

So stuft der Arzt das Zittern ein

Beim Ruhetremor zittern betroffene Körperteile im Ruhezustand. Beim Aktionstremor unterscheidet der Arzt:

  • Haltetremor: Die Gliedmaßen zittern, wenn Sie diese hochhalten.

  • Bewegungstremor: Das Zittern setzt bei nicht zielgerichteter Bewegung ein, etwa beim Auf-und Abbewegen der Arme und Hände.

  • Intensionstremor: Der Tremor wird bei zielgerichteter Bewegung sichtbar, zum Beispiel wenn Sie den Finger an die Nasenspitze führen.

  • Aufgabenspezifischer Tremor: Das Zittern setzt bei bestimmten Tätigkeiten ein, etwa beim Schreiben, Sprechen oder Spielen eines Instruments.

Weitere Untersuchungen bei Unklarheiten

  • zum Lexikon

    Was wird beim Bluttest untersucht und was bedeuten die Abkürzungen und die Werte genau? Das Lifeline-Lexikon über Labor- und Blutwerte gibt Auskunft über die wichtigsten Parameter

Um der Ursache auf die Spur zu kommen, folgen oft weitere Untersuchungen. Dazu gehören unter anderem:

  • Blutuntersuchung (Blutbild)
  • Urinuntersuchung
  • Elektromyographie (EMG): Untersuchung der Muskelaktivität und Bestimmung der Tremorfrequenz (Anzahl der Zitterbewegungen im Sekundentakt)
  • Neurologische Untersuchungen: Der Arzt testet zum Beispiel das Sehvermögen, Augenbewegungen, den Gleichgewichtssinn, die Bewegungskoordination und Reflexe.

In manchen Fällen kommen folgende Untersuchungen hinzu:

  • Magnetresonanztomographie (MRT, Kernspintomographie)
  • Computertomographie (CT)
  • Untersuchungen von Nervenwasser aus dem Rückenmark (Lumbalpunktion)
  • Elektroneurographie (ENG): Test auf die Nervenleitgeschwindigkeit

Tremor-Behandlung: Medikamente, Entspannung oder Operation

Die Behandlung hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Ist eine Krankheit der Auslöser des Zitterns, behandeln Ärzte zunächst diese ausreichend und versuchen, es so in den Griff zu bekommen. Es gibt einige Medikamente, die den Tremor lindern. Die Wahl der richtigen Arznei hängt von der Form des Zitterns ab:

  • Halte- und Aktionstremor: Er dominiert zum Beispiel bei der "essentiellen" Variante (ohne eigenständige Erkrankung). Ärzte setzen Betablocker wie Propranolol, Antiepileptika (Antikonvulsiva) wie Primidon oder Benzodiazepine ein. Betablocker helfen auch bei physiologischem Tremor, der besonders in Haltesituationen zutage tritt und die Patienten stark beeinträchtigt.

  • Beim Ruhetremor (typischer Parkinson-Tremor) kommen vor allem dopaminergene Substanzen (Dopaminagonisten) und Anticholinergika zum Einsatz.

  • Beim aufgabenspezifischen Tremor (etwa Schreibtremor, Stimmtremor), aber auch bei anderen Formen des Zitterns, injizieren Ärzte das Nervengift Botulinumtoxin (Botox).

Betablocker: Wirkung und Nebenwirkungen

Lifeline/Dr. Heart

Behandlung ohne Medikamente

Ein leichter bis mäßiger essentieller Tremor, der sich bei Aufregung, Stress oder Ängsten verstärkt, helfen Entspannungstechniken. Dazu gehören zum Beispiel Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Sie können das Entspannungstraining in einem Kurs erlernen und es dann mit ein wenig Übung leicht selbst praktizieren.

Ist das Zittern sehr stark ausgeprägt und zeigt die medikamentöse Behandlung keinen ausreichenden Erfolg, ist manchmal eine Operation sinnvoll. Menschen mit Morbus Parkinson leiden oft unter einem sehr schweren Tremor. Hier ist die Tiefe Hirnstimulation eine Behandlungsmöglichkeit, bei der ein Neurochirurg Elektroden ins Gehirn implantiert – eine Art "Hirnschrittmacher".

Autor:
Letzte Aktualisierung: 23. November 2017
Durch: sist
Quellen: Herold, G: Innere Medizin. Selbstverlag (2011); Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie - AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/011: „Tremor“ URL: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-011.html; Wilms, H.; Raethjen, J.: Tremor - Differenzialdiagnose und Therapie. In: Der Nervenarzt (8) 2008, S. 975-981; PDF Deutsche Gesellschaft für Neurologie https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2008/archiv/ll08kap_013.pdf

Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang