Schwach wirksames Opioid

Tramadol: Wirkung und Nebenwirkungen des Schmerzmittels

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Als schwach wirksames Opioid hat Tramadol einen festen Platz in der Schmerztherapie. Verglichen mit anderen Wirkstoffen dieser Gruppe ist es gut verträglich und hat ein geringeres Risiko für Abhängigkeiten. Wie wirkt das Schmerzmittel und welche Nebenwirkungen treten häufig auf?

Frau nimmt Tablette ein
© Getty Images/d3sign

Tramadol zählt zu den Opioidanalgetika, also Substanzen, die morphinartig wirken und in der Schmerzbehandlung eingesetzt werden. Mit Tramadol können mäßig starke bis starke Schmerzen gelindert werden. Im Vergleich zu anderen Opioiden hat der Wirkstoff zwar ein geringeres Potenzial für Abhängigkeiten, dennoch sollte das Schmerzmittel nur so lange wie nötig angewendet werden.

Artikelinhalte im Überblick:

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Was ist Tramadol?

Der Wirkstoff Tramadol ist ein schwach wirksames Opioid, dessen Wirkstärke nur etwa ein Zehntel von Morphin erreicht. Deshalb zählt es in Deutschland nicht zu den Betäubungsmitteln (BtM) und fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Im Körper bindet Tramadol an verschiedene Opioidrezeptoren und hemmt die Wiederaufnahme der beiden Hormone und Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin. Dadurch entfaltet das Opioid seine schmerzstillende (analgetische) und stimmungsaufhellende Wirkung. Daneben wirkt Tramadol auch hustenstillend (antitussiv), jedoch ohne die Atmung zu unterdrücken.

Tropfen, Tabletten, Zäpfchen: Darreichungsformen von Tramadol

Der Wirkstoff Tramadol ist unter dem Handelsnamen Tramal® bekannt und in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich: Als Tablette, Kapsel, Tropfen, Injektionslösung oder Zäpfchen. Dadurch kann das Schmerzmittel oral eingenommen oder lokal in die Vene (intravenös), in den Muskel (intramuskulär) oder unter die Haut (subkutan) mit der Spritze injiziert werden.

Indikationen zur Anwendung von Tramadol

Das zentral wirksame Tramadol wird im Rahmen der Schmerztherapie eingesetzt. Gemeinsam mit den schmerzstillenden Wirkstoffen Tilidin, Naloxon und Dihydrocodein ist es im Stufenplan der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Schmerztherapie auf Stufe zwei von insgesamt drei eingeordnet. Diese Arzneimittel zählen alle zu den niederpotenten Opioidanalgetika, sind also schwach wirksam verglichen mit Morphin, das eines der stärksten Opioide ist.

Medikamente mit Tramadol sind verschreibungspflichtig und werden von einem Arzt oder einer Ärztin verordnet. Ihre Dosierung richtet sich nach der Schmerzstärke. In der Regel erhalten Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahre drei- bis viermal täglich eine einzelne Dosis von 50 bis 100 mg.

Kontraindikationen: Wann darf Tramadol nicht eingesetzt werden?

Bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegen Tramadol darf der*die Arzt*Ärztin den Wirkstoff nicht verschreiben. Werden bereits Beruhigungsmittel (Sedativa) eingenommen, darf Tramadol ebenfalls nicht verwendet werden. Andernfalls steigt das Risiko für eine Atemdepression und Koma bis hin zum Tod, da die zentral dämpfende Wirkung verstärkt werden kann. Auch zur Einnahme von MAO-Hemmern (beispielsweise zur Behandlung von Depressionen) muss mindestens ein Abstand von 14 Tagen liegen, da sonst ein Serotoninsyndrom entstehen kann. Der Symptom-Komplex kommt durch die Anhäufung von Serotonin im Körper zustande.

Bei einer akuten Vergiftung mit Alkohol, Schlafmitteln, Schmerzmitteln, Opioiden und Psychopharmaka darf Tramadol ebenfalls nicht eingenommen werden. Das gilt auch für Menschen mit Epilepsie und die eine medikamentös unterstützte Suchttherapie (Drogensubstitution) durchlaufen. Da der Wirkstoff über die Nieren ausgeschieden wird, müssen Nierenfunktionsstörungen berücksichtigt und die Dosis bei Bedarf reduziert werden.

Während der Schwangerschaft sollte das plazentagängige Tramadol möglichst nicht eingenommen werden. Andernfalls besteht die Möglichkeit von Entzugserscheinungen beim neugeborenen Baby. Auch in der Stillzeit ist das Schmerzmittel kontraindiziert. Bei akuten Schmerzen kann nach ärztlicher Rücksprache gegebenenfalls Paracetamol oder Ibuprofen verwendet werden.


Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Am häufigsten berichten Patient*innen unter der Einnahme von Tramadol über Übelkeit und Schwindel. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind:

Auch zu Wechselwirkungen bei der gleichzeitigen Einnahme von anderen Medikamenten kann es kommen:

  • Carbamazepin zur Behandlung von epileptischen Anfällen: Kann die Konzentration von Tramadol im Serum reduzieren

  • Cumarin-Derivate wie der Gerinnungshemmer Warfarin: Steigerung der INR-Werte und kleinflächige Blutungen in der Haut (Ekchymosen) möglich

  • Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), trizyklische Antidepressiva, Neuroleptika: Möglicherweise werden Krampfanfälle ausgelöst

  • 5-HT3-Antagonisten wie das Antiemetikum Ondansetron: Kann den Bedarf an Tramadol steigern, vor allem bei Schmerzen nach einer Operation

Da Tramadol über die Leber mit Beteiligung der Enzyme CYP2D6 und CYP3A4 erfolgt, kann die gleichzeitige Einnahme von CYP3A4-Inhibitoren wie Erythromycin die Verstoffwechselung des Schmerzmittels beeinträchtigen.

Hinweise zur Einnahme von Tramadol

Durch die Anwendung von Tramadol können Müdigkeit, Schläfrigkeit und Schwindel auftreten. Deshalb sollte während der Behandlung mit dem Arzneimittel nicht aktiv am Straßenverkehr teilgenommen werden und auch keine Maschinen bedient werden.

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