Trägen Darm anregen

Verstopfung: Was hilft gegen Obstipation?

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Auf Reisen oder in der Schwangerschaft ist Verstopfung keine Seltenheit. Doch auch wer sich ballaststoffarm ernährt und wenig trinkt, kennt das Problem häufig. Bei einer chronischen Obstipation besteht sie über mehrere Monate. Was hilft und welche Ursachen dahinterstecken.

Mann mit Bauchschmerzen wegen Verstopfung
© Getty Images/Tharakorn

Eine Verstopfung liegt vor, wenn der Stuhlgang seltener als dreimal pro Woche erfolgt, der Stuhl hart und klumpig ist oder man beim Stuhlgang stark pressen muss. Medizinisch heißt die Verstopfung auch Obstipation. Oft beeinträchtigt das Darmproblem die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Mit steigendem Lebensalter – vor allem ab dem 65. Lebensjahr – kommt es häufiger zur Obstipation.

Artikelinhalte im Überblick:

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Formen der Obstipation – akut oder chronisch

Die Verstopfung lässt sich nach ihrer Dauer in zwei Formen einteilen:

  • Eine akute Obstipation tritt kurzfristig und meist in bestimmten Situationen auf, zum Beispiel während der Schwangerschaft, auf einer Reise oder bei erheblichem Stress.

  • Eine chronische Obstipation hält länger als drei Monate an. Sie entsteht beispielweise, wenn Betroffene sich langfristig falsch ernähren, zu wenig trinken, kaum bewegen, bestimmte Medikamente einnehmen oder unter anderen Krankheiten leiden.

Die chronische Verstopfung ist häufig: Bis zu 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden darunter. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Wer nicht jeden Tag Stuhlgang hat, muss sich nicht Sorgen machen – das ist normal. Am wichtigsten ist es, dass der Toilettengang keine Probleme bereitet. Bei länger andauernder Verstopfung sollten Betroffene allerdings ärztlichen Rat suchen.

Was hilft gegen Verstopfung?

Eine Verstopfung hat sehr vielfältige Ursachen. Oft sind eine ballaststoffarme Ernährung, eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme oder Bewegungsmangel die Gründe. Manchmal gelingt es schon mit einfachen Maßnahmen, die Verdauung anzuregen:

  • Bewegung: Betroffene sollten versuchen, mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren, zum Beispiel zu Fuß zum Supermarkt gehen oder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Alternativ kann man eine Haltestelle vorher aussteigen und den restlichen Weg laufen. Ansonsten sind Ausdauersportarten empfehlenswert, zum Beispiel Wandern, Nordic Walking, Schwimmen oder Joggen.

  • Ernährung: Mehr Ballaststoffe essen, die in Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten enthalten sind. Auch Weizenkleie, Leinsamen und Flohsamenschalen enthalten viele Ballaststoffe. Den Konsum an Fleisch, Wurst und Weißbrot sollte man dagegen besser einschränken.

  • Mikrobiom modulieren: Menschen mit Obstipation haben meist ein veränderte Zusammensetzung der Darmflora (Mikrobiom) verglichen mit Gesunden. Durch die Einnahme von Probiotika, Präbiotika und Synbiotika kann das Mikrobiom beeinflusst werden, vor allem bei chronischer Obstipation.

  • Viel trinken: Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, damit die Ballaststoffe gut quellen können. Zu ballaststoffreicher Kost immer ein Glas Wasser trinken. Pro Tag am besten 1,5 bis 2 Liter kalorienarme Getränke trinken.

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Medikamente wie Abführmittel gegen Verstopfung

Bei hartnäckiger Obstipation können Medikamente wie Abführmittel (Laxanzien) infrage kommen. Laxanzien wirken auf verschiedene Weise: Sie sorgen dafür, dass durch die Darmwand mehr Flüssigkeit in den Darm gezogen wird. So wird der Stuhl weicher und das Volumen nimmt zu, was wiederum die Darmtätigkeit anregt. Zu den Laxanzien zählen zum Beispiel die Wirkstoffe Macrogol, Natriumpicosulfat und Bisacodyl. Auch wenn viele Präparate rezeptfrei in der Apotheke oder im Internetversandhandel erhältlich sind: Laxanzien besser nicht ohne ärztliche Rücksprache einnehmen, das gilt vor allem in der Schwangerschaft.

Bei chronischer Verstopfung reichen Laxanzien als Therapie manchmal nicht aus. Dann sind Medikamente eine Möglichkeit, welche die Darmtätigkeit anregen (Prokinetika). Ein häufig eingesetzter Wirkstoff ist Prucaloprid. Prokinetika sind rezeptpflichtige Arzneimittel.

Vorübergehend lässt sich die Entleerung des Darms mit Einläufen (Klysmen) unterstützen. Geeignet sind auch Zäpfchen, die Bisacodyl enthalten oder CO2 freisetzen.

Biofeedback oder Operation als weitere Therapien bei Verstopfung

Stecken Störungen bei der Stuhlentleerung hinter der Verstopfung, erfordern diese eine andere Therapie. Eine Beckenboden-Dyssynergie – also eine gestörte "Abstimmung" der Beckenbodenmuskeln – lässt sich beispielsweise mit der Biofeedback-Therapie behandeln. Dabei üben Betroffene über ein Messgerät mit einer Analsonde, die Muskeln gezielt anzuspannen und zu entspannen. Bei körperlichen Ursachen wie einem Darmverschluss oder Rektumprolaps hilft meist nur ein chirurgischer Eingriff.

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Verstopfung: Symptome durch einen trägen Darm

Typisch für eine Obstipation sind folgende Symptome beim Stuhlgang:

  • Klumpige, harte Stuhlkonsistenz

  • Starkes Pressen beim Stuhlgang

  • Gefühl der unvollständigen Entleerung nach dem Toilettengang

  • Gefühl, dass im Darm oder Analbereich eine Blockade vorhanden ist

  • Betroffene müssen bei der Entleerung nachhelfen, zum Beispiel mit den Fingern (digitale Manipulation)

  • Stuhlfrequenz: Weniger als drei Stuhlgänge pro Woche

Zu den Problemen beim Stuhlgang kommen oft noch weitere Symptome hinzu, etwa

Ausschlaggebend ist aber nicht nur die Anzahl der Stuhlgänge. So haben manche Menschen durchaus regelmäßige Stuhlgänge, aber der Stuhl ist sehr hart, sie müssen stark pressen und die Entleerung ist äußerst mühevoll und anstrengend. Auch hierbei handelt es sich um eine Verstopfung. Wer zusätzlich unter Beschwerden wie Blut im Stuhl, starken Bauchkrämpfen oder Gewichtsverlust leidet, sollte so schnell wie möglich eine Arztpraxis aufsuchen.

15 Fragen zum Stuhlgang

Ursachen einer Obstipation sind vielfältig

Für eine Obstipation können unterschiedliche Ursachen verantwortlich sein. Die meisten sind harmlos und leicht zu beheben. Möglicherweise stecken aber auch ernste Erkrankungen dahinter. Allgemein ist der Darm bei Verstopfung träge und arbeitet langsamer. Der Stuhl verbleibt länger im Darm, dickt ein und wird hart.

Eine akute Verstopfung kann das Ergebnis einer Ernährungsumstellung sein. Typisch ist auch die sogenannte Reiseobstipation, bei der mehrere Faktoren zusammenkommen: ungewohntes Essen, langes Sitzen im Bus oder Flugzeug, manchmal Flüssigkeitsmangel und Zeitverschiebung.

Folgende Faktoren begünstigen eine Verstopfung:

  • Geringe Flüssigkeitsaufnahme: Wer zu wenig trinkt, riskiert eine Verstopfung oder verstärkt sie. Bei Flüssigkeitsmangel (Dehydration) dickt der Stuhl ein, verhärtet und wird langsamer in Richtung Darmausgang transportiert.

  • Ernährung: Eine zu geringe Aufnahme von Ballaststoffen gilt als häufiger Auslöser von Verstopfung.

  • Bewegungsmangel: Viele Menschen verbringen im Alltag zu viel Zeit im Sitzen. Auch Bettlägerigkeit führt oft zu Obstipation aufgrund des Bewegungsmangels.

  • Stress: Seelischer und körperlicher Stress können eine Verstopfung fördern. Auch Menschen, die ihren Stuhlgang häufiger unterdrücken, riskieren langfristig eine Obstipation.

  • Schwangerschaft und Menstruationszyklus: Auch Hormone wie Progesteron beeinflussen die Darmtätigkeit. So leiden viele Schwangere unter Obstipation. Manche Frauen entwickeln vor allem in der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus aufgrund der hormonellen Schwankungen eine Verstopfung.

  • Medikamente: Einige Arzneimittel begünstigen eine Verstopfung, zum Beispiel Antiallergika, Anticholinergika, Antiepileptika, Antidepressiva, entwässernde Mittel (Diuretika), Medikamente gegen Sodbrennen oder Schmerzmittel.

  • Neurologische Erkrankungen: zum Beispiel die Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson) oder Multiple Sklerose

  • Hormonstörungen: zum Beispiel Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder die Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus

  • Funktionelle Darmerkrankungen: zum Beispiel das Reizdarmsyndrom (RDS)

  • Tumore: zum Beispiel Darmkrebs

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Andere Ursachen für Verstopfung

Bei manchen Menschen arbeitet der Dickdarm aus unbekannten Gründen langsamer. Fachleute bezeichnen dieses Phänomen im Englischen auch als "Slow Transit Constipation". Im Enddarm (Mastdarm, Rektum) kann sich zudem eine mechanische Blockade befinden, zum Beispiel durch eine Verwachsung oder einen Vorfall des Mastdarms (Rektumprolaps). Auch ohne mechanisches Hindernis ist manchmal die Darmentleerung erschwert, etwa wenn die Beckenbodenmuskeln (Beckenboden-Dyssynergie ) und der Schließmuskel (Anismus) beim Stuhlgang verkrampfen oder nicht richtig zusammenarbeiten.

Diagnose bei Verdacht auf Verstopfung

Über eine Verstopfung reden die meisten Menschen nicht gerne. Dennoch ist es wichtig, dass Betroffene ihrer*m Ärztin*Arzt in einem Gespräch (Anamnese) alle Fragen zu ihren Beschwerden und zur Krankheitsgeschichte offen und ehrlich beantworten. Es geht dabei zum Beispiel um die Häufigkeit des Stuhlgangs, ob Patient*innen stark pressen müssen und welche Konsistenz der Stuhl hat. Ein Stuhltagebuch, in dem man alle Stuhlgewohnheiten notiert, ist oft hilfreich, um den Lebensgewohnheiten und möglichen Ursachen auf den Grund zu gehen.

Anschließend folgt die körperliche Untersuchung. Mit einem Stethoskop können Darmgeräusche abgehört werden, die digital-rektale ermöglicht ein abtasten des Enddarms. So kann der*die Arzt*Ärztin Darmveränderungen fühlen, die möglicherweise für Probleme bei der Entleerung sorgen.

Weiterführende Untersuchungen in der proktologischen oder gastroenterologischen Praxis sind:

  • Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauchraums

  • Blutuntersuchung, zum Beispiel auf Entzündungswerte, Elektrolyte und Schilddrüsenhormone

  • Stuhluntersuchung auf verstecktes (okkultes) Blut

  • Darmspiegelung (Koloskopie)

  • gynäkologische Untersuchung

  • Untersuchung der Kolontransitzeit (speziellenRöntgenuntersuchung zur Bestimmung der Zeit, die der Darminhalt für die Darmpassage benötigt)

  • Druckmessungen am Schließmuskel (anorektale Manometrie)

  • MRT-Untersuchung bei der Stuhlentleerung (Defäkografie)

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Verlauf und mögliche Folgen von Verstopfung

Eine akute Verstopfung verläuft meist unkompliziert und lässt sich durch die richtige Ernährung und Bewegung in den Griff bekommen. Oft steckt ein harmloser Auslöser dahinter. Eine chronische Verstopfung verläuft ebenfalls selten mit schweren Komplikationen. Allerdings hält sich die Obstipation bei manchen Menschen sehr hartnäckig und sie müssen dauerhaft Medikamente (Laxanzien oder Prokinetika) einnehmen. Vergleichbar mit anderen chronischen Krankheiten, zum Beispiel der Refluxkrankheit, Bluthochdruck oder Diabetes mellitus beeinträchtigt chronische Verstopfung die Lebensqualität erheblich.

Manchmal entwickelt sich infolge der chronischen Verstopfung eine Divertikulose: Der permanent harte Stuhl und starke Druck im Darm lassen kleine Einstülpungen (Divertikel) in der Darmwand entstehen. Meist bemerken Betroffene nichts davon. Die Divertikel können sich allerdings mit Kotresten füllen und entzünden (Divertikulitis). Ein besonders harter Stuhl und das starke Pressen beim Stuhlgang können auch zu einem Riss in der Analschleimhaut führen, einer sogenannten Analfissur. Auch Hämorrhoiden und ein Rektumprolaps sind mögliche Folgen.

Verstopfung vorbeugen

Einer Verstopfung kann man mit verschiedenen Maßnahmen vorbeugen. An erster Stelle steht ein gesunder Lebensstil mit ausreichender Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung, die viele Ballaststoffe enthält.

Die besten Tipps als Schutz vor Verstopfung sind:

  • Täglich reichlich Obst und Gemüse essen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst am Tag. Auch Hülsenfrüchte wie Bohnen und Linsen sowie Vollkornprodukte enthalten viele Ballaststoffe. Sie regen die Darmbewegungen an und beugen einer Verstopfung vor.

  • Ausreichend zur ballaststoffreichen Ernährung trinken, damit die Ballaststoffe gut quellen können. Am besten sind kalorienarme Getränke wie Wasser, ungesüßter Tee oder Fruchtsaftschorlen (1,5 bis 2 Liter pro Tag). An heißen Tagen und beim Sport steigt der Flüssigkeitsbedarf.

  • Bewegung in den Alltag bringen: Spazierengehen, Treppensteigen oder kürzere Wege mit dem Fahrrad erledigen. Auch moderater Ausdauersport ist hilfreich. Wenn man sich sehr wenig bewegt, wird auch der Darm träge – und das Risiko für Verstopfung steigt.

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