Form des weißen Hautkrebs

Plattenepithelkarzinom: Aussehen und Behandlung des Spinalioms

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Das Plattenepithelkarzinom ist nach dem Basalzellkarzinom die zweithäufigste bösartige Hautkrebsart. Beide Formen werden dem weißen Hautkrebs zugeordnet. Wie lässt sich ein Plattenepithelkarzinom der Haut erkennen und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

weißer Hautkrebs
© iStock.com/OGphoto

In Deutschland erkranken jedes Jahr schätzungsweise mehr als 93.000 Menschen neu an einem Plattenepithelkarzinom der Haut (PEK) – auch als Spinaliom, Stachelzellkrebs oder spinozelluläres Karzinom bezeichnet. Die Tendenz ist steigend. Besonders häufig tritt die Erkrankung im mit zunehmendem Alter auf: Das Durchschnittsalter bei Stachelzellkrebs liegt bei zirka 70 Jahren. Die Form des weißen Hautkrebses kommt bei Männern häufiger vor als bei Frauen.

Artikelinhalte im Überblick:

Hautkrankheiten erkennen und behandeln

Was ist ein Plattenepithelkarzinom?

Bei einem Plattenepithelkarzinom handelt es sich um einen bösartigen Hauttumor, der örtlich zerstörend wächst. Allerdings bildet er nur selten Metastasen (Tochtergeschwülste) und ist fast immer heilbar.

Ein Spinaliom kann grundsätzlich in allen Körperregionen entstehen, die ein Plattenepithel (Deckgewebe aus platten Zellen) aufweisen oder die Gewebestrukturen besitzen, die sich in Plattenepithel umwandeln können (Plattenepithelmetaplasie). Zu diesen Körperstellen gehören neben der Haut auch die Schleimhäute (zum Beispiel in der Speiseröhre, im Rachen, am Gebärmutterhals) oder die Lunge.

Meist entsteht ein Spinaliom jedoch an Hautstellen, die im Laufe eines Lebens am häufigsten und intensivsten der UV-Strahlung der Sonne ausgesetzt sind, wie dem Dekolleté, Nacken, im Gesicht, an den Ohren und insbesondere bei Männern mit Glatze auch auf der Kopfhaut.

Ursachen: Sonnenstrahlung als Hauptrisikofaktor für das Plattenepithelkarzinom

Der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung eines Plattenepithelkarzinoms ist eine übermäßige UV-Strahlung. Besonders häufig betroffen sind Menschen:

  • die sich sehr viel in der Sonne aufhalten
  • mit einem hellen Hauttyp
  • mit einem geschwächten Immunsystem (etwa infolge einer Krankheit oder medikamentösen, immunsuppressiven Therapie)

Infolge jahrelanger Sonnenexposition wird die Oberhaut chronisch geschädigt. Es können sogenannte aktinische oder solare Keratosen entstehen, die als Krebsvorstufen gelten. Schätzungsweise fünf Prozent dieser rauen Stellen wandeln sich in ein Plattenkarzinom um. In selteneren Fällen kann das Karzinom aber auch aus Wunden, Verbrennungsnarben oder spezifischen Hautkrankheiten entstehen.

Aussehen: Wie lässt sich ein Spinaliom erkennen?

Die Vorstufe des Plattenepithelkarzinoms, die aktinische Keratose, zeigt sich zunächst durch schuppende Rötungen auf der Haut, die nicht oder kaum erhaben sind. Die Oberfläche kann sich wie feines Sandpapier anfühlen.

Im weiteren Verlauf verhärten sich die Hautveränderungen zunehmend und schließlich entstehen Knoten mit rauer, stark verhornter Oberfläche. Die Knoten können aber auch ohne vorherige sichtbare Anzeichen entstehen. Diese Hornschicht sitzt sehr fest und lässt sich mit Kratzen nur schwer ablösen. Die aufgebrochene Stelle beginnt dann zu bluten. Grundsätzlich sind alle nicht heilenden Läsionen in sonnenexponierten Bereichen verdächtig und sollten medizinisch untersucht werden.

Die Gefahr einer Metastasenbildung (Tochtergeschwülste in anderen Körperregionen) besteht beim Plattenepithelkrebs immer dann, wenn der Tumor von seinem Entstehungsort, der obersten Hautschicht (Epidermis), in tieferliegende Hautschichten vordringt. Anders als das maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs) besitzt das Plattenepithelkarzinom aber keine ausgeprägte Neigung zur Metastasierung. Seine Metastasierungstendenz wird mit drei bis fünf Prozent beziffert.


Diagnose: So wird ein Plattenepithelkarzinom festgestellt

Bei allen Formen von Hautkrebs gilt: Je früher sie erkannt werden, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten und desto günstiger ist die Heilungsprognose. Sehr gute Heilungschancen bestehen bei Plattenepithelkarzinomen, die im Durchmesser kleiner als ein Zentimeter sind und die noch keine Metastasen gebildet haben.

Daher sollten sich insbesondere Menschen, die häufig draußen sind, sowie sehr hellhäutige Menschen, die von Natur aus viele Pigmentflecken (Nävi oder Naevi) haben, regelmäßig zu Hause vor dem Spiegel auf Hautveränderungen untersuchen. Bei gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren übernimmt die Krankenkasse alle zwei Jahre die Kosten für ein Hautkrebsscreening.

Haut-Screening in der dermatologischen Praxis

Nach einer eingehenden Befragung (Anamnese) zu dermatologischen Vorerkrankungen wird die Haut des gesamten Körpers mit bloßem Auge und bei Bedarf zusätzlich mit einem Auflicht-Mikroskop (Dermatoskop) untersucht. Bei Verdacht auf Hautkrebs wird eine Gewebeprobe (Biopsie) für die feingewebliche Untersuchung (Histologie) im Labor entnommen. Dort werden die Art des Tumors, dessen Durchmesser und dessen Ausdehnungsgrad in tieferliegende Hautschichten bestimmt.

Klassifizierung von Plattenepithelkarzinomen

Eine histologische Klassifizierung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterteilt die Plattenepithelkarzinome in verschiedene Subtypen:  

  • Spindelzelliges Plattenepithelkarzinom (aggressiv) 
  • Akantholytisches Plattenepithelkarzinom (mit Auflösung verhornender Zellen) 
  • Verruköses (warzenartiges) Plattenepithelkarzinom (günstige Prognose) 
  • Lymphoepitheliomartiges Plattenepithelkarzinom 
  • Plattenepithelkarzinom mit Hornbildung

Weitere Diagnostik: Bildgebende Verfahren wie Ultraschall  

Wird ein Spinaliom festgestellt, sind weitere diagnostische Schritte notwendig. Ist der Tumor bereits mehr als zwei Millimeter in tiefere Hautschichten eingewachsen, sollte auch eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Lymphknoten erfolgen, um eine eventuelle Bildung von Tochtergeschwülsten abzuklären. Werden dabei Hinweise auf Metastasen gefunden, müssen weitere bildgebende Untersuchungsverfahren durchgeführt werden, um den Ausbreitungsgrad der Tochtergeschwülste festzustellen. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf dem Brustraum und der Lunge.

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Standardtherapie: Operative Entfernung des Plattenepitheltumors

Bei einem Plattenepithelkarzinomen erfolgt meist eine chirurgische Entfernung des Tumors (Exzision) mit histologischer Kontrolle der Schnittränder, um die vollständige Entfernung sicherzustellen. Sollte das Metastasierungsrisiko des Plattenepithelkarzinoms als hoch eingeschätzt werden, können die behandelnden Ärzt*innen zusätzlich die angrenzenden Lymphknoten entfernen. Je nach Ausdehnung und Beurteilung des Hautkrebses können darüber hinaus noch weitere operative Eingriffe an metastasierten Organen sowie eine systemische Chemotherapie notwendig werden, die auf den gesamten Organismus einwirkt. 

Weitere Therapieverfahren 

Vor allem bei älteren Patient*innen ist eine Operation nicht immer möglich – etwa dann, wenn zusätzliche Erkrankungen vorliegen, die diese zu sehr schwächen (Multimorbidität). In diesen Fällen stehen für die Behandlung des Plattenepithelkarzinoms weitere Therapieverfahren zur Verfügung, etwa:

  • Bestrahlung (Strahlentherapie)
  • Photodynamische Therapie (PDT)
  • Immuntherapie
  • Chemotherapie

Diese Therapieverfahren können aber auch zusätzlich zu einer operativen Tumorentfernung durchgeführt werden, wenn es aus ärztlicher Sicht sinnvoll ist. So kann beispielsweise bei metastasierenden Plattenepithelkarzinomen im Anschluss an die Tumor-OP eine Chemotherapie angezeigt sein, sofern es der Allgemeinzustand der erkrankten Person zulässt. 

Bei relativ oberflächlichen Plattenepithelkarzinomen kann auch eine Ausschabung (Kürettage) des Tumors vorgenommen werden. Ebenfalls möglich bei oberflächlicheren Tumoren ist die Kryotherapie: Eine Kältetherapie, bei der die Tumorzellen mit flüssigem Stickstoff vereist und so mit einem "Kälteschock" zerstört werden.

Nach der Therapie: Regelmäßige Kontrollen 

Genauso wichtig wie die Entfernung oder Zerstörung des Tumors ist die regelmäßige Kontrolle nach der Behandlung (Nachsorge). Denn trotz der unmittelbaren histologischen Kontrolle des operierten beziehungsweise behandelten Gewebes kann niemals komplett ausgeschlossen werden, dass sich dort noch Tumorzellen befinden. Diese können im Laufe der Zeit zu einem neuen Plattenepithelkarzinom heranwachsen (Rezidiv).

Daher werden bei Patient*innen mit Plattenepithelkarzinomen nach der Tumor-Therapie regelmäßige Kontrolltermine empfohlen. Wie oft Nachsorgeuntersuchungen wahrgenommen werden sollten, hängt vom Einzelfall ab. Im ersten Jahr sind vierteljährliche Kontrollunterschungen ratsam.

UV-Schutz ist wichtige Maßnahme, um Stachelzellkrebs vorzubeugen

Ein Sonnenbrand ist gefährlich, auch wenn akute Beschwerden meist rasch wieder vergehen: Viele Menschen unterschätzen das Ausmaß der dauerhaften Zellschädigungen, die von der UV-Strahlung der Sonne ausgehen können. Wer sich häufig und unzureichend geschützt der Sonne aussetzt, riskiert nicht nur wiederholt rote, sich schälende Hautpartien, sondern bleibende Hautschäden, die sich viele Jahre später zu einer aktinischen Keratose und schließlich zu Hautkrebs entwickeln können. 

Entsprechend unverzichtbar ist umfassender Sonnenschutz bei Erwachsenen und ganz besonders bei Kindern. Zwar benutzen die meisten Menschen Sonnencreme, wenn sie an den Badesee oder ins Schwimmbad gehen. Doch ebenso wichtig ist es, die unbedeckten Körperstellen wie das Gesicht, das Dekolleté, den Nacken, die Kopfhaut und die Ohren auch beim Spaziergang in der Sonne oder während des Nachmittags im Biergarten zu schützen. Dabei sollte die Sonnencreme großzügig aufgetragen werden, einen hohen Lichtschutzfaktor (LSF) besitzen und sowohl vor UV-A- als auch vor UV-B-Strahlung schützen.

Die stechende Mittagssonne sollte generell gemieden werden. Ein langer Aufenthalt in der direkten Sonne ist zu keiner Tageszeit empfehlenswert. Besonders Kinder und Menschen mit lichtem Haar sollten sich im Sommer mit einem Sonnenhut mit breiter Krempe schützen.

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