Bartholinitis: OP ist manchmal unausweichlich

Als Bartholinitis bezeichnet man eine Entzündung der Bartholin-Drüse, die sich zwischen den kleinen Schamlippen befindet. Symptome der Bartholinitis sind vor allem Schwellung, Rötung und Schmerzen. Manchmal reichen konservative Methoden zur Behandlung nicht aus. Dann ist eine Operation nötig.

Frau liegt im Bett
Eine Bartholinitis kann in seltenen Fällen auch mit Fieber und Krankheitsgefühl verbunden sein.

Die Bartholin-Drüse ist eine weibliche Geschlechtsdrüse. Sie befindet sich am Scheidenvorhof zwischen den kleinen Schamlippen und sondert bei sexueller Erregung ein Sekret ab. Bei der Bartholinitis ist eigentlich nur der Ausführungsgang der Bartholin-Drüse entzündet. Bartholin-Empyem und Bartholin-Zyste sind Folgen dieser Entzündung.

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Eine Entzündung vom Ausführungsgang der Bartholin-Drüse nennt man Bartholinitis. Die Bezeichnung ist nicht ganz korrekt, denn beim sogenannten Bartholin-Empyem ist der Ausführungsgang prall gefüllt mit Eiter, der nicht abfließen kann, weil die Entzündung die Mündung nach außen verklebt hat. Die schmerzhafte Entzündung kann bis auf Hühnereigröße anschwellen. Fälschlicherweise spricht man auch manchmal vom Bartholin-Abszess. Befindet sich der Eiter aber in einer vorgeformten Körperhöhlung wie dem Ausführungsgang der Bartholin-Drüse, so handelt es sich laut Definition um ein Empyem. Abszess bezeichnet die Eiteransammlung in einem Hohlraum, der erst durch die entzündliche Gewebeeinschmelzung entstanden ist.

Rötung, Schmerz und Schwellung einer großen Schamlippe sind die ersten Anzeichen der Bartholonitis. Fieber und Krankheitsgefühl treten dabei eher selten auf. Oft sind jedoch die Schmerzen so stark, dass die betroffene Frau nicht mehr sitzen kann.

Ist der Ausführungsgang über längere Zeit verklebt, so dass die Flüssigkeit nicht abfließen kann, entsteht eine Bartholin-Zyste. Sie sitzt im unteren Drittel der großen Schamlippe, fühlt sich prall und kugelig an und ist kaum druckschmerzhaft. Ursache sind meist Entzündungen, die immer wieder aufflackern.

Die Behandlung erfolgt je nach Schwere der Entzündung. Hat sich ein eitriger Herd abgekapselt, dann ist die Operation die Methode der Wahl.

Bartholinitis erkennen: Symptome

Rötung, Schmerz und Schwellung einer großen Schamlippe sind die ersten Anzeichen der Bartholinitis. Fieber und Krankheitsgefühl treten dabei eher selten auf.

Die Bartholonitis beginnt mit einer schmerzhaften Schwellung und Rötung im hinteren Drittel einer großen Schamlippe. Der Ausführungsgang der Bartholini-Drüse kann bis zur Hühnereigröße anschwellen. Die Schmerzen können so stark werden, dass die Patientin nicht mehr sitzen kann.

Die Bartholini-Zyste, die durch Verklebungen des Ganges nach einer abgelaufenen Entzündung verursacht wird, ist dagegen kaum druckschmerzhaft. Sie fühlt sich prall und kugelig an und kann ebenfalls die Ausmaße eines Hühnereis annehmen. Rötung und Überwärmung stehen im Gegensatz zur akuten Entzündung im Hintergrund.

Allgemeine Krankheitszeichen

Selten gelangen Bakterien oder deren Abfallprodukte in die Blutbahn. Dann steigt die Körpertemperatur an und die Patientin fühlt sich allgemein krank. Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit können auftreten.

Bakterien verursachen Bartholinitis

Bakterien, die den Scheidenvorhof besiedeln, können in die Ausführungsgänge der Bartholin-Drüse eindringen und die Bartholinitis verursachen.

Der hintere Bereich des Scheidenvorhofs, in den die Ausführungsgänge der Bartholin-Drüsen münden, ist von Natur aus mit vielen verschiedenen Bakterien besiedelt. Keime, die in einen solchen Gang eindringen, können die Bartholinitis in Gang setzen und zum Bartholini-Abszess führen. Den jeweiligen Erreger kann man aber erst aus dem entzündlichen Sekret genau bestimmen.

Bakterien, die eine Bartholinitis verursachen können:

  • Kolibakterien: Sie sind natürliche Darmbewohner. Krank machen sie fast nur, wenn sie an Körperstellen verschleppt werden, an denen sie normalerweise nicht vorkommen. So findet man sie oft bei Harnwegs- und Wundentzündungen.

  • Staphylokokken: Sie siedeln auf Haut und Schleimhäuten vieler Menschen. Die meisten Keimträger werden nicht krank. Dringen die Erreger zum Beispiel an Haaren oder bei Verletzungen durch die Haut ein, so verursachen sie Entzündungen, die viel Eiter bilden.

  • Streptokokken: Die meisten Streptokokken gehören zur natürlichen Hautbesiedelung des Menschen. Streptokokken der Gruppe A können unter anderem eitrige Gewebeentzündungen verursachen.

  • Chlamydien: Sie führen auch zu Entzündungen des Muttermundes, der Harnröhre oder der Eileiter. Die Übertragung erfolgt in der Regel über sexuelle Kontakte. Beim Mann ist meistens die Harnröhre betroffen. Über andere Ansteckungswege können Chlamydien auch Entzündungen am Auge verursachen.

  • Gonokokken: Die Ansteckung erfolgt fast immer durch Geschlechtsverkehr. Gonorrhö, auch Tripper genannt, ist die Folge. Bei der Frau kann die Bartholinitis das einzige Symptom einer Gonorrhö sein.

Bartholinitis meist schnell diagnostiziert

Bei der akuten Bartholinitis reicht die Blickdiagnose meistens aus. Der genaue Erreger wird aus dem entzündlichen Sekret gewonnen.

Die Bartholinitis erscheint so typisch, dass die Blickdiagnose bei der akuten Entzündung meistens ausreicht. Oft schmerzt die Schwellung so sehr, dass man im Sinn der Patientin auf eine Tastuntersuchung verzichtet. Wenn entzündliches Sekret austritt, wird es im Labor auf den genauen Erreger hin untersucht. Die Antibiotika, die die Patientin einnimmt, können dann auf den Erreger abgestimmt werden.

Eine Bartholini-Zyste (Sekretansammlung ohne Entzündung) ist im Gegensatz zum Abszess kaum druckschmerzhaft. Deshalb erhebt man vor der Operation einen Tastbefund und untersucht auch mit Hilfe von gynäkologischen Instrumenten (Spekulum).

Operation bei vorgeschrittener Bartholinitis

Die Behandlung der Bartholinitis richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung. Wärme, zum Beispiel Rotlicht, fördert bei einer Bartholinitis die Abkapselung des Entzündungsherds vom gesunden Gewebe. Muss man operieren, so beschleunigt eine Wärmebehandlung diese Reifung und verbessert die Vorbedingungen. Sitzbäder vor der Operation fördern ebenfalls die Abkapselung. Nach der Operation reinigen sie die Wunde schonend und fördern die Heilung.

Im Frühstadium können Antibiotika eine Bartholinitis, aus der sich noch kein Abszess entwickelt hat, abklingen lassen. Im fortgeschrittenen Stadium, wenn sich schon Eiter bildet und sammelt, dringen die Medikamente nicht zuverlässig zu den Bakterien in den Eiterherden vor. Trotzdem erhält jede Patientin Antibiotika. Denn der Entzündungsherd soll möglichst klein bleiben und keine Bakterien in den Körper ausstreuen. Wenn der genaue Erreger aus dem Wundsekret bekannt ist, so kann man das Antibiotikum ganz gezielt einsetzen.

Im fortgeschrittenen Stadium ist die Operation die Methode der Wahl. Jetzt gilt es, die Abkapselung des Entzündungsherd vom gesunden Gewebe zu beschleunigen, um möglichst günstige Voraussetzungen für die Operation zu schaffen. Beim Eingriff wird die Mündungsstelle vom Gang der Bartholini-Drüse zwei bis drei Zentimeter weit aufgeschnitten. Dann eröffnet und entleert man die Eiterhöhle. Im zweiten Schritt erfolgt die sogenannte Marsupialisation. Der Rand der Wundhöhle wird dabei vorsichtig nach außen geklappt und mit einer Naht fixiert, dass eine etwa zwei Zentimeter große Öffnung erhalten bleibt. Die Marsupialisation und eine Drainage verhindern das Verkleben der Wundränder. Bei diesem Vorgehen bleibt die Funktion der Bartholini-Drüse erhalten. Die Fäden werden nach wenigen Tagen gezogen und die Wunde ist normalerweise innerhalb von vier bis sechs Wochen völlig verheilt.

Wie bei allen infizierten Wunden strebt man nach der Operation eines Bartholini-Empyems die offene Wundheilung an. Das heißt, die Wundränder werden nicht miteinander vernäht, damit das Wundsekret abfließen kann. Die Drainage leitet die Flüssigkeit durch die erhaltene Öffnung nach außen. Tägliche Sitzbäder reinigen und befeuchten die Wundhöhle. Die körpereigene Wundreinigung und Heilung soll so unterstützt und ein Verkleben von Wundrändern verhindert werden. Meistens ist die Wundheilung nach zehn bis 14 Tagen so weit fortgeschritten, dass man die Drainage entfernen kann. Etwa eine Woche nach der Marsupialisation werden die Fäden normalerweise gezogen – sonst verläuft die Behandlung wie beschrieben.

Das richtige Maß an Hygiene beugt Bartholinitis vor

Wahrscheinlich verringern der Gebrauch von Präservativen und eine gute Körperhygiene das Bartholinitis-Risiko. Denn Bakterien, die in die Ausführungsgänge der Bartholini-Drüse verschleppt wurden, sind die Verursacher der Erkrankung.

Doch zu häufiges Waschen, reichlicher Seifengebrauch oder Intimsprays können die natürlichen Hautbakterien schädigen und krankmachende Keime dadurch wieder begünstigen.

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Letzte Aktualisierung:06. Februar 2017

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