Symptome sind vielfältig

Somatoforme Störung: Erkrankung ohne klare körperliche Ursache

Beschwerden, bei denen eine körperliche Ursache nicht gefunden werden kann, beziehungsweise diese nicht ausreichend erklären kann, heißen somatoforme Störung.

Mann verzweifelt
Somatoforme Strörung körperlicher oder psychogener Ursache? Das lässt sich mitunter nicht klar differenzieren.

Die Medizin hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. Dennoch kommt es häufig vor, dass, obwohl eindeutig Symptome zum Beispiel Schmerzen bestehen, keine klare körperliche beziehungsweise organische Ursache gefunden werden kann. Mittlerweile ist dies bei jedem vierten Patient der Fall. Auch der Wechsel zu anderen Ärzten liefert trotz ausführlichster Diagnostik keine fassbare Ursache. Viele Betroffene haben den Eindruck, dass ihre Ärzte ihre Symptome nicht ernst nehmen und sie als Simulanten oder Hypochonder betrachten. Auch die Ärzte sind oft ratlos.

Dennoch ist es falsch, jetzt einfach zu resignieren. Werden beispielsweise Schmerzen nicht richtig behandelt, können sie chronisch werden. Auch die Einnahme von Schmerzmitteln ist auf Dauer keine Lösung, da ja keine eindeutige körperliche Ursache vorliegt. Viele Erkrankungen müssen ganzheitlich betrachtet werden und haben sowohl körperliche als auch psychische (seelische) Komponenten. Körper, Psyche und soziales Umfeld beeinflussen sich gegenseitig und sollten nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Psychisches Befinden wirkt sich immer auch auf das körperliche Befinden aus und umgekehrt. Bei Erkrankungen kann demnach nicht in allen Fällen klar zwischen körperlicher oder psychischer (psychogener) Ursache getrennt werden. Oft gilt ein "Sowohl-als-auch".

  • zum Selbsttest

    Das Fatigue-Syndrom gilt mittlerweile als eigenständige Krankheit, die sich in diversen Beschwerden äußert. Prüfen Sie mit dem Selbsttest, ob Sie betroffen sein könnten

Woher stammt der Begriff somatoforme Störung?

Der Begriff "somatoforme Störung" leitet sich von "soma" (griechisch: Körper) und "forma" (lateinisch: Form, Gestalt) ab. Die Erkrankung gleicht einer Erkrankung mit körperlicher Ursache, von der auch die Betroffenen überzeugt sind, daran zu leiden. Nur kann der Arzt trotz sorgfältiger Diagnostik keine körperliche Ursache feststellen beziehungsweise die gefundenen Auffälligkeiten stehen in keiner Relation zu den Beschwerden. Die Betroffenen bestehen daher häufig auf weitergehende Untersuchungen und hoffen auf eine rein organisch begründete Problemlösung.

Bekannte Beispiele für somatoforme Störungen sind unter anderem hypochondrische Störung, Reizmagen, Reizdarm-Syndrom, Reizblase, Bruxismus (Zähneknirschen), chronische Unterleibsstörungen, Fibromyalgie, psychogener Bluthochdruck oder das Sick Building Syndrome (hier gehen die Betroffenen davon aus, dass ein Gebäude sie krankmacht).

Sind auch körperliche Funktionen beeinträchtigt, etwa Schulter-Arm-Syndrom, Hexenschuss, Verdauung oder Atmung, spricht man von funktionellen Störungen oder Funktionsstörungen. Unterformen der somatoformen Störung sind Somatisierungsstörung, Hypochondrie, somatoforme Schmerzstörung und somatoforme autonome Funktionsstörung. Mindestens zwei Jahre anhaltende unterschiedliche und häufig wechselnde körperliche Symptome (mindestens sechs) aus mindestens zwei Organbereichen ohne körperliche Ursache, die diese ausreichend begründen kann.

Hypochondrie

Die Betroffenen sind seit mindestens sechs Monaten davon überzeugt, an wenigstens einer ernsthaften körperlichen Erkrankung zu leiden. Dabei werden allgemeine körperliche Wahrnehmungen oder körperliche Symptome ohne direkten Krankheitswert als ernste körperliche Symptome fehlinterpretiert. Einige Betroffene haben auch den Eindruck, an einer Entstellung oder Missbildung (zum Beispiel zu großer Nase, zu breiten Hüften), im Fachjargon auch dysmorphophobe Störung genannt, zu leiden, während Krankheitsängste fehlen.

Somatoforme Schmerzstörung

Definitionsgemäß besteht seit mindestens sechs Monaten an den meisten Tagen ein schwerer belastender Schmerz ohne ausreichende organische Begründung. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung kann nur dann diagnostiziert werden, wenn keine anderen relevanten Somatisierungssymptome vorliegen. Zu den somatoformen Schmerzstörungen zählen auch Chronic Fatigue Syndrome (CFS, Chronisches Müdigkeits-Syndrom), chronische Rückenschmerzen, Sick Building Syndrome, Burn-out-Syndrome, Chemische Mehrfachempfindlichkeit (Multiple Chemical Sensitivity, MCS) und Fibromyalgien.

Somatoforme autonome Funktionsstörung

Hierbei bestehen mindestens drei eindeutige vegetative Symptome als Hauptmerkmal, die vom Patienten einem bestimmten (vegetativ innervierten) Organsystem zugeordnet werden können (Herz-Kreislauf-System, oberer Magen-Darm-Trakt /Reizmagen, unterer Magen-Darm-Trakt /Reizdarm-Syndrom, Atmungssystem, urogenitales System oder sonstige Organe oder Organsysteme).

Sonstige somatoforme Störungen

In der Kategorie sonstige somatoforme Störungen werden alle anderen störenden Empfindungen zusammengefasst, die nicht auf körperliche Störungen, sondern auf belastende Ereignissen oder Probleme zurückzuführen sind.

Zum Beispiel Gefühle von Schwellung oder Bewegung auf der Haut, Parästhesien (Missempfindungen) wie Kribbeln und Taubheit, Globus hystericus (Kloßgefühl in der Kehle), andere Schluckstörungen (Dysphagie), psychogener Schiefhals (Tortikollis), Bruxismus (Zähneknirschen), Pruritus (Jucken der Haut).

Andere Beschreibungen für somatoforme Störungen, die oft synonym, aber nicht immer korrekt verwendet werden, sind psychosomatische Störungen (körperliche Störungen mit psychologischen Faktoren und Verhaltenseinflüssen), Psychosomatose, psychogenes Syndrom, psychovegetatives Syndrom, vegetative Stigmatisation oder vegetative Neurose, nervöses Erschöpfungssyndrom oder larvierte Depression.

Ein Viertel aller Patienten hat somatoforme Störung

Somatoforme Störungen betreffen heute wahrscheinlich etwa 25 Prozent aller Patienten. Damit zählen somatoforme Störungen zu den häufigsten Erkrankungen. Frauen erkranken rund doppelt so häufig wie Männer. Nach Schätzungen haben rund 80 Prozent der Bevölkerung zumindest zeitweise Symptome einer somatoformen Störung, die aber normalerweise wieder von selbst abklingen. Sie können jedoch auch chronifizieren oder in Erkrankungen mit organischen Funktionsstörungen übergehen. Somatoforme Störungen können zudem auf depressive Störungen sowie Angst- oder Persönlichkeitsstörungen hinweisen.

Pflanzliche Alternativen zur Schmerzbehandlung

Symptome der somatoformen Störung

Somatoforme Störungen können sich in einer Vielzahl von Symptomen äußern. Die häufigsten Symptome sind

  • Müdigkeit
  • Erschöpfung
  • Schmerzen
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden wie Druckgefühl, Stiche, Beklemmungsgefühl in der Brust, Herzrasen, -stolpern
  • Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Völlegefühl, Blähungen, Reiz-Magen, Reiz-Darm, Durchfall
  • unklare Unterbauchschmerzen
  • Schwindel
  • Probleme mit der Atmung: Der Hals wird zu eng, die Betroffenen bekommen nicht mehr richtig Luft.

Auch die Haut kann betroffen sein (Brennen, Jucken, Kribbeln, Ameisenlaufen). Außerdem können Störungen des Nervensystems auftreten, die sich durch Störungen der Bewegung, des Sprechens, Hörens oder Sehens äußern (den Betroffenen vergeht Hören und Sehen, "es wird ihnen schwarz vor Augen", auch Tinnitus kann auftreten).

Neben den somatoformen Symptomen leiden die Betroffenen oft auch an weiteren seelischen Erkrankungen, insbesondere depressiven Störungen, Angststörungen und Störungen der Persönlichkeitsentwicklung.

Langwierige Suche nach Ursache der somatoformen Störung

So unterschiedlich wie die verschiedenen somatoformen Störungen sind auch die Erklärungsmodelle für die zugrundeliegenden Ursachen.

Meist sind somatoforme Störungen auf körperliche und seelische Überlastungen zurückzuführen. Welche Ursache jeweils vorliegt, muss individuell geklärt werden. Somatoform heißt nicht gleich psychogen (psychisch bedingt).

Grundsätzlich kann dabei zwischen individuellen genetischen und entwicklungsbedingten Ursachen sowie auslösenden Bedingungen durch körperliche, psychische oder soziale Belastungen unterschieden werden. Lange Zeit wurde auch davon ausgegangen, dass eine gestörte Mutter-Kind-Beziehung die Hauptursache sein könnte, dies konnte aber wissenschaftlich nicht eindeutig belegt werden. Vielmehr scheint es sich um ein von vielen unterschiedlichen Faktoren geprägtes Geflecht aus individueller Veranlagung, Beziehungserfahrungen sowie positiven und negativen Stresserlebnissen zu handeln, das dann die Störung begünstigt. Ausschlaggebend ist dabei zum Beispiel, wie die Betroffenen auf Belastungssituationen reagieren und mit Stress umgehen (sogenannte aufrechterhaltende Bedingungen oder Verstärker).

Genetische Ursachen

Verwandte ersten Grades leiden ebenfalls häufig an somatoformen Störungen (genetische Disposition).

Bei eineiigen Zwillingen von Patienten mit somatoformen Störungen werden somatoforme Störungen etwa dreimal häufiger beobachtet als bei zweieiigen Zwillingen. Dass eine genetische Prädisposition vorliegen kann, bestätigen auch Adoptionsstudien. Die biologischen Eltern von Patienten mit somatoformen Störungen leiden häufiger ebenfalls an ähnlichen Symptomen als nichtleibliche Eltern.

Entwicklungsbedingte Ursachen

Menschen mit somatoformer Störung haben häufig eine erhöhte und veränderte Wahrnehmung körperlicher Vorgänge.

Normale Körperwahrnehmungen wie Schwitzen oder Herzrasen, zum Beispiel in Prüfungssituationen oder nach körperlicher Anstrengung, werden als beunruhigend oder bedrohlich wahrgenommen. Besonders häufig ist dies bei Menschen, die in der Vergangenheit körperliche oder psychische Gewalt oder stark belastende Lebensereignisse, wie Scheidungen, Unfälle oder schwere Erkrankungen, erleben mussten. Auch wenn in der Familie schwere Erkrankungen aufgetreten sind, kann dies die Wahrnehmung körperlicher Symptome beeinflussen. Oft vermuten die Betroffenen hinter ihren körperlichen Symptomen dann ernste Erkrankungen wie Krebs oder Herzinfarkt und entwickeln tatsächlich Symptome, die dann etwa im EKG sichtbar sind. Ein unheilvoller Teufelskreis von körperlichen Reaktionen, Angst und verstärkter Wahrnehmung körperlicher Symptome beginnt, der durch wiederholte Arztbesuche und Untersuchungen noch verstärkt wird.

Auslösende Bedingungen

Menschen, die ständig am Limit arbeiten und ihren Körper vernachlässigen, können sich irgendwann nicht mehr richtig entspannen. Ob die Betroffenen dabei tatsächlich ihre Stressoren nicht erkennen oder nicht sehen wollen, wird kontrovers diskutiert, möglicherweise trifft sogar beides zu. Sicher ist aber, dass Dauerstress, zwischenmenschliche und innerseelische Konflikte auf Dauer krankmachen.

Aufrechterhaltende Bedingungen

Lernprozesse spielen in der Entstehung und im Fortbestehen von Krankheiten neben Konflikten, Traumata und Stressoren ebenfalls eine wichtige Rolle.

Somatoforme Störungen werden nicht allein durch bestimmte Persönlichkeitsmerkmale aufrechterhalten, auch wenn dieser Ansatz immer noch weit verbreitet ist. Vielmehr kann jeder Mensch unter einer anhaltenden oder ausreichend hohen psychischen, physischen oder sozialen Belastung erkranken. Dennoch entwickelt nicht jeder, der unter äußerem Druck (Beruf, Familie, Besitz) steht, einen psychogenen Bluthochdruck oder ein Reizdarm-Syndrom. Menschen, die über unzureichende Bewältigungsstrategien (Schwarz-Weiß-Denken, Katastrophisieren) verfügen, haben ein höheres Erkrankungsrisiko.

Das Risiko nimmt auch zu, wenn die Betroffenen lernen, dass Krankheit mit vielen Vorteilen verbunden sein kann, wie der Befreiung von familiären Pflichten oder reduzierten Arbeitsanforderungen im Beruf. Dann können sich akut verspürte Symptome verfestigen und zu einer chronischen somatoformen Störung führen. Auch die intensive Selbstbeobachtung des Patienten kann zur Aufrechterhaltung seiner Erkrankung beitragen. So haben Medizinstudenten, die sich gerade mit dem Hauterkrankungen auseinandersetzen, ein erhöhtes Risiko für Beschwerden im Bereich der Haut.

Das ständige Betasten betroffener Stellen ("Selbst-Checking") kann Schmerzen verstärken, durch übermäßig häufige Schluckbewegungen können Fremdkörpergefühle im Hals ausgelöst werden. Viele Betroffene entwickeln zudem eine übertriebene Schonhaltung. Körperliche Anstrengungen oder sportliche Aktivitäten werden aus Angst vor einer Symptomverschlimmerung vermieden. Stattdessen fokussiert sich die Aufmerksamkeit auf die Beschwerden selbst. Oder die Betroffenen suchen in Chatforen oder medizinischen Lexika nach neuen Erkrankungen beziehungsweise weiteren Diagnosemöglichkeiten. Durch Freunde und Bekannte kann dies noch verstärkt werden. Körperliche Erkrankungen werden im sozialen Umfeld und auch von den Betroffenen immer noch leichter akzeptiert als psychische Erkrankungen.

Ausschluss anderer Erkrankungen macht Diagnose möglich

Die Diagnose einer somatoformen Störung beruht zunächst auf dem Ausschluss anderer Ursachen, die die körperlichen Beschwerden erklären könnten.

Erforderlich ist dazu eine ausführliche Erhebung der Krankengeschichte (was ist wann und in welchem Umfang aufgetreten und wie waren die Begleitumstände) sowie eine eingehende körperliche Untersuchung mit Blutbild und Blutdruckmessung. Falls erforderlich können auch Ultraschall, Röntgenaufnahme der beeinträchtigten Gelenke bzw. der Lunge sowie EKG durchgeführt werden.

Weitergehende Untersuchungen wie Computertomographie (CT oder MRT) sind in Ausnahmefällen möglich, etwa bei einem ärztlich begründeten Verdacht auf einen Hirntumor. Auch psychische Belastungen sollten zur Sprache kommen. Gibt es gegenwärtig besonders schwere Arbeitsbedingungen, Schwierigkeiten in der Familie, soziale oder kulturelle Belastungen? Eine Überweisung zu einem Psychiater, Neurologen oder Nervenarzt kann hierbei empfehlenswert sein, um Depressionen und andere psychische oder neurologische Begleiterkrankungen und Ursachen abzuklären.

15 sanfte Hilfen gegen den Schmerz

Bei der Diagnosestellung muss auch berücksichtigt werden, dass organisch bedingte Schmerzen ebenfalls zu psychischen Veränderungen führen können und daher nur schwierig von einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung unterschieden werden können. Auch bei organisch bedingten Schmerzen können zum Beispiel Ängste oder Konflikte am Arbeitsplatz die Beschwerden verstärken. Bei chronischen Schmerzerkrankungen sind Spannungen mit der Familie oder Arbeitskollegen selten zu vermeiden. F

ür den Betroffenen und auch für den behandelnden Arzt ist es schwierig, den Zusammenhang richtig beurteilen zu können. Erschwerend kommt hinzu, dass im Praxisalltag eines Allgemeinarztes häufig nur wenig Zeit für die Diagnosestellung zur Verfügung steht. Auf beiden Seiten ist daher viel Fingerspitzengefühl erforderlich, sonst kann es zu relevanten Missverständnissen kommen, zeitraubenden, überflüssigen weiteren Untersuchungen oder sogar zu völlig vermeidbaren, riskanten Operationen. Deshalb empfiehlt es sich, frühzeitig einen Facharzt für psychotherapeutische Medizin (mit einer Ausbildung im Bereich der Inneren Medizin und der Nervenheilkunde/Psychiatrie) aufzusuchen. Dieser kann bestehende Beschwerden meist relativ schnell abklären und gegebenenfalls einen individuellen Behandlungsplan erstellen.

Therapie der somatoformen Störung

Bei der Therapie somatoformer Störungen müssen Körper und Psyche wieder in Einklang gebracht werden.

Voraussetzung ist zunächst der Aufbau einer vertrauensvollen Arzt-Patienten-Beziehung. Vielen Betroffenen fällt es zunächst schwer, psychische Belastungen als Ursache ihrer Beschwerden zu akzeptieren. Dann gilt es, vorhandene Muster, die zur Erkrankung geführt haben, zu erkennen und in Zukunft zu vermeiden.

Eine wirksame Möglichkeit dazu bieten psychotherapeutische Maßnahmen. Diese geben den Betroffenen und ihren Angehörigen im Gespräch mit dem Therapeuten die Möglichkeit, sich weitergehend über die Erkrankung zu informieren und die Zusammenhänge mit Schmerz, Psyche und den bestehenden Bedingungen besser zu verstehen. Viele Betroffene profitieren von Kurzzeit- oder längerfristigen Therapien zur Stress- beziehungsweise Trauma- oder Konfliktbewältigung.

Auch die Aufdeckung und Aufarbeitung von Beziehungsmustern kann den Betroffenen helfen, sich aus der Spirale von tiefer liegenden Konflikten und körperlichen Symptomen zu lösen. Je nach den individuell vorhandenen Problemen und zugrundeliegenden Ursachen können daher sowohl Verhaltenstherapie als auch personelle Therapie oder psychoanalytische Ansätze sinnvoll sein. Welche Therapie die besten Erfolgsaussichten hat, richtet sich dabei unter anderem nach der jeweils vorhandenen Persönlichkeitsstruktur, dem Erkrankungsbild und der Vorgeschichte. Mitunter sind für ein optimales Ergebnis sogar ein multidisziplinäres Team (mit Vertretern unterschiedlicher Fachgruppen) und ein interdisziplinärer Ansatz (sinnvolle Kombination unterschiedlicher Behandlungsverfahren) erforderlich.

Entspannung, Stressbewältigung, Bewegung

Behandlungsziele sind dabei unter anderem das Einüben von Entspannungsverfahren und Methoden zur Stressbewältigung. Sport- und Bewegungstherapie können inadäquates Schonverhalten abbauen und den Umgang mit Schmerzen erleichtern. Untrainierte Muskeln und Sehnen schmerzen schneller als trainierte. Außerdem verbessert körperliches Training das Körpergefühl und das psychische Wohlbefinden, darüber hinaus werden Fehlhaltungen und damit Muskelverspannungen korrigiert und vorgebeugt. Auch Körpertherapie wie Bioenergetik, Gestalt- oder Physiotherapie ermöglichen eine bessere Körperwahrnehmung.

  • Zum Special Schmerzbehandlung

    Egal ob klassische Schmerzmittel, Akupunktur oder TENS - die moderne Schmerztherapie ermöglicht heute eine individuelle und effektive Behandlung unterschiedlichster Beschwerden. Lesen Sie mehr über die vielfältigen Möglichkeiten und Formen der Schmerzbehandlung.

Patienten mit Reizdarm-Syndrom oder Reizmagen profitieren häufig auch von einer Ernährungsberatung. Insbesondere bei Frauen äußert sich Stress häufig durch Essprobleme. Auch bei Schmerzen ist zu Beginn einer Physiotherapie eine befristete Schmerzmittelgabe sinnvoll beziehungsweise bei chronischer Schmerzstörung die Gabe von Serotonerg und Noradreng emotionale Begleitumstände, Belastungen und Stress, Auslöser, Konsequenzen und andere relevante Merkmale protokollieren. Gute Erfolgsergebnisse erzielen außerdem Biofeedback-Methoden. Dabei werden Parameter, wie Atmung, Herzfrequenz, Blutdruck, Muskelspannung oder Hauttemperatur, mit technischen oder computergestützten Hilfsmitteln verdeutlicht zum Beispiel über optische oder akustische Signale. Biofeedback eignet sich beispielsweise beim Erlernen von Stressbewältigungsstrategien oder zur Verdeutlichung der Zusammenhänge zwischen Körper und Psyche.

Eine medikamentöse Behandlung ist meist nicht erforderlich. Begleitende Angsterkrankungen oder Depressionen sollten jedoch gegebenenfalls adäquat behandelt werden. Auch bei Schmerzen ist zu Beginn einer Physiotherapie eine befristete Schmerzmittelgabe sinnvoll beziehungsweise bei chronischer Schmerzstörung die Gabe von Serotonerg und Noradreng wirkenden Antidepressiva, die erwiesenermaßen auch bei Schmerzen effektiv sind.

Besteht für die Betroffenen unter ambulanten Bedingungen wenig Aussicht auf eine Besserung, kann auch ein Aufenthalt in einer Spezialklinik für somatoforme Störungen sinnvoll sein.

Prognose bei sonatoformen Störungen

Sind die Symptome plötzlich aufgetreten und sucht der Betroffene rasch den Arzt auf, der die Diagnose einer somatoformen Störung stellt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Symptome auch wieder rasch und vollständig abklingen. In der Regel haben die Betroffenen jedoch meist bereits eine mehrjährige Krankengeschichte hinter sich, mit zahlreichen Arztwechseln und erfolglosen Untersuchungen.

Für eine ungünstige Prognose, also für eine chronische Erkrankung sprechen:

  • gleichzeitig vorliegende psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen
  • zusätzliche belastende Lebensumstände
  • gestörte Partnerschaft
  • enger zeitlicher Zusammenhang mit belastenden Lebensereignissen
  • starke Fixierung auf das Krankheitsgeschehen
  • mangelndes soziales Umfeld
  • berufliche Unzufriedenheit
  • dauerhafte Pflegschaft eines Angehörigen

Bei optimaler und fachgerechter Behandlung und engagierter Mitarbeit der Betroffenen bestehen aber auch bei bereits chronischer Erkrankung Chancen auf eine Besserung. Aufgrund der unterschiedlichen Krankheitsbilder fehlen jedoch genaue Daten. Diagnose und Therapie konzentrieren sich leider immer noch bei einem großen Teil der Patienten auf die rein körperliche Symptomatik, sodass an den eigentlichen Ursachen nur wenig gearbeitet wird. Die Folge: Obwohl Ärzte und Krankenkassen die Bedeutung somatoformer Störungen mittlerweile klar erkennen, wird im Durchschnitt fast jeder zweite Betroffene erwerbsunfähig.

Anzeichen einer somatoformen Störung ernst nehmen

Die Ursachen für eine somatoforme Störung sind so vielfältig, dass eine gezielte Vorbeugung nur schwer möglich ist. Wichtig ist es, Anzeichen ernst zu nehmen und sich früh in Behandlung zu begeben.

Wer erkannt hat, dass Stress und belastende Lebenssituationen tatsächlich krank machen können, ist schon einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. Ein weiterer Schritt ist dann, eine somatoforme Störung als Erkrankung anzunehmen und dahinter keine Verlegenheitsdiagnose eines inkompetenten Arztes zu vermuten.

Nicht jeder kann die für ihn belastenden Situationen einfach beenden, den Job wechseln oder sich aus einer unbefriedigten Partnerschaft lösen. Weiterführende Hilfestellungen können Selbsthilfegruppen bieten. Auch einige Krankenkassen, größere Firmen oder auch die Volkshochschule bieten Hilfe zur Selbsthilfe an, beispielsweise zum Erlernen von Entspannungstechniken, Ernährungstherapie oder die Teilnahme an Sportgruppen. Auch eine Psychotherapie kann entscheidende Hilfestellungen bieten. Dabei stehen neben mittel- und längerfristigen Verfahren auch Kurzzeittherapien, zum Beispiel in Form einer Kriseninterventionen, zur Verfügung.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2017
Quellen: W. Hiller und W. Rief. Somatoforme Störungen. In: W. Beiglböck et al. Handbuch der klinisch-psychologischen Behandlung. Springer-Verlag, 2008 H.P. Kapfhammer. Somatoforme Störungen Konzept, Klinik, Ätiopathogenese und Therapie Nervenarzt 2008; 79: 99-117 T.M. Michel, F. Schneider, J. Jecel. Somatoforme Störungen in der Hausarztpraxis. In: F. Schneider, W. Niebling. Psychische Erkrankungen in der Hausarztpraxis. Springer-Verlag 2009 H. Morschitzky. Somatoforme Störungen. Diagnostik, Konzepte und Therapie bei Körpersymptomen ohne Organbefund. Wien: Springer-Verlag, 2007H. Morschinsky, S. Sator. Wenn die Seele durch den Körper spricht. Walter-Verlag, 2010 E. Wilke, M. Hautzinger. Psychosomatische und somatoforme Störungen. In C. Reimer et al. Psychotherapie. Ein Lehrbuch für Ärzte und Psychologen. Springer-Verlag, 2000

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...

Zum Seitenanfang