Menstruationsbeschwerden

Regelschmerzen: Bauchkrämpfe vor den Tagen

Als Regelschmerzen (medizinisch: Dysmenorrhö) werden ausgeprägte Schmerzen im Unterleib bezeichnet, die vor Beginn und/oder während der Menstruationsblutung einer Frau auftreten.

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Bei starken Schmerzen während der Monatsblutung ist eine Untersuchung durch den Frauenarzt ratsam, um eine ernste Erkrankung auszuschließen.
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Regelschmerzen entstehen durch die Kontraktionen der Gebärmutter, wenn das Organ seine Schleimhaut abstößt, weil sich kein Ei eingenistet hat. Ein gewisses Maß an Krämpfen und Beschwerden während der Menstruation ist also durchaus normal und kein Grund zur Sorge.

Bei sehr heftigen Regelschmerzen zum Arzt

Führen starke Regelschmerzen aber zu Einschränkungen im Alltag zum Beispiel durch Krankschreibungen, ist ein Arztbesuch ratsam. Denn auch körperliche Ursachen wie eine Endometriose können übermäßig starke Schmerzen während der Regel auslösen.

20 Tipps gegen Regelschmerzen

Begleitend können bei Regelschmerzen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen vorkommen, auch allgemeines Unwohlsein ist häufig. Oft strahlen die Schmerzen auch in den Rücken aus (mehr dazu auf unserem Spezialportal zu Rückenschmerzen lesen). Regelschmerzen zählen neben dem Prämenstruellen Syndrom (PMS) und Blutungsunregelmäßigkeiten zu den Menstruationsstörungen.

Beschwerden werden nach ihrer Ursache eingeteilt

Man unterscheidet zwei Formen der Regelschmerzen: Primäre Regelschmerzen (primäre Dysmenorrhö) sind dadurch gekennzeichnet, dass sie in jungen Jahren, meist kurz nach der Menarche, also der ersten Regelblutung, auftreten. Sie sind relativ häufig: Bis zu drei Viertel aller jungen Mädchen leiden daran. Bei sekundären Regelschmerzen setzen die Beschwerden in der Regel deutlich später ein und gehen meist auf eine organische Ursache zurück.

Schmerzen auch ohne Regel möglich – und trotz Schwangerschaft

Dabei ist das Auftreten von Regelschmerzen kein Garant dafür, dass keine Schwangerschaft vorliegt: Viele Frauen berichten, trotz "trockenen" Regelschmerzen zu diesem Zeitpunkt bereits schwanger gewesen zu sein. Dasselbe gilt für den umgekehrten Fall: Wenn bei Kinderwunsch die Regelschmerzen ausbleiben, heißt das nicht zwingend, dass eine Einnistung stattgefunden hat.

Regelschmerzen: Mögliche Ursachen

Die primäre Form der Regelschmerzen ist relativ häufig und setzt typischerweise sechs Monate bis drei Jahre nach der ersten Menstruation ein. Die Schmerzen werden durch das periodisch auftretende Zusammenziehen der Gebärmutter (Uterus) ausgelöst. Körpereigene Substanzen, die bei Einsetzen der Blutung im Körper ausgeschüttet werden, verstärken die Regelschmerzen zusätzlich.

Mix aus Faktoren für Regelschmerzen verantwortlich

Häufig spielen bei der Entstehung von Regelschmerzen aber auch psychosomatische Faktoren eine Rolle, etwa, wenn Mädchen noch Schwierigkeiten haben, sich mit ihrer Weiblichkeit und ihrem Körper zu identifizieren. Auch die Art und Weise, wie die Mutter oder ältere Schwester mit den Themen Menstruation, Regelschmerzen, Körperwahrnehmung und Sexualität umgehen, kann sich darauf auswirken, wie stark junge Mädchen Regelschmerzen empfinden.

Sekundäre Regelschmerzen haben oft organische Ursachen

Treten Regelschmerzen nach längeren Zeiträumen mit beschwerdefreien Zyklen auf, liegen sekundäre Regelschmerzen vor. Meistens tritt diese Form bei Frauen ab dem 25. Lebensjahr auf. Sie können organisch bedingt sein und sollten daher von einem Gynäkologen abgeklärt werden. Als Ursachen für die Beschwerden kommen unter anderem folgende Erkrankungen und Faktoren infrage:

  • Endometriose (Gebärmutterschleimhaut kommt außerhalb der Gebärmutterhöhle vor)

  • Endometritis 

  • Myom der Gebärmutter (gutartige Tumore, die aus Muskel- und Bindegewebe bestehen)

  • Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut (etwa Gebärmutter-Polypen)

  • Verengung des Gebärmutterhalses

  • Fehllage der Gebärmutter sowie Fehlbildungen der Harn- oder Geschlechtsorgane

  • Liegende Kupferspirale 

Psychologische Faktoren, zum Beispiel sexuelle Konfliktsituationen und ein unerfüllter Kinderwunsch, können ebenfalls eine Rolle spielen und die Regelschmerzen auslösen oder verschlimmern.

So verläuft die Diagnose beim Arzt

Wichtig ist zunächst ein ausführliches Gespräch, in dem der Arzt über Art und Dauer der Menstruationsbeschwerden, bekannte Grunderkrankungen, Krankheiten von Familienangehörigen und die angewendete Verhütungsmethode informiert wird.

Anamnese und Untersuchungen bei Regelschmerzen

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Im Anschluss führt der Arzt die gynäkologische Untersuchung von Scheide, Muttermund und Gebärmutterhals durch und entnimmt einen Abstrich. Bei jungen Mädchen mit Regelschmerzen reichen in der Regel eine sorgfältige Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und gegebenenfalls eine gynäkologische Untersuchung aus.

Ultraschall kann helfen, Regelschmerzen abzuklären.

Treten die Regelschmerzen bei jungen Mädchen schon bei der ersten oder zweiten Menstruation auf, kann aber auch eine organische Ursache und damit die sekundäre Form der Regelschmerzen zugrunde liegen. In solchen Fällen verschafft eine weitergehende ärztliche Untersuchung zum Beispiel mithilfe von Ultraschall (Sonographie) oder auch einer Bauchspiegelung Klarheit über mögliche organische Ursachen. Unter Umständen entnimmt der Arzt auch Gewebeproben.

Behandlungsmöglichkeiten bei Regelschmerzen

Wenn eine Frau unter starken Regelschmerzen leidet und der Arzt bereits eine ernste organische Ursache (zum Beispiel Endometriose) durch geeignete Untersuchungen wie Ultraschall ausschließen konnte, gibt es mehrere Möglichkeiten, mit den Beschwerden umzugehen.

Zur kurzfristigen Schmerzbehandlung bei primären, also nicht durch organische Erkrankungen bedingten, akuten Regelschmerzen können kortisonfreie Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Naproxen eingesetzt werden, die mitunter auch zusätzlich muskelentspannende Wirkstoffe wie Butylscopolamin enthalten.

Mit der Pille gegen Schmerzen? Unbedingt vom Arzt beraten lassen

Acetylsalicylsäure (ASS) eignet sich bei Regelschmerzen weniger, da es blutverdünnende Wirkung hat. Bei sehr starken Beschwerden während der Regel kann der behandelnde Arzt auch rezeptpflichtige Schmerzmittel verordnen. Wenn zusätzlich verhütet werden soll, kann der Frauenarzt auch die Anti-Baby-Pille verordnen, die Regelschmerzen ebenfalls lindern kann.

Möglich ist die Antibabypille, die den sogenannten Langzeitzyklus erlaubt. Dabei werden mehrere Pillenblister am Stück verwendet, die siebentägige Einnahmepause fällt so für bis zu sechs Monate weg – und mit ihr die Monatsblutung samt unangenehmen Begleiterscheinungen wie PMS und Regelschmerzen. Allerdings kommt es zu Beginn der Umstellung auf den Langzyklus der Pille häufig zu Schmierblutungen und die Antibabypille birgt Nebenwirkungen wie Libidoverlust und Erhöhung des Thromboserisikos. Daher immer den Arzt zu Rate ziehen.

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Lifeline/Dr. Heart

Wärme, Sport und das richtige Essen gegen Regelschmerzen

Medikamente gegen Regelschmerzen sollten aber nur kurzfristig eingenommen werden. Zusätzlich kann auch die krampflösende Wirkung von Wärme und leichter körperlicher Bewegung genutzt werden. Schon eine Wärmflasche, ein heißes Bad, ein Saunagang oder eine Moorpackung kann bei Regelbeschwerden hilfreich sein.

Dass Frauen während ihrer "Tage" keinen Sport treiben sollten, ist ein Rat aus Omas Zeiten und längst überholt. Ausdauersport wie Walken oder Radfahren können Regelbeschwerden sogar vorbeugen, weil durch die Bewegung Botenstoffe ausgeschüttet werden, die das Allgemeinbefinden deutlich verbessern.

Auch über die Ernährung lassen sich Regelschmerzen bekämpfen: Krampflösend und damit schmerzlindernd wirkt Magnesium, das zum Beispiel in Weizenkeimen, Nüssen oder Spinat steckt. Entspannend wirken außerdem Tees aus Gänsefingerkraut, Schafgarbe oder Kamille, genau wie Yoga-Übungen.

Bei heftigen Regelschmerzen auch die Verhütung überdenken

Wird eine sekundäre Menstruationsstörung (Dysmenorrhoe) diagnostiziert, steht die Behandlung der jeweiligen Ursache im Vordergrund. Medikamentöse oder operative Maßnahmen können erforderlich sein, um die Grunderkrankung zu behandeln.

Ist eine liegende Spirale Auslöser für starke Regelschmerzen, kann mitunter die Entfernung des Verhütungsmittels und ein Wechsel auf eine andere Methode in Erwägung gezogen werden.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 23. Mai 2017
Durch:
Quellen: H. Brühwiler, D. Sieger, K. P. Lüscher. Primäre Dysmenorrhö. Schweiz Med Forum 2006;6:919–922. http://www.medicalforum.ch/pdf/pdf_d/2006/2006-41/2006-41-401.PDF G. München, J. Reitz. Grundlagen der Krankheitslehre. Nikol Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. Hamburg. Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. 2. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart.

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