Pseudoallergie

Kälteallergie: Hautausschlag und Quaddeln durch Kälte

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Quaddeln, Rötung und Hautausschlag: Bei der seltenen Kälteallergie – auch Kälteurtikaria – führen niedrige Temperaturen zu allergischen Symptomen. Bei starker Kälteexposition droht sogar ein lebensbedrohlicher anaphylaktischer Schock. Welche Ursachen es für die Kälteallergie gibt und was dagegen hilft.

Kälteallergie: Was tun bei Kälteurtikaria
©Getty Images/Jordan Siemens

Die Kälteurtikaria wird aufgrund ihrer Symptomatik umgangssprachlich oftmals als Kälteallergie bezeichnet. Dabei handelt es sich bei der durch Kälte ausgelösten Nesselsucht nicht wirklich um eine Allergie, sondern um eine sogenannte Pseudoallergie.

Artikelinhalt im Überblick:

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Was ist eine Kälteallergie?

Die Kälteallergie ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für eine physikalische Form der Nesselsucht (Urtikaria). Dazu gehört auch die Wärmeurtikaria, bei der es bei hohen Temperaturen zu Beschwerden kommt. Daneben gibt es beispielsweise auch eine Licht-Urtikaria oder eine durch Reibung ausgelöste physikalische Nesselsucht.

Bei einer echten allergischen Reaktion schüttet der Körper bei Kontakt mit einem Allergen (meist ein Protein) Histamin und andere entzündliche Stoffe aus, die für die typischen Beschwerden verantwortlich sind. Vermittelt wird diese Antwort des Immunsystems über spezielle Antikörper, die Immunglobuline E. Sie docken nach einem Erstkontakt mit dem späteren Allergieauslöser an Zellen (Mastzellen oder Mastozyten) des Immunsystems an. Dies wird auch als Sensibilisierungsphase bezeichnet. Bei erneutem Kontakt mit dem entsprechenden Allergen bindet dieses an die Antikörper, was eine plötzliche Zerstörung der Mastozyten (Degranulation der Mastzellen) zur Folge hat. Es kommt zu allergischen Beschwerden.

Bei einer Kälteallergie, die den Pseudoallergien zugeordnet wird, kommt es ebenfalls zu einer Freisetzung von Histamin und entsprechenden Symptomen. Auslöser ist aber kein Allergen, das an Antikörper bindet. Mastzellen werden bei dieser Form der Nesselsucht durch Temperaturreize zerstört. Was genau die Degranulation der Zellen verursacht, ist bislang nicht eindeutig geklärt.

Welche Symptome sind bei einer Kälteallergie typisch?

In aller Regel sind bei einer Kälteallergie nur die Körperstellen betroffen, die der Kälte ausgesetzt sind. Im Winter zeigt sich die Kälteurtikaria besonders an freiliegenden Stellen, etwa der Hand oder im Gesicht. Auch die Füße und der Hals sind oftmals betroffen. Aber auch die Schleimhäute können manchmal durch die Pseudoallergie anschwellen. Die Symptome können direkt bei Kontakt mit der Kälte oder auch erst beim Aufwärmen entstehen.

Urtikaria ist nicht nur der Name einer Erkrankung, in der Botanik beschreibt er zudem die Brennnessel: Kontakt mit der Pflanze löst ähnliche Beschwerden aus. Typisch für eine Kälteallergie sind demnach Beschwerden der Haut, also ein Ausschlag mit Juckreiz und Quaddeln. Sie sind die Folge der Mastzelldegranulation, durch welche vermehrt Flüssigkeit ins Gewebe abgegeben wird, was wiederum Schwellungen (Angioödeme) begünstigt.

Allergischer Schock durch Kälte

In der Regel ist die seltene Kälteallergie nicht gefährlich, der Hautausschlag tritt nach Kälteexposition nur an begrenzten Körperstellen wie der Hand auf. Allerdings können manche Situationen wie der Sprung in einen kalten See, bei welchen der gesamte Körper oder zumindest große Hautflächen mit der Kälte in Kontakt kommen, einen lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock (allergischer Schock) auslösen. Dann können die großen Mengen an freigesetztem Histamin zu einer systemischen Reaktion führen, also den gesamten Körper und die Organe betreffen. Mögliche Folgen sind unter anderem eine mangelnde Durchblutung bestimmter Organe wie den Nieren und dem Gehirn, wodurch beispielsweise ein Kreislaufstillstand oder eine Ohnmacht ausgelöst werden kann.

Auch zu kalte Getränke oder der Genuss kalter Lebensmittel wie Speiseeis können lebensbedrohliche Komplikationen nach sich ziehen, wenn es zu einer Schwellung der Mundschleimhäute und des Rachens kommt, wodurch die Atemwege verengt oder ganz blockiert sind.

Kälteallergie: Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache für die Entstehung der Kälteurtikaria ist nicht bekannt, allerdings gibt es Risikofaktoren, die mit der Entstehung der Erkrankung in Verbindung gebracht werden.

Das Alter spielt beispielsweise eine Rolle, so tritt die Kälteallergie vorwiegend bei jungen Erwachsenen das erste Mal auf. Die Erkrankung ist nicht angeboren. Auch das Geschlecht hat Auswirkungen auf das Risiko, Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.

Obwohl die Temperatur, bei der sich Symptome zeigen, individuell stark variiert (bei manchen kommt es bei 20 Grad zu der Nesselsucht, bei anderen erst bei Minusgraden), spielt das allgemeine Klima der Umgebung eine große Rolle: In kalten Regionen der Welt, etwa in Skandinavien, tritt die Erkrankung häufiger auf als in warmen Klimazonen.

Daneben können auch andere bestehende Allergien sowie Infektionskrankheiten, das Risiko für die Kälteallergie erhöhen. Die physikalische Form der Nesselsucht tritt häufig auf bei Menschen mit:

Auch verschiedene Atemwegserkrankungen stehen im Verdacht, die Pseudoallergie auszulösen. Werden die Krankheiten behandelt, können sich die Beschwerden der Kälteurtikaria verbessern oder in manchen Fällen auch ganz verschwinden.

Daneben gelten manche Medikamente als Auslöser der physikalischen Urtikaria, vor allem nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen und Diclofenac könnten das Risiko für die Kälteallergie erhöhen. Aber auch ACE-Hemmer und hormonelle Verhütungsmittel wie die Antibabypille stehen im Verdacht.

Diagnose: Wie wird eine Kälteurtikaria festgestellt?

Die richtige Anlaufstelle bei Verdacht auf eine Kälteallergie kann eine allergologische oder dermatologische Praxis sein.

Wichtig für die Diagnose ist es, zum einen mögliche Ursachen festzustellen, wie auch die auslösende Temperatur zur ermitteln, ab der es zu den Allergiesymptomen kommt. In einem Anamnesegespräch werden Vorerkrankungen und vorliegende Allergien erfragt. Zudem müssen die Situationen, in denen die Beschwerden auftreten, und deren Häufigkeit genau analysiert werden.

Zur Untersuchung kann ein Bluttest notwendig sein, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen. Zudem wird häufig ein Kälte-Provokationstest durchgeführt, um die auslösende Schwellentemperatur festzustellen. Dazu werden in der Regel gekühlte Armbänder angelegt und die Reaktion der Haut dokumentiert.

Therapie: Wie wird eine Kälteallergie behandelt?

Am wichtigsten bei der Behandlung einer Kältetherapie ist es, alle Körperpartien stets angemessen warm zu halten und diese keinen niedrigen Temperaturen auszusetzen. Wärmende Kleidung wie Handschuhe, gefütterte Schuhe und dicke Jacken sind nicht nur im Winter wichtig – je nach allergieauslösender Temperatur ist die Schutzkleidung auch bei gemäßigten Temperaturen zu tragen. Das Gesicht kann etwa mit einer Maske oder einem schützenden Tuch beziehungsweise Schal bedeckt werden.

Bei Operationen und der Verabreichung einer Infusion ist stets darauf zu achten, dass die Temperatur der intravenös verabreichten Medikamente über der Schwellentemperatur der Urtikaria liegt beziehungsweise Körpertemperatur hat. So können gefährliche Komplikationen verhindert werden. Das Anästhesiepersonal ist vor einem Eingriff über die Erkrankung zu informieren.

Die Kälteurtikaria kann nicht ursächlich behandelt werden, obwohl es Ansätze gibt, die ähnlich der Hyposensibilisierung bei echten Allergien die Toleranzschwelle erhöhen sollen. In der Praxis führt dies allerdings häufig zu systemischen Reaktion und wird deshalb kaum durchgeführt. Die Pseudoallergie bleibt trotzdem in der Regel nicht ein Leben lang bestehen, sondern verschwindet nach zirka fünf bist zehn Jahren oftmals wieder.

Dauerhafte Einnahme von Medikamenten in schwerwiegenden Fällen

Menschen, die sehr sensibel reagieren und schon Symptome der Kälteallergie bei etwa 20 Grad Celsius zeigen, müssen dauerhaft Medikamente einnehmen. Für sie eignen sich meist Antihistaminika wie Cetirizin, die oftmals in hohen Dosierungen verschrieben werden. Wichtig ist, dass das Medikament gut vertragen wird und keine Nebenwirkungen auftreten. Wird ein Allergiemittel schlecht vertragen, muss ein anderer Antihistamin-Wirkstoff zum Einsatz kommen. Auch kann die Behandlung mit sogenannten Mastzellstabilisatoren versucht werden, sie sollen die Degranulation der Mastozyten verhindern und so die Beschwerden lindern.

Falls eine Behandlung mit Antihistaminika oder Mastzellstabilisatoren nicht anschlagen sollte, wird in manchen Fällen auch der Wirkstoff Omalizumab off-label verabreicht. Die Medikation ist bei der Behandlung einer Kälteurtikaria recht individuell und muss eng mit dem*der behandelnden Arzt*Ärztin abgestimmt werden. Ziel ist es, Betroffenen einen möglichst beschwerdefreien Alltag zu ermöglichen.

Akutbehandlung nach Kältekontakt

Bei einer akuten systemischen Reaktion wird Patient*innen in der Regel Adrenalin verabreicht, in schwerwiegenden Fällen mit hohen Schwellentemperaturen ist stets ein Autoinjektor mit Adrenalin (EpiPen) mitzuführen.

Um akute Beschwerden der Haut wie Quaddeln zu behandeln, bekommen Betroffene häufig ein Kortisonpräparat verschrieben, auch Antihistamininka können dann eingenommen werden.

Kälteallergie vorbeugen: Was zu beachten ist

Der Entstehung einer Kälteurtikaria vorzubeugen, ist kaum möglich. Ein Schutz vor bestimmten Infektionskrankheiten etwa durch eine Impfung gegen bestimmte Hepatitisviren und der Gebrauch von Kondomen beim Geschlechtsverkehr, sind die einzigen Maßnahmen, die man gezielt treffen kann.

Beim Vorliegen einer Kälteallergie sollten niedrige Temperaturen bewusst gemieden werden. Sinnvoll ist es, stets wärmende Kleidung mit sich zu führen. Auch das Baden in oder Duschen mit kaltem Wasser ist zu vermeiden. Eventuell kann die Anschaffung eines Badethermometers zur Testung der Wassertemperatur sinnvoll sein.

Außerdem sollten Betroffe vorsichtig im Umgang mit kalten Speisen sein, auf Eis und gekühlte Getränke ist entsprechend zu verzichten.

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