Scheidenpilz? Genitalherpes?

Scheidenbrennen: Auslöser sind meist Infektionen

Hinter Brennen und Schmerzen in der Scheide und am Schamhügel stecken meist Infektionen wie Scheidenpilz. Wird das Scheidenbrennen von Fieber und Abgeschlagenheit begleitet, kann auch eine Geschlechtskrankheit Ursache sein.

Trockene Scheide
Hinter Scheidenbrennen stecken oft Entzündungen, die behandelt werden sollten.
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Brennen oder Schmerzen im Scheidenbereich sind ein häufiges Symptom, das meist in Verbindung mit weiteren Beschwerden wie Juckreiz (Pruritus), Schwellung, Rötung und verstärktem Ausfluss auftritt.

Derartige Symptome sprechen für eine Entzündung der Scheide und der Vulva (Schamhügel). In vielen Fällen ist die Ursache eine Infektion mit Krankheitserregern, doch auch andere Erkrankungen kommen als Auslöser für Scheidenbrennen in Betracht.

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Häufige Ursachen für Scheidenbrennen

Scheidenbrennen ist ein häufiges Symptom bei Infektionserkrankungen am weiblichen Genital. Allerdings gilt es an dieser Stelle eine Scheidenpilzinfektion von Soor (Candidose) abzugrenzen, bei der das typische Symptom eher ein starker Juckreiz ist.

Herpes genitalis

Die häufigste Ursache für brennenden Beschwerden im Scheiden- und Vulvabereich ist aber eine Infektion mit Genitalherpes. Hierbei kommt es zu einer besonders heftigen Entzündungsreaktion, weshalb die Schmerzen oft sehr stark sind. Herpes genitalis wird durch die Herpes-simplex-Viren 1 und 2 hervorgerufen. Bei der Erstinfektion treten meist allgemeine Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Rückenschmerzen auf. Im Genitalbereich finden sich kleine, schmerzhafte, in Gruppen angeordnete infektiöse Bläschen und winzige Geschwüre. Neben brennenden Schmerzen können auch Juckreiz, eine Schwellung, Schmerzen beim Wasserlassen und Ausfluss aus der Scheide auftreten.

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Weitere infektiöse Ursachen für Scheidenbrennen

Auch die Bartholinitis ist eine verbreitete Ursache für Brennen im Scheidenbereich. Hierbei handelt es sich um eine Entzündung des Ausführungsganges der Bartholin-Drüse, einer Geschlechtsdrüse, die zwischen den kleinen Schamlippen in den Scheidenvorhof mündet. Die Entzündung wird durch Scheiden- oder Darmbakterien hervorgerufen.

Relativ häufig sind zudem Infektion mit A-Streptokokken: Scheideninfektionen mit diesen Bakterien sind vor allem bei jüngeren Mädchen häufig.

Nicht-infektiöse Ursachen für Scheidenbrennen

Eine nicht-infektiöse Ursache für Scheidenbrennen ist der sogenannte Lichen planus. Hierbei handelt es sich um eine nicht ansteckende Hautkrankheit mit roten, juckenden Knötchen an der Haut (Papeln) und weißen Streifen an den Schleimhäuten. Ein weiterer nicht-infektiöser Auslöser von Scheidenbrennen ist der Lichen sklerosus, der mit einer Weißfärbung und Verhornung der Haut einhergeht. Er gilt als ein Risikofaktor für die Entstehung von Vulvakrebs. Bei beiden Krankheiten lösen Zellen des Immunsystems wie bei einer Autoimmunerkrankung Entzündungsreaktionen in der Haut aus.

Hautverletzungen und Hautentzündungen, die durch eine Irritation, z.B. im Zusammenhang mit einer Allergie oder mit Reizstoffen ausgelöst werden, können ebenfalls Scheidenbrennen hervorrufen.

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Nach den Wechseljahren kommt es infolge des Östrogenmangels häufiger zu Infektionen mit Bakterien oder Pilzen. Aber auch die Rückbildung der Scheidenhaut durch den Hormonmangel allein kann schon zu Scheidentrockenheit, Brennen und Juckreiz führen.

Bei Scheidenbrennen zum Frauenarzt

Bei Scheidenbrennen ist der Gang zum Gynäkologen empfehlenswert, um die Ursache für das unangenehme Symptom auszumachen und möglichst frühzeitig gezielt behandeln zu können.

Zunächst erfragt der Frauenarzt in der Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte im Gespräch mit dem Patienten), wann und in welchem Zusammenhang die Beschwerden zum ersten Mal aufgetreten sind, welche Vorerkrankungen und welche Sexualgewohnheiten bestehen. Anschließend führt er eine gynäkologische Untersuchung durch, bei der er die äußeren Genitalien und die Scheide mit dem bloßen Auge und mit einem Spiegel (Kolposkop) begutachtet.

Er betrachtet zudem die Beschaffenheit des Ausflusses aus der Scheide, misst dessen pH-Wert und untersucht den Ausfluss unter dem Mikroskop. Um Krankheitserreger zu identifizieren, entnimmt er Zellen oder Gewebeproben aus der Scheide, die anschließend mikroskopisch untersucht werden.

Gegebenenfalls ist eine Hormonspiegelbestimmung mittels einer Blutuntersuchung angezeigt, zum Beispiel, wenn der Verdacht besteht, dass das Scheidenbrennen in Zusammenhang mit den Wechseljahren und dem damit einhergehenden, fallenden Östrogenspiegel auftritt.

Therapie: Das hilft gegen Scheidenbrennen

Geht Scheidenbrennen auf eine Infektion zurück, wird eine Therapie gegen den Erreger eingeleitet, zum Beispiel eine Antibiotikatherapie bei Bakterien oder die Gabe antiviraler Mittel bei einer Herpesinfektion. Eine lokale Behandlung mit Salben oder Scheidenzäpfchen ist in manchen Fällen bereits ausreichend, um die Beschwerden zu lindern. Doch auch Tabletten können hier das Mittel der Wahl sein.

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Linderung können bei einer Bartholinitis auch eine Rotlichttherapie und bei Genitalherpes Sitzbäder mit kamillehaltigen oder gerbstoffhaltigen Mitteln verschaffen. Stehen die Beschwerden im Zusammenhang mit einem wechseljahresbedingten Östrogenmangel, ist eine lokale Behandlung mit östrogenhaltigen Salben oder Zäpfchen bzw. auch eine Hormonersatztherapie möglich.

Bei Autoimmunerkrankungen (Lichen sklerosus, Lichen planus) können kortikoidhaltige Salben und Salben mit Calcineurinhemmern (entzündungshemmend und immunmodulierend) die Beschwerden bessern.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 17. Mai 2017
Durch: sist
Quellen: Gingelmaier, K. & Friese, A.: Entzündliche Erkrankungen der Vulva und Vagina. In: Der Hautarzt (2006); 57(2):155-170 Mylonas, I.: Infektionserkrankungen der Vulva und Vagina. Eine diagnostische Herausforderung. In: Der Gynäkologe (2010);43(5):429-440

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