Männliche Fruchtbarkeit

Spermien: Aufbau, Funktion und wie lange sie überleben

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Wenn eine weibliche Eizelle von einem Spermium befruchtet wird, kann neues Leben entstehen. Das ist allerdings kein einfaches Unterfangen, nur etwa ein Dutzend der Millionen von Spermien schaffen den Weg durch den Eileiter zur Eizelle. Aber wie genau finden Eizelle und Spermium zueinander? Wie lange überleben sie? Und vor allem: Lässt sich die Spermienqualität beeinflussen?

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© Getty Images/iLexx

Artikelinhalte im Überblick:

Die verblüffendsten Fakten über Sperma

Welche Aufgaben haben Spermien?

Spermien – auch Samenfäden, Spermatozoen oder Spermatozoiden genannt – sind Keimzellen, die das Erbgut des Mannes tragen. Sie werden benötigt, damit es zu einer Schwangerschaft kommen kann. Dementsprechend sind sie wichtigster Bestandteil des Spermas (Ejakulat). Die durchsichtig-milchige Flüssigkeit, die beim männlichen Samenerguss aus dem Penis austritt, dient als Transportmittel für die Samenfäden. Spermien machen etwa fünf Prozent des Ejakulats aus.

Mit den zwei bis sechs Millilitern Sperma, das beim Orgasmus des Mannes aus der Harnröhre ausgestoßen wird, verlassen gleichzeitig vierzig bis mehrere hundert Millionen Spermien den Körper. Aufgrund der vielen Hindernisse erreichen davon allerdings nur etwa 300 Samenzellen das Ende der Eileiter. Letztendlich kann es nur einem Spermium gelingen, ins Innere der Eizelle vorzudringen und sie zu befruchten. Von dort wandert sie den Eileiter hinunter und nistet sich in die Gebärmutterschleimhaut ein. Die restlichen Spermienzellen werden vom weiblichen Körper abgebaut. 

So werden Spermien produziert

Sobald ein Junge in die Pubertät gelangt, sind die Samenkanäle in seinen Hoden in der Regel voll ausgebildet. In den Hodenkanälchen bilden sich aus Stammzellen Spermien. Der gesamte Reifeprozess dauert etwa drei Monate. Reife Spermien werden in den Nebenhoden und Samenleitern gespeichert. Bei einem Orgasmus gelangen Sperma und Sekrete als Samenflüssigkeit über die Samenleiter in die Harnröhre und über den Penis nach außen.

Männer können im Idealfall ein ganzes Leben lang Spermien produzieren. Allerdings können schwere Krankheiten oder ein hohes Alter die Spermienbildung beeinträchtigen. Aber auch bei jungen Menschen kann es zum Beispiel bei einem Hodenhochstand zu Störungen der Samenzellbildung kommen.

Samenstau: Mythos oder gesundheitliches Problem?

Eine weitverbreitete Meinung ist, dass längere Enthaltsamkeit bei Männern zu einem Samenstau führen kann. Im Hoden werden tatsächlich ständig neue Spermien produziert. Werden diese jedoch nicht benötigt, bauen Immunzellen die Spermien wieder ab oder sie werden durch einen unwillkürlichen Samenerguss (meist im Schlaf) nach außen befördert. Ein dauerhafter Rückstau ist somit nicht zu befürchten. Allerdings kann beispielsweise die Muskulatur der Samenwege schmerzhaft verkrampfen, wenn es nach einer längeren sexuellen Erregung nicht zu einer Ejakulation kommt.

Wie lange dauert die Spermienproduktion nach Ejakulation?

Paaren mit Kinderwunsch wird häufig empfohlen, nicht täglich Sex zu haben, damit das Spermiendepot Zeit hat, sich wieder aufzufüllen. Es ist zwar richtig, dass ein Mann, der sich einige Tage zurückhält, in der Regel deutlich mehr Spermien hat, allerdings nimmt auch der Anteil an beweglichen Spermien ab. Häufiger Sex muss daher kein Nachteil sein. Da ein gesunder Mann täglich neues Sperma produziert, befinden sich stets Spermien in verschiedenen Reifestufen in den Samenkanälen und Hoden des Mannes.

Aufbau von Spermien

Spermien erinnern vom Aussehen an Kaulquappen. Die Samenzellen sind etwa 0,06 Millimeter lang und mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen. Sie werden meist in folgende Abschnitte unterteilt:

  • Kopf: Hier befindet sich der Zellkern, der einen Chromosomensatz (entweder X- oder Y-Chromosom) enthält. Zudem ist die Spitze mit der sogenannten Akrosomenkappe ausgestattet. Darin sind Enzyme enthalten, die bei der Befruchtung dabei helfen, die Eihülle aufzulösen, damit das Spermium in die Eizelle eindringen kann.

  • Mittelstück: In der Mitte des Spermiums liefern Mitochondrien (winzige Gebilde innerhalb einer Zelle) die nötige Energie für die Fortbewegung. Sie werden auch als Kraftwerke der Zellen bezeichnet.

  • Schwanz: Den Abschluss bildet ein beweglicher Schwanzteil (Geißel).

Wie finden Spermium und Eizelle zueinander?

Samenzellen sind darauf programmiert, den Weg zur Eizelle zu finden. Welche Mechanismen ihnen dabei genau als Navigation dienen, ist  noch nicht bekannt. Forschende vermuten, dass Lockstoffe, welche die Eizelle oder andere Zellen im Genitaltrakt aussondern, diese anlocken könnten. Eine andere Theorie geht davon aus, dass Progesteron, das Sexualhormon der Frau, die Spermien anzieht.

Bekannt ist mittlerweile, dass Spermien sich nicht wie lange angenommen durch peitschenartige Bewegungen des Schwanzteiles fortbewegen. Vielmehr schwimmen sie in Korkenzieher-Bewegungen vorwärts.


Wie lange überleben Spermien außerhalb der Hoden?

In der weiblichen Scheide können Spermien unter den besten Bedingungen bis zu fünf Tage überleben. Dementsprechend kann ungeschützter Geschlechtsverkehr einige Tage vor dem Eisprung der Frau zu einer Befruchtung führen. Außerhalb des Körpers herrschen für Spermien hingegen keine optimalen Bedingungen.

  • An der Luft: Gelangen sie nach dem Geschlechtsverkehr auf saugfähige Stoffe (wie Bettlaken) oder auf die Körperhaut, bleiben sie befruchtungsfähig, solange sie von der schützenden Samenflüssigkeit (Seminalplasma) umgeben sind. Meist trocknet diese aber nach wenigen Minuten aus und die Spermien sterben ab. Bei größeren Mengen Sperma kann dies etwas länger dauern.

  • Im Wasser: Auch im Wasser überleben Spermien nicht. Bei Sperma im Badewasser besteht folglich kein Risiko, schwanger zu werden.

Tiefgefroren kann Samenflüssigkeit einige Jahre lang aufbewahrt werden: Viele Frauen haben nach künstlicher Befruchtung mit Samen, die bereits einige Jahre eingefroren waren, lebensfähige Kinder geboren.

Lässt sich die Spermienqualität verbessern?

Wenn sich der Kinderwunsch nicht erfüllt, wird neben Untersuchungen bei der Frau häufig ein Spermiogramm beim Mann durchgeführt, um die Spermienqualität zu prüfen. Eine wichtige Kennzahl ist die Spermienkonzentration. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sollten mindestens 15 Millionen Spermien pro Milliliter Sperma enthalten sein. Liegt die Spermienanzahl unter diesem Wert, werden Männer als zeugungsunfähig eingestuft. Allerdings müssen weitere Faktoren wie die Beweglichkeit der Spermien, ihre Struktur sowie Vitalität berücksichtigt werden.

Folgende Tipps können dabei helfen, die Spermienqualität zu verbessern:

  • Auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung achten: Studien zeigen, dass sich vor allem Omega-3-Fettsäuren, Vitamin E, Vitamin C, Vitamin D, Zink, Selen sowie Folsäure positiv auf die männliche Fruchtbarkeit auswirken.

  • Auf Giftstoffe und Anabolika verzichten: Alkohol, Zigaretten und andere Drogen können die Spermienqualität negativ beeinflussen. Ebenso können anabole Steroide (Anabolika) die Spermienproduktion verringern. Die Wirkstoffe, die dem männlichen Sexualhormon Testosteron ähnlich sind, stören den körpereigenen Hormonhaushalt.

  • Gesundes Körpergewicht halten: Übergewicht – vor allem überschüssiges Fett im Bauchraum – verändert den Stoffwechsel und kann zu einer niedrigeren Spermienzahl führen.

  • Hohe Temperaturen meiden: Für einen ungestörten Ablauf der Spermienproduktion sollte die Hodentemperatur beim Mann zwei bis drei Grad unterhalb der Körperkerntemperatur liegen. Häufige Vollbäder, Saunabesuche oder Solarium können die Hoden zu stark erwärmen und die Spermienproduktion beeinträchtigen.

Masturbation: Hartnäckige Mythen übers Onanieren
Beratender Experte
Frau Dr. Barbara Grüne

Fachärztin für Gynäkologie u. Geburtshilfe

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