Singultus – das steckt dahinter

Schluckauf: Wie der Hicks entsteht und was hilft

Schluckauf (Singultus) ist meist harmlos und lediglich eine Reizreaktion des Körpers. Manchmal kann Schluckauf aber auch chronisch werden und Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Was gegen Schluckauf hilft und wie man einer Chronifizierung vorbeugt.

Schluckauf frau hält luft an
Die Luft anzuhalten, ist einer der vielen Tricks, um den lästigen Schluckauf loszuwerden.
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Ein Schluckauf ist nervtötend für denjenigen, der ihn hat. Andere finden ihn dagegen meist lustig. Umgangssprachlich heißt der Schluckauf "Hicks", unter Medizinern Singultus. Normalerweise ist Schluckauf harmlos und verschwindet nach einigen Minuten von selbst wieder. Er kann Menschen mehrmals im Leben erwischen, und zwar zu jeder Zeit. Schon Babys im Mutterleib haben Schluckauf. Mediziner vermuten, dass er bei Ungeborenen den Atemreflex trainiert und vor dem Einatmen von Fruchtwasser schützt. Bei Erwachsenen scheint der Hicks keinen speziellen Nutzen zu haben, sondern ein Relikt aus der Evolution zu sein.

Schluckauf: Zwerchfell im Krampfmodus

Der Hicks entsteht, wenn sich das Zwerchfell, das den Oberbauch vom Unterbauch trennt und sich bei jedem Atemzug hebt und senkt, verkrampft. Die Stimmritze im Kehlkopf verschließt sich dadurch schlagartig und die eingeatmete Luft prallt ab – so entsteht der laute und meist weithin hörbar hicksende Laut. Jeder neue Atemzug reizt den Nerv, der die Zwerchfellmuskulatur koordiniert (Nervus phrenicus) – und die muskulöse Trennwand im Bauchraum verkrampft sich wieder. Unterdrücken lässt sich der Schluckauf nicht. Manche hicksen zweimal, andere bis zu 60-mal pro Minute.

Verblüffende Hausmittel gegen häufige Krankheiten

Hält der Schluckauf länger als 48 Stunden an, kann er chronisch werden. Die Schluck- und Atemmuskulatur verkrampft sich, was äußerst schmerzhaft ist. Suchen Sie in diesem Fall einen Arzt auf, um die Ursachen abklären zu lassen. Ein unbehandelter Schluckauf hat manchmal unangenehme Folgen wie Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre (Refluxkrankheit), Schlafmangel oder Herzprobleme.

Akuter und chronischer Schluckauf – die Ursachen

Mediziner unterscheiden akuten und chronischen Schluckauf. Der akute Schluckauf ist keine Krankheit, sondern harmlos und klingt in der Regel nach einigen Minuten von selbst wieder ab. Chronischer Schluckauf bleibt dagegen länger als 48 Stunden bestehen – er ist wesentlich seltener.

Akuter Schluckauf entsteht meist, wenn Sie zu hastig essen oder zu große Portionen verschlingen. Auch der Konsum kohlensäurehaltiger Getränke, größerer Alkoholmengen, kalter und heißer Speisen kann den Zwerchfellnerv reizen und das Hicksen auslösen. Daneben sind psychische Faktoren als Verursacher des Schluckaufs bekannt. Dazu zählen beispielsweise heftiges Erschrecken, Angst oder plötzliche Aufregung. Auch in der Schwangerschaft kommt akuter Schluckauf gehäuft vor, weil das Baby auf das Zwerchfell drückt.

Ursachen des chronischen Schluckaufs

Manchmal bleibt der unliebsame Schluckauf über zwei Tage und mehr erhalten. Folgende Gründe kommen in Frage:

Selten dauert der Schluckauf trotz Behandlung mehrere Monate oder sogar Jahre an. Ärzte nennen ihn behandlungsresistenten Schluckauf. Patienten leiden dann unter Schmerzen, Schlafstörungen, enormen psychischen Belastungen und ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück. Der Dauerhicks schränkt die Lebensqualität oft erheblich ein.

Schluckauf-Diagnose: Nach 48 Stunden zum Arzt

Suchen Sie immer einen Arzt auf, wenn Sie länger als 48 Stunden Schluckauf haben. Er findet heraus, welche Ursachen dahinterstecken. Zunächst befragt er Sie zu Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte (Anamnese), unter anderem mit diesen Fragen:

  • Wann ist der Schluckauf erstmals aufgetreten?
  • Wie lange dauert er an?
  • Gab es beschwerdefreie Phasen zwischen den Schluckauf-Episoden?
  • In welchen Situationen trat der Hicks zutage, zum Beispiel beim Essen oder Trinken?
  • Haben Sie auch nachts im Schlaf Beschwerden? Dies ist ein Hinweis auf eine körperliche Ursache.
  • Sind Krankheiten bei Ihnen bekannt, zum Beispiel Diabetes, Magen-Darm-Krankheiten oder Gehirnerkrankungen?
  • Mussten Sie sich kürzlich einer Operation unterziehen, etwa im Bereich von Hals, Brustkorb und Bauchraum?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein, zum Beispiel Schlafmittel?
  • Leiden Sie unter psychischen Belastungen, etwa Ängsten oder Stress?
  • Konsumieren Sie Alkohol, und wenn ja: wie viel? Eine ehrliche Antwort hilft hier mehr als eine kleine Schummelei.

Kann der Arzt harmlose Gründe ausschließen, folgen verschiedene Untersuchungsmethoden, um den Ursachen näher auf die Spur zu kommen. Dazu gehören unter anderem:

Das tut dem Magen gut – und das gar nicht

Schluckauf: Behandlung und Hausmittel

Ein akuter Hicks benötigt keine ärztliche Behandlung, er verschwindet meist nach kurzer Zeit von alleine wieder. Die Behandlung des chronischen Schluckaufs hängt von der Ursache ab. Ärzte versuchen, die Grunderkrankung zu behandeln die dazu führt. So helfen Medikamente, welche die Magensäureproduktion drosseln (Protonenpumpenhemmer), wenn die Refluxkrankheit oder Sodbrennen der Verursacher des Schluckaufs ist. Hilfreich sind in manchen Fällen muskelentspannende Mittel, etwa Baclofen, oder Wirkstoffe, welche die Entleerung des Magens fördern, beispielsweise Metoclopramid. Manchmal setzen Ärzte auch Medikamente gegen Epilepsie (Antiepileptika) ein, zum Beispiel den Wirkstoff Carbamazepin.

Tipps und Hausmittel gegen Schluckauf

Es gibt unzählige Hausmittel und Tipps, die den Schluckauf vertreiben sollen: Die einen halten die Luft an oder machen einen Kopfstand, während die anderen ihn konzentriert "weg atmen".  Nicht jeder Tipp hilft jedem Menschen. Probieren Sie aus, wie Sie dem Schluckauf am besten zu Leibe rücken. Alle Tipps haben ein Ziel, nämlich die Atemmuskulatur zu beruhigen.

Folgende Hausmittel und Tipps gegen Schluckauf sind einen Versuch wert:

  • Überlegen Sie sich ein Ablenkungsmanöver! Halten Sie zum Beispiel die Luft an, schlucken Sie dreimal trocken oder beantworten Sie sich verschiedene Fragen, bei denen Sie überlegen müssen. Etwa, was Sie vorgestern zu Mittag gegessen haben.
  • Schlucken Sie einen Esslöffel Kümmel mit etwas Flüssigkeit.
  • Träufeln Sie ein paar Tropfen Apfelessig auf ein Stück Würfelzucker und lutschen Sie diesen.
  • Kochen Sie eine Tasse Fencheltee und nehmen Sie den Tee löffelweise zu sich.
  • Trinken Sie ein Glas Wasser rückwärts! Lehnen Sie Ihren Oberkörper dazu über die Kante des Sofastuhls und trinken Sie kopfüber schluckweise Wasser durch einen Strohhalm.
  • Ein feucht-warmer Bauchwickel entspannt Ihre Muskulatur im Bauchbereich. Tränken Sie einen Stofflappen in heißem Wasser und legen Sie den Wickel für etwa 15 bis 20 Minuten auf Ihren Oberbauch.

Schluckauf vorbeugen: Tipps, die vor dem Hicks schützen

Einem akuten Schluckauf beugen Sie am besten vor, indem Sie nicht zu hastig essen oder übermäßig große Portionen in sich hineinschlingen. Atmen Sie ruhig und gleichmäßig beim Essen. Auch kohlensäurehaltige Getränke gelten als Ursache, vielleicht steigen Sie besser auf stilles Wasser, stille Fruchtsaftschorlen oder ungesüßte Tees um. Achten Sie auch auf Ihren Alkoholkonsum. Ein Zuviel davon gilt ebenfalls als Auslöser des hicksenden Phänomens.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 29. August 2017
Durch: sist
Quellen: Kuhn, M., Reinhart, WH.: Singultus. Schweizerisches Medizinisches Forum, pp. 1138-1141. 2004;4; http://www.medicalforum.ch/pdf/pdf_d/2004/2004-45/2004-45-376.PDF; J.-M. Hahn. Checkliste Innere Medizin. Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 1997; https://www.aerzteblatt.de/archiv/115013/Persistierender-Singultus-als-Initialsymptom-eines-Kavernoms-in-der-Medulla-oblongata; http://www.neuro24.de/show_glossar.php?id=1512

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