Rauchen erhöht das Risiko

Risikofaktoren für rheumatoide Arthritis

Wie kommt es zu der Entstehung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis - sind es die Gene oder ist es der Lebensstil? Das ist eine Frage, die sich nicht nur viele betroffene Patienten und deren Angehörige stellen, sondern auch Ärzte und Wissenschaftler.

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Rauchen ist ein wichtiger Risikofaktor.
© 2008 Oliver Hoffmann

Mittlerweile gibt es auf diese Frage wesentlich mehr Antworten, als noch vor wenigen Jahren. Frau Prof. Dr. Zink vom deutschen Rheuma-Forschungszentrum und Mitglied des Beirates der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), berichtete auf dem diesjährigen Jahreskongress der Fachgesellschaft vom aktuellen Stand der Forschung.

Laut Zinks Ausführungen verursachen genetische Faktoren nur etwa 50 Prozent des Risikos, an einer rheumatoiden Arthritis (RA) zu erkranken. Die andere Hälfte des Risikos setzt sich aus Faktoren zusammen, die in einer direkten Verbindung mit unserem Lebensstil stehen.

An erster Stelle ist hier das Rauchen zu nennen. Bei der seropositiven RA, also der RA mit Nachweis von Rheumafaktoren, steigt dieses Risiko, im Wechselspiel mit genetischen Faktoren und Antikörpern, je nach Anzahl der "Packyears" kontinuierlich an. Unter einem "Packyear" versteht man den Konsum von täglich einem Päckchen Zigaretten innerhalb eines Jahres. Ein Raucher, der 20 Jahre lang ein halbes Päckchen konsumiert, hat nach diesem Zeitraum also zehn Packyears auf seinem "lebenslangen Konto". Sein Risiko an einer RA zu erkranken wäre damit bereits um den Faktor 1,8 gestiegen. Raucht er dennoch weiter, steigt auch sein Risiko kontinuierlich an. Nichtrauchen ist also eine probate Schutzmaßnahme gerade für Menschen mit familiärer Vorbelastung. Nichtrauchen lohnt sich allerdings auch, wenn die Erkrankung bereits diagnostiziert wurde. Gelingt es das Rauchen einzustellen, sinkt neueren Untersuchungen zufolge der Bedarf an langwirksamen Antirheumatika (DMARDs) zur adäquaten Therapie der Erkrankung deutlich.

Neben dem Rauchen spielt auch die Ernährung eine Rolle bei der Krankheitsentstehung und in deren Verlauf. Diese Einflüsse sind jedoch in der Regel deutlich geringer ausgeprägt, weshalb manche Effekte erst in den letzten Jahren wissenschaftlich belegt werden konnten. Demnach steigt das Risiko für RA mit dem Konsum von rotem Fleisch, während die Aufnahme von Omega-3 Fettsäuren ("Fischöl"), Carotinoiden und Vitamin C dieses Risiko wieder mindern. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass eine mediterrane Kost die Entzündungsvorgänge bremsen kann, auch wenn die RA bereits diagnostiziert wurde.

Schwieriger ist eine Aussage zur Bedeutung von hormonellen Faktoren. Zu dieser Frage gibt es mittlerweile zwar umfangreiche Forschungsergebnisse, diese widersprechen sich jedoch teilweise erheblich. Gesichert ist mittlerweile aber der schützende Einfluss längerer Stillperioden. Demnach sinkt das Risiko an einer (seronegativen) RA zu erkranken bei Frauen, die ihren Nachwuchs mindestens 24 Monate gestillt haben, deutlich.

Daneben gibt es vielfältige weitere Einflussfaktoren. Nicht alle sind erforscht. Bekannt ist jedoch, dass auch Ausbildung und Berufsausübung bei der Entstehung und im Verlauf der RA von Bedeutung sind. Für Menschen mit einem guten Bildungsstand oder in höheren Einkommensgruppen sinkt das Risiko deutlich. Der berufliche Umgang mit Silikon oder Mineralölen kann es hingegen erhöhen. Berufsgruppen mit niedrigem Bildungsstand bzw. Einkommen sind diesen Substanzen an ihrem Arbeitsplatz meist intensiver ausgesetzt, als beispielsweise Akademiker. Was zumindest teilweise erklären könnte, weshalb soziale und ökonomische Faktoren das Krankheitsrisiko bei der RA messbar beeinflussen.

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Letzte Aktualisierung: 05. Februar 2012
Quellen: Pressekonferenz und Plenarsitzung "Rheuma - Schicksal oder Lebensstil" anlässlich des 36. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) - Berlin, Donnerstag, 25. September 2008 , 27.03.2009

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