Krebs verhindern mit ASS, Sport und Fleischverzicht

Kein Krebs dank niedrig dosiertem Aspirin?

Expertin erklärt, für wen sich die Chemoprophylaxe mit ASS lohnt

ASS, der Wirkstoff in Aspirin, kann tatsächlich dabei helfen, Krebs vorzubeugen. Warum ältere Menschen davon mehr profitieren als jüngere und wie sich Krebs sonst noch verhindern lässt, beantwortet Krebsexpertin Cornelia Ulrich im Lifeline-Interview.

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Der Aspirin-Wirkstoff ASS könnte die Präventionsmaßnahmen gegen Krebs ergänzen - Sport und Fleischverzicht sind jedoch wirkungsvoller.
Thinkstock

Vor kurzem berichtete Lifeline über die große wissenschaftliche Arbeit zum Thema Aspirin und Krebs-Prävention. Demnach kann die tägliche Dosis Acetylsalicylsäure (ASS) das Krebsrisiko mindern. Experten bezeichnen das als Chemoprophylaxe im Gegensatz zu den bekannten Vorbeugemaßnahmen wie viel Bewegung sowie Fleisch-, Alkohol- und Nikotinverzicht.

Doch wie sieht es mit den Nebenwirkungen von ASS aus und sollten schon junge Menschen Aspirin jahrzehntelang einnehmen, um später keinen Krebs zu bekommen? Trotz der guten Studienlage bleiben viele Fragen offen. Deshalb sprach Lifeline mit Professor Cornelia Ulrich, der Direktorin für Präventive Onkologie am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen und dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

ASS: Aspirin gegen Herzleiden

Lifeline/Dr. Heart

Lifeline: Wie lässt sich das Studienergebnis zu ASS einordnen?

Professor Cornelia Ulrich: Die Studie fasst die Literatur der letzten Jahre zu ASS in der Krebsprävention und der Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen zusammen, aber auch die Nebenwirkungen. Die Gesamtrechnung deutet auf einen klaren Nutzen für Personen im Alter von 50 bis 69 Jahren hin: Das Risiko, innerhalb der nächsten 20 Jahre zu sterben, wird durch regelmäßige ASS-Einnahme um vier Prozent gesenkt.

Das Risiko von Speiseröhren-, Magen- und Darmkrebs soll mit 75 bis 100 Millgramm ASS täglich um bis zu 30 Prozent verringert werden, frühere Studien zeigten bereits, dass ASS das Bauchspeicheldrüsenkrebs-, Brust- und Hautkrebs-Risiko mindert. Wodurch lässt sich das erklären?

C. U.: Die Wirkung von ASS bei diesen geringen Dosen ist vermutlich mit einer Kombination der anti-inflammatorischen - also antientzündlichen - Effekte des Medikaments in Einklang zu bringen, zusammen mit anderen, noch nicht genau definierten Wirkmechanismen, die speziell bei dieser niedrigen Dosierung auftreten, zum Beispiel einem Einfluss auf die Blutplättchen.

Teilt Aspirin die Nebenwirkungen anderer Blutverdünner wie etwa Marcumar? Besteht also das Risiko von schweren Blutungen etwa nach einem Stoß?

C. U.: In der Dosierung von 75 bis 325 Milligramm pro Tag sind die Nebenwirkungen im Durchschnitt sehr gering und sie treten vor allem im Allgemeinen innerhalb des ersten oder zweiten Jahres der Einnahme auf. Wichtig ist Forschung, die genauer definiert, wer für Nebenwirkungen anfällig ist. In die Rechnungen der Studie wurden die negativen Effekte, vor allem im Hinblick auf Blutungen, mit einbezogen.

Bislang hieß es dennoch, das Nutzen-Risiko-Verhältnis von ASS zur Krebsprävention sei ungünstig, weil das Mittel Magenblutungen und -geschwüre auslösen kann. Die aktuelle Studie schwächt diese Einschätzung doch ab?

C. U.: Schon seit einigen Jahren deuten die inzwischen sehr überzeugenden Daten zur Krebsprävention darauf hin, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis bei niedrig dosiertem Aspirin günstig ist. Dies gilt allerdings nicht für jüngere Menschen, die noch ein geringes Krebsrisiko haben, oder für Menschen ab 70 Jahren, bei denen die potenziell auftretenden Blutungen schwerwiegender sein können. Allerdings sollte jeder oder jede vor der Einnahme mit seinem Hausarzt sprechen.

Lässt sich mit ASS also Krebs vorbeugen wie mit den bekannten Präventionsmethoden Sport und wenig Fleisch?

C. U.: Bewegung und Verzicht auf Fleisch sind auf jeden Fall noch wichtiger in der Krebsprävention als ASS – hier gibt es auch keine Nebenwirkungen und dazu noch viele weitere positive Effekte! Beispielsweise erniedrigt Bewegung das Risiko vor allem für Darm- und Brustkrebs, wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislaufsystem aus, kann Depressionen reduzieren und die Merkfähigkeit verbessern. Das ist die wahre Wunderpille!

Sieben Tipps gegen Krebs

Autor:
Letzte Aktualisierung: 11. August 2014

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