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Gelenkschmerzen

Gelenkschmerzen sind zeitweise oder ständig bestehende Schmerzen in einem oder mehreren Gelenken von unterschiedlicher Intensität und unterschiedlicher Ursache. Die Schmerzen können dabei vom Gelenk selbst oder von gelenknahen (umgebenden) Strukturen ausgehen. Sie können durch eine direkte Schädigung des Gelenks (Verletzung, Abnutzung) oder auch durch andere Erkrankungen (z.B. rheumatische oder Stoffwechselerkrankungen) hervorgerufen werden, die im Verlauf zu einer Schädigung von Gelenkstrukturen führen.

Gelenkschmerzen-Arthrose oder rheumatoide Arthritis_
Gelenkverschleiß und Entzündungen des Gelenkapparates sind die häufigsten Ursachen für gelenkschmerzen.
Getty Images/Pixland

Bei der Diagnosestellung steht häufig zunächst die Unterscheidung zwischen zwei typischen Formen von Gelenkschmerzen im Vordergrund. Dies ist die Unterscheidung zwischen durch Gelenkverschleiß (Arthrose) bedingten Gelenkschmerzen und Gelenkschmerzen aufgrund von Gelenkentzündungen (Arthritis). Letztere können sich durch Begleitsymptome wie Rötung, Schwellung oder Überwärmung des Gelenks bemerkbar machen. Der Oberbegriff für Gelenkschmerzen ist Arthralgie (griech. Arthro="Gelenk", -algie= "Schmerz").

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Gelenkschmerzen können in nur einem Gelenk oder auch in mehreren Gelenken gleichzeitig auftreten. Bestehen Schmerzen in nur einem Gelenk, sprechen Mediziner auch von Monoarthritis, bei Betroffenheit von mehreren Gelenken von Oligoarthritis (zwei bis vier Gelenke) oder Polyarthritis (ab fünf Gelenken).

Je nach Ursache können sich Gelenkschmerzen unterschiedlich äußern. Sie können z.B. in Ruhe, bei Belastung oder zu Beginn der Gelenkbeanspruchung (Anlaufschmerz) auftreten, besonders morgendlich (Morgenschmerz) oder auch dauerhaft (chronisch) bestehen. Sie können sich schleichend bemerkbar machen oder plötzlich und heftig in Erscheinung treten. Im letzteren Fall spricht man von akuten Gelenkschmerzen.

Welche Ursachen können Gelenkschmerzen haben?

Gelenkschmerzen können viele Ursachen haben. Sie sind z.B. die Folge von entzündlichen Prozessen, Verletzungen, Gelenküberlastung oder Gelenkverschleiß. Gelenkschmerzen können isoliert in einem Gelenk auftreten oder auch Teil eines komplexen Krankheitsgeschehens sein, das den gesamten Körper betrifft (systemische Krankheiten) und dabei als eines von vielen oder als dominierendes Symptom auftreten.

Im Einzelnen kommen unter anderem folgende Ursachen für Gelenkschmerzen in Betracht:

  • Verletzungen wie Knochenbrüche, Kapsel-Band-Verletzungen, Zerrungen, Prellungen, Verrenkungen
  • Abnutzung des Gelenkknorpels, Gelenkverschleiß (Arthrose), z.B. durch übermäßige Belastung eines Gelenks
  • Infektionsbedingte Gelenksentzündungen (erregerbedingte Arthritis), z.B.
  1. bakterielle Arthritis nach Verletzungen/Operationen
  2. Arthritis infolge von anderen Infektionskrankheiten (postinfektiöse Arthritis, z.B. Spät- Borreliose , tuberkulöse Arthritis oder virale Arthritis bei , Masern Mumps, Windpocken, Influenza, HIV u.a.)
  3. erneuter Krankheitsschub nach bestimmten bakteriellen Infektionen von Magen, Darm , Harnwegen, Geschlechtsorganen (reaktive Arthritis; Reiter-Syndrom), z.B. nach Gonorrhö (Tripper) oder
  4. Rheumatisches Fieber (Autoimmunreaktion durch Streptokokken-Antigene)
  • Rheumatisch-entzündliche Erkrankungen (nicht erregerbedingt), z.B.
  1. Rheumatoide Arthritis (oft mit Morgensteifigkeit, besonders der Hand- und Fingergelenke, und Rheumaknoten einhergehend)
  2. Psoriasisarthritis (oft entzündete Endgelenke an Fingern und Zehen, mit Hautsymptomen (Schuppenflechte (Psoriasis)) einhergehend)
  3. Ankylosierende Spondylitis (kleine Wirbelsäulengelenke, Rückenschmerzen)
  4. Weitere wie z.B. Kollagenosen (Bindegewebserkrankungen), Löfgen-Syndrom (meist Sprunggelenk), Vaskulitiden (Entzündungen der Blutgefäße)

Bei Ursachen wie z.B. rheumatoide Arthritis, Psoriasisarthritis, reaktive Arthritis, postinfektiöse Arthritis (z.B. Spät-Borreliose), Kollagenosen, Vaskulitiden liegen Schmerzen zumeist an mehreren Gelenken vor.

Diagnose: So wird bei Gelenkschmerzen untersucht

Zur Diagnose bei Gelenkschmerzen ist aufgrund der vielfältigen Ursachen oftmals ein komplexes diagnostisches Vorgehen nötig. An deren Anfang stehen die ausführliche Befragung (Anamnese) und körperliche Untersuchung des Patienten.

Patientenbefragung (Anamnese)

Das Patientengespräch dient dem Arzt dazu, wichtige Informationen zum Beispiel über den Schmerzcharakter,  den Beginn und den zeitlichen Verlauf der Schmerzen zu erhalten. Auch Begleitsymptome,  familiäre Erkrankungen und andere vorliegende Erkrankungen, die mit den Gelenkbeschwerden in Zusammenhang stehen könnten, können so in Erfahrung gebracht werden.

 Liegen die Schmerzen z.B. bei Bewegung, in Ruhe, zu Beginn einer Gelenkbelastung (Anlaufschmerz), vor allem morgens (Morgenschmerz) oder dauerhaft vor? Sind die Schmerzen plötzlich aufgetreten und nahmen sie einen rasanten Verlauf (z.B. Gichtanfall, akute bakterielle Infektion). Knirschen die Gelenke? Liegt z.B. Morgensteifigkeit vor? Welche und wie viele Gelenke sind von den Schmerzen betroffen? Sind im Vorfeld Infektionskrankheiten aufgetreten? Bestehen familiär z.B. Stoffwechsel- oder rheumatische Krankheiten? Hat es Gelenkoperationen, Verletzungen oder Unfälle mit Gelenkbeteiligung gegeben oder sind die Gelenke besonderen Belastungen ausgesetzt (beruflich, Sport)? Sind Symptome in bzw. an anderen Körperregionen bzw. Organen aufgetreten (Augenbeschwerden, Hautveränderungen usw.)?

Weichenstellung für weitere Untersuchungen

Bereits an dieser Stelle zeichnen sich mögliche Ursachen für die Gelenkbeschwerden ab, die dem Arzt als Orientierung für weitere Untersuchungen dienen. Heftiger Morgenschmerz mit länger andauernder Morgensteifigkeit und Belastungsschmerz selbst bei kleinsten Bewegungen, auch Ruhe- und Nachtschmerzen, sind Zeichen einer entzündlichen Ursache für die Gelenkbeschwerden. Hingegen weisen belastungsabhängige Schmerzen mit Linderung durch Ruhigstellung, Anlaufschmerzen und eine nur kurze Morgensteifigkeit auf eine mechanisch bedingte Ursache (Gelenkabnutzung, Arthrose) für die Gelenkschmerzen hin.

Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung umfasst eine genaue Betrachtung (Inspektion) des betroffenen bzw. der betroffenen Gelenke. Ferner tastet der Arzt die betroffenen Gelenke ab (Palpation) und führt Funktionstests (Bewegungstests) durch.  Diese Untersuchungen lassen Entzündungszeichen, Ergüsse, Gelenkdeformitäten, Druckschmerz, typische Bewegungseinschränkungen oder Hautveränderungen, erkennen, die zur Schmerzursache führen können. Ebenso wird der Arzt nach weiteren Begleitsymptomen suchen, die im Zusammenhang mit bestimmten Ursachen der Gelenkschmerzen auftreten können (Allgemeinsymptome sowie Veränderungen an Haut, Schleimhaut, Augen, inneren Organen, Nervensystem). Darüber hinaus wird er auf Fehlstellungen, Fehlhaltungen und Asymmetrien des Skelettsystems (z.B. der Wirbelsäulenachsen, Beinachsen) achten.

Labor und bildgebende Verfahren

In Abhängigkeit von den bereits vorliegenden Befunden können weitere Untersuchungen folgen. Dazu gehören zum Beispiel

  • Verschiedenste Blutuntersuchungen, beispielsweise zur Bestimmung von Entzündungs- oder Rheumafaktoren oder Harnsäurewerten (bei Verdacht auf Gicht)
  • Röntgenuntersuchung der betroffenen Gelenke (routinemäßig)
  • Weitere bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomografie (MRT), Computertomografie (CT)
  • Gelenkpunktion und Untersuchung der Gelenkflüssigkeit
  • Ultraschall des Gelenks (Gelenksonografie)
  • Gelenkspiegelung (Arthroskopie)
  • Spezielle Knochenuntersuchung (Knochenszintigrafie)

Behandlung von Gelenkschmerzen: Hausmittel und Medikamente

Die Therapie von Gelenkschmerzen erfolgt in Abhängigkeit von der Ursache der Beschwerden.

Bei geringfügigeren Verletzungen, z.B. leichten Zerrungen oder Prellungen ohne Verletzung der Gelenkstrukturen reicht mitunter die vorübergehende Ruhigstellung des betroffenen Gelenks aus. In manchen Fällen kann Kühlung als Erste-Hilfe-Maßnahme sowie die Anwendung von schmerzstillenden, abschwellenden Salben Erleichterung schaffen. Bei anhaltenden oder starken Schmerzen empfiehlt sich immer ein Arztbesuch. Bei Gelenkverletzungen wie Knochenbrüchen oder Bänderrissen muss das Gelenk fixiert werden, bei komplizierteren Gelenkverletzungen ist unter Umständen sogar eine Operation erforderlich. Möglicherweise liegt auch eine Verrenkung bzw. Ausrenkung des Gelenks vor, sodass der Arzt das Gelenk wieder einrenken muss. Gelenkergüsse erfordern mitunter eine Gelenkpunktion. Zur Linderung der Schmerzen kann der Arzt vorübergehend ein Schmerzmittel verordnen. Dies ermöglicht auch, dass der Betroffene das Gelenk wieder bewegen kann. In vielen Fällen trägt eine Schonhaltung zur Verschlechterung bei und soll deshalb durch die Schmerzlinderung verhindert werden.

Weitere Ursachen von Gelenkschmerzen können Infekte, andere entzündliche Gelenkerkrankungen oder Arthrose sein. Sie erfordern eine gezielte Therapie z.B. mit Schmerzmitteln, Entzündungshemmern und/oder Antibiotika sowie unter Umständen weitere Therapien. Eine möglichst umgehende Behandlung ist erforderlich, um Folgeschäden am Gelenk zu vermeiden.

Medikamentöse Therapie bei Gelenkschmerzen

Um Schmerzen und Entzündung zu bekämpfen, können in Abhängigkeit von der Ursache der Gelenkschmerzen verschiedene Schmerzmittel zur Anwendung kommen. Häufig sind dies Medikamente aus der Gruppe der sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), z.B. Diclofenac, Acetylsalcylsäure oder Ibuprofen. Auch Gelenkinjektionen und Gelenkspülungen mit Kortison oder Schmerzmitteln können erfolgen, um Entzündung und Schmerzen direkt vor Ort zu bekämpfen. Bei Arthrose stellt auch das Spritzen von knorpelaufbauenden Präparaten (z.B. Hyaluronsäure) eine Behandlungsoption dar. Gelenkschmerzen mit bakteriellem Hintergrund (Infektarthritis, reaktive Arthritis) erfordern in der Regel die Anwendung von Antibiotika.

Häufige Ursache von chronischen Gelenkschmerzen sind entzündlich rheumatische Erkrankungen. Sie verlaufen oft fortschreitend mit akuten Schüben. Ziel ist es hier, neben der Schmerzlinderung die Entzündungsreaktion zu unterdrücken und so die Zerstörung von Gelenksgewebe mit entsprechendem Funktionsverlust zu verhindern. Die Behandlung erfolgt mit Kortison (Schubtherapie) und sogenannten Antirheumatika (Basistherapie). Bei der Gichtarthritis können Medikamente, die die Harnsäureausscheidung steigern oder den Harnsäurespiegel senken (Urikosurika, Urikostatika) zum Einsatz kommen. Je nach Ursache der Gelenkschmerzen können daneben viele weitere medikamentöse Therapien in Frage kommen.

Gelenkoperationen

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In bestimmten Fällen sind auch Gelenkoperationen erforderlich, z.B. zum Richten des Gelenks nach Verletzungen/Brüchen, zur Rekonstruktion und Fixation verletzten Gewebes oder zur Entfernung überschüssigen Gewebes aus dem Gelenk. Diese können in vielen Fällen schonend, mithilfe der Arthroskopie (Gelenkspiegelung), erfolgen. Mitunter, z.B. bei schwerer Arthrose, kann auch der teilweise oder vollständige Ersatz eines Gelenks (Kniegelenksersatz, Hüftgelenksersatz) nötig sein.

Physiotherapie und weitere Maßnahmen

Ergänzend zu den genannten Behandlungsverfahren kommen bei vielen Ursachen von Gelenkschmerzen weitere, insbesondere physiotherapeutische Maßnahmen in Betracht, z.B.:

  • Elektrotherapie
  • Ultraschalltherapie
  • Wärme- oder Kälteanwendungen
  • Bewegungsbäder
  • Massagen
  • Krankengymnastik
  • Bewegungsschulung
  • Anwendung von Hilfsmitteln wie z.B. Bandagen, Einlagen, Schuhzurichtungen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 26. Januar 2017
Quellen: Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme. Stuttgart (2010) Schaps, K.-P. W.; Kessler, O.; Fetzner, U.: Gesundheitsstörungen. Springer-Lehrbuch. Springer Medizin Verlag Heidelberg (2008), S. 550-552 Pitsch, Th.: Differenzialdiagnose des Gelenkschmerzes. In: Manuelle Medizin und Osteopathische Medizin (2) 2001, S. 88-102 Bayeler, Ch.: Gelenkschmerzen. Klinische Wegweiser in der Differenzialdiagnostik. In: Schweiz Med Forum (49) 2003, S. 1.200-1.205 Zeidler, H.; Michel, B.: Differenzialdiagnosen rheumatischer Erkrankungen. Springer Medizin Verlag Heidelberg (2009) Lemmer, B.; Brune, K.: Pharmakotherapie: Klinische Pharmakologie. 14. Auflage, Springer Medizin Verlag Heidelberg (2010)

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