Alarmsignale auf der Toilette

Was der Stuhlgang verrät

Der Stuhlgang ist ein Spiegelbild dafür, wie gesund wir sind. Er sagt nicht nur etwas darüber aus, ob das Verdauungssystem intakt und die Ernährung ausgewogen ist. Farbe, Geruch und Konsistenz des Stuhls können außerdem Hinweise auf ernste Erkrankungen liefern.

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Stuhlgang hat jeder und an der Darmentleerung ist nichts anrüchig. Der Arzt will zur Diagnose oft genaue Informationen über unsere Ausscheidungen haben.
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Häufigkeit des Stuhlgangs, Beschaffenheit, Geruch, Farbe – für den Arzt sind diese Merkmale wichtige Hinweise zur Diagnose verschiedener Erkrankungen. Wer mit Verdauungsproblemen zum Arzt geht, muss deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zu seinem Stuhlgang Auskunft geben.

Stuhlgang: Das verraten Ihnen Farbe und Konsistenz

Bei den meisten verschwindet, was da hinten rauskommt, jedoch ungesehen und fix im Abwasser. Doch am Stuhlgang ist nichts anrüchig oder peinlich. Ab und an sollte jeder einen kurzen Blick in die Toilettenschüssel wagen, um sich zu vergewissern, dass mit den eigenen Exkrementen alles in Ordnung ist. Lifeline sagt, was normal ist in Sachen Stuhl – und bei welchen Alarmsignalen Sie zum Arzt gehen sollten.

Was ist normal beim Stuhlgang?

Der Stuhl ist ein Produkt unserer Verdauung. Er besteht normalerweise zu rund 75 Prozent aus Wasser. Der Rest sind Darmbakterien, unverdaute Nahrungsbestandteile, Darmsekrete sowie Farbstoffe der Galle. Kot hat normalerweise eine braune Farbe. Es können nahezu alle Brauntöne auftreten. Die braune Farbe des Stuhls wird durch den Stoff Sterkobilin verursacht. Dieser entsteht, wenn die Gallenflüssigkeit im Darm abgebaut wird.

Unsere Darmausscheidungen werden maßgeblich von dem bestimmt, was wir an Nahrung aufnehmen. Deshalb kann der Stuhl bei jedem Menschen etwas anders aussehen. Sehr heller, gelber Stuhl wird zum Beispiel ausgeschieden, wenn viele Milchprodukte verzehrt werden – wie das zum Beispiel bei Säuglingen der Fall ist.

Bei Menschen, die viel Fleisch essen, nimmt der Stuhl eine dunkelbraune Farbe an. Nach dem Verzehr von Roten Beten, Rotwein, grünem Gemüse wie Spinat, Kürbis, Karotten oder Blaubeeren kann der Stuhl auch schon einmal eine "Signalfarbe" annehmen und ist dann weinrot, grün, orange oder fast schwarz gefärbt. Das alles ist nicht besorgniserregend – wenn es nicht dauerhaft auftritt.

Wie ist normaler Stuhl beschaffen?

Normal und gesund ist ein weicher, geschmeidiger und dennoch geformter Stuhl. Je nachdem, wie viel Flüssigkeit und Ballaststoffe man mit der Nahrung aufgenommen hat, kann der Stuhl etwas weicher oder fester sein. Die Menge an Stuhl, die ein gesunder Mensch täglich ausscheidet, beträgt zwischen 100 und 300 Gramm. Vegetarier scheiden wegen der vielen Ballaststoffe in der Nahrung durchschnittlich etwas mehr aus. Nach sehr reichlichen Mahlzeiten kann der Darm in Einzelfällen pro „Sitzung“ auch einmal bis zu 1.000 Gramm Stuhl loswerden.

Durch die Einnahme von Medikamenten können sich Farbe und Beschaffenheit des Stuhls verändern. In Frage kommende Medikamente und dadurch bedingte Stuhlveränderungen sind zum Beispiel

  • Antibiotika – heller, gelblicher mitunter auch grünlicher Stuhl, der weicher ist als normal

  • Eisenpräparate – schwarzbrauner Stuhl

  • Kohlepräparate – schwarzbrauner Stuhl

  • Röntgenkontrastmittel – sehr heller, fast weißer Stuhl

Schleim auf dem Stuhl ist ganz normal. Er wird vom Darm produziert, um die Passage der Exkremente zu erleichtern. Auch unverdaute Nahrung im Stuhl ist in den meisten Fällen kein Alarmsignal – wenn es nicht ständig auftritt.

Stuhlgang Infografik Anni Rehm Hörzu Gesundheit
Mit freundlicher Genehmigung entnommen aus Hörzu Gesundheit 2/2016. Illustration: A. Rehm

Zehn Alarmsignale im Stuhlgang

Treten jedoch Veränderungen der Farbe, des Geruchs oder der Beschaffenheit des Stuhls über mehrere Tage hinweg auf, können diese Anzeichen für Erkrankungen des Verdauungssystems sein. Bei diesen Alarmsignalen sollte deshalb ein Arzt aufgesucht werden:

  • Schwarzer Stuhl ist ein Anzeichen dafür, dass viel Blut fast vollständig verdaut wurde. Bei schwarzen Stühlen stammt dieses Blut aus dem oberen Verdauungstrakt und deutet auf eine Blutung der Speiseröhre, der Magenschleimhaut oder des Zwölf-Finger-Darms hin.

  • Blut im Stuhl, rotbrauner Stuhl:  Aufliegendes, helles Blut ist ein Anzeichen, dass es Verletzungen oder Entzündungen im Bereich des Dickdarms und Enddarms gibt. Das können kleine, harmlose Fissuren (entstanden zum Beispiel durch harten Stuhl oder Analsex) sein, aber auch Hämorrhoiden (mehr zu Hämorrhoidalleiden auf unserem Spezialportal). Ist der Stuhl rotbraun marmoriert und von Blut durchzogen, weist das auf eine Blutung im unteren Dickdarmbereich hin. Bei Blutungen im oberen Dickdarm nimmt der Stuhl eine dauerhafte und gleichmäßige rotbraune Färbung an. Im Gegensatz dazu ist okkultes Blut im Stuhl – ein Symptom für Darmpolypen – mit bloßem Auge nicht zu erkennen, sondern nur durch eine Laboruntersuchung der Stuhlprobe.

  • Bei grau-lehmfarbigem Stuhl fehlt der typische Farbstoff, der den Stuhl braun färbt. Die Farbe deutet auf eine Funktionsstörung von Galle oder Leber hin oder kann Symptom eines Tumors der Bauchspeicheldrüse sein.

  • Grüner Stuhl ist, wenn er von heftigem Durchfall begleitet wird, ein deutliches Anzeichen für eine Infektion mit Salmonellen.

  • Fettstühle oder Fett im Stuhl:  Normalerweise wird Fett aus unserer Nahrung fast vollständig verdaut. Ist der Stuhl jedoch fettglänzend, klebrig, stark schmierend oder auch aufgeschäumt, kann das ein Hinweis auf  eine Störung der Fettverdauung sein. Mögliche Ursachen dafür sind eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder Gallensteine. Fettstuhl ist jedoch auch ein Anzeichen für Glutenunverträglichkeit.

  • Form des Stuhls: Werden beim Stuhlgang regelmäßig auffällig dünne und lange, bleistift- oder bänderartige Würste ausgeschieden, kann dies ein Hinweis auf eine Verengung des Darms sein. Als Ursache hierfür kommen zum Beispiel Tumore im Dickdarm, Verwachsungen oder große Darmpolypen in Frage.

  • Übel riechender Stuhl: Normaler Stuhl riecht immer. Je nachdem, was man gegessen hat, kann das Aroma durchaus strenger sein. Ist der Stuhlgeruch jedoch auf Dauer extrem unangenehm, beißend oder faulig, deutet das auf eine ernsthafte Störung des Verdauungsvorgangs hin. Ursache dafür können Erkrankungen wie Zöliakie, Morbus Crohn, Mukoviszidose, eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder ein Tumor derselben sein.

  • Eine dauerhafte Verstopfung ist für die meisten nur lästig – sollte jedoch vom Arzt abgeklärt werden: Ursache hierfür ist oft Bewegungsmangel oder eine ballaststoff- und flüssigkeitsarme Ernährung. Eine Verstopfung kann aber auch ein Anzeichen für Reizdarmsyndrom, Darmschwäche oder eine krankhafte Verengung des Darms durch Tumore, Verwachsungen oder Narbengewebe sein.

  • Auch bei anhaltendem Durchfall ist schon wegen der Gefahr der Dehydrierung medizinische Hilfe sinnvoll und notwendig. Infektionen mit Viren, Bakterien oder Parasiten können in einer Stuhlprobe nachgewiesen werden.

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Wie entnimmt man eigentlich eine Stuhlprobe, wenn man ein Tiefspül-Klosett hat? Gibt es Unterschiede im Stuhlgang zwischen Männern und Frauen? Wie stark darf ich bei der Darmentleerung pressen? Fragen und Antworten rund um den Stuhlgang gibt es in unserer Bildergalerie.

15 Fragen zum Stuhlgang

Autor:
Letzte Aktualisierung: 01. Oktober 2014

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Expertenrat Verstopfung
    Schleim im Stuhl
    31.10.2010 | 04:58 Uhr

    Hallo, habe ein Problem was mir langsam Sorgen bereitet. Habe seit längerer Zeit über...   mehr...

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