Ursachen und Behandlung der Zystitis

Verschleppte Blasenentzündung: Wenn der Harnwegsinfekt nicht weggeht

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Eine verschleppte Blasenentzündung kann nachhaltig die Nieren schädigen, Schmerzen im Rücken sind ein erster Hinweis. Wie es zu einer Verschleppung kommt und wann bei einer Blasenentzündung ärztliche Hilfe einzuholen ist, lesen Sie hier.

Verschleppte Blasenentzündung: Nierenschmerzen typisch
© Getty Images/Prostock-Studio

Die akute Blasenentzündung gehört zu den häufigsten Infektionen überhaupt. "In 95 Prozent aller Erkrankungen sind Frauen betroffen", erklärt Christian Albring vom Berufsverband der Frauenärzte. Der Grund ist, dass bei Frauen die Harnröhre kürzer ist als beim Mann. Zudem liegt bei Frauen der Harnröhrenausgang nah am After. "Beim Mann ist eine Blasenentzündung fast immer mit einer Entzündung der Prostata verbunden", ergänzt Wolfgang Bühmann, Sprecher des Berufsverbands der Deutschen Urologen.

Blasenentzündungen werden in der medizinischen Fachsprache "akute Zystitis" genannt und meist durch Keime hervorgerufen, davon wiederum am häufigsten durch Bakterien, weit seltener aber auch von Pilzen und Viren. "Häufigste Ursache ist die Verschleppung von Bakterien aus dem Darm zur Harnblase", erläutert Albring.

Im Überblick:

Blasenentzündung: Über diese 13 Mythen sollten Sie Bescheid wissen!

Ursachen und Risikofaktoren: Wieso sich die Blase entzündet

Häufigste Ursache einer Blasenentzündung sind durch die Harnröhre aufsteigende Darmkeime, wie Escherichia coli. Risikofakoren für die Entzündung sind:

  • Kälte und Nässe
  • hormonelle Veränderungen im Zuge der Wechseljahre (Östrogenmangel)
  • geschwächtes Immunsystem
  • Stoffwechselstörungen (Diabetes)
  • falsche Toilettenhygiene (von hinten nach vorne wischen nach dem Toilettengang)

"Schleimhautschäden im Intimbereich durch wiederholte Infektionen, zum Beispiel Pilzinfektionen, sind weitere Risikofaktoren", erläutert Albring.

Geringe Trinkmenge erhöht das Risiko

Er weist darauf hin, dass viele Frauen mit zunehmendem Alter immer weniger trinken. "Dadurch werden erstens aufsteigende Keime beim Wasserlassen nicht herausgespült, und zweitens wird die Blasenschleimhaut durch den konzentrierteren und damit aggressiveren Urin zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen."

Sex begünstigt eine Blasenentzündung bei Frauen

Auch eine sogenannte Honeymoon-Zystitis macht Frauen nicht selten zu schaffen. Übersetzt bedeutet das "Flitterwochen-Blasenentzündung". Daran erkranken können Frauen, die sehr häufig Geschlechtsverkehr haben. "Zu der Entzündung kommt es durch eine dauerhafte mechanische Beanspruchung der Schleimhaut im Intimbereich", erläutert Albring. Dadurch wird es Darmbakterien erleichtert, in den Harntrakt aufzusteigen und sich in der Schleimhaut einzunisten.

Vorbeugen können Frauen der Honeymoon-Zystitis, indem sie möglichst unmittelbar nach dem Sex auf die Toilette gehen und die Blase entleeren. So werden dann möglicherweise vorhandene Keime ausgespült.

Beschwerden lindern können zum einen "pflanzliche Arzneimittel, die auch ohne Rezept erhältlich sind", sagt Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Aber: "Schwangere, Männer, Kinder sowie Frauen mit chronischer Blasenentzündung sollten schon bei den ersten Beschwerden zum Arzt gehen", rät sie.

Verschleppte Blasenentzündung vermeiden

Gleiches gilt auch dann, wenn sich Blut im Urin befindet oder Betroffene Schmerzen im unteren Rückenbereich haben. Auch trüber Urin ist ein Warnsignal. Verschrieben wird dann in aller Regel ein Antibiotikum. Unbehandelt besteht die Gefahr der Verschleppung und dass die Keime aus der Blase dann über die Harnleiter aufsteigen und die Nieren befallen. "Im schlimmsten Fall kann dies zu bleibenden Nierenschäden führen", warnt Urologe Bühmann.

Normalerweise dauert die Therapie mit einem Antibiotikum zwischen drei und zehn Tagen. Patient*innen sollten unbedingt die ärztlichen Anweisungen befolgen und das Präparat so lange einnehmen, wie es verordnet wurde. "Sonst kann der Infekt wiederkehren", sagt Sellerberg. Sie empfiehlt, eine Dosis des Antibiotikums vor dem Schlafengehen einzunehmen. "Dann kann es über Nacht seine volle Wirkung entfalten."


Mythen zur Zystitis: Klobrillen und Schwimmbad sind unschuldig

Als unwahrscheinlich gilt, dass man sich mit den auslösenden Bakterien auf einer Toilette infiziert, die zuvor jemand mit Blasenentzündung aufgesucht hat. Keime, die sich möglicherweise noch in der Toilettenschüssel befinden, können schließlich "nicht springen", erklärt Bühmann.

Ebenfalls unwahr ist dem Urologen zufolge die weit verbreitete Annahme, die Keime für eine Blasenentzündung könne man sich in einem Schwimmbecken holen: "Das in dem Wasser befindliche Chlor tötet Bakterien ab."

Dagegen ist es möglich, dass feuchtes Badezeug, das nach dem Schwimmen nicht gewechselt wird, die Intimregion auskühlen lässt und den Abwehrmechanismus schwächt. Das kann die Entstehung einer Blasenentzündung begünstigen. Tabu sollte auch das Sitzen auf einem kalten Untergrund sein.

Richtige Wischtechnik nach Toilettengang schützt vor Blasenentzündung

Grundsätzlich kann man einer Blasenentzündung vorbeugen, indem man viel trinkt und die Blase regelmäßig leert. Außerdem sollte man gerade im Winter nicht zu knappe Baumwollunterwäsche tragen, um den Unterleib gut gegen Minustemperaturen zu schützen. Auch die Füße hält man besser warm. Außerdem sehr wichtig, um Schmierinfektionen in Richtung der Blase zu vermeiden. "Der Analbereich sollte immer von vorne nach hinten gesäubert werden, um ein Eindringen von Darmbakterien in die Harnröhre zu verhindern", betont Bühmann.

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