Bakterielle Infektionen

Milzbrand (Anthrax)

Milzbrand (Anthrax) ist eine weltweit verbreitete, bakterielle Infektionskrankheit mit schwerem Verlauf, die in Europa jedoch nur selten auftritt. Bekannt ist der Erreger von Milzbrand auch im Zusammenhang mit Bioterrorismus.

Kuh im Stall
Milzbrand (Anthrax) wird häufig durch Hautkontakt mit infizierten Tieren übertragen.
©iStock.com/Mladen Zivkovic

Milzbrand (Anthrax) ist eine weltweit auftretende Infektionskrankheit durch das Bakterium Bacillus anthracis. Sie befällt vorrangig pflanzenfressende Nutztiere, eine Übertragung auf den Menschen ist zwar möglich, aber sehr selten. In Europa treten nur vereinzelt Fälle von Milzbrand-Infektionen auf – der letzte Fall von Milzbrand beim Menschen in Deutschland wurde 1994 gemeldet. Seinen Namen verdankt der Milzbrand dem Umstand, dass sich bei erkrankten Tieren die Milz schwarz färbt und wie verbrannt aussieht.

Artikelinhalte im Überblick:

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Typische Symptome bei Milzbrand

Je nach Eintrittspforte des Erregers in den menschlichen Körper entwickeln sich unterschiedliche Formen des Milzbrands (Anthrax). Diese zeigen jeweils andere Symptome:

  • Hautmilzbrand: Der Hautmilzbrand macht sich innerhalb weniger Stunden bis spätestens sechs Tage nach der Infektion zunächst durch eine Schwellung an der Eintrittsstelle des Erregers bemerkbar, die innerhalb kurzer Zeit eine Pustel bildet. Nach zwei bis sechs Tagen entwickelt sich daraus ein meist schmerzloses Geschwür, das von schwarzem Schorf bedeckt ist (Milzkarbunkel). Charakteristisch ist die Bildung von Ödemen in der betroffenen Körperregion. Ohne Behandlung setzt der Erreger bald Giftstoffe frei, die meist hohes Fieber, Benommenheit und Herz-Kreislaufprobleme hervorrufen.

  • Lungenmilzbrand: Beim Lungenmilzbrand treten die Symptome vier bis sechs Tage nach dem Einatmen einer großen Menge von Erregersporen auf. Die ersten Anzeichen sind unspezifisch und ähneln einer Grippe: Leichtes Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Müdigkeit. Anschließend kommt es zu hohem Fieber, Brustschmerzen, blutigem Husten und Atemproblemen. Unbehandelt droht eine schwere Blutvergiftung.

  • Darmmilzbrand: Der Darmmilzbrand verursacht zunächst unspezifische Bauchschmerzen, Blähungen, Appetitlosigkeit, Fieber und Übelkeit. Rasch folgen blutige Durchfälle, eine Bauchfellentzündung sowie allgemeine Schocksymptome bis hin zum Herz-Kreislaufversagen.

  • Injektionsmilzbrand: Ein bis drei Tage nach der Injektion zeigen sich im Gebiet der Einstichstelle typische Symptome: Infektion der Haut, Rötung, Bildung von Ödemen und nekrotisierende Fasziitis – eine bakterielle Infektion der Unterhaut und Faszien.

Ursachen und Infektionswege von Milzbrand

Anthrax wird durch das Bakterium Bacillus anthracis verursacht. Es kommt vor allem im Blut infizierter Tiere vor sowie in Organen, Knochen und Häuten. Der Milzbranderreger findet sich auch in Böden wieder, allerdings meist in Konzentrationen, die für Menschen ungefährlich sind. An der Luft können die Bakterien höchst widerstandsfähige Sporen (Dauerformen) bilden, die resistent gegenüber Hitze oder Desinfektionsmitteln sind. Die Sporen von Milzbrand können über Jahrzehnte unbeschadet im Erdboden überleben.

Übertragungswege

Ein gewisses Infektionsrisiko haben Menschen, die beruflich mit Tierprodukten wie Fellen und Knochen zu tun haben oder in der Tiermedizin beziehungsweise in der Viehwirtschaft arbeiten. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist sehr unwahrscheinlich. Zur Infektion ist eine sehr hohe Dosis an Erregern notwendig.

Übertragen wird Milzbrand (Anthrax) meist durch direkten Hautkontakt mit infizierten Tieren oder Tiermaterialien, die den Erreger enthalten. Daher ist der Hautmilzbrand mit einem Anteil von etwa 90 Prozent die häufigste Form. Über kleine Verletzungen in der Haut können die Milzbrand-Bakterien den Körper infizieren. Deutlich seltener findet der Erreger über die Lunge Eingang in den menschlichen Körper, wenn große Mengen Sporen eingeatmet werden. In der Folge kann Lungenmilzbrand auftreten. Noch seltener ist der Darmmilzbrand, der durch den Verzehr von unzureichend gekochtem Fleisch infizierter Tiere verursacht wird. Eine weiterer Infektionsweg ist über die Injektion der Bakterien.

Diagnose bei Verdacht auf Milzbrand

Bei Verdacht auf Milzbrand (Anthrax) sollte vor Beginn der Therapie der labordiagnostische Nachweis des Erregers stattfinden. Die Bakterien können nur von spezialisierten Laboren nachgewiesen werden, die besondere Sicherheitskriterien erfüllen. Dies geschieht meist durch die Anzüchtung des Erregers, der mittels eines Abstrichs aus der Wunde oder einer Blut-, Stuhl- oder Gewebeprobe gewonnen wird.

Milzbrand: Therapie

Da es sich beim Milzbrand (Anthrax) um eine bakterielle Infektionskrankheit handelt, erfolgt eine Behandlung mit Antibiotika. In den meisten Fällen wird Penicillin, Amoxicillin, Doxycyclin oder Ciprofloxacin eingesetzt. Je nach Schwere der Infektion und auftretenden Symptomen kommen verschiedene Antibiotika infrage. Beim Lungen- und Darmmilzbrand wird das Antibiotikum häufig intravenös verabreicht. Dies gilt auch, wenn sich die Infektion mit dem Erreger auf das gesamte Organsystem (systemisch) ausgebreitet hat. Schwerwiegende Infektionen der Haut werden chirurgisch im Rahmen einer Operation entfernt.

Antibiotika – Mythos oder Wahrheit?

Verlauf: Ist Milzbrand tödlich?

Milzbrand (Anthrax) lässt sich bei einer rechtzeitigen Behandlung mit einem Antibiotikum im Allgemeinen gut behandeln und vollständig heilen. Eine mögliche Komplikation bei allen Formen des Milzbrands ist die Milzbrand-Meningitis. Typisch ist, dass sich der Gesundheitszustand des Betroffenen schnell verschlechtert und plötzlich Kopfschmerzen, hohes Fieber und Muskelschmerzen auftreten. Wegen des raschen Fortschreitens der Infektion beim Lungenmilzbrand ist hier eine frühzeitige Gabe von Antibiotika besonders wichtig. Unbehandelt führt der Hautmilzbrand in zehn bis 40 Prozent der Fälle zum Tod.

Eine Impfung gegen Milzbrand (Anthrax) ist nicht möglich, da es noch keinen wirksamen Impfstoff gegenüber dem Erreger gibt. Ist jemand nachweislich mit infizierten Tieren oder infektiösem Tiermaterial in Kontakt gekommen, kann eine vorbeugende Antibiotika-Therapie erwogen werden. Sie erstreckt sich im gegebenen Fall über einen Zeitraum von mindestens zwei Monaten.

Milzbrand als Biowaffe

Der Erreger von Milzbrand ist wichtig im Zusammenhang mit Bioterrorismus: Aufgrund der Fähigkeit des Erregers, widerstandsfähige Sporen zu bilden, eignen sich die Bakterien als Waffe eines terroristischen Bioangriffs. Typisch ist die Infektion Einzelner oder kleiner Gruppen durch das Verschicken von Milzbrandsporen in Briefumschlägen oder Paketen. Eine flächendeckende Infektion größerer Gebiete halten Fachleute dagegen für schwer durchführbar, denn die Milzbrandsporen müssen eine bestimmte Größe haben, um infektiös zu sein. Sind sie zu klein, werden sie wieder ausgeatmet, sind sie zu groß, gelangen sie nicht bis in die Lunge.

Bei Verdacht auf einen Kontakt mit dem Erreger ist es ratsam, möglichst umgehend das jeweils zuständige Gesundheitsamt anzurufen. Von hier aus kann die Behandlung durch einen Arzt, der mit Milzbrand (Anthrax) Erfahrung hat, rasch eingeleitet werden. Schutz vor einer Infektion können Mundschutz, Gasmasken und spezielle Schutzkleidung bieten.

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