Auch heute nicht ausgerottet!

Pest: Der schwarze Tod

Die Pest sorgte bereits in der Vergangenheit für mehrere Pandemien. Trotzdem ist eine Ansteckung immer noch bedrohlich. Alles zu Ursachen, Vorbeugung und Behandlung.

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Die Pest wird von Nagetieren wie Ratten übertragen.
© iStock.com/juliadu

Die Pest ist eine schwere Infektionskrankheit. In der Geschichte, beispielsweise im Mittelalter, war sie sehr gefürchtet. Damals starb etwa ein Viertel bis ein Drittel aller Einwohner in Europa am "Schwarzen Tod". Bessere hygienische Verhältnisse und moderne Medikamente haben geholfen, dass bei uns die Erinnerungen an frühere verheerende Seuchen verblasst sind.

Dennoch ist die Pest, die durch das Bakterium Yersinia pestis hervorgerufen wird, immer noch eine sehr ernst zu nehmende Infektionskrankheit, die vielen Infizierten weltweit bei zu später Behandlung den Tod bringt. In Die Pest ist meldepflichtig. In Deutschland gab es in den letzten Jahren keine Fälle Im Herbst 2017 kam es in Madagaskar zu einem Ausbruch der Lungenpest.

Pest, Cholera & Co.: Relikte aus dem Mittelalter

Ursachen für die Übertragung des Pesterregers

Der Erreger Yersinia pestis, der die Pest verursacht, kann auf verschiedenen Wegen übertragen werden und je nach Übertragungsweg auch verschiedene Krankheitsbilder hervorrufen. Es gibt drei Arten der Pest.

Beulenpest

Sie entwickelt sich nach einem Flohbiss, der das Bakterium unter die Haut bringt. Danach wandert der Erreger über das Lymphgefäßsystem zum nächstgelegenen Lymphknoten, welcher daraufhin beulenartig anschwillt. Flöhe nehmen als Zwischenwirte den Erreger mit dem Blut infizierter Nagetiere (zum Beispiel Ratten) auf und geben es beim nächsten Biss wieder in den Blutkreislauf ab.

Pestseptikämie

Es besteht eine Blutvergiftung (Septikämie) ohne sichtbare Lymphknotenentzündung (Bubo). Ursache für die Pestseptikämie sind die Giftstoffe, die absterbende Yersinia-Bakterien freisetzen.

Lungenpest

Sie entsteht durch die Weiterverbreitung der Beulenpest über die Blutbahn oder durch die Einatmung von infektiösen Tröpfchen (Blut oder Speichel) von anderen Erkrankten. Die Lungenpest ist die schwerste Form der Pest und führt oft zum Tod.

Symptome der Infektion mit Yersinia pestis

Es gibt drei Arten der Pest, die sich anhand der Symptome unterscheiden, aber zunächst alle mit unspezifischen Beschwerden wie bei einer Grippe einhergehen. Die Inkubationszeit beträgt ein bis sieben Tage, bei der Lungenpest ein bis drei Tage. Danach verschlechtert sich der Allgemeinzustand und es kommt zu Fieber und weiteren Symptomen wie Kopf- und Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Leber- und Milzvergrößerung.

Beulenpest

Bei der Beulenpest kommt es zu einer schmerzhaften Lymphknotenentzündung (Bubo). Das deutlichste Symptom sind vor allem vergrößerte und geschwollene Lymphknoten (am häufigsten der Leistenlymphknoten). Betroffene leiden unter Kopfschmerzen, Übelkeit, Gliederschmerzen, Fieber, Erbrechen, neurologischen Störungen und einem allgemeinen Krankheitsgefühl.

Pestseptikämie

Die Symptome der Pestseptikämie entsprechen denen der Beulenpest. Zusätzlich können Erschöpfung, Kreislaufkollaps, septischer Schock, Organausfall, Blutungen, eine Störung der Blutgerinnung (DIC, disseminierte intravasale Koagulation) und Nekrosen der Extremitäten auftreten. Die DIC kann eine dunkelviolette Färbung der Haut verursachen, worauf auch die Bezeichnung "Schwarzer Tod" zurückgeht.

Lungenpest

Die Symptome der Lungenpest sind wie die der Pestseptikämie. Zusätzlich treten Atemnot, Husten und Thorax-Schmerzen auf. Es kann im schlimmsten Fall zu Atemstillstand und Schock mit Todesfolge kommen.

Diagnose der Pest

Zur Diagnose der Pest werden Blut, Lymphflüssigkeit oder Hustenauswurf (Sputum) mikroskopisch untersucht. Es erfolgt außerdem eine Anzucht des Erregers und ein sogenannter PCR-Nachweis, bei dem Genmaterial aus den Körperflüssigkeiten gezielt vermehrt wird, um zum Beispiel Erreger nachweisen zu können.

Wichtig ist, dass eine Pestinfektion nicht mit anderen Krankheitsbildern verwechselt wird: So ähnelt die Lungenpest beispielsweise anderen schweren, auch durch Bakterien verursachten, Lungenentzündungen. Die Pestsepsis könnte auch fälschlicherweise für eine Infektion mit Meningokokken, eine Malaria oder einen Typhus gehalten werden. Auch die Lymphschwellung bei der Beulenpest kann zu Beginn mit anderen Krankheiten verwechselt werden.

Behandlung der Pest mit Antibiotika

Für die Therapie der Pest sollten möglichst rasch (innerhalb der ersten 18 Tage nach den ersten Symptomen) Antibiotika eingesetzt werden, um das Sterblichkeitsrisiko zu senken. Die Antibiotikatherapie erfolgt über zehn Tage. Erkrankte müssen zur Behandlung ins Krankenhaus, wobei Betroffene mit Lungenpest auch isoliert werden müssen.

Für die Infektion mit Yersinia pestis besteht eine Meldepflicht. Kontaktpersonen müssen ausfindig gemacht und gegebenenfalls behandelt werden.

Sterblichkeit

Ohne Therapie kann die Pest tödlich sein. Bleibt die Beulenpest unbehandelt, führt sie in 50 bis 60 Prozent der Fälle zum Tod. Die Lungenpest und die Pestseptikämie verlaufen ohne Behandlung fast immer tödlich.

Mit Antibiotikatherapie gilt die Pest als heilbar, endet aber immer noch in acht bis zehn Prozent der Fälle tödlich.


Vorbeugung gegen die Pest möglich?

Es gibt keine Impfung, die vor der Pest schützt. Wichtigster Schutz ist den Kontakt mit Erregern zu vermeiden. Vor Reisen sollten sich Urlauber beim Auswärtigen Amt über die aktuelle Lage in den entsprechenden Ländern informieren. Für bestimmte Risikogruppen gibt es die Möglichkeit, in konkreten Gefahrensituationen medikamentös vorzubeugen, was eine Infektion aber nicht unbedingt verhindern kann.

Folgende Verhaltensmaßnahmen sind in Gebieten mit Pest sinnvoll:

  • Keine Haustiere im Bett

  • Haustiere regelmäßig gegen Flöhe behandeln und nicht in der Natur stromern lassen

  • Keine toten Wildtiere ohne Handschuhe berühren

  • Haus und Garten rattenfrei halten

  • Tote Nagetiere den örtlichen Gesundheitsbehörden melden

  • Beim Aufenthalt draußen freie Körperstellen mit Repellentien (auf DEET oder Picaridin-Basis) schützen

  • Menschenansammlungen meiden

  • Verhaltenskodex der örtlichen Behörden beachten

Sicherheit auf Reisen: Hier lauert Infektionsgefahr
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