Degenerative Gehirnerkrankung

Chronisch traumatische Enzephalopathie (CTE) – Kopfverletzungen schädigen das Gehirn

Wiederholte Stürze und Schläge auf den Kopf können auf Dauer zu schweren Schäden im Gehirn führen. Gedächtnisverlust und Depressionen sind mögliche Spätfolgen. Man bezeichnet dieses Krankheitbild als chronisch traumatische Enzephalopathie, kurz CTE, oder umgangssprachlich auch als Boxerkrankheit.

Kopfball
Wiederholte Stöße auf den Kopf wie beim Kopfball erhöhen das Risiko für eine CTE.
© iStock.com/Image Source

Vor ein paar Jahren ist die CTE durch den Kinofilm "Erschütternde Wahrheit" bekannter geworden. Der Film beruht auf wahren Ereignissen und zeigt die Spätfolgen, unter denen amerikanische Football-Profispieler aufgrund wiederholter Schädelhirntraumata leiden. Im Boxsport war die Erkrankung allerdings schon lange bekannt. 1954 wurde sie erstmals diagnostiziert bei einem ehemaligen Profiboxer, der an einer Hirnblutung verstorbenen war. Entsprechend war sie lange bekannt als Boxerkrankheit, Boxerenzephalopathie oder auch als Dementia pugilistica, was wörtlich übersetzt "faustkämpferischer Wahnsinn" bedeutet. Inzwischen hat sich allgemein die Abkürzung CTE durchgesetzt.

Die chronisch traumatische Enzephalopathie ist eine fortschreitende degenerative Gehirnerkrankung, ausgelöst durch wiederholte schwere Verletzungen des Gehirns. Sie zeigt sich in neurologischen Ausfällen, ähnlich wie bei Parkinson oder Alzheimer. Vermutlich dürfte die Parkinson-Erkrankung des weltberühmten Boxers Muhammad Ali auf Kopfverletzungen aus seiner Profikarriere zurückzuführen sein. Und auch aus anderen Sportarten werden Fälle von CTE gemeldet: So haben Studien bestätigt, dass sogar leichte Gehirnerschütterungen, wie sie durch Kopfbälle und Zusammenstöße beim Fußball passieren, langfristig zur CTE führen können. Erhärtet wurde der Verdacht unter anderem durch eine Studie in Wales, bei der 14 ehemalige Fußballprofis mit Demenz über mehrere Jahre bis zum Tod begleitet wurden.

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Ursache der CTE: wiederholte Gehirnerschütterungen

Als Ursache für die CTE gelten wiederholte Erschütterungen des Kopfes, sogenannte Schädelhirntraumata (kurz SHT), wie sie typischerweise bei Kontaktsportarten und im Kampfsport vorkommen. Obwohl theoretisch auch eine einzelne Gehirnerschütterung (Commotio Cerebri) zur Entwicklung einer CTE führen kann, lagen bei den bisher bekannten Fällen stets mehrere Schädelhirntraumata zugrunde. Die meisten untersuchten Sportler mit CTE hatten in ihrer Karriere 20 oder mehr SHT erlitten.

Je nach Stärke des Stoßes kommt es bei einem Schädeltrauma zu kleineren oder größeren Einblutungen im Gehirn und in der Folge zu Nervenschädigungen. Dabei wird ein Transporteiweiß, das sogenannte Tau-Protein, freigesetzt. Es lagert sich in den betroffenen Gehirnarealen ab und führt dort langfristig zu Funktionsausfällen. Man spricht von einer Tauopathie. Neben starken Erschütterungen können auch andere Ursachen zur Ablagerung des Tau-Proteins führen. Alzheimer ist die bekannteste Form einer Tauopathie.

Symptome der CTE entsprechen Alzheimer und Parkinson

Anzeichen einer chronisch traumatischen Enzephalopathie zeigen sich meist erst zehn bis zwanzig Jahre nach Beendigung der aktiven Laufbahn des Sportlers. Anfängliche Symptome können eine verlangsamte Sprache, Gangunsicherheiten oder Koordinationsschwierigkeiten sein. Im Verlauf kommen parkinsonähnliche Krankheitszeichen wie Zittern oder Muskelkrämpfe hinzu sowie die Symptome einer beginnenden Demenz. Das klinische Bild kann dabei sehr unterschiedlich sein: Während bei einigen Patienten körperliche Symptome überwiegen, leiden andere eher unter Verhaltensauffälligkeiten oder Persönlichkeitsveränderungen. Letztendlich sind alle Begleiterscheinungen anderer neurodegenerativer Erkrankungen wie bei Parkinson, Alzheimer oder Amyotropher Lateralsklerose ALS möglich. Typischerweise verschlechtern sich die Symptome im Laufe der Zeit und führen letztendlich zum Tode.

Anzeichen, die einer CTE zugeordnet werden können, werden in motorische, kognitive und psychische Symptome unterteilt.

Motorische Funktionseinschränkungen:

  • Bewegungseinschränkungen
  • Koordinationsschwierigkeiten (Ataxie)
  • Stand- und Gangunsicherheiten
  • Parkinsonsymptome wie Zittern (Tremor), Muskelsteifigkeit (Rigor) und Krämpfe (Spastik)

Kognitive Veränderungen bei CTE:

  • verminderte Gedächtnisleistung und Erinnerungsprobleme
  • fortschreitender Gedächtnisverlust bis zur Demenz
  • nachlassende Aufmerksamkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • verwaschene Sprache, Sprachstörungen
  • Probleme beim räumlichen Sehen

Verhaltensauffälligkeiten bei CTE:

  • Apathie
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • aggressives Verhalten
  • impulsives Verhalten
  • Stimmungsschwankungen
  • Depressionen bis hin zu Selbstmord
  • Wahnvorstellungen (Paranoia)
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Diagnose mit bildgebenden Verfahren

Der absolut sichere Nachweis einer CTE ist nach wie vor erst nach dem Tod möglich, indem man das Gehirn der Betroffenen obduziert. Inzwischen gibt es aber ein bildgebendes Verfahren, die sogenannte Positronen-Emissions-Tomografie (PTE), die den Verdacht krankhafter Veränderungen am Gehirn frühzeitig bestätigen kann. Hierbei werden mithilfe radioaktiv markierter Substanzen die Tau-Ablagerungen in den geschädigten Gehirnregionen hervorgehoben und sichtbar gemacht. Das hat den Vorteil, dass Therapien möglichst früh eingeleitet werden können.

Therapie zur Verbesserung der Lebensqualität bei CTE

Nach heutigem Kenntnisstand lassen sich die Schädigungen am zentralen Nervensystem, die zu den Symptomen führen, nicht rückgängig machen. Die Krankheit schreitet nach der Diagnose unaufhaltsam fort. Trotzdem kann man die Lebensqualität des Patienten auf vielfältige Weise verbessern. Außerdem lässt sich, ähnlich wie bei Alzheimer, der Gedächtnisverlust bei frühzeitiger Behandlung zumindest deutlich verlangsamen.

In manchen Fällen können neurologische Ausfälle durch die richtige Therapie aufgehalten oder verlorene Fähigkeiten sogar wiederhergestellt werden. Dem liegt ein Phänomen zugrunde, das man bei Menschen nach einem Schlaganfall beobachtet: Das umliegende Nervengewebe ist in der Lage, die Funktion der abgestorbenen Nervenzellen zu übernehmen. Damit das gelingt, ist eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung sowie viel Geduld und Training wichtig.

Mögliche Behandlungsmethoden bei CTE sind:

  • Physiotherapie zur Behandlung motorischer Ausfälle
  • Massagen zur Entlastung der Krämpfe
  • Ergotherapie, um Spasmen und Zittern zu reduzieren
  • Logopädie bei Sprachstörungen
  • Schmerzmittel (Analgetika) gegen Muskel- und Nervenschmerzen
  • Psychopharmaka zur Behandlung der Depressionen
  • unterstützende Psychotherapie

Sportarten mit erhöhter CTE-Gefahr

Sportarten, die nachweislich oder mutmaßlich zu einer CTE führen können, sind meist körperbetont und bringen wiederholte Erschütterungen des Kopfes mit sich. Dazu gehören:

  • Boxen
  • Wrestling
  • Ringen
  • American Football
  • Rugby
  • Baseball
  • Fußball
  • Handball
  • Lacrosse
  • Eishockey
  • Skifahren
  • Snowboarden
  • Kampfsportarten wie Mixed Martial Arts, Judo und Karate
  • Reiten
  • Fallschirmspringen

Wie groß ist die Gefahr beim Fußball?

Fußball gehört in Deutschland zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten. Vor allem Jungs finden hier körperlichen Ausgleich. Inzwischen haben Studien bestätigt, dass auch Fußballspieler beim Kopfballspiel gefährdet sind. Zwar sind die Erschütterungen nicht so stark wie beispielsweise beim Boxen, doch die Summe der Stöße führt letztendlich zum Schaden. Der US-Fußballverband (USSF) hat inzwischen Konsequenzen gezogen. Bis zum zehnten Lebensjahr dürfen Kinder in den USA überhaupt keine Kopfbälle spielen, bis zum dreizehnten Lebensjahr zumindest nicht im Training. Außerdem gelten nach Schädel-Hirn-Verletzungen im Spiel gesonderte Regeln, um eine möglichst gute Schonung und Regeneration der Spieler zu gewährleisten. Neurologen weisen allerdings daraufhin, dass die meisten Schädelhirntraumata nicht beim Kopfball, sondern eher beim Zusammenprall mit anderen Spielern oder mit dem Torpfosten entstehen. Diese Gefahren sind weder durch veränderte Trainingsbedingungen noch durch neue Spielregeln zu verhindern. Insofern sind in Deutschland bisher keine Konsequenzen geplant.

Gehirnerschütterung immer sorgfältig auskurieren!

Nicht nur unter Profis, auch im Freizeitsport kann es zu Kopfverletzungen mit Gehirnerschütterung kommen. Eine Gehirnerschütterung wird als leichtes Schädelhirntrauma der Stufe 1 (SHT1) eingestuft und ist erkennbar an folgenden Symptomen:

Bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung und bei Symptomen wie Bewusstlosigkeit, Amnesie oder anderen erkennbaren neurologischen Störungen sollte eine Einweisung in eine Klinik erfolgen. Der Patient muss meist ein paar Tage Bettruhe einhalten und für einige Zeit auf Sport verzichten. Eine leichte bis mittlere Gehirnerschütterung heilt jedoch normalerweise folgenlos aus und birgt nicht die Gefahr einer CTE als Spätfolge. Anders sieht es jedoch bei wiederholten SHT in Kontaktsportarten wie beispielsweise beim Fußball aus.

CTE vorbeugen – Helm tragen

Bei einigen Sportarten, die häufig zu Kopfverletzungen führen, kann und sollte man sich mit einem Helm schützen. So sind Kopfschutz oder Sturzhelm beim Boxen, Eishockey, Ski- und Snowboardfahren, Radfahren oder Reiten schon lange Gang und Gäbe. Eltern sollten darauf achten, dass ihre Kinder bei verletzungsträchtigen Sportarten einen Helm tragen und selber mit gutem Beispiel vorangehen. Beim Fußball ist ein Kopfschutz allerdings schwer vorstellbar. Vorbeugend bleibt hier nur ein vernünftiger und verantwortungsvoller Umgang mit der Gesundheit, sowie eine strikte Sportpause bis alle Symptome vollständig abgeklungen sind, falls es doch einmal zu einer Gehirnerschütterung gekommen ist.

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