Häufige Nebenwirkung

Arzneimittelexanthem: Was tun bei Hautreaktionen durch Medikamente?

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Als Arzneimittelexanthem werden Nebenwirkungen von Medikamenten auf die Haut oder Schleimhaut bezeichnet. Meist klingen sie wenige Tage nach Absetzen der auslösenden Arzneimittel ab, es sind aber auch schwerere Reaktionen möglich. Welche Medikamente können einen Ausschlag verursachen und was hilft?

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© Shutterstock/wisely

Hautausschläge gehören zu den häufigsten unerwünschten Begleiterscheinungen von Medikamenten. Arzneimittelexantheme machen etwa 15 Prozent aller Nebenwirkungen aus. Sie können sich in jedem Alter entwickeln, das Risiko steigt aber mit zunehmendem Alter und je mehr Medikamente eingenommen werden müssen. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Artikelinhalte im Überblick:

Hautausschlag: Welche Krankheit steckt dahinter?

Was ist ein Arzneimittelexanthem?

Bei einem Arzneimittelexanthem handelt es sich um eine Hautreaktion auf bestimmte Inhaltsstoffe eines Medikaments. Zu einem solchen Ausschlag (Exanthem) kann es bei Arzneimitteln kommen, die innerlich aufgenommen werden, etwa in Form von Tabletten oder Spritzen. Ebenso ist eine Reaktion bei äußerlich angewandten Medikamenten wie Salben, Pudern oder Lösungen möglich.

Typisch für ein Arzneimittelexanthem ist der zeitliche Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten. Hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Hautreaktionen meist erst mehrere Stunden bis Tage oder Wochen nach Beginn der medikamentösen Therapie auftreten. Nach Absetzen der Medikamente bessern sich die Beschwerden in der Regel rasch wieder, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen.

Mögliche Symptome eines Arzneimittelexanthems

Arzneimittelreaktionen können den gesamten Körper betreffen (generalisierte Form) oder nur an bestimmten Körperstellen auftreten (lokalisierte Form). Oft zeigen sie sich zunächst am Rumpf und breiten sich dann auf Arme und Beine aus. Das Erscheinungsbild von Arzneimittelexanthemen ist sehr unterschiedlich. Zu den möglichen Symptomen gehören:

Meist erinnert der Ausschlag an Hautveränderungen, wie sie bei Scharlach, Masern oder Röteln typisch sind. In einigen Fällen löst auch erst die Kombination der Medikamenteneinnahme mit Sonneneinstrahlung entsprechende Hautreaktionen aus.

Sonderformen des medikamentenbedingten Hautausschlags

Fachleute unterscheiden mehrere Arten von Arzneimittelexanthemen, unter anderem:

  • Fixes Arzneimittelexanthem: Etwa 30 Minuten bis acht Stunden nach Einnahme des Arzneimittels zeigen sich zumeist runde bis ovale Flecken mit einem Durchmesser von zwei bis zehn Zentimetern, die sich mit der Zeit dunkel verfärben und erst nach einigen Tagen bis Wochen abheilen.

  • Toxisches Pustoloderm: Bei der Hautveränderung, die auch akute generalisierte exanthematische Pustulose (AGEP) genannt wird, bilden sich stark juckende, rote Verfärbungen mit Pusteln in den Arm- und Beinbeugen und zwischen den Fingern und Zehen.

  • Erythrodermie: Es handelt sich um eine schwere Entzündung, bei der der gesamte Körper gerötet ist. Die Hautreaktion kann lebensbedrohlich verlaufen und erfordert eine stationäre Behandlung.

  • DRESS-Syndrom: Ein bis acht Wochen nach der medikamentösen Therapie kommt es zu einem großflächigen Hautausschlag. Zudem können sich Organe wie die Nieren, Leber oder Schilddrüse entzünden.

  • Erythema exsudativum multiforme: Hierbei handelt es sich um die schwerste Form allergischer Medikamentennebenwirkungen. Es kommt zur Bildung von großen Blasen und der Ablösung großer Hautareale mit Schmerzen und schweren Allgemeinreaktionen wie Fieber. Ist weniger als zehn Prozent der Hautfläche betroffen, sprechen Fachleute von dem sogenannten Steven-Johnson-Syndrom (SJS), bei einer Fläche von mehr als 30 Prozent ist von der toxischen epidermalen Nekrolyse (TEN) beziehungsweise dem Lyell-Syndrom die Rede.

Ursachen: Wie entsteht ein Arzneimittelexanthem?

Unverträglichkeiten gegenüber Medikamenten können auf eine Arzneimittelallergie zurückzuführen sein. In etwa 80 Prozent der Fälle handelt es sich allerdings um bekannte Nebenwirkungen des Medikaments. Es wird zwischen nicht-allergischen und allergischen Arzneimittelexanthemen unterschieden.

Nicht-allergisches Arzneimittelexanthem

Viele unerwünschte Reaktionen auf Arzneimittel sind unvermeidlich und gehören ebenso zu den Wirkungen eines Medikaments wie die erwünschten (therapeutischen) Wirkungen. Sie können auftreten, wenn

  • die Dosis zu hoch ist,
  • Patient*innen ungewöhnlich empfindlich auf ein Mittel reagieren oder
  • es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommt.

Oft ist auch von einer "Pseudoallergie" die Rede, da die Symptome denen einer Allergie stark ähneln. Das Immunsystem ist aber nicht an der Hautreaktion beteiligt.

Allergisches Arzneimittelexanthem

Eine allergische Hautreaktion entsteht, wenn das Immunsystem ein Arzneimittel als Fremdstoff einstuft und eine Abwehrreaktion gegen diesen entwickelt. Diese sogenannte Sensibilisierung muss nicht beim Erstkontakt entstehen. Es ist möglich, dass Patient*innen ein Arzneimittel mehrmals problemlos anwenden, bis sie plötzlich allergisch darauf reagieren.

Meist handelt es sich bei der allergischen Reaktion um einen Spättyp, das bedeutet, dass die Reaktion des Körpers erst verzögert einsetzt. Es kann mehrere Tage bis Wochen dauern, bis sich der Hautausschlag entwickelt. Manchmal tritt er auch erst auf, wenn das Medikament bereits wieder abgesetzt wurde. Eine Arzneimittelallergie tritt unabhängig von der Dosierung auf.

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Welche Medikamente verursachen ein Arzneimittelexanthem?

Grundsätzlich können alle Arzneimittel, inklusive pflanzlicher Präparate, zu Nebenwirkungen in Form von Hautausschlägen führen. Bei einigen besteht jedoch ein deutlich höheres Risiko als bei anderen. Zu den häufigsten Auslösern für Arzneimittelexantheme gehören Antibiotika, vor allem Penicillin.

Weitere Medikamente, die Hautreaktionen hervorrufen können, sind:

Neben dem pharmakologischen Wirkstoff des Arzneimittels können ebenfalls Zusatzstoffe (beispielsweise Stabilisatoren, Geschmacks- oder Farbstoffe) Auslöser von Unverträglichkeitsreaktionen sein.

So wird das Arzneimittelexanthem diagnostiziert

Nur in wenigen Fällen erkennt der*die Dermatolog*in sofort, dass es sich um ein Arzneimittelexanthem handelt. Denn für das Erscheinungsbild der Haut kommen meist verschiedene Erkrankungen infrage. Zentraler Baustein der Diagnose ist daher eine ausführliche ärztliche Befragung (Anamnese). Dabei sind beispielsweise folgende Fragen von Interesse:

  • Wann und unter welchen Umständen traten die Hauterscheinungen auf?

  • Welche Medikamente wurden über welchen Zeitraum eingenommen?

  • Sind Medikamentenallergien bekannt und solche oder ähnliche Hauterscheinungen schon einmal aufgetreten?

  • Um welche Wirkstoffe beziehungsweise Präparate hat es sich gehandelt?

Im Rahmen der körperlichen Untersuchung wird die gesamte Haut (einschließlich des behaarten Kopfes und der Genitalregion) sowie die einsehbaren Schleimhäute betrachtet.

Weitere Untersuchungmethoden

Oft genügen diese Informationen und das entsprechende Hautbild, um eine Diagnose zu stellen. Bei Unsicherheit stehen dem*der Mediziner*in weitere Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Blutuntersuchung: Wenn unklar ist, ob es sich bei einer Hauterscheinung um eine Allergie oder ein anderes Krankheitsbild der Haut handelt, können Blutproben auf Anzeichen einer allergischen Reaktion untersucht werden.

  • Epikutantest: Der*die Arzt*Ärztin bringt kleine Mengen von potenziell auslösenden Substanzen auf die Haut. Kommt es zu einer Unverträglichkeitsreaktion, bestätigt dies die Vermutung.

  • Provokationstest: In diesem Fall wird das im Verdacht stehende Medikament gezielt verabreicht und die Reaktionen beobachtet. Diese Methode birgt allerdings ein erhebliches gesundheitliches Risiko und darf nur unter strenger ärztlicher Kontrolle durchgeführt werden.

Wie wird ein Arzneimittelexanthem behandelt?

Die wirkungsvollste Behandlung besteht darin, das auslösende Medikament abzusetzen. Meistens klingen die Beschwerden dann innerhalb von zwei bis drei Wochen wieder ab. Wenn das im Verdacht stehende Medikament nicht abgesetzt werden kann, ist mit einem Fortbestehen der Beschwerden zu rechnen.

In diesem Fall muss die Notwendigkeit der Gabe des Medikamentes gegen die Schwere der Nebenwirkung abgewogen werden. Diabetiker*innen können beispielsweise nicht auf die Gabe von Insulin verzichten, selbst wenn sich eine Insulinallergie mit Hauterscheinungen entwickeln sollte. Wenn sich die allergische Reaktion aber gegen Zusatzstoffe in dem Insulinpräparat richtet, ist es möglich, auf ein anderes zu wechseln.

Zusätzlich können Arzneimittel zur Linderung von Symptomen wie Juckreiz verabreicht werden. Hier kommen vor allem sogenannte Antihistaminika zum Einsatz, welche die Wirkung von Histamin, das für allergische Reaktionen verantwortlich ist, unterdrücken.

Andere Hautveränderungen werden mit Kortison behandelt, das wirkungsvoll bei allergischen und entzündlichen Reaktionen ist. Wenn weniger als 20 Prozent der Körperoberfläche betroffen sind, kann die Behandlung mittels Cremes oder Salben erfolgen, bei großflächigerem Befall sollten Tabletten eingenommen werden.

In sehr schweren Fällen, beispielsweise bei einem Lyell-Syndrom, ist eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich.

Arzneimittelexanthem lässt sich häufig vorbeugen

Patient*innen, bei denen es bereits in der Vergangenheit zu allergischen Reaktionen oder Exanthemen in Verbindung mit Medikamenten kam, sollten ihre*n Ärztin*Arzt darüber informieren. Zudem kann es sinnvoll sein, stets einen Allergiepass bei sich zu tragen. Dadurch können Mediziner*innen auch in Notfällen, wenn Betroffene beispielsweise nicht ansprechbar sind, rasch entscheiden, welche Medikamente sie verabreichen können – und welche nicht.

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