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Tumormarker: Erhöhte Werte bei Krebserkrankungen

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Krebs- oder Tumormarker sind wichtige Parameter, um den Verlauf von Krebserkrankungen zu überwachen und die Therapie zu planen. Die Substanzen werden von Krebszellen oder vom Körper als Reaktion auf bösartige Tumoren gebildet. Erfahren Sie, wann die Werte bestimmt werden und welche Aussagekraft sie haben.

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© Getty Images/Solskin

Kurzübersicht

Bestimmung von Tumormarkern: Tumormarker sind zur Früherkennung von Krebserkrankungen in der Regel wenig geeignet. Sie werden meist bei bereits bekannten Krebserkrankungen ermittelt, um den Verlauf und die Therapiemaßnahmen besser einschätzen zu können.

Wichtigste Tumormarker: AFP (Alpha-Fetoprotein), hCG (humane Choriongonadotropin), PSA (prostataspezifische Antigen), TG (Thyreoglobulin), CEA, CA 15-3, CA 19-9, CA 125, Calcitonin

Aussagekraft der Werte: Es gibt viele Faktoren, die zu falsch hohen Werten führen können, etwa Entzündungen, Operationen oder eine Schwangerschaft. Wie spezifisch die Werte sind, hängt aber auch stark vom Tumorentyp ab.

Artikelinhalte im Überblick:

Blutbild: Wichtige Werte und was sie bedeuten

Was sind Tumormarker?

Tumormarker sind Substanzen, die entstehen, wenn sich im Körper ein bösartiger Tumor entwickelt. Sie werden auch als Krebsmarker bezeichnet. Meist handelt es sich um bestimmte Antigene, Proteine oder Hormone.

Die Substanzen können entweder von den Krebszellen selbst gebildet werden oder sie werden vom Organismus als Reaktion auf die Gewebewucherung produziert.

Es werden zwei Arten von Tumormarkern unterschieden:

  • Humorale Tumormarker können im Blut, aber auch in anderen Körperflüssigkeiten wie Urin nachgewiesen werden.

  • Zelluläre Tumormarker lassen sich auf Zelloberflächen nachweisen, etwa Hormonrezeptoren bei Brustkrebs (Mammakarzinom).

Wann ist die Bestimmung von Tumormarkern sinnvoll?

Tumormarker werden vor allem zur Verlaufs- und Therapiebeurteilung bei nachgewiesenen Krebserkrankungen angewendet. Dabei wird meist eine Kombination aus mehreren Tumormarkern berücksichtigt.

Mögliche Gründe für die Bestimmung von Tumormarkern sind beispielsweise:

  • Behandlungsplanung: Die Bestimmung ist vor allem dann hilfreich, wenn es um die Auswahl der passenden Behandlungsoptionen geht. Denn die Konzentration der Tumormarker gibt Auskunft über die Aggressivität der Erkrankung. Nach Chemotherapie oder Bestrahlung werden die Werte bestimmt, um abzuschätzen, ob die Behandlung anschlägt. Sinkt der Markerwert nach einer Behandlung schnell, so ist die gewählte Therapie erfolgreich. Bleiben die Werte hoch, so wird unter Umständen ein Therapiewechsel in Betracht gezogen.

  • Nach Operationen: Mithilfe der Marker kann festgestellt werden, ob ein Tumor vollständig entfernt wurde. Ein Beispiel dafür ist die Bestimmung des Thyreoglobulin-Werts (TG) nach der operativen Entfernung eines Schilddrüsenkarzinoms. Wird kein TG mehr im Blut nachgewiesen, ist davon auszugehen, dass der Tumor vollständig entfernt wurde.

  • Verlaufskontrolle von Tumorerkrankungen: Sind die Werte hoch beziehungsweise ist zwischen zwei Proben mit einem zeitlichen Abstand ein schneller Anstieg der Werte zu beobachten, dann muss von einer eher ungünstigen Prognose ausgegangen werden.

  • Nachsorge: Nicht zuletzt werden Tumormarker bestimmt, um frühzeitig mögliche Rückfälle zu erkennen und bei Bedarf eine erneute Therapie einzuleiten.

Tumormarker: Umstrittene Werte zur Krebsfrüherkennung

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Tumormarker, die auf verschiedene Krebserkrankungen hinweisen können. Allerdings sind die meisten nicht organspezifisch. Das heißt, sie können bei verschiedenen Krebsarten an unterschiedlichen Stellen im Körper vorkommen.

Zudem sind die Marker nicht nur bei bösartigen Tumoren, sondern auch bei vielen anderen Erkrankungen im Blut zu finden. Ein Beispiel dafür ist das prostataspezifische Antigen PSA. PSA ist zwar ein Marker für das Prostatakarzinom, die Werte können jedoch auch bei Harnwegsinfektionen und Entzündungen der Prostata erhöht sein.

Andere Tumormarker wiederum sind nicht nur bei Krebs, sondern auch in bestimmten Lebensphasen (Alter, Schwangerschaft) oder bei Nikotinkonsum erhöht. Des Weiteren können sich die Werte für Tumormarker auch bei bestehenden Krebserkrankungen im Normbereich befinden.

Der Nachweis eines Tumormarkers im Blut kann keinen eindeutigen Rückschluss auf das Vorliegen eines bösartigen Tumors geben. Für die Früherkennung sind die Parameter allein wenig geeignet. Deshalb werden die Kosten zur Bestimmung von Tumormarkern zur Früherkennung von gesetzlichen Krankenkassen meist nicht übernommen.

Die häufigsten Krebsarten in Deutschland

Wie werden Tumormarker gemessen?

Zur Bestimmung von Tumormarkern ist eine Blut-, Urin- oder Gewebeprobe notwendig. Eine Blutabnahme erfolgt meist in der hausärztlichen Praxis. Von dort werden die Proben an ein Labor geschickt. Wie lange es dauert, bis die Ergebnisse vorliegen, hängt vom jeweiligen Test ab.

Die Normwerte für Krebsmarker können je nach Labor und Bestimmungsmethode abweichen. Bei der Therapie- und Verlaufskontrolle von Krebserkrankungen sollten die Werte für Tumormarker daher immer mit der gleichen Labordiagnostik ermittelt werden. Auch ältere Befunde können oft nicht ohne Weiteres mit aktuellen Daten verglichen werden.

Krebsdiagnose: Was sind Tumormarker?

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Die wichtigsten Tumormarker auf einen Blick

Zu den häufigsten und wichtigsten Krebsmarkern, die bei Verdacht auf Tumoren und zu deren Behandlung und Verlaufskontrolle bestimmt werden, gehören:

  • CEA (Carcinoembyonales Antigen): Das karzinoembryonale Antigen ist ein unspezifischer Wert, der bei Brustkrebs erhöht sein kann. Er kann aber auch bei Entzündungen, Erkrankungen der Leber oder des Magens ansteigen. Fachleute bestimmen den Wert vor allem regelmäßig zur Nachsorge bei Dick- oder Mastdarmkrebs (kolorektales Karzinom).

  • PSA (Prostataspezifisches Antigen): Das Eiweiß wird fast ausschließlich in der Prostata gebildet. Wird das Antigen im Blut nachgewiesen, kann das ein Hinweis auf Prostatakrebs sein. Der PSA-Wert allein reicht jedoch nicht aus, um mit Sicherheit einen bösartigen Tumor der Vorsteherdrüse nachzuweisen.

  • AFP (Alpha-Fetoprotein): Das Eiweiß, das normalerweise nur vor der Geburt vom Fötus gebildet wird, kann bei Kindern und Erwachsenen beispielsweise auf Leberzellkrebs (hepatozelluläres Karzinom) oder einen Keimzelltumor der Hoden hinweisen. Der AFP-Wert kann allerdings auch bei gutartigen Lebererkrankungen erhöht sein.

  • Beta-hCG (Humanes Choriongonadotropin): Der Körper bildet das hCG-Hormon vor allem in der Schwangerschaft. Erhöhte Werte können aber auch bei Brust-, Leber- oder Nierenzellkrebs festgestellt werden.

  • CgA (Chromogranin A): Der Tumormarker kann bei etwa 80 bis 90 Prozent aller Patient*innen mit einem neuroendokrinen Tumor (NET) vermehrt im Blut nachgewiesen werden. Neuroendokrine Tumoren (auch Karzinoide) sind seltene Tumoren, die sich aus hormonbildenden Zellen bilden und meist selbst Botenstoffe oder Hormone ausschütten. Zudem kann der Wert bei Verdacht auf ein Phäochromozytom, ein Tumor des Nebennierenmarkes, bestimmt werden.

Weitere Tumormarker sind:

  • CA 19-9 (Carbohydrate-Antigen 19-9): bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, Entzündungen des Pankreas (Bauchspeicheldrüse), Leberschädigungen, Mukoviszidose

  • CA 125 (Cancer Antigen 125): Therapiekontrolle bei Eierstockkrebs

  • CYFRA 21-1 (Cytokeratinfragment 21-1): etwa bei Tumoren im Kopf-Halsbereich, Harnblasenkarzinom oder dem nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom

  • CA 15-3 (Carbohydrate-Antigen 15-3): bei Eierstockkrebs, Gebärmutterkörperkrebs, Lungenkrebs

  • NSE (neuronenspezifische Enolase): bei kleinzelligen Lungenkarzinomen, Neuroblastom

  • Beta-2-Mikroglobulin: Non-Hodgkin-Lymphom

  • Calcitonin: medulläres Karzinom der Schilddrüse

  • LDH (Laktatdehydrogennase): malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs)

Tabelle: Normwerte von Tumormarkern

Tumormarker sind in geringer Konzentration auch bei gesunden Menschen nachweisbar beziehungsweise können in bestimmten Lebensphasen wie einer Schwangerschaft erhöht sein. Die nachfolgende Tabelle zeigt Normwerte von häufigen Tumormarkern.

Tumormarker

Normwerte

CEA

< 4,6 ng/ml (Nanogramm pro Milliliter)
im Blutserum

PSA

unter 50 Jahren: < 2,5 ng/ml

50 bis 59 Jahre: < 3,5 ng/ml

60 bis 69 Jahre: < 4,5 ng/m

70 bis 79 Jahre: < 6,5 ng/ml

AFP

< 7,00 ng/ml

CA 15-3

< 31 U/ml (Einheiten pro Milliliter)

CA 19-9

< 37 U/ml

CA 125

< 33 U/ml

CYFRA 21-1

< 3,0 ng/ml

hCG

≤ 5 U/l (Einheiten pro Liter)
bei Männern und nicht schwangeren Frauen im Blut

NSE

< 12,5 µg/l (Mikrogramm pro Liter)

Thyreoglobulin

< 75 μg/ml

> 3 μg/ml (nach Schilddrüsenentfernung)

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