Chronische Hauterkrankung

Rosacea

Was haben Bill Clinton, Mariah Carey, Renée Zellweger und Cynthia Nixon gemeinsam? Sie leiden – wie etwa fünf bis sieben Prozent der Bevölkerung – an Rosacea. Die chronische, oft in Schüben verlaufende Hauterkrankung ist kann psychisch sehr belastend sein, denn sie macht sich gerade dort bemerkbar, wo man sie nicht verstecken kann: im Gesicht.

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Ständig gerötete Stellen auf den Wangen, Nase und Stirn sind typisch für Rosacea oder Rosazea. Bei den meisten Betroffenen verharrt die Hautkrankheit in diesem Stadium.
Rosacea-info.de

Rosacea (auch Rosazea) wird verharmlosend gern als "Röschenkrankheit" bezeichnet. Andere Synonyme sind Gesichtsrose, Kupferrose, Kupferfinne oder Rotfinne. Es handelt sich um eine entzündliche Hauterkrankung, die vorwiegend an Wangen, Stirn, Nase und Kinn auftritt. Auch angrenzende Bereiche wie Hals, Brust oder Rücken können betroffen sein.

Im Anfangsstadium der Rosacea sind eine starke Rötung (Erytheme) und übermäßige Talgproduktion typisch. Auf den Wangen sind die kleinen Blutgefäße sichtbar erweitert. Später sind das Gewebe und die Talgdrüsen oft vergrößert (Teleangiektasien), es treten Papeln und Pusteln auf, die sich zu eitrigen, entzündeten Knoten entwickeln können.

Jüngere Frauen am häufigsten von der Krankheit betroffen

Die Rosacea betrifft vorwiegend Erwachsene. Sie tritt meist erstmals zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf, bei Männern oft erst jenseits des 50. Geburtstags. Gefährdet sind vor allem hellhäutige Menschen, allerdings kann die Erkrankung ebenfalls bei dunkelhäutigen Typen auftreten.

Frauen scheinen etwas häufiger betroffen zu sein, Männer leiden dafür öfter unter schweren Formen der Krankheit, zu Gewebewucherungen vor allem der Nase gehören. Diese wird dann oft als "Knollennase" oder "Säufernase" verspottet – medizinisch heißt diese Wucherung Rhinophym. Mit Alkoholmissbrauch hat die Rosazea rein gar nichts zu tun.

Ursachen und Auslöser

Wodurch genau die Erkrankung ausgelöst wird, ist medizinisch noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass Störungen im Immunsystem, entzündliche Prozesse in den Nerven, Veränderungen im Gefäß- und Lymphsystem eine Rolle bei der Entstehung spielen. Auch spezielle Milben könnten ein Auslöser für die Entzündungsreaktion sein.

Recht gut bekannt ist jedoch, dass Rosacea-Schübe durch verschiedene Faktoren begünstigt werden. Zu diesen Auslösern, die auch "Trigger" genannt werden, gehören

  • Kälte, Hitze und starke Temperaturschwankungen,
  • Schwitzen,
  • scharf gewürzte Speisen,
  • Alkohol,
  • Stress sowie
  • fetthaltige Kosmetika.

Symptome: von Flush bis Äderchen

Die Hautkrankheit wird in verschiedene Schweregrade eingeteilt, bei denen die Anzeichen unterschiedlich stark ausgeprägt sind.

Im Anfangsstadium sind flüchtige, plötzliche Rötungen im Gesicht typisch. Dieses Erröten bezeichnen Mediziner auch als "Flush". Ausgelöst wird er durch verschiedene Reize und tritt auch im weiteren Verlauf  in unterschiedlichen Ausprägungen auf.

Rote Wangen: Couperose

Beim Schweregrad I sind diese oft deutlich begrenzten Rötungen nicht mehr nur kurze Episoden, sondern dauern länger an oder verschwinden gar nicht mehr. Typisch für dieses Stadium ist zudem die sichtbare Erweiterung der kleinen Blutgefäße auf den Wangen. Medizinisch nennt man diese Gefäßerweiterungen Teleangiektasien, bekannt sind sie auch unter dem Begriff Couperose.

Die Betroffenen klagen häufig über trockene, schuppige, brennende Stellen und Juckreiz. In diesem Stadium ist die Hautkrankheit kosmetisch noch gut beherrschbar – und verharrt nicht selten in dieser Phase. Viele Patienten sind aber bereits stark verunsichert und leiden psychisch unter der Erkrankung.

Entzündete Pusteln wie bei Akne

Der Schweregrad II wird oft mit einer Akne (Acne vulgaris) verwechselt: Neben der Rötung  sind nun einzelne oder in Gruppen auftretende, oft symmetrisch angeordnete Papeln und entzündete Pusteln typisch. Diese bleiben oft über Wochen bestehen und können im ganzen Gesicht auftreten. Im Unterschied zur Akne entstehen jedoch keine Mitesser.

Schwere Form: Knollennase häufig bei Männern

Von der schwersten Form  sind überwiegend Männer betroffen: Der Schweregrad III ist durch die Vergrößerungen der Talgdrüsen und des Bindegewebes gekennzeichnet. Neben den anderen Rosacea-Anzeichen (Rötungen, entzündete Pusteln) kommt es zu knolligen Wucherungen, sogenannten Phyomen, vor allem an Nase (Rhinophym) und Kinn, aber auch an Stirn, Ohr oder Augenlid. Dieser Zustand ist für die Patienten besonders belastend. Die Phyome lassen sich jedoch gut operativ entfernen.

Wenn das Auge betroffen ist

Bei rund 30 bis 50 Prozent der Fälle sind neben der Gesichtshaut auch die Augen betroffen. Man spricht dabei von einer Ophthalmorosacea. Diese okuläre Rosazea wird zunehmend bei Kindern festgestellt. Typisch sind dabei:

  • Entzündung des Augenlids oder Bindehautentzündung

  • geröteter Lidrand, Gerstenkörner oder Hagelkörner

  • trockene, brennende oder tränende Augen

  • wechselnde Sehstörungen wie verschwommenes Sehen oder eine erhöhte Lichtempfindlichkeit

Diese Anzeichen  sind jedoch sehr unspezifisch und treten oft zeitlich getrennt von den Hautveränderungen auf.  Deshalb wird eine okuläre Rosazea oft übersehen oder erst sehr spät diagnostiziert. Wird sie nicht oder erst spät behandelt, kann die Hornhaut in Mitleidenschaft gezogen und das Sehvermögen schwer beeinträchtigt werden.

Akute Form der Rosazea

Innerhalb weniger Tage oder Wochen kann sich eine besonders heftige Form zeigen. Dann spricht man von der Rosacea fulminans. Diese Spielart tritt fast ausschließlich bei jungen Frauen (meist ab 20 Jahren) gehäuft in und nach der Schwangerschaft auf.

An verscheidenen Stellen im Gesicht, so an Stirn, Wangen und Kinn entstehen dann große, erhöhte, ineinander übergehende Knoten und entzündete Pusteln, die Talgdrüsen produzieren übermäßig viel Fett. Die jungen Frauen leiden seelisch meist sehr stark unter diesem Zustand. Wie die akute Form der Rosazea entsteht, ist völlig ungeklärt. Die Rosacea fulminans entwickelt sich jedoch nicht zu einer chronischen Form. Vor Rückfällen sind die meisten Frauen sicher.

Therapie: So wird behandelt

Die Rosazea ist nicht heilbar, aber gut therapierbar. Die Behandlung ist vor allem darauf ausgelegt, die Symptome zu lindern und schwere Schübe zu minimieren. Je früher die Therapie beginnt, desto besser lässt sich die Hauterkrankung behandeln.

Zur medikamentösen Behandlung werden vor allem niedrig dosierte Antibiotika und andere entzündungshemmende Mittel eingesetzt. In den meisten Fällen reicht es aus, diese äußerlich anzuwenden – als Creme, Gel oder Lotion. Nur bei schweren und therapieresistenten Krankheitsverläufen werden auch Medikamente zum Einnehmen verschrieben, die Patienten oft kombiniert mit Creme oder Gel anwenden.

Im fortgeschrittenen Stadium bilden sich vor allem bei Männern oft sichtbare Wucherungen und Hautverdickungen, medizinisch Rhinophym genannt. Diese Wucherungen können operativ durch eine sogenannte Dermabrasion oder ein Dermashaving behandelt werden. Mit speziellen Instrumenten wird die wuchernden Stellen dabei in Schichten abgetragen, bis wieder eine normale Form von Nase oder Kinn erreicht ist. Die Haut benötigt nach der Operation oft mehrere Monate zur Heilung.

Die vor allem auf den Wangen sichtbaren, erweiterten Äderchen können mit Laser wirksam behandelt werden. Da die roten Gefäße jedoch nur ein kosmetisches Problem sind, wird eine solche Behandlung in der Regel nicht von der Krankenkasse erstattet.

Leben mit Rosacea: Was kann ich selbst tun?

Rosazea ist eine chronische Hautkrankheit. Nach einer Erstbehandlung verbessert sich das Hautbild zwar meist merklich. Jedoch muss immer wieder mit neuen Schüben gerechnet werden. Oft treten nach Absetzen der Medikamente die Krankheitsanzeichen umso heftiger auf. Vor allem der Rötung des Gesichts ist mit Medikamenten kaum beizukommen.

Für die Patienten ist das psychisch sehr belastend. Neben der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten und medizinischen Gels und Lotionen kann man mit einer angepassten Lebensweise einiges dafür tun, dass Schübe nur noch selten auftreten oder ganz verschwinden.

Auslöser meiden

Vor allem sollten die individuell unterschiedlichen Auslöser möglichst vermieden werden. Bei manchem ist das eine intensive UV-Bestrahlung oder Stress, bei anderen sorgen starkes Schwitzen, der Wechsel von heißer und kalter Luft, scharfe Speisen oder der Genuss von Alkohol für entsprechende Reize, die das Gesicht "aufblühen" lassen. Mit einem Tagebuch, in welches man sowohl auftretende Symptom, als auch mögliche Reize wie Nahrungsmittel sowie Gewohnheiten und Tätigkeiten im Alltag einträgt, kann ein Hilfsmittel sein, um die persönlichen Auslöser ("Trigger") zu identifizieren.

Besonderes Augenmerk sollte auf die Pflege und den Schutz der gereizten und entzündeten Hautpartien gelegt werden. Je schonender und sanfter diese erfolgen, desto besser können Symptome und Schübe vermieden werden.

Pflegetipps

  • Gesicht nur mit lauwarmen, möglichst weichem Wasser waschen

  • Meiden Sie extreme Temperaturunterschiede: Heiße Umschläge, Dampfbäder, Abkühlung mit kaltem Wasser und Saunagänge sollten deshalb tabu sein.

  • zur Reinigung ausschließlich sehr milde, pH-neutrale Produkte oder solche im leicht sauren Bereich verwenden

  • zum Abtrocknen ein weiches Handtuch benutzen, besser tupfen als rubbeln

  • Gesichtspeelings und -masken reizen die erkrankten Stellen und regen die Durchblutung der Haut an. Sie sollten daher nicht angewendet werden.

  • Männer sollten sich bevorzugt trocken rasieren.

  • Kosmetika sorgfältig auswählen: Inhaltsstoffe wie Alkohol, bestimmte ätherische Öle, Duftstoffe oder chemische Substanzen können ebenfalls reizen. Fettreiche Cremes und Produkte für Akne-Haut sind bei Rosacea tabu.

  • Meiden Sie Sonneneinstrahlung und benutzen Sie beim Aufenthalt im Freien immer einen Sonnenschutz. Mittel mit mineralischen UV-Filtern wie Titanium werden von Rosacea-Patienten besser vertragen als Cremes mit chemischen Blockern.

Die störenden Rötungen können sehr gut mit speziellem Camouflage-Make-up abgedeckt werden. Wie das genau funktioniert, kann eine Kosmetikerin zeigen. Achten Sie bei der Auswahl dekorativer Kosmetik darauf, dass sie für gereizte Rosacea-Haut geeignet ist.

Neben medikamentöser Behandlung und sanfter Pflege der Rosacea-Haut kann eine spezielle Massage Linderung verschaffen. Die von dem dänischen Hautarzt Paul Søbye entwickelten Technik ist auch unter Soebye- oder Söby-Massage bekannt. Sie hilft gegen Schwellungen und Ödeme und kann dazu beitragen, dass das Hautbild feiner wird. Die Massage sollte man sich von einer Kosmetikerin oder beim Hautarzt zunächst zeigen lassen, ehe sie selbst zu Hause durchgeführt wird.

Tipps bei Rosacea und Couperose

Autor:
Letzte Aktualisierung:09. Oktober 2014
Quellen: AWMF: Leitlinie Rosazea der Deutschen Dermatologische Gesellschaft 03/2013

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