Allergische Reaktion auf Kondome und Handschuhe

Latexallergie: Mit welchen Symptomen äußert sie sich?

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Latex ist in vielen Alltagsprodukten enthalten und führt bei manchen Menschen zu einer allergischen Reaktion. Häufig geschieht das, wenn Einmalhandschuhe oder Kondome aus Latex verwendet werden. Welche Symptome typisch für eine Latexallergie sind und was man tun kann.

Frau zieht Latexhandschuhe an
© Getty Images/aldarinho

Menschen mit einer Latexallergie (Gummiallergie) reagieren allergisch auf Produkte, in denen Kautschuk enthalten ist. Häufig sind das Medizinprodukte wie Einmalhandschuhe, Pflaster und Kanülen sowie Alltagsgegenstände wie Schnuller, Matratzen und Kondome. Latex wird natürlich aus dem Gummibaum (Naturlatex) oder künstlich aus Erdöl hergestellt und ist die Grundlage für viele Produkte aus Gummi.

Artikelinhalte im Überblick:

Hautausschlag: Welche Krankheit steckt dahinter?

Ursachen einer Latexallergie

In Latex sind Eiweißmoleküle enthalten, auf die das Immunsystem bei Kontakt mit einer überschießenden Reaktion antwortet. Doch auch Zusatzstoffe in latexhaltigen Produkten können die Allergie hervorrufen. Deshalb werden bei der allergischen Reaktion auf Latex zwei Typen unterschieden:

  • Soforttyp (Typ 1): Reagiert der Körper auf Proteine in Latex, handelt es sich in der Regel um eine Allergie vom Soforttyp. Beim ersten Kontakt mit dem Allergen wird das Immunsystem von Betroffenen sensibilisiert, sodass bei einem weiteren Kontakt innerhalb kurzer Zeit eine allergische Reaktion hervorgerufen wird. In diesem Fall werden Immunglobulin-E (IgE)-Antikörper gebildet, die bei Allergien eine tragende Rolle spielen.

  • Spättyp (Typ IV): Eine verzögerte Immunantwort tritt meistens auf, wenn der Körper nicht auf das Latex selbst, sondern im Produkt enthaltene Zusatzstoffe reagiert. Erst Stunden nach dem Kontakt erfolgt die allergische Reaktion, die sich häufig als Hautveränderungen zeigen – mitunter können Betroffene dann jedoch keinen Zusammenhang mehr zum auslösenden Allergen herstellen und sich die Allergie erklären.

Risikofaktoren für eine Allergie

Ein erhöhtes Risiko für eine Latexallergie haben bestimmte Berufsgruppen wie Menschen in medizinischen Berufen, Friseur*innen, Mitarbeitende in einem Kosmetikstudio, Reinigungskräfte oder Personen in der gummiverarbeitenden Industrie. Sie alle kommen in ihrem Arbeitsalltag häufig mit Latex in Berührung (Kontaktallergie). Da in vielen Bereichen jedoch inzwischen latexfreie Alternativen wie zum Beispiel Einmalhandschuhe ohne den Gummi-Grundstoff verwendet werden, ist die Zahl der Betroffenen mit Latexallergie zurückgegangen. Zuvor sorgte der Einsatz von gepuderten Latexhandschuhen für eine große Fallzahl an Allergien.

Neben dem Beruf gibt es weitere Risikofaktoren für eine Allergie auf Latex. Menschen mit Asthma, einer Allergie oder Neurodermitis haben eine höhere Neigung zur Latexallergie als andere. Das gilt auch für Kinder mit Spina bifida: Die Mehrheit von ihnen entwickelt eine entsprechende Allergie, vermutlich initiiert und verstärkt durch die notwendigen Operationen im Säuglingsalter.

Latex-Frucht-Syndrom: Kreuzallergie mit Nahrungsmitteln

Außerdem kann Latex eine Kreuzallergie auf Nahrungsmittel begünstigen, da es eine ähnliche Eiweißstruktur aufweist wie zahlreiche Lebensmittel. Da eine solche Kreuzallergie häufig unter Menschen mit Latexallergie auftritt, hat das Krankheitsbild in der Medizin einen eigenen Namen und wird als Latex-Frucht-Syndrom bezeichnet.

Betroffen sind zum Beispiel exotische Früchte wie Ananas, Avocados, Bananen, Datteln oder Kiwi sowie Gemüsesorten (Kartoffeln, Paprika, Sellerie, Tomaten) oder Cashewkerne, Haselnüsse und Walnüsse. Neben Lebensmitteln sind auch Kreuzreaktionen mit bestimmten Pflanzen möglich. Dazu zählen beispielsweise die Birkenfeige, der Gummibaum, der Immergrün, Oleander und Weihnachtsstern.

Welche Symptome deuten auf eine Latexallergie hin?

Es gibt eine Reihe an Symptomen, die bei einer Latexallergie auftreten können. Je nachdem, auf welche Art der Kontakt zum Allergen (Atemwege oder Haut) stattfindet und welcher Typ der Allergie vorliegt, unterscheiden sie sich.

Latexallergie: Symptome beim Soforttyp:

  • Allergischer Schnupfen
  • Asthmatische Beschwerden wie pfeifende Atmung, Husten oder Kurzatmigkeit
  • Atemnot (Dyspnoe)
  • Quaddeln auf der Haut (Kontakturtikaria)
  • Husten
  • Tränende Augen

Die Beschwerden treten innerhalb weniger Minuten nach Kontakt zum Allergen auf. Reagiert der Körper sehr heftig auf Latex, sind auch ein Abfall des Blutdrucks mit Kreislaufproblemen oder sogar ein anaphylaktischer Schock möglich.

Symptome bei Latexallergie vom Spättyp:

  • Blasenbildung, Hautknötchen (Papeln)
  • Ekzem
  • Hautrötung
  • Juckreiz
  • Trockene Haut

Bei diesem Allergie-Typ treten die Beschwerden zeitlich verzögert nach mehreren Stunden bis Tagen auf. Hält der Hautkontakt mit Latex anschließend an, verstärken sich die Symptome und der Ausschlag kann chronisch werden.

Latexallergie: Symptome in der Scheide

Eine Allergie kann auch bei der Verwendung von Latexkondomen auftreten. Da die Schleimhäute im Intimbereich empfindlich sind, zeigen sich allergische Reaktionen sehr schnell. Frauen sind häufiger betroffen als Männer und bemerken eine Latexallergie durch Brennen, Juckreiz, Rötungen und Schwellungen im Genitalbereich, vor allem in der Vagina. Da die Haut am Penis weniger empfindlich ist, leiden Männer seltener unter entsprechenden Symptomen, die sich als Eichelentzündung (Balanitis) zeigen.

Diagnose bei Verdacht auf Latexallergie

Zunächst werden im Rahmen der Anamnese die Art und Schwere der Beschwerden evaluiert. Auch Angaben zur beruflichen Tätigkeit können bei Verdacht auf eine Latexallergie Hinweise liefern. Auch wenn Beschwerden im Zusammenhang mit dem Geschlechtsverkehr auftreten, bei dem Kondome verwendet wurden oder Frauen ein Diaphragma zur Verhütung verwenden, sollten Betroffene dies mitteilen. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, im Fokus steht dabei die Haut.

Mithilfe von speziellen Allergietests kann die Diagnose gesichert werden:

  • Prick-Test: Die obere Hautschicht wird an mehreren Stellen angeritzt und verschiedene Allergene darauf gegeben. Reagiert der Körper allergisch darauf, bilden sich innerhalb von etwa 15 Minuten eine Rötung und möglicherweise eine Schwellung.

  • RAST-Test: Für den Antikörper-Test wird Betroffenen Blut abgenommen und auf Antikörper auf Naturlatex untersucht.

  • Provokationstest: Betroffene ziehen unter ärztlicher Aufsicht für 15 bis 20 Minuten einen Einmalhandschuh aus Latex an, um gezielt eine allergische Reaktion zu provozieren. Treten Symptome auf, wird der Handschuh entfernt – das kann bei heftigen allergischen Reaktionen zur Sicherheit der Patient*innen auch früher geschehen.

Behandlung: Was hilft bei einer Latexallergie?

Wer beruflich mit Latex zu tun hat, kann sich über Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz informieren. Erste Anlaufstelle sind die*der Betriebsärztin*arzt oder die Berufsgenossenschaft. In erster Linie sollten Betroffene den Kontakt mit dem allergieauslösenden Stoff vermeiden. Inzwischen gibt es latexfreie Handschuhe und Kondome, die alternativ verwendet werden können. Denn die Allergie ist nicht heilbar.

Latexprodukte, deren Kontakt vermieden werden sollte:

  • Aufsätze für Nuckelflaschen
  • Autoreifen
  • Diaphragma zur Verhütung
  • Einmalhandschuhe und Haushaltshandschuhe
  • Femidom
  • Kaugummi
  • Klebstoff
  • Kondome
  • Luftballons
  • Naturlatexmatratzen
  • Radiergummi (Naturkautschuk)
  • Schnuller
  • Schuhe
  • Theraband

Wichtig ist, dass Menschen mit einer Allergie ihren Allergiepass bei sich haben. Diesen sollten sie bei Besuchen einer ärztlichen Praxis mitnehmen oder das Praxispersonal auf die Latexallergie aufmerksam machen. Dann können latexfreie Handschuhe, Kanülen oder Pflaster verwendet werden.

Medikamentöse Behandlung der Latexallergie

Im Akutfall können Medikamente gegen allergische Beschwerden wie Juckreiz helfen. Häufig werden Antihistaminika wie Cetirizin eingesetzt, um die Bildung von Histamin zu unterbinden und die allergische Reaktion abzuschwächen. Auch Kortison hemmt das Immunsystem und wird je nach Ort der Beschwerden als Salbe oder Tablette angewendet. Wer unter einer schweren Form der Allergie leidet, sollte zudem sein medikamentöses Notfallset mit Antihistaminika und Kortison mit sich führen.

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