Rheuma: Wie Sie die Symptome schnell erkennen und lindern

Unter dem Begriff Rheuma laufen viele verschiedene Krankheiten zusammen, darunter Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, aber auch Gicht. Gemeinsame Kennzeichen dieser Beschwerdebilder sind Schmerzen und Entzündung.

rheuma
Bei der rheumatoiden Arthritis werden die Betroffenen von entzündlichen Schmerzen geplagt.
(C) 2009 Jupiterimages

In der Umgangssprache ist von Rheuma die Rede, wenn es sich um Schmerzen an den Gelenken, der Wirbelsäule, den Knochen, Muskeln oder Sehnen dreht, oft geht eine eingeschränkte Funktionsfähigkeit der jeweiligen Bereiche damit einher. Frei übersetzt bedeutet das Wort griechischen Ursprungs so viel wie "ziehender Schmerz".

Arthritis ist die häufigste rheumatische Erkrankung

Rheumatologen unterscheiden etwa hundert rheumatische Erkrankungen, die nicht nur den Bewegungsapparat beeinträchtigen. Sie können auch Nerven, Haut und innere Organe befallen. Unter all diesen rheumatischen Krankheitsformen ist die rheumatoide Arthritis die häufigste. Sie wird auch Polyarthritis genannt.

In Deutschland leiden 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung an ihr. Das sind etwa 600.000 bis eine Million Menschen. Die rheumatoide Arthritis kann Menschen aller Altersgruppen betreffen. Die meisten Neuerkrankungen treten bei Frauen jedoch zwischen 55 und 64 Jahren auf. Männer erkranken nicht nur seltener, sondern auch später: Bei ihnen liegt der Gipfel der Neuerkrankungsrate zwischen 65 und 75 Jahren.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen der rheumatischen Arthritis sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Eine Reihe von Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen. Das Bestehen einer erblichen Veranlagung bildet wahrscheinlich die Grundlage. Unter diesen Voraussetzungen können Auslöser wie Infektionen mit Bakterien oder Viren die rheumatoide Arthritis zum Ausbruch bringen. Auch eine Zahnfleischentzündung (Parodontitis), Rauchen und die Ernährung sind Risikofaktoren, die die Gelenkentzündung begünstigen können.

Arthritis durch fehlgesteuerte und aggressive Zellen im Gelenk

Erkenntnisse zur Entstehung der Gelenkkrankheit haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Fehlgesteuerte Abwehrzellen wandern dabei in die Gelenke und stellen dort entzündungsfördernde Botenstoffe her, die sich gegen körpereigene Strukturen richten. In der Folge entsteht die Arthritis als (autoimmune) Gelenkentzündung. Diese Theorie würde nach aktueller Forschungslage auch die typische Ausbreitungsart der Arthritis erklären.

Diese Rheuma-Symptome sind typisch

Anzeichen einer rheumatoiden Arthritis sind zum einen schmerzende und steife Gelenke vor allem an den Fingern und Füßen. In Ruhe sind die Beschwerden stärker ausgeprägt. Meistens sind Finger- und Zehengelenke mit Ausnahme der Endgelenke betroffen.

Weitere, typische Symptome für diese Art des Rheumas sind schmerzende Hand-, Knie-, Schulter- oder Fußgelenke auf beiden Seiten des Körpers (symmetrischer Schmerz). Sehr oft berichten Rheumapatienten auch von einer Morgensteifigkeit an Fingern und Zehen.

Für den Erkrankten sind folgende Symptome einer rheumatoiden Arthritis an den Gelenken spür- und sichtbar:

  • Schwellung
  • Gelenkschmerzen
  • Überwärmung
  • eingeschränkte Beweglichkeit der Gelenke
  • seltener eine Rötung des betroffenen Gelenks

Diese Anzeichen der rheumatoiden Arthritis sind gleichzeitig die fünf klassischen Zeichen einer Entzündung.

Folgende Gelenkgruppen sind bei der rheumatoiden Arthritis oft betroffen:

  • Hand-
  • Schulter-
  • Knie- und
  • Sprunggelenke
  • Wirbelsäule

Seltener beteiligt sind

  • Hüft- sowie
  • Kiefergelenke

Im weiteren Krankheitsverlauf können sich die Gelenkveränderungen bei Rheuma durch Verformungen, Funktionsbehinderungen oder Instabilität bemerkbar machen. Eine mögliche Schädigung ist abhängig von Dauer, Aktivität und Schwere der Erkrankung sowie dem frühzeitigen Beginn einer umfassenden Behandlung.

Ernste Anzeichen und Folgeschäden von Rheuma

So kommt es beispielsweise zum "Wackelknie" mit einem instabilen und in der Bewegung eingeschränkten Kniegelenk. In der Hüfte kann die Streckung behindert sein. Wirbelsäulenveränderungen ziehen Ruheschmerzen im Nackenbereich mit Weiterleitung in Schulter, Arm oder Hinterkopf nach sich. Finger- und Handgelenke sind häufig mit charakteristischen Veränderungen wie der Schwanenhalsdeformität betroffen.

Das sogenannte Caput-ulnare-Syndrom an der Hand entsteht durch eine Auflockerung der Handwurzelknochen. Dabei tritt eine Fehlstellung der Hand auf, die zur Ellenseite (in Richtung kleiner Finger) abweicht. Handbewegungen sind dann nur noch mit Einschränkungen möglich.

Typische Entzündungssymptome an den Händen

Sehnen, Sehnenscheiden und Schleimbeutel können ebenfalls in das Entzündungsgeschehen mit einbezogen werden. Kniekehle, Ellenbogen, Schulter sowie Achillessehne sind dabei bevorzugte Orte der Schleimbeutelentzündung. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sind ebenfalls Krankheitssymptome der rheumatoiden Arthritis. Finger und Hände werden am häufigsten von einer Sehnen- oder einer Sehnenscheidenentzündung befallen. Typischerweise sind die Gelenke bei Rheuma symmetrisch, also auf beiden Seiten betroffen.

Therapie: So kann man Rheuma und Arthritis behandeln

Die Behandlung einer rheumatoiden Arthritis besteht vor allem in der Gabe verschiedener Medikamente. Daneben kommen zum Beispiel Physiotherapie und Ergotherapie, aber auch psychologische Betreuung zum Einsatz. Patienten können aber auch selbst eine Menge tun, um die Schmerzen zu lindern. Dazu gehört unter anderem, das Rauchen aufzugeben beziehungsweise nicht anzufangen und den Lebensstil in Bezug auf Bewegung und Ernährung an die rheumatische Erkrankung anzupassen.

Kann man Rheuma vorbeugen?

Eine rheumatoide Arthritis lässt sich nicht verhindern, aber die Ausgangssituation lässt sich deutlich verbessern, indem man frühzeitig seinen Gelenken etwas Gutes tut. Gelenkschonender Sport (Schwimmen, Radfahren, Walking und Gymnastik) eignet sich, um die Gelenke beweglich und auch Gelenkknorpel fit zu halten.

Außerdem ist es empfehlenswert, offene Wunden in Gelenknähe besonders schnell und gezielt zu versorgen. Damit kann das Risiko vermindert werden, dass von außen eine Entzündung ins Gelenk hineingelangt.

Einige Grunderkrankungen wie zum Beispiel Gicht können die Entstehung einer Arthritis begünstigen. In diesen Fällen sollte die ursprüngliche Erkrankung sorgfältig behandelt werden, um der Arthritis vorzubeugen.

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Letzte Aktualisierung: 31. Januar 2017
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