Singultus – das steckt dahinter

Schluckauf: Was hilft und mögliche Ursachen

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Schluckauf (Singultus) ist meist harmlos und lediglich eine Reizreaktion des Körpers. Manchmal kann Schluckauf aber auch chronisch werden und Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Was gegen Schluckauf hilft, was es bei Schluckauf bei Babys zu beachten gibt und wie man einer Chronifizierung vorbeugt.

schluckauf
Die Luft anzuhalten, ist einer der vielen Tipps gegen Schluckauf.
© Getty Images/nicoletaionescu

Schluckauf ist für die betroffene Person meist nervtötend. Andere finden ihn dagegen meist lustig. Umgangssprachlich heißt der Schluckauf "Hicks", in der Medizin Singultus. Normalerweise ist Schluckauf harmlos und verschwindet nach einigen Minuten von selbst wieder. Er kann Menschen mehrmals im Leben erwischen und zwar zu jeder Zeit. Schon Babys im Mutterleib haben Schluckauf. Mediziner*innen vermuten, dass er bei Ungeborenen den Atemreflex trainiert und vor dem Einatmen von Fruchtwasser schützt. Bei Erwachsenen scheint der Hicks keinen speziellen Nutzen zu haben, sondern ein Relikt aus der Evolution zu sein.

Artikelübersicht:

Verblüffende Hausmittel gegen häufige Krankheiten

Wie entsteht Schluckauf?

Schluckauf entsteht, wenn sich das Zwerchfell verkrampft. Das Zwerchfell ist eine Muskel-Sehnen-Platte, die den Oberbauch vom Unterbauch trennt und sich bei jedem Atemzug hebt und senkt. Wenn das Zwerchfell verkrampft, verschließt sich die Stimmritze im Kehlkopf schlagartig und die eingeatmete Luft prallt ab – so entsteht der laute und meist weithin hörbar hicksende Laut. Jeder neue Atemzug reizt den Nerv, der die Zwerchfellmuskulatur koordiniert (Nervus phrenicus) – und die muskulöse Trennwand im Bauchraum verkrampft sich wieder. Unterdrücken lässt sich der Schluckauf nicht. Manche hicksen zweimal, andere bis zu 60-mal pro Minute.

Hält der Schluckauf länger als 48 Stunden an, kann er chronisch werden. Die Schluck- und Atemmuskulatur verkrampft sich, was äußerst schmerzhaft ist. Suchen Sie in diesem Fall ärztlichen Rat, um die Ursachen abklären zu lassen. Ein unbehandelter Schluckauf hat manchmal unangenehme Folgen wie Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre (Refluxkrankheit), Schlafmangel oder Herzprobleme.

Akuter und chronischer Schluckauf – die Ursachen

Mediziner*innen unterscheiden akuten und chronischen Schluckauf. Der akute Schluckauf ist keine Krankheit, sondern harmlos und klingt in der Regel nach einigen Minuten von selbst wieder ab. Chronischer Schluckauf bleibt dagegen länger als 48 Stunden bestehen – er ist wesentlich seltener.

Akuter Schluckauf entsteht meist bei zu hastigem Essen oder beim Verschlingen zu großer Portionen. Auch der Konsum kohlensäurehaltiger Getränke, größerer Alkoholmengen sowie kalter und heißer Speisen kann den Zwerchfellnerv reizen und das Hicksen auslösen. Daneben sind psychische Faktoren als Verursacher des Schluckaufs bekannt. Dazu zählen beispielsweise

  • heftiges Erschrecken,
  • Angst oder
  • plötzliche Aufregung.

Auch in der Schwangerschaft kommt akuter Schluckauf gehäuft vor, weil das Baby auf das Zwerchfell drückt.

Ursachen des chronischen Schluckaufs

Manchmal bleibt der unliebsame Schluckauf über zwei Tage und länger erhalten. Folgende Gründe kommen infrage:

Selten dauert der Schluckauf trotz Behandlung mehrere Monate oder sogar Jahre an. Dann wird er als behandlungsresistenter Schluckauf bezeichnet. Betroffene leiden unter Schmerzen, Schlafstörungen, enormen psychischen Belastungen und ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück. Der Dauerschluckauf schränkt die Lebensqualität erheblich ein.

Schluckauf-Diagnose: Nach 48 Stunden zum Arzt

Holen Sie immer ärztlichen Rat ein, wenn Sie länger als 48 Stunden Schluckauf haben. Um die Ursachen des Schluckaufs herauszufinden, werden Beschwerden und Krankengeschichte (Anamnese) genau unter die Lupe genommen. Unter anderem sind diese Fragen dabei wichtig:

  • Wann ist der Schluckauf erstmals aufgetreten?

  • Wie lange dauert er bereits an?

  • Gab es beschwerdefreie Phasen zwischen den Schluckauf-Episoden?

  • In welchen Situationen trat der Hicks zutage, zum Beispiel beim Essen oder Trinken?

  • Haben Sie auch nachts im Schlaf Beschwerden? Dies ist ein Hinweis auf eine körperliche Ursache.

  • Sind Krankheiten bei Ihnen bekannt, zum Beispiel Diabetes, Magen-Darm-Krankheiten oder Gehirnerkrankungen?

  • Mussten Sie sich kürzlich einer Operation unterziehen, etwa im Bereich von Hals, Brustkorb und Bauchraum?

  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein, zum Beispiel Schlafmittel?

  • Leiden Sie unter psychischen Belastungen, etwa Ängsten oder Stress?

  • Konsumieren Sie Alkohol, und wenn ja: wie viel? Eine ehrliche Antwort hilft hier mehr als eine kleine Schummelei.

Kann der*die Ärzt*in harmlose Gründe ausschließen, folgen verschiedene Untersuchungsmethoden, um den Ursachen näher auf die Spur zu kommen. Dazu gehören unter anderem:

Schluckauf: Behandlung und Hausmittel

Ein akuter Hicks benötigt keine ärztliche Behandlung, denn er verschwindet meist nach kurzer Zeit von allein wieder. Die Behandlung des chronischen Schluckaufs hängt von der Ursache ab. Ärzt*innen versuchen, die Grunderkrankung zu behandeln, die zum Schluckauf führt. So helfen Medikamente, welche die Magensäureproduktion drosseln (Protonenpumpenhemmer), wenn die Refluxkrankheit oder Sodbrennen der Verursacher des Schluckaufs ist. Hilfreich sind in manchen Fällen muskelentspannende Mittel oder Wirkstoffe, welche die Entleerung des Magens fördern. Manchmal werden auch Medikamente gegen Epilepsie (Antiepileptika) eingesetzt.


Tipps und Hausmittel gegen Schluckauf

Es gibt unzählige Hausmittel und Tipps, die den Schluckauf vertreiben sollen: Die einen halten die Luft an oder machen einen Kopfstand, während andere ihn konzentriert "wegatmen". Nicht jeder Tipp hilft bei jedem. Probieren Sie aus, wie Sie dem Schluckauf am besten zu Leibe rücken. Alle Tipps haben ein Ziel, nämlich die Atemmuskulatur zu beruhigen.

Folgende Hausmittel und Tipps gegen Schluckauf sind einen Versuch wert:

  • Überlegen Sie sich ein Ablenkungsmanöver! Halten Sie zum Beispiel die Luft an, schlucken Sie dreimal trocken oder beantworten Sie sich verschiedene Fragen, bei denen Sie überlegen müssen. Etwa, was Sie vorgestern zu Mittag gegessen haben.

  • Schlucken Sie einen Esslöffel Kümmel mit etwas Flüssigkeit.

  • Träufeln Sie ein paar Tropfen Apfelessig auf ein Stück Würfelzucker und lutschen Sie diesen.

  • Kochen Sie eine Tasse Fencheltee und nehmen Sie den Tee löffelweise zu sich.

  • Trinken Sie ein Glas Wasser kopfüber! Lehnen Sie Ihren Oberkörper dazu über die Kante des Sofastuhls und trinken Sie kopfüber schluckweise Wasser durch einen Strohhalm.

  • Ein feuchtwarmer Bauchwickel entspannt Ihre Muskulatur im Bauchbereich. Tränken Sie dafür einen Stofflappen in heißem Wasser und legen Sie den Wickel für etwa 15 bis 20 Minuten auf Ihren Oberbauch.

Schluckauf vorbeugen: Tipps, die vor dem Hicks schützen

Einem akuten Schluckauf beugt man am besten durch langsames Essen und kleine Portionen vor. Ruhiges und gleichmäßiges Atmen beim Essen kann ebenso helfen. Auch kohlensäurehaltige, kalte Getränke gelten als mögliche Ursache. Stilles Wasser, stille Fruchtsäfte oder ungesüßte Tees, die nicht zu kalt sind, sind möglicherweise eine bessere Alternative. Zudem kann ein verringerter Alkoholkonsum dem Schluckauf vorbeugen.

Schluckauf bei Babys: Was hilft?

Babys bekommen oft nach dem Fläschchen oder dem Stillen Schluckauf. Das liegt an der noch nicht vollständig entwickelten Zwerchfellmuskulatur der Kleinen. Zudem Schlucken sie beim Trinken häufig Luft. Diese Tipps können gegen Schluckauf bei Babys helfen:

  • Nach dem Füttern ein Bäuerchen machen lassen.
  • Beim Fläschchen sollte darauf geachtet werden, dass die Nahrung nicht zu kalt oder warm ist.
  • Sanftes Pusten ins Gesicht des Babys kann den Atemrhythmus wieder normalisieren und das Zwerchfell entspannen.

Auch bei Babys vergeht der Schluckauf meist von allein wieder.

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