Auch heute nicht ausgerottet!

Pest: Schwarzer Tod heißt auch Yersinia pestis

Die Pest ist eine der ältesten bekannten Seuchen. Dem Bakterium Yersinia pestis, wie der "Schwarze Tod" in der Fachsprache heißt, fallen heute zwar nicht mehr so viele Menschen zum Opfer wie im Mittelalter. Trotzdem ist eine Ansteckung immer noch bedrohlich. Und aufgrund ihres Verbreitungswegs wird sich die Pest auch kaum ausrotten lassen.

Fieberthermometer
Am Anfang äußert sich eine Infektion mit der Pest (Yersinia pestis) mit hohem Fieber.
SALAUYOU YURY

Die Pest ist nicht mehr die "Geisel der Menschheit", als die sie beispielsweise im 14. Jahrhundert auftrat. Damals starb etwa ein Viertel bis ein Drittel aller Einwohner in Europa am "Schwarzen Tod". Bessere hygienische Verhältnisse und moderne Medikamente haben geholfen, dass hierzulande die Erinnerungen an frühere verheerende Seuchen verblasst sind.

Die zehn gefährlichsten Infektionskrankheiten

Dennoch ist die Pest, die durch das Bakterium Yersinia pestis hervorgerufen wird, immer noch eine sehr ernst zu nehmende Infektionskrankheit, die vielen Infizierten bei zu später Behandlung den Tod bringt. Die Pest ist gekennzeichnet durch verschiedene Krankheitsbilder, die meist durch die Art der Übertragung bedingt sind.

Symptome der Ansteckung mit dem Pesterreger Yersinia pestis

Die ersten Symptome einer Infektion mit der Pest unterscheiden sich nicht wesentlich von denen anderer Infektionskrankheiten.

Am Anfang einer Infektion mit Yersinia pestis stehen hohes Fieber mit Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit. Bei der Beulenpest entsteht innerhalb von ein oder zwei Tagen eine schmerzhafte Schwellung an einer Lymphknotengruppe nahe der Einstichstelle; bei der Lungenpest kommt meist am zweiten Tag schmerzhafter Husten, unter Umständen mit blutigem Auswurf, Atembeschwerden und Brustschmerzen dazu. Die Lippen können sich blauschwarz färben. Auch der Magen-Darm-Bereich kann mit Leibschmerzen, Erbrechen und Durchfall betroffen sein.

Breitet sich die Erkrankung im ganzen Körper aus (Blutvergiftung durch absterbende Erreger, Pestsepsis), so kommt es dabei zu einem rasenden Puls (Tachykardie), Lethargie, Verwirrtheit, Milz- und Lebervergrößerung sowie Blutungen, teilweise auch sichtbar unter der Haut (Petechien).

In seltenen Fällen können die Pesterreger auch eine Hirnhautentzündung hervorrufen (Pestmeningitis), die einher geht mit Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Übelkeit, Überempfindlichkeit gegen Licht und laute Geräusche sowie Verwirrtheit oder Bewusstseinsminderung. Wird der Erreger über den Mund aufgenommen (oral), so kann sich eine Entzündung des Rachenraums ausbilden (Pest-Pharyngitis), mit Symptomen wie einem trockenen Hals, Lymphknotenschwellung im Halsbereich und Kopfschmerzen.

Übertragung des Pesterregers häufig durch Flöhe

Der Erreger Yersinia pestis, der für die Pest verantwortlich ist, kann auf verschiedenen Wegen übertragen werden und – je nach Übertragungsweg – auch verschiedene Krankheitsbilder hervorrufen.

Die häufigste Art der Übertragung der Pest geschieht dabei durch Flöhe, die als Zwischenwirte den Erreger mit dem Blut infizierter Lebewesen (zum Beispiel Ratten) aufgenommen haben und beim nächsten Biss wieder in den Blutkreislauf abgeben. Dies kann sogar von Mensch zu Mensch funktionieren, allerdings nur in seltenen, dann aber heftig verlaufenden Fällen. Die Pest kann allerdings auch, wie die echte Grippe (Influenza), durch eine Tröpfcheninfektion verbreitet werden. Das geschieht allerdings eher selten.

In vielen Gebieten der Erde kommt die Pest außer bei Ratten auch noch bei Eichhörnchen, Murmeltieren oder Mäusen vor. In solchen Fällen ist die Gefahr allerdings geringer, da ein für den Menschen gefährlicher Zwischenwirt wie der Rattenfloh fehlt. Es sind allerdings auch Fälle bekannt, wo infizierte Schoßtiere wie Katzen die Pest an ihre Besitzer übertragen haben. Pestfälle werden in den letzten Jahren vereinzelt aus Nordamerika (hier vor allem der Südwesten der USA), aus Mittel- und Südamerika, Asien (zum Beispiel Russland, Kasachstan, China, Indien und Vietnam) sowie aus Afrika (unter anderem Uganda, Kongo, Madagaskar und Tansania) gemeldet.

Wird der Pesterreger durch einen Flohbiss übertragen, so gelangt er über das Lymphsystem zum nächstgelegenen Lymphknoten, der durch die folgende Entzündung beulenartig anschwillt (Beulen- oder Bubonenpest; Bubo = Beule). In der Folge kann sich der Erreger im ganzen Körper ausbreiten und auch Organe wie die Lunge befallen (sekundäre Lungenpest). Es kommt durch die Giftstoffe, die absterbende Yersinia-Bakterien freisetzen, zu Blutvergiftungen, Blutgefäße platzen oder das Blut stockt in den Blutbahnen (disseminierte intravasale Koagulation), was die Haut dunkel gefärbt erscheinen lässt (daher der Begriff „Schwarzer Tod“).

Kommt der Erreger allerdings über abgehustetes infiziertes Blut oder Speichel von Erkrankten über die Atemwege in die Lunge gelangen, löst dies meist die primäre Lungenpest aus.

Wegen der hohen Ansteckungsgefahr wird der Erreger Yersinia pestis auch als mögliche Biowaffe gefürchtet.

Verwechslungsgefahr bei Diagnose der Pest

Da die Symptome der Pest auch auf verschiedene andere Erkrankungen hindeuten kann, muss der Erreger durch eine Untersuchung des Blutes, der Lymphflüssigkeit oder von Hustenauswurf (Sputum) nachgewiesen werden.

Für die Diagnose der Pest wird ein Farbstoff zugegeben, der die Yersinia-pestis-Stäbchen unter dem Mikroskop sichtbar macht (Fluoreszenzmikroskopie). Eine weitere wichtige Untersuchung ist der PCR-Nachweis, bei dem Genmaterial aus den Körperflüssigkeiten gezielt vermehrt wird, um zum Beispiel Erreger besser nachweisen zu können. Auch Antikörper auf den Erreger lassen sich unter Umständen mit einem Schnelltest nachweisen.

Wichtig ist, dass eine Pestinfektion nicht mit anderen Krankheitsbildern verwechselt wird: So ähnelt die Lungenpest beispielsweise anderen schweren, auch durch Bakterien verursachten Lungenentzündungen. Die Pestsepsis könnte auch für eine Infektion mit Meningokokken, eine Malaria oder einen Typhus gehalten werden. Auch die Lymphschwellung bei der Beulenpest ist zu Beginn mit anderen lymphatischen Krankheiten zu verwechseln.

Behandlung der Pest mit Antibiotika

Für die Therapie der Pest sollten möglichst rasch Antibiotika eingesetzt werden (Streptomycin, Gentamicin, Tetrazyklin, Fluoroquinolon). Die Behandlungsdauer beträgt mindestens zehn Tage. Bei einer Pest-Meningitis wird mit Chloramphenicol behandelt, bei Ansteckungsgefahr wird den möglichen Kontaktpersonen im Allgemeinen Doxycyclin und Ciprofloxacin verabreicht.

Impfung gegen Beulenpest für gefährdete Personen

Für die Infektion mit Yersinia pestis besteht eine Meldepflicht; die Erkrankten kommen sofort in Quarantäne, Kontaktpersonen müssen ausfindig gemacht und gegebenenfalls behandelt werden.

Wichtig ist auch, die Ansteckungsquelle der Pest ausfindig zu machen und, im Falle einer Flohübertragung, geeignete Maßnahmen zur Bekämpfung einzuleiten. Das schließt auch die Suche nach den Tieren ein, die den Erreger in sich tragen.

Gegen die Beulenpest existiert eine Impfung, die jenen Personengruppen mit erhöhtem Risiko empfohlen wird. Für andere ist dieser Impfstoff nicht frei erhältlich. Laut Tropeninstitut mindert man die Infektionsgefahr, indem man Kontakt mit lebenden oder toten Nagetieren meidet.

Die wichtigsten Impfungen

Autor:
Letzte Aktualisierung:07. Januar 2017
Durch: sist
Quellen: Plague Manual: Epidemiology, Distribution, Surveillance and Control (WHO/CDS/CSR/EDC/99.2), herausgegeben von der Weltgesundheitsorganisation WHO, 1999 A.Rakin,Yersinia pestis. Eine Bedrohung für die Menschheit. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 2003; 46:949–955 (DOI 10.1007/s00103-003-0713-3) M. Niedrig et al., Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten. Robert Koch-Institut, Berlin 2006 Tropeninstitut

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...

Zum Seitenanfang