Marcumar: Wirkung und Nebenwirkungen des Gerinnungshemmers

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Das Arzneimittel Marcumar enthält den Wirkstoff Phenprocoumon und hemmt die Blutgerinnung. Es wird bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder nach Operationen eingesetzt, um die Bildung von Gefäßverschlüssen zu verhindern. Mehr zu Wirkung, Anwendungsgebieten und Nebenwirkungen.

Mann nimmt Medikament Marcumar ein
© Getty Images/Mladen Zivkovic

Das Medikament Marcumar enthält den Wirkstoff Phenprocoumon, der als "Gegenspieler" von Vitamin K bezeichnet wird (Vitamin-K-Antagonist). Vitamin K wird für die Herstellung von Gerinnungsfaktoren in der Leber benötigt. Phenprocoumon verdrängt Vitamin K von seinem Wirkort in der Leber, wodurch weniger Gerinnungsfaktoren hergestellt und die Gerinnbarkeit des Blutes herabgesetzt wird. Das verhindert die Bildung von Blutgerinnseln.

Artikelinhalte im Überblick:

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Anwendungsgebiete: Wann wird Marcumar eingesetzt?

Das Arzneimittel Marcumar wird immer dann eingesetzt, wenn die Gefahr eines Gefäßverschlusses besteht:

  • zur Vorbeugung oder Behandlung von Thrombosen und Embolien

  • nach Operationen der Blutgefäße oder Herzklappen

  • zur Langzeitbehandlung von Herzinfarkt-Patient*innen und Vorhofflimmern (Vorbeugung von Blutgerinnselbildung im Herzen)

  • bei längerer Unbeweglichkeit nach Hüft- oder Beinoperationen

Kontraindikationen von Marcumar

Marcumar darf auf keinen Fall bei Menschen mit bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Phenprocoumon eingesetzt werden. Da Marcumar die Blutgerinnung herabsetzt, sollte immer sorgfältig zwischen Nutzen und Blutungsrisiko abgewogen werden.

In folgenden Fällen ist von dem Wirkstoff Phenprocoumon abzuraten:

  • krankhafte Blutungsneigung (hämorrhagische Diathesen)

  • schwere Lebererkrankung (Leberparenchymerkrankungen)

  • stark eingeschränkte Nierenfunktion (chronische Niereninsuffizienz)

  • schwerer Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie)

Auch wenn der Verdacht auf eine Schädigung des Gefäßsystems vorliegt, sollte Marcumar nicht zum Einsatz kommen. Das ist beispielsweise der Fall bei:

  • plötzlich auftretendem Schlaganfall (apoplektischer Insult)

  • Entzündung von Herzbeutel (Perikarditis) oder Herzinnenhaut (Endokarditis)

  • Ausweitung eines arteriellen Gefäßes im Gehirn (Hirnarterienaneurysma)

  • Ausweitung der Hauptschlagader (dissezierendes Aortenaneurysma)

  • Geschwüren (Ulzera) im Magen-Darm-Trakt

  • einer Operation am Auge

  • Netzhauterkrankungen (Retinopathien) mit Blutungsrisiko

  • Verletzungen oder chirurgischen Eingriffen am Zentralnervensystem

  • Lungenschwindsucht mit Hohlraumbildung (kavernöse Lungentuberkulose)

  • urologischen Operationen, solange Blutungsneigung besteht

  • ausgedehnten offenen Wunden, auch nach chirurgischen Eingriffen

Bei der Einnahme von Marcumar in der Schwangerschaft besteht ein erhöhtes Risiko für Komplikationen wie Blutungen, Fehlbildungen und Fehlgeburten. Deshalb darf das Arzneimittel in dieser Zeit nicht eingenommen werden. In der Stillzeit oder bei bekannter Epilepsie, Alkoholismus oder Nierensteinen sollte die Einnahme von Phenprocoumon sorgfältig abgewogen werden.

Dosierung des Gerinnungshemmers Marcumar

Phenprocoumon ist verschreibungspflichtig und wird in Tablettenform eingenommen. Da Patient*innen unterschiedlich stark auf den Wirkstoff reagieren, wird die Dosierung individuell festgelegt und regelmäßig kontrolliert. Dies erfolgt anhand des sogenannten INR-Wertes (International Normalized Ratio), der die Blutgerinnung erfasst.

Zu Beginn einer Marcumar-Therapie wird der INR-Wert täglich bestimmt, später etwa alle drei bis vier Wochen. Patient*innen, die dauerhaft Marcumar einnehmen müssen, können diese Kontrolle auch selber vornehmen – dazu wird lediglich ein Tropfen Blut aus der Fingerkuppe sowie ein entsprechendes Messgerät benötigt. Über die regelmäßige Kontrolle der Gerinnungswerte und eine entsprechende Anpassung der Dosierung wird eine gesunde Balance zwischen dem Schutz vor Blutgerinnseln und dem erhöhten Blutungsrisiko durch die gerinnungshemmende Wirkung des Medikaments hergestellt.

Marcumar-Pass für Notfälle

Jede*r Marcumar-Patient*in erhält zu Beginn der Therapie einen sogenannten "Marcumar-Pass", in den INR-Wert und Phenprocoumon-Dosierung eingetragen werden. Diesen Pass sollten Betroffene immer bei sich tragen, damit im Notfall schnell und richtig gehandelt werden kann. Vor geplanten Operationen (auch beim Zahnarzt) sollte das Marcumar abgesetzt und gegebenenfalls durch den Blutverdünner Heparin ersetzt werden.

Nebenwirkungen von Marcumar

Die häufigste Nebenwirkung von Phenprocoumon sind Blutungen, beispielsweise des Zahnfleischs oder der Nase. Auch blaue Flecken nach Stößen oder Prellungen treten gehäuft auf. Das geht mit der verminderten Blutgerinnung einher und ist kein Grund zur Beunruhigung.

Tritt eines der folgenden Symptome auf, sollte jedoch sofort eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus aufgesucht werden:


  • länger als fünf Minuten andauernde stärkere Blutungen

  • rötlicher bis schwarzer Urin

  • pechschwarzer Stuhl

  • brennende Schmerzen in den Großzehen mit gleichzeitiger Verfärbung (Purple-Toe-Syndrom)

  • starke, plötzlich auftretende Kopfschmerzen, Seh- oder Bewusstseinsstörungen

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Marcumar: Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Bei gleichzeitiger Einnahme von anderen Arzneistoffen kann es zu einer Verstärkung oder Abschwächung der gerinnungshemmenden Wirkung von Marcumar kommen. Zu den verstärkenden Medikamenten gehören:

  • andere Gerinnungshemmer (Antikoagulantien)
  • Mittel gegen Gicht
  • Mittel gegen Herzrhythmusstörungen
  • Schmerz- und Rheumamittel
  • Mittel zur Krebstherapie
  • Schilddrüsenhormone
  • Antidepressiva
  • cholesterinsenkende Mittel

Abgeschwächt werden kann die Wirkung von Phenprocoumon durch:

  • Mittel gegen Autoimmunerkrankungen
  • Mittel gegen Krämpfe
  • harntreibende Mittel (Diuretika)
  • Beruhigungsmittel
  • Diabetes-Medikamente
  • Schlafmittel
  • Präparate mit Vitamin K oder Johanniskraut
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