Gardnerellen-Infektion

Bakterielle Vaginose

Unangenehmer Geruch, Juckreiz und Schmerzen beim Sex sind die Anzeichen einer bakteriellen Vaginose. Ursache ist ein Ungleichgewicht der Scheidenflora, wodurch sich bestimmte Bakterien unkontrolliert vermehren können. Wie bakterielle Vaginose richtig behandelt wird, ob sie ansteckend ist und welches Risiko sie in der Schwangerschaft darstellt: Alles Wichtige über die Bakterien-Infektion lesen Sie hier.

Frau,bakterielle Vaginose
Die Symptome der bakteriellen Vaginose reichen von übel riechendem Ausfluss bis zu Schmerzen beim Sex.
© iStock.com/studio-fi

Mindestens jede fünfte Frau kennt das: Scheidenprobleme, vor allem im äußeren Bereich, verbunden mit unangenehmem Geruch, Jucken und Ausfluss. Zuerst denken die meisten Betroffenen dann, es handle sich um einen Scheidenpilz. Doch neben der Vaginalmykose gibt es eine weitere häufige Infektion im Intimbereich: die bakterielle Vaginose.

Wellness-Tipps für die Vagina

 

Anders als beim Scheidenpilz, der meist durch Hefepilze der Gattung Candida ausgelöst wird, sind hier Bakterien die Ursache. Zur Einordnung: Bei Scheidenproblemen handelt es sich in bis zu 50 Prozent der Fälle um eine bakterielle Vaginose, knapp 30 Prozent kommen durch Scheidenpilz zustande. Die restlichen 20 Prozent verteilen sich unter anderem auf .

Bakterielle Vaginose: Die Anzeichen kann man riechen und spüren

Meist kommt die bakterielle Vaginose plötzlich. Folgende Symptome sind typisch:

  • weißlich-grauer Ausfluss, der nach Fisch riecht (betrifft etwa jede zweite Frau mit bakterieller Vaginose),
  • Juckreiz
  • Hautreizungen im äußeren Bereich der Scheide, Brennen,
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr,
  • eventuell auch Schmerzen beim Wasserlassen.

Der fischige Geruch entsteht durch Amine. Das sind von den Bakterien gebildete Ammoniak-Abkömmlinge.

All diese Anzeichen sind sehr unangenehm und beeinträchtigen die Lebensqualität. Daneben gibt es jedoch auch eine große Menge von Frauen, die eine etwas leichtere Form der bakteriellen Vaginose haben. Die Beschwerden treten dann nur milde oder gar nicht auf.

Ursache der bakteriellen Vaginose: Gestörtes Scheidenmilieu etwa durch Sex

Die gesunde Scheidenflora verfügt mit einem pH-Wert von rund 4 über ein saures Milieu. Verantwortlich dafür sind Milchsäurebakterien, auch Laktobazillen oder nach ihrem Entdecker, dem deutschen Gynäkologen Albert Döderlein (1860-1941) Döderlein-Stäbchen genannt. Sind Milchsäurebakterien in ausreichender Anzahl vorhanden, bildet das Scheidenmilieu eine wirkungsvolle Barriere gegen Bakterien und Pilze.

Bei der bakteriellen Vaginose hat die Menge der Milchsäurebakterien jedoch abgenommen – das "Ökosystem Scheidenflora" kippt. Warum die nützlichen Laktobazillen verschwinden, lässt sich nicht immer erklären. Mögliche Auslöser sind (sortiert nach absteigender Häufigkeit):

  • Geschlechtsverkehr
  • Stress
  • zu häufiges Waschen im Intimbereich
  • Scheidenspülungen
  • falsche Stuhlhygiene (wichtig: immer von vorne nach hinten abwischen!)
  • Infekte
  • Antibiotika
  • Rauchen

Diskutiert wird auch, ob Vitamin-D-Mangel ein Risikofaktor sein könnte.

Ist die Anzahl der Milchsäurebakterien zu gering, steigt der pH-Wert der Vagina und das gesunde Scheidenmilieu gerät aus dem Gleichgewicht. Die Folge: Schädliche Bakterien nehmen über die Maßen zu. Dabei handelt es sich vor allem um folgende Erreger:

  • Gardnerella vaginalis – diese Bakterien gehören, allerdings in sehr geringer Anzahl, zur normalen Scheidenflora.

  • Mobiluncus und weitere Keime, die meist aus dem Darm stammen oder natürlicherweise auf der Haut siedeln.

Experten vermuten, dass bei der bakteriellen Vaginose noch weitere körpereigene Erreger eine Rolle spielen, die jedoch bis jetzt noch unbekannt sind.

Vorsicht, ansteckend: Ist bakterielle Vaginose eine Geschlechtskrankheit?

Weil die Fehlbesiedelung der Scheide häufig nach dem Geschlechtsverkehr mit einem neuen Partner auftritt, meinen viele Frauen, die bakterielle Vaginose sei ansteckend und beim Sex übertragen worden. Jedoch handelt es sich nicht um eine klassische Geschlechtskrankheit wie Syphilis oder Tripper. Im Spiel sind ausschließlich Bakterien, die auch normalerweise im Urogenitalbereich und dem menschlichen Darm vorkommen.

Geschlechtsverkehr kann jedoch begünstigen, dass sie sich vermehren. Haben sich die Bakterien stark vermehrt, kann eine zusätzliche Übertragung (Ansteckung) über den Geschlechtsverkehr geschehen. Bei Männern zeigt sich die Gardnerelleninfektion mit einer Schwellung und Entzündung von Vorhaut und Eichel, sowie etwas Ausfluss, der ebenfalls übel riecht.

Sinnvoll ist es deshalb, bei einer bakteriellen Vaginose auf Geschlechtsverkehr zu verzichten, bis die Beschwerden unter der entsprechenden Behandlung abgeklungen sind. Der Arzt entscheidet je nach Ausmaß der Infektion, ob der Mann mitbehandelt werden muss. Eine routinemäßige Mitbehandlung des Partners empfehlen Experten jedoch nicht.

Therapie: Bakterielle Vaginose mit Medikamenten behandeln

Meist ist die Diagnose bei bakterieller Vaginose schnell gestellt. Der Arzt nimmt einen Abstrich aus der Vagina. Treffen mindestens drei der folgenden Kriterien zu, handelt es sich mit Sicherheit um die Scheidenerkrankung:

  • weißlich-grauer Ausfluss
  • pH-Wert der Scheide höher als 4,5
  • unter dem Mikroskop zeigt sich eine dichte Besiedelung mit Gardnerella vaginalis
  • fischartiger Geruch

Damit lässt sich auch abgrenzen, ob Scheidenpilz oder eine Entzündung der Schleimhaut des Gebärmutterhalses (Zervizitis) Ursache der Beschwerden ist.

Steht die Diagnose bakterielle Vaginose fest, empfiehlt der Gynäkologe je nach Schwere der Entzündung Antibiotika. Sie werden oral als Tabletten oder intravaginal als Zäpfchen oder Creme verabreicht. Folgende Antibiotika verordnet der Arzt gegen bakterielle Vaginose:

  • Metronidazol,
  • Clindamyzin oder
  • Nifuratel

Damit die Scheidenflora wieder ins Gleichgewicht kommt, gibt es zusätzlich Milchsäurepräparate als Zäpfchen, Gel oder Creme. Ist die bakterielle Vaginose abgeklungen, ist eine Kur mit Laktobazillen sinnvoll. Dabei benützt die Frau mindestens sieben Tag lang jeweils vor dem Einschlafen Zäpfchen oder die Creme mit den nützlichen Mikroben.

Bakterielle Vaginose kann Folgen haben

Auch wenn die Beschwerden nicht stark ausgeprägt sind oder schnell wieder verschwinden – die bakterielle Vaginose erhöht das Risiko für schwerwiegende Krankheiten. Dabei handelt es sich um aufsteigende Infektionen. Das sind:

  • Eileiterentzündung
  • Eierstockentzündung
  • Vulvitis (Entzündung des äußeren Schambereichs, also Scheidenumgebung, Schamlippen, Schamhügel)
  • Entzündung der Schleimhaut des Gebärmutterhalses (Zervizitis)

Deshalb muss auch vor dem Einsetzen einer Spirale oder eines Pessars (Intrauterinspirale, Intrauterinpessar) immer der pH-Wert der Scheide überprüft werden. Ist er zu hoch, sollte dies behandelt werden, bevor das Verhütungsmittel angewendet wird.

Den vaginalen pH-Wert selbst messen

Eine gute Möglichkeit zur Selbstmessung des pH-Werts der Scheide sind spezielle Messstreifen aus der Apotheke. Damit können Sie die Heilung kontrollieren und eine wiederkehrende bakterielle Vaginose schon im Anfangsstadium entdecken. Wichtig ist diese Vorsorgemaßnahme vor allem für Schwangere. Bei ihnen kann die Dysbalance der Scheidenflora besonders schwerwiegende Folgen haben.

Bakterielle Vaginose in der Schwangerschaft

Die bakterielle Vaginose ist für schwangere Frauen ein großes Risiko. Die Fehlbesiedelung der Vaginalflora kann folgende Komplikationen begünstigen:

Deshalb empfehlen Gynäkologen Schwangeren mit einer diagnostizierten bakteriellen Vaginose auf jeden Fall eine Behandlung, auch wenn keine starken Beschwerden vorliegen. Streng nach Anweisung des Arztes dürfen Schwangere nach dem dritten Monat bestimmte Antibiotika als Tablette oder Vaginalcreme anwenden.

Im davorliegenden, ersten Schwangerschaftsdrittel (Trimester/Trimenon) versuchen viele Behandler, mit Hausmitteln und Milchsäure die Beschwerden der bakteriellen Vaginose in den Griff zu bekommen.

Hausmittel bei bakterieller Vaginose?

Verschiedene Naturprodukte haben sich gegen bakterielle Vaginose bewährt. Allerdings wirken sie nur sehr milde und sollten bei ausgeprägten Problemen nur die Zeit bis zum Arztbesuch überbrücken:

  • Joghurt: Tauchen Sie einen Tampon oder Wattebausch in ungesüßten Naturjoghurt und führen Sie ihn in die Scheide ein.

  • Essigwasser: Verfahren Sie ebenso mit verdünntem Apfelessig oder bereiten Sie sich ein Sitzbad aus warmem Wasser und zwei Tassen Essig zu.

  • Zitronenwasser: Auch die Ascorbinsäure (Vitamin C) der Zitrone lindert lokal angewendet die Beschwerden bei einer bakteriellen Infektion der Scheide. Bitte auch hier nur verdünnten Saft benutzen, alles andere würde die empfindliche Vagina noch weiter reizen.

  • Schwarzer Tee: Die Tannine im Tee können das Bakterienwachstum hemmen. Kochen Sie starken, schwarzen Tee, lassen Sie ihn abkühlen und tränken Sie Wattebausch oder Tampon damit.

Auch Knoblauch und Teebaumöl werden häufig als Hausmittel bei bakterieller Vaginose empfohlen, sind jedoch nicht ratsam. Ihre Inhaltsstoffe reizen die Schleimhaut zusätzlich.

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