Hausmittel und Medikamente

Erkältung und Grippe bei Kindern: Das hilft Ihrem Baby oder Kleinkind

Kinder machen bis zu zehn Infekte in einer Erkältungssaison durch. Doch woran lässt sich ein harmloser grippaler Infekt von der gefährlichen Virus-Grippe unterscheiden? Welche Medikamente und Hausmittel sollten Sie parat haben und wann unbedingt einen Arzt aufsuchen?

Kind bekommt Medikamente gegen Erkältung
Fieber und Erkältung kommen oftmals über Nacht. Mit Hausmitteln können Sie erste Beschwerden lindern und Ihr Kind meist selbstständig mit extra für Kinder geeigneten Medikamenten weiterbehandeln.
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Die Nase läuft, die Stirn glüht und immer dieser Husten – zwischen September und Mai erscheint das Eltern schon fast als Normalzustand bei ihren Kindern, die sich in der Erkältungssaison beinahe nahtlos von einem Schnupfen zum nächsten schleppen. Denn während ein Erwachsener durchschnittlich vier Atemwegsinfekte pro Jahr durchmacht, gelten bei Kindern acht bis zehn grippale Infekte jährlich als normal. Sie alle sind einem noch unerfahrenen Immunsystem geschuldet und trainieren die Abwehrmechanismen des Körpers auch gegen andere Erkrankungen.

Obwohl die Symptome für Kinder jeden Alters beschwerlich sind, geht von einer Erkältung meist keine Gefahr aus, da nur die oberen Atemwege in Nase und Rachen betroffen sind und es in der Regel nicht zum bei Grippe gefürchteten Etagenwechsel mit einem Befall der Lunge und einer sich daraus entwickelnden Bronchitis oder gar Lungenentzündung (Pneumonie) kommt.

Kinderkrankheiten erkennen mit diesen Bildern

Ursachen: Darum leiden Kinder und Babys so oft an Erkältung

Die Ursachen einer Erkältung (grippaler Infekt) bei Babys und Kleinkindern sind keine anderen als bei Erwachsenen. Krankheitsauslösende Viren und Bakterien werden durch Tröpfcheninfektion übertragen, gelangen also durch Niesen ohne Handvorhalten oder offenes Husten in die Luft und werden dann von anderen eingeatmet.

Auch indirekt können die Erreger in den Körper eingeschleust werden, wenn über eine kontaminierten Oberfläche, auf der sich die Erreger über mehrere Stunden halten können, etwa die Hand die Keime aufnimmt. Dann ist es nur noch ein Frage der Zeit, bis die Erreger durch eine auch nur kurze Berührung im Gesicht und den dortigen Eintrittspforten für die Krankheitserreger – die Schleimhäute an Nase, Augen oder Mund – aufgenommen werden und es zur Infektion kommt (Schmierinfektion).

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Typische Symptome einer Erkältung bei Baby und Kleinkind

Hat sich Ihr Kind oder Baby mit einer Erkältung angesteckt, kommt es erst nach einer Inkubationszeit von zwei bis fünf Tagen zu typischen und leicht erkennbaren Symptomen:

Bahnen sich diese Symptome nicht über mehrere Tage an, sondern entstehen binnen Stunden mit hohem Fieber, ist von einer Grippe (Influenza) auszugehen. In dieser Zeit ist Ihr Kind bereits ansteckend und kann die Krankheit an die Familie oder andere Erwachsene und Kinder seiner Umgebung übertragen.

Symptome beim Baby und Kleinkind nicht immer leicht zu erkennen

Erst ab dem fünften Lebensjahr können Kinder Unwohlsein oder Schmerzen direkt mitteilen. Vorher müssen Eltern oftmals zwischen den Zeilen lesen, etwa wenn ein Kind, das sonst durchschläft, nachts plötzlich am Bett steht, anstatt zu spielen lieber schlafen möchte oder keinen Appetit hat, obwohl es eigentlich hungrig sein müsste.

Erkrankte Kleinkinder werden eher ruhig und ziehen sich zurück, wodurch sie zunächst nicht weiter auffallen. Babys hingegen teilen Ihr Unwohlsein deutlicher mit. Neben einer Nahrungsverweigerung wählt das Baby den ihm meist einzigen Weg zur Mitteilung: Es weint und schreit. Ob sich dahinter nur eine volle Windel, eine Cholik oder eine sich anbahnende Erkrankung verbirgt, ist dann allerdings schon wieder viel schwieriger zu erraten.

Achten Sie daher besonders auf die folgenden Symptome:

  • Fieber
    Bei einer Erkältung steigt die Körpertemperatur an, selten aber über 39 Grad Celsius. Bei einer Virusgrippe können schnell Körpertemperaturen von 41 Grad Celsius erreicht werden. Kinder neigen zum Fiebern, heißt es allgemein und diese Aussage beschreibt, dass Kinder häufiger Fieber bekommen als Erwachsene. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass das Immunsystem gerade aktiv wird, weil es bei höheren Temperaturen schneller funktioniert. Das Immunsystem lernt noch dazu, während das des Erwachsenen bereits reagieren kann und deshalb die Körpertemperatur nicht erhöhen muss.

  • Husten und Schnupfen
    Am Anfang läuft die Nase nur wässrig und ein Kratzen macht sich im Hals breit. Ihr Kind hustet noch trocken. Erst später wird das Sekret in der Nase dickflüssiger, bleibt aber zunächst klar. Sobald das Immunsystem greift und Viren und Bakterien unschädlich machen kann, verändert sich die Farbe des Schleims in der Nase und des Lungensekrets, das dann abgehustet wird. Ist es gelb bis grün, enthält es abgetötete Bakterien und inaktive Viren und die Erkältung wird vom Immunsystem erfolgreich bekämpft.

  • Verlegte Atmung
    Eine kleine Nase ist schnell mit Sekret verstopft und die geschwollenen Nasenschleimhäute verengen den Atemweg durch die Nase. Ihr Kind beginnt durch den Mund zu atmen und schnarcht beim Schlafen. Die Lippen trocknen aus und springen auf. Es kann zu Mundgeruch kommen.

  • Geschwollene Lymphknoten
    Lymphknoten befinden sich im ganzen Körper. Die Knoten im Bereich der Leiste, Achseln und am Hals schwellen unter ihrer erhöhten Immunaktivität an und lassen sich leicht ertasten. Ein Blick in den Rachen zeigt eine Rötung und häufig weiß-gelbliche Beläge auf der Zunge, am Gaumen und im Schlund, wo weitere als Rachenmandeln bekannten Lymphknoten sitzen.

Erkältet: Wann muss mein Kind zum Arzt?

Bei einer Erkältung helfen Mama und Papa manchmal besser als der Onkel Doktor. Eine Untersuchung beim Arzt ist in den meisten Fällen nicht notwendig und die eher lästigen als ernsthaften Symptome einer Erkältung verschwinden nach wenigen Tagen von selbst.

Halten die Beschwerden jedoch länger als drei Tage an, ohne sich zu bessern, oder sind sie besonders stark, sollten Sie einen Kinderarzt aufsuchen. Für Kleinkinder unter drei Jahren und Babys ist der Arztbesuch unbedingt notwendig bei folgenden Anzeichen:

  • Fieber über 38,5 Grad Celsius
  • unstillbares Schreien
  • unzureichendes Trinken
  • Fieber und Erbrechen treten gemeinsam auf
  • Fieberkrampf
  • Atemnot
  • plötzlich eintretende Halsschmerzen, die von hohem Fieber begleitet werden und gleichzeitig Hautausschlag in Form von kleinen Flecken (Verdacht auf Scharlach)
  • Schnupfen begleitet von Kopfschmerzen und Fieber (Verdacht auf Nasennebenhöhlenentzündung)
  • andauernder Husten mit Fieber und darüber hinaus Kopf- und Brustschmerzen
  • blutiger oder eitrig verfärbter Auswurf (gelblich, grünlich)

Welcher Arzt hilft nachts, am Wochenende oder an Feiertagen?

Außerhalb der Sprechzeiten Ihres Kinderarztes oder am Wochenende können Sie sich an den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst wenden. Diesen erreichen Sie bundesweit unter der kostenfreien Telefonnummer: 116 117

Im Notfall rufen Sie den (Kinder-)Notarzt über den Notruf: 112

Diese Hausmittel und Medikamente helfen Ihrem Kind gegen die Erkältung

Wird Ihr Kind überraschend krank, können Sie erste Symptome oftmals mit Hausmitteln behandeln. Da Infekte bei Kleinkindern aber häufig sind, sollten Sie auch einige Medikamente immer in der Hausapotheke bevorraten. Diese Mittel helfen Ihrem Kind gegen folgende Symptome einer Erkältung:

Hausmittel und Medikamente gegen Fieber

Wenn Ihr Kind plötzlich Fieber bekommt und das Verfallsdatum des Paracetamolsafts von der letzten Erkältung längst überschritten ist, sind Hausmittel gefragt. Ab einer Temperatur von 39 Grad Celsius können Sie das Fieber mit Wadenwickeln senken. Mit den Wadenwickeln soll der Körper nicht aktiv gekühlt werden, sondern durch das Verdunsten des Wassers in den Wickeln entsteht Kälte, die Ihr Kind langsam abkühlt. Außerdem würden sich kalte Wickel unangenehm bis schmerzhaft für Ihr Kind anfühlen. Die Wickel müssen daher richtig angewendet werden: Dazu ein Handtuch von etwa 120 mal 60 Zentimeter Größe zur Hälfte in lauwarmes Wasser tauchen.

Tipp der Redaktion: Ein Schuss Essig erhöht die Verdunstung und verbessert die Kühleigenschaften.

Danach wickelt man das Tuch mit der feuchten Hälfte um die Waden und der trockene Teil wird darüber gelegt. Nach außen muss der Wickel mit einer Wolldecke abgedeckt werden. Nach etwa 15 Minuten sollte er erneuert werden. Dann hat er meist Körperwärme erreicht und verliert seine Wirkung.

Erkältung bei Kindern: Die besten Tipps

Ibuprofen und Paracetamol, aber niemals Acetylsalicylsäure

Während bei Erwachsenen häufig Aspirin oder Novalgin als fiebersenkende Mittel eingesetzt werden, sind diese Wirkstoffe für Kinder ungeeignet und sogar gefährlich! Die Leber kann die Wirkstoffe nicht abbauen und kann geschädigt werden. Für Kinder sind ausschließlich Paracetamol und Ibuprofen geeignet. Die Dosierung und Tageshöchstdosis orientiert sich am Körpergewicht des Kindes und muss unbedingt eingehalten werden.

Die Wirkstoffe sind als Zäpfchen, Rektiole und für größere Kinder als Saft mit Orangen- oder Erdbeergeschmack erhältlich.

Das hilft gegen Ohrenschmerzen

Steigen Krankheitserreger aus dem Hals durch die Eustachische Röhre in das Ohr auf, kann es zur Mittelohrentzündung und damit verbundenen Ohrenschmerzen kommen. Spezielle Ohrentropfen enthalten ein Betäubungsmittel und nehmen den Schmerz. Der dahintersteckende meist bakterielle Infekt muss aber mit einem Antibiotikum behandelt werden. Deshalb ist ein Arztbesuch zwingend notwendig. Zur Linderung der Schmerzen bis dahin eignen sich warme Umschläge oder ein warmes Zwiebelsäckchen.

Schnupfen bei Babys und Kindern behandeln

Hauptsymptom und besonders lästig ist bei einer Erkältung die verstopfte und zugleich laufende Nase. Alles, was Mama und Papa dann hilft, ist nicht unbedingt für Babys empfindliche Nasenschleimhaut geeignet. Achten Sie deshalb darauf:

  • Nase freibekommen mit Nasendusche und Nasenspray
    Verwenden Sie isotonische Kochsalzlösung als Nasenspray oder bei größeren Kindern als Nasendusche. Ist die Nasenschleimhaut dafür noch zu angeschwollen, können Sie extra für Babys entwickelte Nasentropfen verwenden. Ihre Bestandteile wirken antibakteriell und abschwellend.

  • Vorsicht beim Inhalieren
    Nutzen Sie keine ätherischen Öle, wie Campher oder Menthol. Spezielle Balsame zum Einreiben von Brust, Rücken und Hals, die sich auch als Inhalationszusatz verwenden lassen, sind deutlich milder als die Produkte für Erwachsene. Zusätzlich muss Ihr Kind alt genug sein, um richtig inhalieren zu können, also durch die Nase einatmen und durch den Mund wieder aus.

  • Jede Menge Papiertaschentücher
    Stofftaschentücher sind zwar weich, aber unhygienisch. Lassen Sie größere Kinder in Papiertaschentücher schnäuzen, die dann gleich mit ihrem infektiösen Inhalt entsorgt werden. Nach dem Schnäuzen Händewaschen nicht vergessen.

  • Nase auch von außen schützen
    Damit die Nase nicht rot und wund vom Schnäuzen wird, gibt es mit Aloe vera oder anderem Balsam getränkte Papiertaschentücher. Ein Einreiben der Nase mit Vaseline oder Wundcreme schützt ebenso.

Den Husten stillen oder zähen Schleim lösen?

Kinderärzte empfehlen in der Regel keine Hustensäfte, da sie das Abhusten von Schleim und den darin gebundenen Bakterien verhindern. Aber mit einer durchwachten Nacht aufgrund eines bellenden, trockenen Hustens ist niemandem geholfen. Soweit Sie Hustensaft verwenden möchten, muss es unbedingt ein für Kinder geeigneter Hustensaft sein. Präparate für Erwachsene enthalten meist Alkohol und sind für Kinder schädlich.

Tagsüber sollte Ihr Kind viel trinken, um die Schleimhäute feucht zu halten, die bei der Schleimproduktion viel Flüssigkeit verlieren. Dadurch wird der Schleim weniger zäh und lässt sich leichter abhusten. Warme Kräutertees sind hier besonders geeignet, bei Säuglingen wird der fast universell einsetzbare Fencheltee empfohlen.

Auszug aus der "KinderApotheke" von LandIDEE: Spitzwegerich-Sirup gegen Husten selber machen!

Zutaten:

  • frische Spitzwegerichblätter (unversehrte Blätter, nicht direkt vom Wegrand)
  • Honig in etwa der gleichen Menge

Zubereitung:

Die sauberen Spitzwegerichblätter und den Honig abwechselnd in ein mittelgroßes Schraubglas schichten. Mit einer Schicht Honig so abschließen, dass die Blätter des Heilkrauts ganz bedeckt sind. Die Mischung etwa zwölf Wochen lang kühl und dunkel stehen lassen, dann durch ein Sieb abgießen. Der Sirup ist bei Husten altbewährt und etwa ein Jahr haltbar.

Anwendung:

Kinder nehmen zwei bis drei Teelöffel am Tag.

Immunsystem stärken: Tipps, um Erkältung beim Kind vorzubeugen

Einige Faktoren im Alltag schwächen das Immunsystem, lassen sich jedoch oft vermeiden:

Stress

Fehlt dem Kind ein Tagesrhythmus, ist es morgens schon gehetzt beim Fertigmachen für Schule oder Kindergarten und sind die Nachmittage mit außerschulischen Aktivitäten voll verplant? Stress lässt die Funktionsfähigkeit des Immunsystems leiden. Überfordern Sie Ihr Kind nicht.

Schlafmangel

Am Abend läuft Eltern schnell einmal die Zeit davon. Achten Sie dennoch darauf, dass Ihr Kind die altersentsprechenden Schlafzeiten einhalten kann.
Die Tabelle zeigt eine aktuelle Empfehlung, die allerdings nur als Orientierungshilfe dient. Die individuellen Bedürfnisse des Kindes müssen stets berücksichtigt werden.

Falsche Kleidung

Kälte Hände steigert das Risiko an einer Erkältung zu erkranken. Achten Sie deshalb immer darauf, dass Ihr Kind Mütze, Schal und – beim Spielen im Schnee – Handschuhe trägt und Stiefel und Socken oder Strumpfhose es warm halten. Gleiches gilt für Babys, die im Winter in einem gefütterten Kinderwagensack am besten aufgehoben sind.

Nach dem Spielen muss die Kleidung dann wieder ausgezogen und getrocknet werden: Feuchte Textilien führen zum Frieren und Thermokleidung in geheizten Innenräumen zum Schwitzen. Beides erhöht das Risiko für eine Erkältung.

Hygiene-Tipps gegen Erkältung

Gleichzeitig gibt es aber auch einige Verhaltensmaßnahmen, die Ihr Kind ganz selbstständig beachten und erlernen sollte, um noch besser vor Erkältungsviren gewappnet zu sein. Hygiene spielt dabei eine herausragende Rolle.

Hier die besten Tipps auf einen Blick, die Sie Ihrem Kind möglichst frühzeitig vermitteln sollten:

  • Oberstes Gebot: Händewaschen! Und zwar am besten mehrmals täglich für jeweils mindestens 20 Sekunden mit warmem Wasser und Seife. Vor allem nach dem Spielen im Freien, nach dem Toilettengang und vor dem Essen ist Händewaschen Pflicht. Gehen Sie am besten mit gutem Beispiel voran und sorgen Sie dafür, dass das Händewaschen zur Selbstverständlichkeit wird.

  • Obst vor dem Essen immer gut abwaschen – denn auch hier können Viren lauern.

  • Abstand halten! Sind andere Kinder in der Kindergartengruppe oder Klasse erkältet, dann ist jetzt ein wenig Distanz gefragt. Raufen und Knuddeln hinten anstellen und zum Beispiel auch nicht aus demselben Saftbecher trinken.

  • Besser Papiertaschentücher als Stofftaschentücher verwenden (siehe oben). Denn diese können nach einmaligem Gebrauch entsorgt werden – und das sollten sie auch!

Noch ein Tipp, mit dem man andere vor Erkältungsviren schützen kann: nicht in die Hand, sondern in die Armbeuge niesen. So werden die Viren nicht über das Anfassen von Stiften, Türklinken, Fernbedienung & Co. verteilt.

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