Rheumatoide Arthritis - Polyarthritis
Definition
Bei der rheumatoiden Arthritis, einer sogenannten Systemerkrankung, kommt es zu Entzündungen der Gelenke. Der Krankheitsverlauf lässt sich in drei Stadien einteilen, wobei der individuelle Verlauf bei jedem Patienten anders sein kann.
Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine entzündliche Systemerkrankung, die überwiegend die Gelenke befällt. Der Begriff Systemerkrankung bedeutet, dass die Krankheit sich nicht ausschließlich auf die Gelenke konzentriert, sondern den gesamten Körper in Mitleidenschaft zieht, im Gegensatz zur Arthrose, bei der nur ein oder mehrere Gelenke befallen sind. Eine ältere Bezeichnung für die rheumatoide Arthritis, die noch häufig benutzt wird, ist chronische Polyarthritis (poly = viele; Arthritis = Gelenkentzündung).
Die Krankheit beginnt meistens zwischen dem vierten und fünften Lebensjahrzehnt. Aber auch sehr alte oder sehr junge Menschen können eine RA bekommen. Typisch für die rheumatoide Arthritis ist, dass zunächst meist die Gelenke der Hände, besonders die Fingergrund- und Fingermittelgelenke, die Handgelenke sowie die Zehengrundgelenke betroffen sind. Diese werden als kleine Gelenke zusammengefasst. Auch Knie-, Ellenbogen-, Hüft- und Schultergelenke können von Anfang an mit einbezogen sein. Diese Gelenke bezeichnet man als große Gelenke. Im Verlauf der Erkrankung können zunehmend mehr Gelenke befallen werden. Die ersten Jahre sind dabei entscheidend für die Anzahl später betroffener Gelenke. Insbesondere nach langjährigem Verlauf kann auch die Halswirbelsäule mit betroffen sein. Ein klassisches Merkmal der rheumatoiden Arthritis ist das symmetrische Auftreten der Gelenkentzündungen, also der gleichzeitige Befall zum Beispiel der Fingergrund- oder Zehengrundgelenke auf beiden Seiten. Neben Gelenken können auch innere Organe und die Haut in Mitleidenschaft gezogen sein.

Schnitt durch ein gesundes Gelenk (links) und ein Gelenk mit rheumatoider Arthritis (rechts).
Der Verlauf der Krankheit lässt sich in drei Stadien einteilen
Frühe Erkrankung
Es kommt zu einer meist symmetrischen (beidseits seitengleichen) Entzündung vieler Gelenke, vorwiegend der kleinen, manchmal auch der großen Gelenke. Die Gelenke sind geschwollen, druckschmerzhaft und überwärmt. Beim Tasten fühlt sich die Verdickung prall elastisch oder weich an. Als Zeichen der Mitbeteiligung des ganzen Körpers kann es zu Fieber, Gewichtsabnahme, Müdigkeit und Leistungsminderung kommen. Im Röntgenbild ist oft noch kein auffälliger Untersuchungsbefund zu sehen. Die Gelenkschwellungen mit den dazugehörigen Bewegungsbehinderungen halten über Wochen an, gehen dann jedoch meist wieder zurück. In diesem Stadium ist die Diagnose manchmal noch unsicher, der weitere Verlauf ist im Einzelfall kaum vorherzusagen. In seltenen Fällen kann die Erkrankung in diesem Stadium auch zum Stillstand kommen und tritt später nicht wieder auf.
Fortschreitende Erkrankung
In aller Regel schreitet die Erkrankung jedoch fort. Zu den Gelenkschwellungen kommen erste Zeichen einer Gelenkzerstörung hinzu. Die Gelenkzerstörung ist nach Monaten zum Beispiel in Röntgenbildern oder anderen Untersuchungen nachzuweisen. Die Gelenkschwellung bleibt mit geringen Schwankungen dauerhaft bestehen, es werden ständig neue Gelenke befallen. Durch die Schwellung kommt es zu einer bleibenden Bewegungsminderung der Gelenke, die Gelenkinnenhaut verdickt sich, die Gelenkflüssigkeit nimmt zu, die Stellung der Gelenkflächen zueinander verändert sich und der Knorpel wird geschädigt.
Späte Erkrankung
Die Gelenkzerstörungen haben stetig zugenommen, Form und Stellung der Gelenke haben sich verändert, die Bewegungseinschränkung ist nicht mehr rückgängig zu machen. Teilweise sind Gelenke durch die Zerstörung aufgelöst oder knöchern miteinander verbunden (Ankylose). Die Patienten können sich nur mit Einschränkungen selbst versorgen. Manchmal sind die Gelenkschwellungen und die Schmerzen rückläufig, es kommt zu einem Ausbrennen der Erkrankung, die Gelenkveränderungen (Deformitäten) bleiben jedoch bestehen.
Behandlung schützt vor langfristigen Schäden
Unbehandelt verläuft die Erkrankung meist chronisch fortschreitend. Dennoch ist in jedem Stadium auch ein Stillstand der Erkrankung möglich. Wichtige Einflussfaktoren für den weiteren Verlauf der Erkrankung sind, neben der Aktivität der Erkrankung, der Zeitpunkt des Behandlungsbeginns, die Konsequenz, mit der eine Behandlung durchgeführt wird, deren Wirksamkeit und die aktive Mitarbeit des Patienten. Das bedeutet aber auch, dass die RA von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich verlaufen kann. Verläufe mit einem einmaligen Schub, der sich über Jahre nicht wiederholt, sind genauso denkbar wie Schübe von Gelenkentzündungen, die wenige Wochen bis Monate dauern und dazwischen keine Beschwerden machen. Ebenso gibt es Verlaufsformen mit einer ständig fortschreitenden Gelenkbeteiligung, ohne dass dazwischen Ruhephasen der Erkrankung bemerkt werden können.
Genauso können von Anfang an viele Gelenke gleichzeitig oder nur ein einziges Gelenk betroffen sein. Dementsprechend kann sich die Erkrankung ganz allmählich über Wochen bis Monate zunehmend entwickeln oder aber von einem Tag zum anderen plötzlich beginnen.
Es ist deshalb nicht unbedingt hilfreich, die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis als Schicksal zu empfinden, an dem es nichts zu ändern gibt. Im Gegenteil, diejenigen Patienten, die von Anfang an aktiv mithilfe der Ärzte gegen die Erkrankung vorgehen und möglichst frühzeitig mit einer Behandlung beginnen, haben die besten Chancen für einen günstigen Verlauf ihrer Erkrankung.

Der Ausschnitt zeigt im Detail wie Knorpel und Knochen durch die Entzündung zerstört werden.
Autor: Redaktion SpringerGesundheit
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