Versprengte Gebärmutterschleimhaut

Endometriose: Symptome und Therapie

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Eine der häufigsten gutartigen Erkrankungen bei Frauen ist die Endometriose. Da die Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt sind, bleibt sie allerdings oft lange unentdeckt. Unfruchtbarkeit kann die Folge einer unbehandelten Endometriose sein, deshalb sind eine frühzeitige Diagnose und Therapie wichtig.

Frau mit Bauchschmerzen auf dem Sofa
© Getty Images/Charday Penn

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, verursacht durch Zellen der Gebärmutterschleimhaut, die sich außerhalb der Gebärmutterhöhle ansiedeln. Schätzungen zufolge sind zwischen sieben und 15 Prozent aller geschlechtsreifen Frauen von Endometrioseherden im Bauchraum betroffen. Im Schnitt dauert es aber zwischen fünf bis sieben Jahre, bis die Diagnose gestellt wird – bei vielen Betroffenen sind die Symptome nicht so stark und können leicht mit normalen Regelbeschwerden verwechselt werden.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist Endometriose?

Bei einer Endometriose befindet sich fälschlicherweise Gewebe der Gebärmutterschleimhaut außerhalb des Organs. Diese Wucherungen kommen meist im Unterbauch, oft an den Eierstöcken, Eileitern, dem Darm, der Blase und den inneren weiblichen Geschlechtsorganen vor. Im Körper verursachen die Endometrioseherde Entzündungen, Schmerzen, Verklebungen, Vernarbungen und im schlimmsten Fall Zysten und Tumoren.

Das Gewebe, das die weibliche Gebärmutter von innen auskleidet, heißt Endometrium. Davon leitet sich der Begriff Endometriose ab. Endometriosegewebe unterscheidet sich vom Endometrium, denn die Basalmembran des wuchernden Gewebes ist verändert: Diese feinen Häutchen bilden die Grenze zum benachbarten Gewebe. Zudem zeigen die Herde einer Endometriose besondere Wachstumseigenschaften. Weil sie das umgebende Gewebe nicht zerstören, ist eine Endometriose in den meisten Fällen gutartig.

Endometrioseherde nehmen am Zyklus teil

Wie die Zellen der Gebärmutterschleimhaut trägt die Endometriosezelle kleine Rezeptoren für Östrogen und Progesteron auf der Oberfläche. Daher sind Endometrioseherde hormonell bedingten Veränderungen, die dem Monatszyklus entsprechen, unterworfen. Sie können zyklisch wachsen und bluten: Östrogene stimulieren das Wachstum der Endometriose, Östrogenentzug und Progesteron hingegen hemmen es.

Während der Menstruation werden in den Endometrioseherden Zellen abgestoßen und es kommt zu kleinen Blutungen. Dies erklärt Krankheitssymptome wie starke Regelschmerzen kurz vor der Periode, starke Bauchkrämpfe und wiederkehrende Schmerzen im Unterbauch.

Formen der Endometriose

Endometriosen werden nach Ort des Auftretens unterschieden:

  • Innere genitale Endometriose (Endometriosis genitalis interna, Adenomyose, primäre Endometriose): Die Endometrioseherde befinden sich in der Gebärmuttermuskulatur oder im Eileiter. Es besteht eine direkte Verbindung zur Gebärmutterschleimhaut. Das ist die häufigste Form.
  • Äußere genitale Endometriose (Endometriosis genitalis externa): Die Endometriose-Inseln befinden sich im Genitalbereich, aber außerhalb der Gebärmutterschleimhaut oder der Gebärmuttermuskulatur. Die häufigsten Lokalisationen sind hier die Eierstöcke oder der Douglas-Raum, der sich zwischen Mastdarm (Rektum) und Gebärmutter befindet. Daneben können ebenso die Gebärmutteroberfläche, der Bandapparat der Gebärmutter, die Scheide oder das äußere Genitale (Vulva) befallen sein.

     
  • Extragenitale Endometriose (Endometriosis extragenitalis): Diese seltenste Form kann überall auftreten, das Endometriosegewebe befindet sich außerhalb des Genitalbereichs. Dickdarm, Dünndarm oder Blase können betroffen sein. Selten gibt es Herde an der Bauchhaut oder in der Lunge, extrem selten treten Zellen im Gehirn auf.

Endometriose: Welche Symptome treten auf?

Im Anfangsstadium verursachen Endometrioseherde oftmals keine oder nur leichte Symptome. In manchen Fällen werden sie mit einer Blasenentzündung (Zystitis) verwechselt.

Häufige Symptome:

  • häufige und starke Regelschmerzen (Dysmenorrhö)
  • verstärkte Regelblutung (Hypermenorrhö)
  • Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie)
  • Blut im Urin (Hämaturie)
  • Schwierigkeiten beim Stuhlgang (Dyschezie)
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
  • Rückenschmerzen
  • Schmerzen im Beckenboden
  • Kreislaufprobleme während der Menstruation

Die Größe der Endometrioseherde hängt nicht mit der Stärke der Symptome zusammen: Selbst sehr kleine Herde im Bauchfell können massive Schmerzen verursachen, während sich große Herde oder Endometriosezysten manchmal nicht bemerkbar machen.

Wenn Blut aus den Endometrioseherden nicht abfließen kann, können sich Zysten bilden. Wegen ihres bräunlichen Inhalts werden diese auch "Schokoladenzysten" genannt. Häufig entstehen diese Zysten an den Eierstöcken.

Endometrioseherde können im ganzen Körper entstehen. Je nach befallenem Organ treten die verschiedensten Symptome auf. Am häufigsten ist der Dickdarm befallen. Blutige Auflagerungen auf dem Stuhlgang während der Monatsblutung können dabei auftreten. Entwickelt sich eine Endometrioseinsel in der Lunge, so kann blutiger Auswurf beim Husten die Folge sein.

Unfruchtbarkeit und unerfüllter Kinderwunsch durch Endometriose

Bei etwa 30 bis 60 Prozent der Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben, ist dies auf eine Endometriose zurückzuführen. Wenn die Eierstöcke mit Schleimhaut verwachsen, werden auch die Befruchtung der Eizelle sowie ihr Transport und die Einnistung in der Gebärmutter behindert.

Befinden sich die Gewebenester in der Muskulatur der Gebärmutter, so behindern sie deren Kontraktion. Diese fördert aber eine Empfängnis, indem sie die Spermien in Richtung Eileiter befördert, wo die Befruchtung stattfindet. Auch eine verminderte Qualität der weiblichen Eizellen und eine gestörte Transportfunktion der Eileiter werden als Ursachen für die ungewollte Kinderlosigkeit bei Endometriose diskutiert.


Ursachen und Risikofaktoren von Endometriose

Wie es zur Endometriose kommt, ist noch unklar, es gibt jedoch verschiedene Theorien darüber:

  • Implantationstheorie: Die Transplantationstheorie geht davon aus, dass lebensfähige Zellen der Gebärmutterschleimhaut während der Menstruation rückwärts durch den Eileiter in die Bauchhöhle gelangen und dort anwachsen.

  • Theorie der Gewebeveränderung (Coelum-Metaplasie): Nach dieser Theorie findet in der frühen Embryonalentwicklung ein Programmierfehler statt. Zellen außerhalb der Gebärmutter erhalten den Bauplan einer Endometriumzelle – die Endometriosezelle wird angelegt.

Daneben sind Faktoren bekannt, welche die Erkrankung fördern:

  • Hormone: Die Ausprägung der Endometriose hängt mit Anzahl, Dauer und Intensität der Menstruation zusammen. Je mehr Monatszyklen eine Frau in ihrem Leben erlebt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Endometriose ausbildet.

  • Frühe Menarche: Tritt die erste Regelblutung in sehr jungen Jahren auf, kann das Risiko für Endometriose später erhöht sein.

  • Erbliche Belastung: Die Erkrankung kann familiär gehäuft vorkommen. Für Frauen aus einer Familie mit Fällen von Endometriose steigt das Erkrankungsrisiko bis auf das Sechsfache.

Diagnose bei Verdacht auf Endometriose

Bei Schmerzen oder anderen Beschwerden im Bauchraum während der Menstruation und beim Geschlechtsverkehr sollten Betroffene ärztliche Hilfe suchen. Bei Verdacht auf Endometriose gibt es einen endometriosespezifischen Fragebogen sowie verschiedene Untersuchungen zur Diagnose:

  • Gynäkologische Tastuntersuchung: Größe, Lage und Beweglichkeit der inneren Geschlechtsorgane ertastet der*die Arzt*Ärztin bei der gynäkologischen Untersuchung. Dies kann bei Betroffenen mit Endometriose Schmerzen auslösen. Zwischen Gebärmutterrückwand und Mastdarm kommen häufig Endometrioseherde vor.

  • Bildgebende Verfahren: Bei der Suche nach Endometrioseherden an den Eierstöcken ist eine Ultraschalluntersuchung durch die Scheide hilfreich. Kleinere Herde werden mit dieser Technik aber nicht sichtbar. Eine Computertomografie (CT) kann Knoten ab einem Durchmesser von fünf Millimetern zeigen. Die Magnetresonanztomografie (MRT) erfasst noch kleinere Herde.

  • Bauchspiegelung (Laparoskopie): Bei der minimal-invasiven Untersuchung wird in Vollnarkose über eine etwa zwei Zentimeter lange Öffnung unterhalb des Bauchnabels eine Spezialkamera in den Bauchraum eingeführt. Mit ihrer Hilfe können winzige Endometrioseherde entdeckt werden, gleichzeitig können Gewebeproben entnommen werden. Die Bauchspiegelung ist das beste Verfahren, um eine Endometriose im Bauchraum zu diagnostizieren.

  • Laboruntersuchungen: Es gibt keine Substanzen im Blut, die gezielt auf eine Erkrankung an Endometriose hinweisen. Im fortgeschrittenen Stadium ist häufig das Glykoprotein CA-125 erhöht, das als Tumormarker gilt. Der Eiweißstoff wird auch von Eierstock-, Brust- und Darmkrebszellen produziert. Die Bestimmung von CA-125 eignet sich bei Endometriose nicht zur Diagnose, sondern nur zur Verlaufskontrolle. Hat eine Patientin vor der Behandlung ein erhöhtes CA-125, so zeigt ein Abfall, dass die Therapie wirkt. Ein Anstieg des CA-125-Spiegels nach der Behandlung weist dagegen auf einen Rückfall hin.

Therapie der Endometriose

Bislang gibt es keine ursächliche Behandlung der Endometriose. Verursacht die Endometriose keine Beschwerden und wächst nicht, ist eine Behandlung nicht zwingend erforderlich. Welche Therapie angewendet wird, hängt von den Symptomen, der Lokalisation der Herde und der Frage, ob ein Kinderwunsch besteht, ab.

Gegen die wiederkehrenden Schmerzen helfen nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac. Sie sollten allerdings nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden. Um Begleitbeschwerden und chronischen Schmerzen vorzubeugen, kann die Einnahme von entzündungshemmenden Wirkstoffen (COX-2-Hemmer) sinnvoll sein.

Hormonelle Behandlung bei Endometriose

Da Östrogen als Wachstumstreiber für Endometriose gilt, zielt eine Hormonbehandlung darauf ab, den Östrogenspiegel im Körper zu senken. Manche Medikamente wirken zugleich als Verhütungsmittel:

  • Gestagene als Tablette (Dydrogesteron, Dienogest und Medroxyprogesteronacetat) oder Intrauterinpessar (IUP) mit Levonorgestrel reduzieren den Östrogenspiegel

  • monophasische, orale Verhütungsmittel mit Östrogen und Gestagen verhindern bei durchgängiger Einnahme den Aufbau von Gebärmutterschleimhaut

  • GnRh-Analoga als Spritze oder Nasenspray verhindert die Ausschüttung des follikelstimulierenden Hormons (FSH) und senkt die Östrogenkonzentration. Als Nebenwirkung werden häufig Wechseljahresbeschwerden und Osteoporose ausgelöst, weshalb eine Gabe auf maximal sechs Monate begrenzt ist und die begleitende Behandlung mit niedrig dosiertem Östradiol erforderlich sein kann.

Operation bei Endometriose

Ein Teil der Endometrioseherde wird in der Regel während der diagnostischen Laparoskopie mit Laser, Strom oder Skalpell entfernt. Auch durch die Endometriose entstandene Verwachsungen oder Vernarbungen können so beseitigt werden. Da die Erkrankung auch nach erfolgreicher Therapie erneut auftreten kann (Rezidivbildung), wird oft eine Kombination von Hormonpräparaten und operativem Eingriff angewendet.

In schweren Fällen, bei häufigen Rezidiven oder wenn die ursprünglich gutartige Endometriose entartet, kann eine Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) eventuell gemeinsam mit der Entfernung der Eierstöcke (Oophorektomie) erwogen werden. Bei der Entscheidung spielen das Alter der Patientin und ein eventuell vorhandener Kinderwunsch eine maßgebliche Rolle. Zudem birgt eine solche Operation weitreichende Nebenwirkungen wie etwa den vorzeitigen Beginn der Wechseljahre.

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