Forscher schlagen Alarm

Paracetamol schuld an steigenden Asthmahäufigkeiten bei Kindern?

Paracetamol ist seit Jahrzehnten ein beliebtes Schmerzmittel bei Kindern und gilt als sicher und nebenwirkungsarm. Nun weisen Daten aus großen epidemiologischen Studien auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Paracetamolgabe und Asthmaerkrankungen bei Kindern hin.

Paracetamol ist seit Jahrzehnten ein beliebtes Schmerzmittel bei Kindern und gilt als sicher und nebenwirkungsarm. Nun weisen Daten aus großen epidemiologischen Studien auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Paracetamolgabe und Asthmaerkrankungen bei Kindern hin.

Jahrzehnte ist es mittlerweile her, dass die Anwendung von Aspirin bei Kindern durch das Auftreten des sogenannten Reye-Syndroms, einer lebensbedrohlichen Komplikation mit entzündlichen Reaktionen von Gehirn und Leber, in Verruf geraten ist. Seither ist der Gebrauch von Paracetamol, einer als sicher und nebenwirkungsarm geltenden Alternative, enorm angestiegen. Allerdings machen Forscher nun darauf aufmerksam, dass im entsprechenden Zeitraum auch die Häufigkeit von Asthma bei Kindern angestiegen ist. Große epidemiologische Studien legen den Schluss nahe, dass zwischen beiden Entwicklungen ein ursächlicher Zusammenhang besteht. Erhielten Kindern zwischen sechs und sieben Jahren mindestens einmal pro Monat Paracetamol, war das Risiko für Asthma mehr als dreifach erhöht. Etwa 40 Prozent der schweren Asthmasymptome bei Kindern könnten den Studien zufolge auf die Einnahme von Paracetamol zurückzuführen sein. Dieser Verdacht beruht nicht nur auf der rückwirkenden Analyse bereits vorhandener Daten, auch eine aktuelle Studie der Universität Boston an Kindern im Alter von sechs Monaten bis zwölf Jahren erhärtet den Verdacht: Unter Medikation mit Paracetamol mussten die Kinder doppelt so häufig wegen Asthmasymptomen den Arzt aufsuchen wie unter dem alternativ wirksamen Mittel Ibuprofen

Nach Schätzungen des US-amerikansichen Kinderlungenfacharztes John T. McBride ließe sich die Asthmahäufigkeit bei Kindern daher um 20-40 Prozent senken, wenn auf den Einsatz von Paracetamol verzichtet würde. Zwar stehe der endgültige Beweis eines ursächlichen Zusammenhangs noch aus, doch sollte bis zum Beweis des Gegenteils dennoch möglichst auf den Einsatz von Paracetamol bei Asthma-gefährdeten Kindern verzichtet werden. Hier, so McBride, gelte es nach dem aus dem Hippokratischen Eid bekannten Prinzip des „Primum non nocere“ zu handeln: Zuvorderst nicht zu schaden. Dies gelte umso mehr, als mit Ibuprofen eine günstige und geeignete Alternative zur Verfügung stehe.

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Letzte Aktualisierung: 30. Januar 2012
Quellen: Der Hausarzt; 20/11; S. 29, bs / Pediatrics 2011; doi: 10.1542/peds.2011-1106