Entzündung der äußeren Geschlechtsorgane

Vulvitis: Symptome und Behandlung der Vulvaentzündung

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Eine Vulvitis ist eine Entzündung der äußeren Geschlechtsorgane der Frau. Als Ursache kommen verschiedene Infektionen sowie Unverträglichkeitsreaktionen infrage. Welche Symptome sind typisch und wie wird eine Vulvitis behandelt?

Vulvitis und Kolpitis: Juckreiz in und an der Scheide
© Getty Images/sopradit

Im Überblick:

Ausfluss: Was ist normal und wann besser zum Arzt?

Was ist eine Vulvitis?

Eine Vulvitis ist eine Entzündung der weiblichen äußeren Geschlechtsorgane (Vulva). Hierzu zählen:

  • der behaarte Schamberg,
  • große und kleine Schamlippen,
  • Klitoris,
  • Scheidenvorhof und
  • die zwei Bartholin-Drüsen.

Der Scheidenvorhof wird von den kleinen Schamlippen begrenzt und enthält die Harnröhrenmündung, den Scheideneingang und die Mündung der Bartholin-Drüsen. Der Damm grenzt die Vulva nach hinten vom Analbereich ab.

Fachleute unterscheiden eine infektiöse von einer nichtinfektiösen Vulvitis. Krankheitserreger lösen die infektiöse Vulvitis aus, während die nichtinfektiöse Vulvitis meist auf eine Überempfindlichkeitsreaktion der Vulva zurückzuführen ist.

Symptome einer Vulvitis

Eine Entzündung der äußeren Geschlechtsorgane der Frau macht sich meist durch ausgeprägten Juckreiz und Brennen im Intimbereich bemerkbar. Da der Vulvabereich sehr sensibel ist, leiden viele Frauen an Schmerzen, die das Gehen, Sitzen und den Geschlechtsverkehr beeinträchtigen können.

Gelegentlich fallen auch geschwollene Lymphknoten in den Leisten auf. Fieber ist eher selten, kann aber besonders bei der sehr schmerzhaften Erstinfektion mit Herpes-Viren auftreten.

Hat sich die Entzündung auch auf Harnröhre und -blase ausgedehnt, geben die betroffenen Frauen zusätzlich Schmerzen beim Wasserlassen an. Ein in Geruch, Farbe oder Beschaffenheit veränderter Scheidenausfluss weist auf eine gleichzeitige Scheidenentzündung (Vaginitis/Kolpitis) hin.

Die relativ häufige Infektion mit humanen Papillom-Viren kann ohne Beschwerden einhergehen. Neben den typischen Beschwerden einer Vulvitis kann es aber auch zu einem Nässegefühl und Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr kommen.

Vulvitis: Welche Ursachen stecken dahinter?

Zahlreiche Faktoren und Erkrankungen können eine Vulvitis auslösen beziehungsweise sie begünstigen:

Harnabgang als Risikofaktor

Bei einer Blasenschwäche kommt es ungewollt zum Urinabgang. Neben der direkten Hautreizung durch den Urin schafft dieser im Vulvabereich eine ständig feuchte und warme Umgebung, in der sich Erreger leichter vermehren können. Menschen mit Diabetes mellitus scheiden über den Urin Zucker aus, der günstige Bedingungen für das Wachstum von Pilzen schafft. Auch eine übertriebene Intimhygiene kann die Haut schädigen und Infektionen begünstigen.

Übertragung der Erreger

Infektionen der Vagina können sich durch infektiösen Ausfluss auf die Vulva ausdehnen. Viele Erreger wie Gonokokken, Herpes genitalis oder humane Papillom-Viren werden hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr von Mensch zu Mensch übertragen. Eine weitere Ansteckungsquelle beispielsweise für Krätzmilben und Filzläuse kann das gemeinsame Nutzen von Unterwäsche, Bettwäsche und Handtüchern sein. Auch Schwimmbäder, Saunen und Whirlpools sind häufig Infektionsquellen.


Wie wird eine Vulvitis festgestellt?

Erste Hinweise auf eine Vulvitis leiten sich aus einer ausführlichen Befragung zur Krankheitsgeschichte und den aktuellen Beschwerden ab (Anamnese). Es folgt eine gynäkologische Untersuchung. Wegen der häufig gleichzeitigen Entzündung der Vagina werden diese und der Gebärmutterhals ebenfalls untersucht. Auch der Analbereich wird geprüft. Zur Bestimmung des Erregers erfolgt in der Regel ein Abstrich.

Schon bei der Betrachtung (Inspektion) der Vulvaregion fallen bei einer Vulvitis eine Schwellung und Rötung der meist sehr feuchten Schleimhaut auf. Auch Abszesse, kleine Knötchen oder entzündete Haarfollikel können sichtbar werden. Bedingt durch die geschwollene Schleimhaut kann die Mündung der Bartholin-Drüsen verlegt sein. Durch den nun behinderten Sekretabfluss kann die Drüse anschwellen und eine sichtbare Zyste ausbilden. Fachleute sprechen auch von einer Bartholinitis.

Ursache häufiger Vulvitiden abklären

Bei wiederkehrenden Entzündungen der äußeren Geschlechtsorgane ist es ratsam, einen Hormonmangel oder Diabetes mellitus auszuschließen. Bei chronischen Verläufen muss auch ein bösartiger Tumor der Vulva ausgeschlossen werden.

Therapie: Wie wird eine Vulvitis behandelt?

Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Vulvitis: Gegen Bakterien und Trichomonaden werden Antibiotika eingesetzt, gegen Pilzinfektionen sogenannte Antimykotika und gegen Würmer Antihelminthika.

Ein Befall mit Filzläusen oder Krätzmilben bekämpft man mit einer Substanz namens Lindan ausschließlich äußerlich. Während Infektionen durch humane Papillomviren häufig ohne Therapie abheilen, kann die Herpes-Infektion bis heute nicht geheilt werden. Nur die Beschwerden werden mit sogenannten Virostatika behandelt.

Feigwarzen werden zunächst nur beobachtet, da sie sich häufig von selbst zurückbilden. Geschieht dies nicht, können Substanzen wie Podophyllotoxin oder Trichloressigsäure aufgetupft werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Warzen mittels Laser, Messer oder Elektroschlinge zu entfernen.

Sitzbäder und Salben gegen den Juckreiz

Daneben zielt die Behandlung auf eine Linderung der Beschwerden ab, hierbei kommen meist Salben oder Cremes mit Kortison zum Einsatz. Bei starkem Juckreiz können zudem Sitzbäder mit Kamille oder Eichenrinde Abhilfe schaffen.

Zudem ist es empfehlenswert, einige Hygieneregeln, wie den täglichen Wechsel von Handtüchern und Unterwäsche, einzuhalten. Diese sollten stets bei über 60 Grad Celsius gewaschen werden. Einige Erreger wie die Krätzmilbe erfordern auch das Kochen der Kleidung und Bettwäsche.

Verlauf: Vulvitis meist gut behandelbar

Häufig lässt sich die Vulvitis problemlos behandeln, sodass schwere Verläufe eher selten sind. Infektionen mit Herpes-Viren können nicht geheilt werden. Während sich die akute Vulvitis behandeln lässt, bleiben die verursachenden Viren im Körper und können beispielsweise bei Stress oder der Menstruation eine erneute Vulvitis auslösen.

So beugen Frauen einer Vulvitis vor

Nicht immer lässt sich einer Vulvitis zuverlässig vorbeugen. Einige Tipps helfen jedoch dabei, das Risiko für die Vulvaentzündung zu verringern.

  • Hygiene: Um einer Vulvitis vorzubeugen, sollte eine übertriebene Anwendung von Intimkosmetika wie Intimdeos oder Seifen ebenso vermieden werden wie eine nachlässige Intimhygiene.

  • Toilette: Nach dem Stuhlgang sollte der After immer von vorne nach hinten, also von der Vulva weg, gereinigt werden.

  • Schwimmen: In Schwimmbädern und Saunen ist es empfehlenswert, nur das eigene Handtuch zu verwenden und einen nassen Badeanzug gegen einen trockenen zu tauschen.

  • Unterwäsche: Statt eng anliegender, synthetischer Unterwäsche sollten atmungsaktive Baumwollslips bevorzugt werden.

  • Safer Sex: Kondome bieten einen gewissen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten und werden daher uneingeschränkt empfohlen. Da sie aber nur Teile des Genitals bedecken, ist eine Einschleppung von Erregern in den Vulvabereich trotzdem möglich.

  • Impfung: Eine HPV-Impfung gegen bestimmte humane Papillom-Viren ist mittlerweile erhältlich und bietet nach heutigem Wissen einen sehr guten Infektionsschutz.

Vulva: Diese Formen gibt es
Zusammenfassung

Was ist eine Vulvitis? Bei einer Vulvitis handelt es sich um eine Entzündung der Vulva, also der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane.

Welche Ursachen hat eine Vulvitis? Auslöser einer Vulvitis können etwa eine Infektion mit Trichomonaden, Hefepilzen und Madenwürmer sein, aber auch Allergien kommen infrage.

Wie wird eine Vulvitis behandelt? Eine Vulvitis wird je nach Ursache mit Antipilzmitteln, Antibiotika oder Wurmitteln behandelt. Zudem kommen kortisonhaltige Salben zum Einsatz. Auch Sitzbäder mit Kamille können den Heilungsprozess beschleunigen.

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