Keine organische Ursache erkennbar

Reizmagen: Was hilft gegen funktionelle Dyspepsie?

Als Reizmagen wird eine funktionelle Magen-Darm-Erkrankung bezeichnet, der keine erkennbare organische Ursache zugrunde liegt. Typisch sind Beschwerden im Oberbauch wie Schmerzen, Sodbrennen oder Völlegefühl. Mit Schonkost und Verhaltensänderungen lässt sich viel bewirken.

Frau mit Bauchschmerzen auf dem Sofa
Brennende Schmerzen im Oberbauch können auf einen Reizmagen hinweisen.
© iStock.com/Deagreez

Als Reizmagen oder funktionelle Dyspepsie bezeichnen Mediziner verschiedene Beschwerden, die den Bereich des Oberbauchs betreffen. Organische Auslöser sind bei Betroffenen eins Reizmagens nicht zu finden, Ärzte sprechen daher von einer funktionellen Verdauungsstörung. Häufig tritt ein nervöser Magen in Verbindung mit anderen Verdauungsproblemen auf, wie beispielsweise dem Reizdarm.

Artikelinhalte im Überblick:

Das tut dem Magen gut – und das gar nicht

Welche Symptome sind typisch bei Reizmagen?

Bei einer funktionellen Dyspepsie können sich unterschiedliche Symptome in Form von Verdauungsbeschwerden zeigen. Im Vordergrund stehen beim Reizmagen Beschwerden, die vor allem auf eine Beeinträchtigung von Magen und Dünndarm hinweisen:

Bei einem Teil der Betroffenen kommt es darüber hinaus auch zu Stuhlunregelmäßigkeiten und Blähungen, die typisch für ein Reizdarmsyndrom sind. Denn nicht selten treten Reizmagen und Reizdarm zusammen auf.

Daneben können auch sogenannte vegetative Symptome auftreten, dazu gehören Stiche in der Herzgegend, verstärktes Schwitzen, Kreislaufprobleme oder Beschwerden beim Wasserlassen.

Warnzeichen einer funktionellen Dyspepsie

Klare Warnzeichen für einen Reizmagen gibt es nicht. Die Symptome entwickeln sich meist über einen längeren Zeitraum von drei Monaten. Sie kommen immer wieder oder bleiben dauerhaft. Häufig treten sie jedoch in stressigen oder belastenden Lebensphasen auf oder zum Beispiel nach einseitigen Diäten.

Magenfreundliche Ernährung bei Reizmagen

Zum Frühstück ein Croissant mit zwei Tassen Kaffee und zum Mittagessen schnell ein paar Pommes vom Imbiss unterwegs? Magenfreundliche Ernährung sieht anders aus. Eine spezielle Diät bei Reizmagen gibt es jedoch nicht. Nicht jeder verträgt Lebensmittel gleich gut und sollte seinen Körper daher individuell beobachten. Bei einem Reizmagen empfiehlt sich generell jedoch eine leichte Schonkost.

Tipps für eine gesunde Ernährung bei Reizmagen:

  • In Ruhe essen und ausgiebig kauen.

  • Regelmäßig und kleinere Portionen essen.

  • Magenfreundliche Zubereitungsarten wie Kochen, Dämpfen oder Dünsten bevorzugen.

  • Besser leicht verdauliche Lebensmittel wie gekochte Kartoffeln, Reis oder Nudeln essen.

  • Gemüse wie Karotten, Kürbis oder Fenchel garen statt Rohkost essen.

  • Mageres Fleisch von Pute oder Huhn und gedünsteten Fisch sind besser bekömmlich.

  • Fette, stark gewürzte, säurehaltige und zuckerhaltige Lebensmittel und Speisen meiden.

  • Angebratene, frittierte und geräucherte Lebensmittel vermeiden.

  • Wer schwer verdauliche, blähende Lebensmittel wie Kohl, Zwiebeln, Knoblauch oder Hülsenfrüchte nicht gut verträgt, sollte sie besser weglassen.

  • Möglichst auf Kaffee, Alkohol und Zigaretten verzichten.

  • Bestimmte Teesorten wirken krampflösend und beruhigend: Fenchel, Kamille, Salbei, Pfefferminze oder Melisse.

  • Anis und Kümmel können zu einer gesunden Verdauung beitragen.

Schonkost: Rezepte & Tipps bei Magen-Darm-Beschwerden

Behandlung: Was hilft bei Reizmagen?

Gefährlich ist ein Reizmagen ohne zusätzliche Erkrankungen nicht. Er kann die Lebensqualität der Betroffenen jedoch erheblich beeinträchtigen. Eine Behandlung sollte die Beschwerden lindern oder beseitigen. Dazu gehört eine individuelle, magenschonende Ernährung – Schwerverdauliches und Stressfaktoren für den Magen wie Kaffee, Alkohol und Zigaretten sollten eher vom Speiseplan gestrichen werden.

Förderlich bei Reizmagen sind dagegen Bewegung und Sport sowie Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung, Yoga oder autogenes Training. Bewegung regt die Verdauung an, gezielte Übungen können den Bauchraum und die Muskulatur entspannen. Wer regelmäßig Atem- und Entspannungstechniken anwendet, hilft seinem Körper, im stressigen Alltag besser klarzukommen und nicht überreizt zu reagieren.

Medikamente bei funktioneller Dyspepsie

Je nach Ursache und ob die Beschwerden während oder nach dem Essen, beziehungsweise ganz unabhängig von der Nahrungsaufnahme entstehen, können auch unterschiedliche Arzneimittel helfen. Es gibt zum Beispiel Medikamente, die die Magennerven und die Magenschleimhaut beruhigen sowie die Säurebildung hemmen beziehungsweise normalisieren (Protonenpumpenhemmer). In Prokinetika stecken Wirkstoffe, um die Magenbewegungen zu beeinflussen, andere wirken krampflösend und schmerzlindernd. Auch pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka), etwa mit Kümmel: So gesund sind Öl und Tee- und Pfefferminzöl, können Reizmagen-Patienten helfen.

Woher kommt eine funktionelle Dyspepsie?

Wie ein Reizmagen entsteht, ist noch nicht ausreichend geklärt. Vermutlich spielen mehrere Auslöser eine Rolle. Internisten des BDI nennen ein überempfindliches Nervensystem im oberen Magen-Darm-Trakt als Ursache für eine funktionelle Dyspepsie. Das mache den Magen sehr sensibel gegenüber äußeren Reizen wie Stress und gegenüber inneren Reizen wie der Magensäure, die in die Speiseröhre gelangen kann.

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Auch die Beweglichkeit der Magenwand kann beeinträchtigt sein; dann verbleibt die aufgenommene Nahrung zu lange im Magen. In manchen Fällen reizt Gallenflüssigkeit, die in den Magen fließt, die Schleimhaut, in anderen ein Erreger namens Helicobacter-pyolori, der zu Entzündungen führt und die Schleimhaut somit schwächt.

Stress schlägt auf den Magen

Oftmals sind die Symptome eines Reizmagens auch die Folge einer unausgewogenen Lebens- und Ernährungsweise. Die Kombination aus Stress und Hektik kombiniert mit zu wenig Bewegung, Entspannung und Schlaf ist dann häufige Ursache. Nicht selten essen die Betroffenen zu viel und ernähren sich ungesund, mit viel Fett, Zucker, Kaffee und Alkohol.

Wie stellt der Arzt die Diagnose Reizmagen?

Am Anfang einer Diagnose steht eine ausführliche Anamnese. Betroffene sollten also möglichst umfängliche Auskünfte zu ihren aktuellen Beschwerden und eventuellen früheren Erkrankungen oder Lebensmittelunverträglichkeiten geben. Auch die seelische Situation und das soziale Umfeld sowie Krankheiten, die in der Familie aufgetreten sind, können bei der Diagnose aufschlussreich sein. Wer den Verdacht hat, unter einem Reizmagen zu leiden, kann in einem Tagebuch über längere Zeit sämtliche eventuell wichtigen Faktoren festhalten und so umfassende Informationen für den Arzt sammeln.

Beschwerden dauern drei Monate an

Von einem Reizmagen sprechen Mediziner, wenn die Beschwerden über mindestens drei Monate hinweg anhalten und keine organischen Ursachen zu finden sind. Um andere Erkrankungen der Verdauungsorgane auszuschließen, nimmt der Internist oder Gastroenterologe verschiedene Untersuchungen vor. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) oder Magenspiegelung (Gastroskopie) prüft er die Oberfläche und die Beschaffenheit von Speiseröhre, Magen und Darm auf eventuelle Entzündungen oder Geschwüre. Außerdem stehen die Untersuchung des Blutes sowie eine Untersuchung auf eine mögliche Ansteckung mit dem Bakterium Helicobacter pyolori zur Verfügung.

Vorbeugen: Wie schützt man sich vor einer funktionellen Dyspepsie?

Nicht alle möglichen Ursachen eines Reizmagens lassen sich verhindern. Eine aktive sowie entspannte Lebensweise, ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung tragen jedoch maßgeblich zu einer gesunden Verdauung bei. Oftmals kann man das Risiko für Magen-Darm-Beschwerden wie die funktionelle Dyspepsie auf diese Weise verringern.

Ob beim Sport oder täglichen Verdauungsspaziergang – wer regelmäßig Entspannung und Bewegung in den Alltag integriert, wirkt psychischer Belastung und Stress entgegen und stärkt so auch die Verdauungsfunktionen. Bei den Mahlzeiten empfiehlt es sich, lieber mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt zu essen. Magenfreundliches wie gegartes Gemüse mit fettarmem Fisch und Kartoffeln sollte dabei häufiger auf dem Speiseplan stehen. Denn fetthaltige, schwer verdauliche Speisen sorgen dafür, dass der Nahrungsbrei länger im Magen bleibt und bremsen somit die weitere Verdauung. Scharfe Gewürze, Alkohol, Kaffee und Zigaretten reizen den Magen zusätzlich.

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