HWS oder LWS

Bandscheibenvorfall: meist ist Operation vermeidbar

Bei einem Bandscheibenvorfall durchbricht der Gallertkern der Bandscheibe die umgebende Hülle und rutscht aus seiner ursprünglichen Position. Das Gewebe kann auf die Nerven drücken und Schmerzen verursachen. Nur in schweren Fällen ist eine Operation notwendig, meist genügen nicht-operative Behandlungen.

Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps)
Ein Bandscheibenvorfall tritt häufig im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS), seltener an der Halswirbelsäule (HWS) auf. Trotz oft heftiger Schmerzen muss nur in schweren Fällen operiert werden.
© iStock.com/PeopleImages

Ein Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) kann jeden treffen. Einen sogenannten Diskusprolaps erleiden am häufigsten 30- bis 60-jährige Menschen, die viel sitzen, wenig Sport treiben oder schwere Lasten heben. Aber auch junge, sportliche Personen können von Bandscheibenschäden betroffen sein. Bei einem Bandscheibenvorfall durchbricht der Gallertkern der Bandscheibe die umgebende Bindegewebshülle und rutscht aus seiner ursprünglichen Position. Das Gewebe kann auf Nerven oder das Rückenmark drücken und Schmerzen sowie Nervenschäden verursachen.

Bandscheibenvorfälle können an allen Bereichen der Wirbelsäule stattfinden. Da die Druckbelastung in der Lendenwirbelsäule am größten ist, treten dort die meisten Bandscheibenschäden auf. Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) kommen etwa zehnmal häufiger vor, als in der Halswirbelsäule. Die Brustwirbelsäule (BWS) ist mit unter drei Prozent der Fälle am seltensten von einem sogenannten Bandscheibenvorfall BWS betroffen. 

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Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall?

Bandscheiben werden durch die Gewebsflüssigkeit mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, da sie nicht durchblutet werden. Die Grundvoraussetzung für die ausreichende Versorgung der Bandscheiben ist ein Wechsel von Belastung und Entlastung. Ohne Druck kann eine Bandscheibe Gewebsflüssigkeit aufnehmen und unter Belastung gibt sie diese, angereichert mit Stoffwechselabfallprodukten, wieder ab. Dieser Kreislauf kann durch einseitige Druckbelastung (zum Beispiel ständiges Sitzen) oder einer andauernden Entlastung (beispielsweise bei Bettlägerigkeit) gestört werden. Die Bandscheibe wird dann nicht ausreichend ernährt und geschädigt. Bei einer vorgeschädigten Bandscheibe kann es dann spontan oder durch eine stärkere Belastung zu einem Bandscheibenvorfall kommen.

Bei einem Bandscheibenvorfall reißt der bindegewebige Faserring der Bandscheibe. Somit kann der Gallertkern aus seiner ursprünglichen Position rutschen und drückt auf das benachbarte Gewebe. Je nachdem, in welche Richtung der Diskusprolaps erfolgt, drückt der ausgetretene Kern auf die Nervenwurzeln, die an den Wirbelkörpern das Rückenmark verlassen oder auf das Rückenmark. Schmerzen und Nervenstörungen sind die Folge.

Ist der Faserring der Bandscheibe nicht gerissen, kann sich auch die komplette Bandscheibe vorwölben. Bei dieser Bandscheibenvorwölbung spricht man von einer Bandscheibenprotrusion. Lösen sich Teile des Gallertkerns ab und treten in den Rückenmarkskanal, nennt man das Bandscheibensequestration.

Bandscheibenvorfall grafische Darstellung
"A herniated (slipped or ruptured) disc, side (top) and top (left) views. Shown is a ruptured.disc (with the nucleus coming out of the annulus) pushing into the spinal canal, leading to pressure on the spinal cord and root nerve."
© iStock.com/JFalcetti, Lifeline

Symptome eines Bandscheibenvorfalls

Oft erfahren Betroffene nur durch Zufall von ihrem Bandscheibenschaden. Untersuchungen ergaben, dass 50 von 100 Untersuchten eine symptomlose Bandscheibenvorwölbung (Diskusprotrusion) hatten, ohne dass der Faserring beschädigt war. Bei etwa 20 von 100 untersuchten Patienten hatte der Bandscheibenkern die Hülle teilweise durchbrochen oder war sogar ins umliegende Gewebe gerutscht, ohne Beschwerden zu verursachen.

Schmerzen im Bereich des Rückens können nicht nur durch Bandscheibenschäden ausgelöst werden. Muskelverspannungen, Entzündungen, Abnutzungserscheinungen, Blockaden des Iliosakralgelenks (Gelenk zwischen Kreuzbein und Becken) sowie neurologische Erkrankungen können ebenfalls Rückenschmerzen auslösen. Ein Bandscheibenvorfall verursacht erst dann spürbare Probleme, wenn die verrutschte Bandscheibe gegen Nervenwurzeln, Rückenmark oder die Nervenfasern der sogenannten Cauda equina der Wirbelsäule drückt.

Rückenschmerzen als Anzeichen für einen Bandscheibenvorfall

Ein Hexenschuss (Lumbago) kann auf eine geschädigte Bandscheibe hinweisen. Im Gegensatz zu „normalen Rückenschmerzen“, kommt es bei der Lumbago zu plötzlich einschießenden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im unteren Rücken, die bis ins Bein ausstrahlen können. Bewegungen können diese starken Schmerzen verschlimmern. Ist ein Diskusprolaps der Grund für den Hexenschuss, kann es zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln (Ameisenlaufen) und Lähmungserscheinungen kommen. Niesen, Husten oder Pressen verstärkt diese Schmerzen erheblich und kann einschießendes Kribbeln (Elektrisieren) im Versorgungsgebiet des betroffenen Nerves auslösen. 

Je nachdem, wie stark ein Bandscheibenvorfall ist und in welche Richtung der Gallertkern austritt, können unterschiedliche Nervenstrukturen eingeengt werden: 

Bandscheibenvorfall LWS: Druck auf die Nervenwurzel

Der Druck auf die Nervenwurzeln erzeugt starke Schmerzen, die im Bereich der Halswirbelsäule bis in die Arme und bei einem Prolaps in der Lendenwirbelsäule in die Beine ausstrahlen können. Betroffene haben oft ein kribbelndes oder taubes Gefühl in Armen oder Beinen. Einzelne Muskeln können in ihrer Kraft geschwächt oder sogar ganz gelähmt sein. Im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule kann sich, durch Reizung des Ischiasnerven, eine sogenannte Ischialgie entwickeln. Es bestehen dann Schmerzen, die vom Gesäß über die Rückseite des Oberschenkels bis hinunter in den Fuß strahlen, sowie neurologische Probleme wie Lähmung und Taubheitsgefühl. 

Bandscheibenvorfall HWS: Druck gegen das Rückenmark

Drückt der Bandscheibenvorfall gegen das Rückenmark, so handelt es sich um einen schweren Prolaps. Bei einem sogenannten Bandscheibenvorfall HWS drückt die Bandscheibe auf das Rückenmark der Halswirbelsäule, es kommt zu Schmerzen, Muskelschwäche und Taubheitsgefühlen in den Armen und bei sehr ausgeprägten Fällen zu Beschwerden in den Beinen. Dann ist eine unverzügliche ärztliche Behandlung unvermeidbar. 

Beim Bandscheibenvorfall LWS in der Lendenwirbelsäule, kommen zu den Rückenschmerzen meist Taubheitsgefühle und Muskelschwäche in den Beinen sowie Blasenentleerungsstörungen hinzu, was auf einen medizinischen Notfall hindeutet. Nur eine sofortige Behandlung kann in solchen Fällen bleibende Schäden verhindern. 

Cauda-Syndrom: Druck gegen den Pferdeschweif

Beim sogenannten Cauda-Syndrom, kommt es zu einer Kompression des Nervenfaserbündels der unteren Lendenwirbelsäule. Dort ist das Rückenmark zu Ende und die Nervenfasern bilden den sogenannter Pferdeschweif (Cauda equina). Bei einem Bandscheibenvorfall in diesem Bereich kann es zu Gefühlsstörungen im Genital- und Analbereich sowie zwischen den Oberschenkeln kommen. Man spricht von Reithosenanästhesie. Zusätzlich kann der Betroffene die Kontrolle über den Blasen- und der Darmschließmuskel verlieren. Ein Cauda-Syndrom ist ebenfalls ein Notfall und nur durch schnellstmögliche Entlastung der Nervenfasern können bleibende Schäden wie anhaltende Blase- und Stuhlinkontinenz verhindert werden. 

In den meisten Fällen liegt ein halbseitlicher (mediolateraler) oder seitlicher (lateraler) Bandscheibenvorfall vor. Beim halbseitlichen Prolaps ist der ausgetretene Gallertkern zwischen die Zwischenwirbellöcher und den Rückenmarkskanal gerutscht. 

Ein seitlicher Bandscheibenvorfall ist daran erkennbar, dass der Gallertkern zur Seite weggerutscht ist und in die Zwischenwirbellöcher (foramina intervertebraila) austritt. Wenn er dabei auf die Nervenwurzel der betreffenden Seite drückt, resultieren einseitige Beschwerden. 

Seltener liegt ein medialer Bandscheibenvorfall vor: Die gallertartige Masse des Bandscheibenkerns tritt hier mittig nach hinten in Richtung Spinalkanal (Rückenmarkskanal) aus und kann direkt auf das Rückenmark drücken.

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Ursache eines Bandscheibenvorfalls ist oft Altersverschleiß

Bandscheibenvorfälle kommen hauptsächlich bei Menschen vor, die jünger als 60 Jahre sind. Bei älteren Personen hat der Gallertkern, aufgrund der natürlichen Alterung und durch Wasserverlust viel von seiner Elastizität verloren. Dadurch kommt es seltener dazu, dass dieser austritt oder verrutscht.

Es gibt viele Gründe für einen Bandscheibenvorfall. Ursachen sind meist eine alters- und belastungsbedingte Abnutzung des Bindegewebsringes, der den Gallertkern umgibt. Es reicht dann teilweise eine leichte Belastung, damit dieser einreißt und der Gallertkern austritt.

Neben dem Lebensalter sind eine schwache Rumpfmuskulatur, Bewegungsmangel, Haltungsfehler, Übergewicht, schwere körperliche Arbeit sowie ruckartige Bewegungen und Erschütterungen (besonders bei bestimmten Sportarten wie Tennis, Squash, Reiten oder Mountainbiking) Risikofaktoren für Bandscheibenvorfälle.

Verletzungen, Unfälle, angeborene Fehlstellungen der Wirbelsäule und eine ererbte Bindegewebsschwäche können ebenfalls zur Entstehung eines Bandscheibenvorfalls beitragen.

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Diagnose des Bandscheibenvorfalls: So geht der Arzt vor

Bei Rückenschmerzen sind die ausführliche Befragung des Betroffenen (Anamnese) sowie die körperliche und neurologische Untersuchung meist sehr aussagekräftig und sollten zuerst durchgeführt werden. In vielen Fällen ist dies ausreichend um festzustellen, ob ein Bandscheibenvorfall Symptome verursacht und wo sich dieser befindet. Sogenannte bildgebende Verfahren sind dann nötig, wenn die Beschwerden sehr ausgeprägt sind und die Notwendigkeit einer Bandscheibenvorfall-Operation geklärt oder eine andere Ursache für die Beschwerden ausgeschlossen werden müssen. 

  • Anamnese: Dabei wird der Erkrankte ausführlich zu seinen Beschwerden, dem Auslöser der Rückenprobleme und möglichen Hinweisen auf Nervenbeteiligungen befragt. Besonders wichtig sind dabei Hinweise auf Rückenmarks- oder Pferdeschweif-Kompression, wie beispielsweise Harn- und Stuhlinkontinenz oder Verschlimmerung der Beschwerden durch Husten, Niesen oder Pressen. 

  • Körperliche und neurologische Untersuchung: Neben dem Betrachten, Abtasten und Abklopfen der betroffenen Wirbelsäulenabschnitte, sind vor allem die Überprüfung der Reflexe, der Beweglichkeit der Wirbelsäule sowie der Empfindsamkeit der Haut auf verschiedene Reize (Sensibilitätsprüfung) wichtige Untersuchungen. 

  • Bildgebende Verfahren: Untersuchungsmethoden wie Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) mit und ohne Kontrastmittel können direkten Aufschluss über das Vorliegen von Bandscheibenschäden sowie deren Ausmaß geben. Je nach Untersuchungsart können so knöcherne Wirbelsäulenanteile (CT) und weiche Strukturen, wie Bandscheiben oder Nervengewebe (MRT), sichtbar gemacht werden.

Bildgebende Verfahren werden häufig zur Absicherung der Diagnose ausgeführt. Sie sind dann unverzichtbar, wenn Lähmungen in einem oder beiden Beinen auftreten, Harnblasen- oder Stuhlinkontinenz besteht oder die Beschwerden trotz Behandlung nicht besser werden. Auch wenn der Verdacht besteht, dass Tumoren oder starke Entzündungen die Beschwerden auslösen, sind bildgebende Verfahren zwingend notwendig.

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Therapie: Muss ein Bandscheibenvorfall operiert werden?

Bandscheibenvorfälle die keine Beschwerden verursachen, müssen nicht therapiert werden und sind ohnehin Zufallsbefunde. In den allermeisten Fällen können auch Bandscheibenvorfälle die Symptome auslösen, konservativ (ohne Operation) behandelt werden. Die Langzeitergebnisse operativer und konservativer Behandlungen unterscheiden sich im Allgemeinen nicht voneinander. Bei einer konservativen Bandscheibenvorfall-Behandlung geht es um die Linderung von Schmerzen, die Verbesserung von Fehlhaltungen und die Wiederherstellung der Alltagsfähigkeit. 

In bestimmten Fällen sollte aber schnellstmöglich eine Operation durchgeführt werden. Bestehen ein Cauda-Syndrom, Lähmungen oder Harn- beziehungsweise Stuhlinkontinenz, muss das Nervengewebe schnell entlastet werden, damit es sich erholen kann. Dann dient die Operation nicht der Schmerzlinderung, sondern der Rettung des Nervengewebes.

Medikamente

Es gibt verschiedene Medikamente, welche bei einem Bandscheibenvorfall Symptome lindern, Schmerzen bekämpfen, entkrampfend wirken und Entzündungen hemmen. Häufig eingesetzte Wirkstoffgruppen sind:

  • Nicht-steroidale Antiphlogistika wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac haben eine schmerzlindernde, entzündungshemmende und abschwellende Wirkung 

  • Reine Schmerzmittel wie beispielsweise Paracetamol wirken schmerzstillend und sind eine Alternative für Patienten, die nicht-steroidale Antiphlogistika nicht vertragen

  • Muskelrelaxantien entspannen die Muskulatur

  • Kortikoide wirken entzündungshemmend und können dadurch Schmerzen lindern

  • Opioide wie Morphin oder Tramadol sind sehr starke Schmerzmittel, die nur unter ärztlicher Kontrolle angewendet werden dürfen

  • Antikonvulsiva sind eigentlich Medikamente gegen Epilepsie, helfen aber auch gegen Nervenschmerzen

  • Einige Antidepressiva sind auch für die Schmerzbehandlung zugelassen 

Physikalische Therapie

In der Akutphase wird Physiotherapie zur Schmerzlinderung angewendet. Stufenlagerung der Beine auf einem Würfel entlastet oft die Lendenwirbelsäule, manuelle Mobilisation, Schlingentisch, Elektrotherapie mit niederfrequenten Reizströmen, Wärmeanwendungen und Hochfrequenztherapien können Schmerzen meist reduzieren. Sind die ersten Beschwerden abgeklungen, ist das nächste Ziel der Physiotherapie die Kräftigung von Rücken- und Bauchmuskulatur, um die Wirbelsäule und somit die Bandscheiben zu entlasten. In sogenannten Rückenschulprogrammen lernen die Betroffenen, die Wirbelsäule im Alltag zu schonen und Rückenschmerzen vorzubeugen. 

Infiltrationsverfahren

Sind die Schmerzen nicht durch die üblichen Medikamente in den Griff zu bekommen, stellen Infiltrationsverfahren eine Alternative zur Operation dar. Bei der periduralen Infiltration (PDI) oder der periradikulären Therapie (PRT) werden unter CT-Kontrolle schmerzstillende, entzündungshemmende und gewebsverödende Medikamente millimetergenau an die schmerzende Nervenwurzel gespritzt. 

Chirurgische Verfahren

Eine Bandscheiben-OP kann notwendig sein, wenn die konservative Therapie nicht ausreichend angeschlagen hat oder ein Notfall vorliegt. Vor allem Lähmungserscheinungen und Störungen der Blasenentleerung müssen meist schnell operativ behandelt werden.

  • Bei minimal invasiven Verfahren werden über einen kleinen Hautschnitt ein Endoskop sowie mehrere Instrumente an die Wirbelsäule herangeführt. So kann die Bandscheibe ganz oder teilweise abgetragen werden. Diese Verfahren eignen sich insbesondere bei einfachen und sehr frischen Bandscheibenvorfällen und können ambulant durchgeführt werden.

  • Bei der Laserabtragung der Bandscheibe werden durch kurze Lichtblitze Teile der Bandscheibe gezielt verdampft und so ihr Volumen verringert. Dieses Verfahren eignet sich ebenfalls hauptsächlich für frische und einfache Bandscheibenvorfälle und bedarf nur einer kurzen Krankenhaus-Verweildauer.

  • Bei einer Chemonukleolyse wird der Gallertkern der Bandscheibe durch ein Enzym (Chymopapain) verflüssigt und danach abgesaugt. Dieses Verfahren kommt nur bei vollständig intaktem Faserring infrage und wird deshalb selten angewendet.

  • Durch die perkutane Nukleotomie wird der Gallertkern unter CT-Kontrolle abgesaugt, ohne ihn vorher zu verflüssigen. Diese ambulante Operation kann nur bei unkomplizierten Bandscheibenvorfällen angewandt werden.

  • Offene Bandscheibenchirurgie: Unter Vollnarkose muss bei der offenen Bandscheibenoperation die Stelle des Bandscheibenvorfalls freigelegt werden. Dazu müssen Teile von Muskeln und unter Umständen auch von Wirbelkörpern entfernt werden. Es besteht die Gefahr der Nerven- und Blutgefäßschädigung, von Entzündungen und Verwachsungen. Aufgrund dieser Gefahren werden offene Bandscheibenoperationen trotz guter Erfolgsquoten nur dann durchgeführt, wenn keine Alternative zur Verfügung steht.

  • Versteifung der Wirbelsäule (Spondylodese): Diese erweiterte offene Bandscheibenoperation wird bei schweren Bandscheibenvorfällen oder bei Instabilität eines Wirbelsäulenabschnittes nach einer vorangegangenen Bandscheibenoperation angewandt. Durch unterschiedliche Verfahren werden mehrere Wirbelkörper knöchern miteinander verbunden. Außer den üblichen Operationsrisiken hat dieses Verfahren den Nachteil, dass die Beweglichkeit der Wirbelsäule unter Umständen nach der Operation merklich eingeschränkt ist. Die Spondylodese ist ein relativ häufiger Eingriff, der dann durchgeführt wird, wenn chronische Beschwerden nicht anders gelindert werden können.

  • Künstliche Bandscheibe: Eine künstliche Bandscheibe ist ein Implantat beispielsweise aus Titan, das eine faserige oder spröde gewordene Bandscheibe ersetzt. Sie ermöglicht eine Drehbewegung, welche die natürlichen Bewegungen der Wirbel nachahmt. Die Implantation eines Titanimplantats ist eine sehr neue Methode der Bandscheibenoperation und wird überwiegend bei Patienten unter 60 Jahren angewandt.

Prognose beim Bandscheibenvorfall oft sehr gut

Die Aussichten, nach einem akuten Bandscheibenvorfall wieder völlig beschwerdefrei zu werden, ist im Allgemeinen sehr gut. In 90 Prozent der Fälle haben sich nach sechs Wochen die Beschwerden durch einen Bandscheibenprolaps spürbar gebessert oder sind ganz verschwunden. Dies erklärt man sich dadurch, dass der Körper den ausgetretenen Gallertkern entweder teilweise auflöst oder so verschiebt, dass kein Druck mehr auf Nervengewebe, Rückenmark oder andere Strukturen ausgelöst wird. Diesen natürlichen Vorgang können geeignete Therapien unterstützen und beschleunigen.  

Die Gefahr besteht vielmehr darin, dass es häufig zu erneuten Bandscheibenbeschwerden im gleichen Wirbelsäulenabschnitt oder auch an anderen Stellen kommen kann. Insbesondere jüngere Patienten erleben oft einen stetigen Wechsel zwischen beschwerdefreien Zeiten und akuten Schmerzen. Ältere Menschen neigen eher dazu, dass die Rückenschmerzen durch einen Bandscheibenvorfall chronisch werden und in unterschiedlicher Stärke dauerhaft spürbar sind.

Wie schnell und gut sich die Beschwerden nach einem Prolaps bessern und insbesondere wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines neuen Diskusprolapses ist, hängt entscheidend vom Verhalten des Betroffenen ab. Rückengerechtes Verhalten im Alltag und am Arbeitsplatz, sowie stetiges Kräftigen der Rücken- und Bauchmuskulatur durch Sport, Krankengymnastik oder in Rückenschulen haben deutlichen Einfluss darauf, ob die Rückenprobleme wiederkommen oder nicht.

Anders sieht es bei schweren Verläufen aus, bei denen eine Operation unumgänglich ist. Hier gibt es wenig Möglichkeiten, den wahrscheinlichen Verlauf genauer vorherzusagen. Es gibt zahlreiche Fälle, in denen die Operation nicht zur erhofften Schmerzfreiheit führt, obwohl der Eingriff erfolgreich verlief. Beim sogenannten Postdiskektomie-Syndrom kommt es nach der Operation zu Schmerzen durch Entzündungen und Narbenbildungen im Operationsgebiet, Problemen durch Nerven- Muskel- und Blutgefäßverletzungen oder Bandscheibenvorfällen in benachbarten Wirbelsäulenabschnitten. Vielfach ziehen diese Beschwerden dann erneute Operationen nach sich.

Bandscheibenvorfall vorbeugen – so klappt es!

Bandscheibenveränderungen sind mit zunehmendem Alter natürliche Ereignisse und lassen sich nicht verhindern. Obwohl eine große Zahl dieser Bandscheibenschäden symptomlos bleibt, ist es für jeden Menschen sinnvoll, etwas für seinen Rücken zu tun und die Auswirkungen altersbedingter Verschleißerscheinungen abzumildern. Oft fragt man sich nach einem Bandscheibenvorfall: was tun? Die nachfolgenden Ratschläge sind gültig, egal ob Sie schon einen Bandscheibenvorfall hatten oder einen solchen verhindern wollen: 

Bewegung im Alltag

Da Bandscheiben Nährstoffe und Wasser aus dem umliegenden Gewebe aufnehmen, sind sie auf Bewegung angewiesen. Durch ein richtiges Maß zwischen Be- und Entlastung können sich die Bandscheiben gut versorgen. Bewegungsmangel sowie Überbeanspruchung begünstigen dagegen die Gefahr des Bandscheibenvorfalls. 

Wechselnde Sitzpositionen, regelmäßige Änderungen der Körperhaltung sowie häufiges Herumgehen lassen sich leicht in den Alltag integrieren und tun den Bandscheiben gut.

Stärkung von Rücken- und Bauchmuskulatur

Mit einer starken Muskulatur des Rumpfes, entlang der Wirbelsäule sowie kräftigen Bauchmuskeln wird die Wirbelsäule stabilisiert und somit die Bandscheiben entlastet. Man sollte nach einem Bandscheibenvorfall Übungen machen. Gezieltes Krafttraining, Wirbelsäulengymnastik, Schwimmen sowie spezielle Rückenschulen helfen dabei, diese Muskeln gezielt zu kräftigen. Yoga, Tai-Chi, Qigong oder Pilates helfen nicht nur dabei sich zu entspannen, sondern stärken die Muskulatur von Rumpf und Rücken. Es kommt zu einer Verbesserung von Beweglichkeit, Bewegungskoordination und Körperhaltung. 

Körpergewicht reduzieren

Übergewicht kann die Wirbelsäule belasten, besonders wenn es mit einer schwachen Rücken- und Bauchmuskulatur kombiniert ist. Eine Gewichtsreduktion kann daher zur Entlastung der Bandscheiben beitragen.

Rückengerechtes Verhalten

Im Alltag treten viele Situationen auf, in denen man durch richtiges Verhalten die Bandscheiben schonen kann. 

  • Schwere Lasten sollten nicht aus dem Rücken, sondern aus den Beinen heraus angehoben, immer auf beide Arme verteilt und dicht am Körper getragen werden. 

  • Beim Sitzen sollte man auf eine aufrechte Sitzposition achten, sowie nicht zu tief und nicht zu weich sitzen. 

  • Nach Möglichkeit sollte am Arbeitsplatz auf genügend Bewegung und rückengerechte Einrichtung geachtet werden.

  • Eine gute Matratze, bei welcher der Härtegrad dem Körpergewicht entspricht, sowie ein Lattenrost können dafür sorgen, dass im Schlaf die natürliche Form der Wirbelsäule unterstützt wird.

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