Früherkennung von Tumoren in der Lunge

Lungenkrebs: Die Jagd nach der optimalen Vorsorge

Die angebotenen Verfahren zur Früherkennung von Lungenkrebs sind nicht treffsicher genug

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Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs ist zur Lungenkrebsvorsorge nur bedingt geeignet.
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Unter den Methoden zur Lungenkrebs-Früherkennung gilt derzeit die niedrig dosierte Spiral-Computertomografie als effektivste. Allerdings werden sehr oft harmlose Veränderungen im Lungengewebe als bösartig fehlinterpretiert.

Lungenkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten – und zu den gefährlichsten. Das liegt unter anderem daran, dass er im Frühstadium keine Symptome verursacht und daher meist erst spät entdeckt wird. Am günstigsten ist die Prognose aber, wenn bösartige Tumore der Lunge schon diagnostiziert werden, noch bevor Krankheitszeichen sie verraten.

Es gibt einige Verfahren zur Früherkennung und vielversprechende neue Ansätze. Keine Methode ist derzeit jedoch so überzeugend, dass Experten eine generelle Empfehlung aussprechen, sie in Form einer Screening-Untersuchung (vergleichbar der Mammografie zur Früherkennung von Brustkrebs), vorsorglich bei symptomfreien Personen anzuwenden. Und es gibt derzeit auch keine Vorsorgeuntersuchung auf Lungenkrebs, die von der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) erstattet wird. Erst wenn Symptome auftreten, die den Verdacht auf Lungenkrebs aufkommen lassen, übernimmt die GKV die Kosten für spezifische Untersuchungen.

Röntgen-Untersuchung deckt Lungentumore erst spät auf

Dazu gehört das Röntgen der Lunge. Damit lassen sich Tumore ab einer Größe von etwa einem Zentimeter diagnostizieren. Als jährliche Vorsorgeuntersuchung auf Lungenkrebs ergibt eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs aber keinen Sinn. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine 2011 veröffentlichte US-amerikanische Untersuchung, an der 154.901 Männer und Frauen im Alter von 55 bis 74 Jahren teilnahmen.

Rund 42 Prozent von ihnen waren ehemalige Raucher, zehn Prozent rauchten zu Studienbeginn. Über vier Jahre hinweg war die Hälfte der Teilnehmer einmal jährlich einer Röntgenuntersuchung des Brustkorbs unterzogen worden, danach wurden beide Gruppen noch durchschnittlich weitere zwölf Jahre beobachtet. In beiden Gruppen starben etwa gleich viele Teilnehmer an Lungenkrebs. Es zeigte sich, dass Lungenkrebs durch das Röntgenscreening nicht in einem früheren Stadium diagnostiziert werden konnte.

Frühe Diagnose durch niedrig dosierte Spiral-CT

Anders sieht das Ergebnis einer weiteren US-amerikanischen Studie aus, mit der die Eignung der niedrig dosierten Spiral-CT als Screeningmethode zur Lungenkrebs-Früherkennung getestet wurde. Dabei handelt es sich um eine moderne, weniger strahlenbelastende Form der Computertomografie, die Tumore in der Lunge bereits ab einer Größe von nur wenigen Millimetern sichtbar machen kann.

An der Studie nahmen ausschließlich Risikopatienten teil. Die 53.454 Probanden im Alter zwischen 55 und 74 Jahren waren starke aktive oder ehemalige Raucher, deren Zigarettenkonsum  bei mindestens 30 Packungsjahren lag. Darunter ist zu verstehen: die Anzahl der Zigarettenpackungen pro Tag multipliziert mit der Zahl der Rauchjahre, also beispielsweise ein Päckchen Zigaretten am Tag über 30 Jahre hinweg oder drei Päckchen Zigaretten am Tag über zehn Jahre hinweg. Der Hintergrund: Rund 90 Prozent aller Lungenkrebspatienten sind Raucher oder haben geraucht.

Rund 20 Prozent weniger Lungenkrebstote durch Screening

Die Testpersonen wurden in zwei Gruppen unterteilt. Die eine wurde drei Jahre lang jährlich einer niedrig dosierten Spiral-CT unterzogen, die andere Gruppe im gleichen Zeitraum einer jährlichen Röntgenuntersuchung. Acht Jahre nach Studienbeginn waren in der niedrig dosierten Spiral-CT Gruppe im Vergleich zur Röntgengruppe 20,3 Prozent weniger Probanden an Lungenkrebs gestorben. Die Forscher führen die niedrigere Sterberate darauf zurück, dass Tumore in der Lunge bereits im Frühstadium erkannt werden konnten.

Über 96 Prozent der positiven Ergebnisse sind falsch

Dass die niedrig dosierte Spiral-CT dennoch von den medizinischen Fachgesellschaften nicht als breite Früherkennungsuntersuchung für symptomfreie Personen empfohlen wird, hat im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen ist auch die niedrig dosierte Spiral-CT mit einer gewissen Strahlenbelastung verbunden. Zum anderen führt das Verfahren zu einer sehr großen Anzahl falsch-positiver Ergebnisse, die für die Betroffenen belastende Folgeuntersuchungen nach sich ziehen.

In der beschriebenen amerikanischen Studie bestätigte sich bei 96,4 Prozent der positiven Screeningergebnisse der Verdacht auf Lungenkrebs nicht. Denn die niedrig dosierte Spiral-CT macht auch kleine Veränderungen in der Lunge sichtbar, die zum Beispiel von einer überstandenen Lungenentzündung zeugen können. Hinzu kommt, dass auch dieses Verfahren vorhandene Tumore nicht mit völliger Sicherheit identifizieren kann. Dennoch rät die "U.S. Preventive Services Task Force", eine unabhängige Expertenkommission, zum Einsatz der niedrig dosierten Spiral-CT als Screening-Untersuchung für schwere Raucher.

Hohe Kosten für niedrig dosierte Spiral-CT

Die Kosten der niedrig dosierten Spiral-CT zur Lungenkrebsfrüherkennung werden von privaten Krankenversicherungen zum Teil übernommen, für GKV-Versicherte sind sie immer aus eigener Tasche zu bezahlen. Nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) fallen dafür 134,06 Euro (GOÄ-Nr. 5271, einfacher Satz) bis 241,31 Euro (1,8-facher Satz) an.

Sputum-Zytologie als einfache Vorsorge-Alternative

Ein weiteres Diagnoseverfahren, das zur Früherkennung von Lungenkrebs angeboten wird, ist die Sputum-Zytologie. Unter Sputum ist abgehusteter Schleim aus den Bronchien zu verstehen. Er wird auch als Auswurf bezeichnet. Bei der Sputum-Zytologie erhält der Testwillige in der Regel ein Test-Set mit vier Röhrchen. An vier aufeinanderfolgenden Tagen muss morgens nach dem Aufstehen dann abgehusteter Schleim in ein Röhrchen gefüllt werden, der dann im Labor auf bösartige Zellveränderungen untersucht wird.

Unterschiedliche Aussagen zur Trefferquote bei Lungenkrebs

Eine Untersuchung aus den 80er Jahren bescheinigt der Sputum-Zytologie bei drei Proben eine Treffsicherheit von 85,5 Prozent, wobei auch im ersten Tumorstadium 84,6 Prozent der Tumore aufgedeckt wurden.

Zu wesentlich schwächeren Trefferquoten kommen spätere Untersuchungen wie beispielsweise eine 2008 veröffentlichte Studie, in der die Sputum-Zytologie mit der Computertomografie zur Früherkennung von Lungenkrebs verglichen wurde. Während dabei mittels CT elf von zwölf Bronchialkarzinomen in einer Risiko-Probandengruppe mit 284 Teilnehmern entdeckt wurde, konnte die Sputum-Untersuchung nur sieben ermitteln.

Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass Sputum-zytologische Untersuchungen im Rahmen der Lungenkrebsfrüherkennung von den Probanden gut akzeptiert werden und gut praktikabel sind. Die Detektionsrate durch die Sputum-Zytologie sei aber zu niedrig, um diese Methode für den alleinigen Einsatz zum Lungenkrebs-Screening zu empfehlen.

Kassen lehnen Sputum-Zytologie zur Lungenkrebsvorsorge ab

Entsprechend ist auch die Einschätzung der Stiftung Warentest und der Kassen. In den Informationen der AOK zu dieser Untersuchungsmethode heißt es beispielsweise: "Die Untersuchung bietet kein sicheres Ergebnis. Der Test kann zu vielen falsch-positiven Ergebnissen (die Personen sind eigentlich gesund) und häufigen falsch-negativen Diagnosen führen. Bis zu 50 Prozent der Erkrankungen werden übersehen und tatsächlich Erkrankte können sich in falscher Sicherheit wiegen.“

Kosten der Sputum-Zytologie als Lungenkrebs-Vorsorgepaket

Die Kehrseite: Über 50 Prozent der Lungenkrebserkrankungen können frühzeitig erkannt werden. Wer dieses Verfahren zur Früherkennung nutzen will, muss dafür selbst aufkommen. Die Sputum-Zytologie wird als Vorsorgepaket zur Lungenkrebsfrüherkennung inklusive Materialkosten, Leistungen des Pathologen sowie Erst- und Abschlussberatung für rund 120 Euro angeboten.

Noch Zukunftsmusik: Elektronische Nasen erschnüffeln Tumore

In Zukunft könnte noch ein weiteres Verfahren zur Früherkennung von Lungenkrebs Bedeutung gewinnen: Die Analyse der Atemluft. Auf diese Fährte führten Forscher Hunde, die mit ihren feinen Nasen Krebsleiden der Besitzer erschnüffelten. Mediziner der Klinik Schillerhöhe im baden-württembergischen Gerlingen hatten in einer Studie mit vier speziell trainierten Hunden eine Trefferquote für Lungenkrebs von immerhin 72 Prozent erreicht. Die Hunde waren offenbar in der Lage, Abbauprodukte des Tumors in der Atemluft zu riechen.

Diese Erkenntnisse nutzen Forscher nun, um elektronische Spürnasen unter anderem für Lungenkrebs zu entwickeln. Erste Erfolge gibt es bereits. So gelang es Wissenschaftlern der Fachhochschule Jena, mit einem von ihnen entwickelten Gerät in einer Pilotstudie Patienten mit Leberzirrhose eindeutig von Gesunden zu unterscheiden.

Bislang aber ist das Gerät, in das Raucher einfach hineinblasen und dann mit hoher Sicherheit wissen, ob sie einen Tumor in der Lunge haben, noch Zukunftsmusik.

Zehn Schritte zum Nichtraucher

Autor: / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 12. Juni 2014
Quellen: Informationen der Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen Informationen der Stiftung Warentest Ärztezeitung, Online-Ausgabe vom 27.10.2011: " Thorax-Röntgen taugt nicht zur Krebsfrüherkennung" Prof. Dr. Rudolf Kaaks, Abteilung Epidemiologie von Tumorerkrankungen am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg: "Lungenkrebs-Früherkennung aus Sicht der Epidemiologie", Vortrag L. Knoll et al., Sputumzytologie - Untersuchungen und Computertomographie in einem Vorsorgeprogramm zur Lungenkrebsfrüherkennung, in: Pneumologie 2008; 62 - V280 Informationen des AOK Bundesverbands zur Sputum-Zytologie (Raucher-Vorsorge) T. Walles et al., Canine scent detection in the diagnosis of lung cancer: revisiting a puzzling phenomenon, in: European Respiratory journal March 1, 2012   vol. 39  no. 3  669-676

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