Chronische entzündliche Hautkrankheit

Rosacea – wenn im Gesicht rote Flecken und Pusteln blühen

Was haben Bill Clinton, Mariah Carey und Cameron Diaz gemeinsam? Sie leiden – wie etwa fünf Prozent der Bevölkerung – an Rosacea. Die chronische entzündliche Hauterkrankung kann psychisch sehr belastend sein, denn sie zeigt sich gerade dort, wo man sie nicht verstecken kann: im Gesicht.

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Gerötete Stellen und Flecken auf Wangen, Nase und Stirn sind typisch für Rosacea. Bei den meisten Betroffenen verharrt die Hautkrankheit in diesem Stadium.
© iStock.com/russaquarius

Röschenartige, rote Flecken im Gesicht haben der Krankheit den Name beschert: Gesichtsrose oder Rosacea – häufig findet man auch die Schreibweise Rosazea. Die chronische entzündliche Hauterkrankung tritt vorwiegend an Wangen, Stirn, Nase und Kinn auf. Auch angrenzende Bereiche wie Hals, Brust oder Rücken können betroffen sein. Weitere Synonyme sind Kupferrose (Couperose), Kupferfinne oder Rotfinne. Früher sprach man auch vom "Fluch der Kelten", da die Rosacea in erster Linie den hellhäutigen, keltischen Hauttypen trifft. Schätzungsweise fünf Prozent der deutschen Bevölkerung leiden darunter, in Großbritannien und Skandinavien sind es bis zu zehn Prozent.

Im Anfangsstadium der Rosacea zeigt sich typischerweise eine starke Rötung (Erytheme) und übermäßige Talgproduktion. Auf den Wangen sind die kleinen Blutgefäße sichtbar erweitert. Später sind das Gewebe und die Talgdrüsen oft vergrößert (Teleangiektasien), es treten Papeln und Pusteln auf, die sich zu eitrigen, entzündeten Knoten entwickeln können. Mit den ersten Anzeichen beginnt für die Betroffenen oft ein langer Leidensweg – weniger aufgrund der körperlichen als aufgrund der psychischen Beeinträchtigung.

Tipps gegen Rosacea und Couperose

Frauen sind häufiger von Rosacea betroffen

Die Rosacea betrifft vorwiegend Erwachsene, Kinder hingegen bekommen sie nur sehr selten. Meist tritt sie erstmals zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf, bei Männern oft erst jenseits des 50. Geburtstags, und verschlimmert sich tendenziell im Lauf der Jahre. Gefährdet sind vor allem hellhäutige Menschen, allerdings kann die Erkrankung bei dunkelhäutigen Typen ebenfalls auftreten.

Frauen sind insgesamt etwas häufiger betroffen, dafür leiden Männer öfter unter schweren Formen der Krankheit, zu denen Gewebewucherungen vor allem an der Nase gehören. Die knollenartige rote Nase wird umgangssprachlich als Säufernase oder Knollennase verspottet. Mit Alkoholmissbrauch hat die Rosacea jedoch rein gar nichts zu tun.

Ursachen und Auslöser von Rosacea

Wodurch genau die Erkrankung ausgelöst wird, ist medizinisch noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass Störungen im Immunsystem, entzündliche Prozesse in den Nerven, Veränderungen im Gefäß- und Lymphsystem eine Rolle bei der Entstehung spielen. Auch spezielle Milben könnten ein Auslöser für die Entzündungsreaktion sein.

Recht gut bekannt ist jedoch, dass Rosacea-Schübe durch verschiedene Faktoren begünstigt werden. Zu diesen Auslösern (Trigger) gehören

  • Kälte, Hitze und starke Temperaturschwankungen,
  • Schwitzen,
  • scharf gewürzte Speisen,
  • Alkohol,
  • Stress sowie
  • fetthaltige Kosmetika.

Nach neueren Erkenntnissen scheint Rauchen hingegen als Auslöser keine Rolle zu spielen.

Hautkrankheiten erkennen

Typische Symptome sind rote Flecken im Gesicht

Die Hautkrankheit wird in verschiedene Schweregrade eingeteilt, bei denen die Anzeichen unterschiedlich stark ausgeprägt sind.

Im Anfangsstadium sind flüchtige, plötzliche Rötungen im Gesicht typisch. Dieses Erröten bezeichnen Mediziner auch als "Flush". Ausgelöst wird er durch verschiedene Reize und tritt auch im weiteren Verlauf  in unterschiedlichen Ausprägungen auf.

Grad 1: Rote Flecken auf den Wangen

Beim Grad I sind diese oft deutlich begrenzten Rötungen oder roten Flecken im Gesicht nicht mehr nur kurze Episoden, sondern dauern länger an oder verschwinden gar nicht mehr. Typisch für dieses Stadium ist neben Flush die sichtbare Erweiterung der kleinen Blutgefäße auf den Wangen. Medizinisch nennt man diese Gefäßerweiterungen Teleangiektasien, bekannt sind sie auch als Couperose.

Die Betroffenen klagen häufig über trockene, schuppige, brennende Stellen und Juckreiz. In diesem Stadium ist die Hautkrankheit kosmetisch noch gut beherrschbar – und verharrt nicht selten in dieser Phase. Viele Patienten sind aber bereits stark verunsichert und leiden psychisch unter der Erkrankung.

Grad 2: Entzündete Pusteln wie bei Akne

Der Grad II wird oft mit einer Akne (Acne vulgaris) verwechselt: Neben der Rötung sind nun einzelne oder in Gruppen auftretende, oft symmetrisch angeordnete Papeln und entzündete Pusteln typisch. Diese bleiben oft über Wochen bestehen und können im ganzen Gesicht auftreten. Im Unterschied zur Akne entstehen jedoch keine Mitesser (Komedone).

Grad 3: Knollennase häufig bei Männern

Von der schwersten Form sind überwiegend Männer betroffen: Der Grad III ist durch die Vergrößerungen der Talgdrüsen und des Bindegewebes gekennzeichnet. Neben den anderen Rosacea-Anzeichen (Rötungen, entzündete Pusteln) kommt es zu knolligen Wucherungen, sogenannten Phyomen, vor allem an Nase (Rhinophym) und Kinn, aber auch an Stirn, Ohr oder Augenlid. Dieser Zustand ist für die Patienten besonders belastend. Die Phyome lassen sich jedoch gut operativ entfernen.

Rosacea mit Beteiligung der Augen

Bei rund 30 Prozent der Fälle sind neben der Gesichtshaut auch die Augen betroffen. Man spricht dabei von einer Ophthalmorosacea. Diese okuläre Rosacea wird zunehmend bei Kindern festgestellt, wobei sie gerade bei ihnen auch ohne das typische Hautbild auftritt. Typisch für eine Rosacea der Augen sind:

Die Symptome an den Augen sind jedoch sehr unspezifisch und treten lange vor oder auch komplett ohne die rötlichen Hautveränderungen im Gesicht auf. Wird eine Rosacea der Augen aber nicht erkannt und nicht rechtzeitig behandelt, kann die Hornhaut in Mitleidenschaft gezogen und das Sehvermögen schwer beeinträchtigt werden.

Akute Form der Rosazea

Innerhalb weniger Tage oder Wochen kann sich eine besonders heftige Form zeigen. Dann spricht man von der Rosacea fulminans. Diese Spielart tritt fast ausschließlich bei jungen Frauen (meist ab 20 Jahren) gehäuft in und nach der Schwangerschaft auf.

An verschiedenen Stellen im Gesicht, so an Stirn, Wangen und Kinn entstehen dann große, erhöhte, ineinander übergehende Knoten und entzündete Pusteln, die Talgdrüsen produzieren übermäßig viel Fett. Die jungen Frauen leiden seelisch meist sehr stark unter diesem Zustand. Wie die akute Form der Rosacea entsteht, ist völlig ungeklärt. Die Rosacea fulminans entwickelt sich jedoch nicht zu einer chronischen Form. Vor Rückfällen sind die meisten Frauen sicher.

Zur Diagnose zum Hautarzt

Bei fortgeschrittener Rosacea treten häufig eitrige Pusteln und Papeln auf, die dann stark an Akne erinnern. Entsprechend sprach man früher fälschlicherweise von "Acne rosacea". Anders als bei Akne leiden Rosaceapatienten aber nicht unter verstopften Poren und Mitessern, die von übermäßiger Talgproduktion und verstopften Poren herrühren. Entsprechend ist die bei Akne empfohlene Hautpflege für die empfindliche, stellenweise sogar trockene Rosaceahaut kontraproduktiv und verschlimmert die Symptome häufig noch. Gerade weil der Unterschied zwischen Rosacea und Akne für den Laien aber nicht so einfach erkennbar ist, sollten Betroffene unbedingt einen Hautarzt aufsuchen, der die richtige Diagnose stellt und entsprechend die optimale Behandlung und Pflege empfehlen kann.

Rosacea: Behandlung mit Creme & Co.

Rosacea ist nicht heilbar, aber gut therapierbar. Die Behandlung ist vor allem darauf ausgelegt, die Symptome zu lindern und schwere Schübe zu minimieren. Je früher die Therapie beginnt, desto besser lässt sich die Hauterkrankung behandeln.

Zur medikamentösen Behandlung werden vor allem niedrig dosierte Antibiotika und andere entzündungshemmende Mittel eingesetzt. In den meisten Fällen reicht es aus, diese äußerlich anzuwenden – als Creme, Gel oder Lotion. Nur bei schweren und therapieresistenten Krankheitsverläufen werden auch Medikamente zum Einnehmen verschrieben, die Patienten oft kombiniert mit Creme oder Gel anwenden.

Im fortgeschrittenen Stadium entwickelt sich vor allem bei Männern oft die typische rote Nase mit sichtbaren Wucherungen und Hautverdickungen, medizinisch Rhinophym genannt. Diese Wucherungen können operativ durch eine sogenannte Dermabrasion oder ein Dermashaving behandelt werden. Mit speziellen Instrumenten wird die wuchernden Stellen dabei in Schichten abgetragen, bis wieder eine normale Form von Nase oder Kinn erreicht ist. Die Haut benötigt nach der Operation oft mehrere Monate zur Heilung.

Die vor allem auf den Wangen sichtbaren, erweiterten Äderchen können mit Laser wirksam behandelt werden. Da die roten Gefäße jedoch nur ein kosmetisches Problem sind, wird eine solche Behandlung in der Regel nicht von der Krankenkasse erstattet.

Umgang mit Rosacea: Ernährung & Pflege

Rosacea ist eine chronische Hautkrankheit. Nach einer Erstbehandlung verbessert sich das Hautbild zwar meist merklich. Jedoch muss immer wieder mit neuen Schüben gerechnet werden. Oft treten nach Absetzen der Medikamente die Krankheitsanzeichen umso heftiger auf. Vor allem der Rötung des Gesichts ist mit Medikamenten kaum beizukommen.

Für die Betroffenen ist das psychisch sehr belastend. Neben der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten und medizinischen Gels und Lotionen kann man mit einer angepassten Lebensweise einiges dafür tun, dass Schübe nur noch selten auftreten oder ganz verschwinden.

Auslöser erkennen und meiden

Die Auslöser der Rosacea können sehr unterschiedlich und individuell sein. Bei manchem ist es intensive UV-Bestrahlung oder Stress, bei anderen sorgen starkes Schwitzen, der Wechsel von heißer und kalter Luft oder der Genuss von Alkohol für entsprechende Reize, die das Gesicht "aufblühen" lassen. Sehr hilfreich auf der Suche nach den eigenen Hauptauslösern oder Triggern ist ein Rosacea-Tagebuch. Hier trägt man über einige Wochen sowohl auftretende Symptome, als auch mögliche Reize wie Nahrungsmittel sowie Gewohnheiten und Tätigkeiten im Alltag ein. Inzwischen gibt es das Rosacea-Tagebuch sogar als App, die hilft persönliche Trigger sofort festzuhalten und auszuwerten.

Besonderes Augenmerk sollte auf die Pflege und den Schutz der gereizten und entzündeten Hautpartien gelegt werden. Je schonender und sanfter diese erfolgen, desto besser können Symptome und Schübe vermieden werden.

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Pflegetipps bei Rosacea

  • Gesicht nur mit lauwarmen, möglichst weichem Wasser waschen

  • Meiden Sie extreme Temperaturunterschiede: Heiße Umschläge, Dampfbäder, starke Hitze mit anschließender Abkühlung mit kaltem Wasser wie in der Sauna sollten deshalb tabu sein.

  • zur Reinigung ausschließlich sehr milde, pH-neutrale Produkte oder solche im leicht sauren Bereich verwenden

  • zum Abtrocknen ein weiches Handtuch benutzen, besser tupfen als rubbeln

  • Gesichtspeelings und -masken reizen die erkrankten Stellen und regen die Durchblutung der Haut an. Sie sollten daher nicht angewendet werden.

  • Männer sollten sich bevorzugt , da die Nassrasur zusätzlich reizen kann.

  • Kosmetika sorgfältig auswählen: Inhaltsstoffe wie Alkohol, bestimmte ätherische Öle allen voran Kampfer und Menthol, Duftstoffe oder chemische Substanzen können ebenfalls reizen. Fettreiche Cremes und Produkte für Akne-Haut sind bei Rosacea tabu.

  • Meiden Sie starke Sonneneinstrahlung und benutzen Sie beim Aufenthalt im Freien immer einen Sonnenschutz. Mittel mit mineralischen UV-Filtern wie Titanium werden von Rosacea-Patienten besser vertragen als Cremes mit chemischen Blockern.

Die störenden Rötungen können sehr gut mit speziellem Camouflage-Make-up abgedeckt werden. Wie das genau funktioniert, kann Ihnen eine Kosmetikerin zeigen. Achten Sie bei der Auswahl dekorativer Kosmetik darauf, dass sie für gereizte Rosaceahaut geeignet ist.

Neben medikamentöser Behandlung und sanfter Pflege der Rosaceahaut kann eine spezielle Massage Linderung verschaffen. Die von dem dänischen Hautarzt Paul Søbye entwickelten Technik ist auch unter Soebye- oder Söby-Massage bekannt. Sie hilft gegen Schwellungen und Ödeme und kann dazu beitragen, dass das Hautbild feiner wird. Die Massage sollte man sich von einer Kosmetikerin oder beim Hautarzt zunächst zeigen lassen, ehe sie selbst zu Hause durchgeführt wird.

Basische Ernährung bei Rosacea

Es gibt keine besondere Rosacea-Diät oder eine wissenschaftliche Empfehlung, welche Speisen zu meiden sind. Sobald Sie einmal Ihre persönlichen Trigger wie beispielsweise Alkohol oder scharfe Gewürze erkannt haben, hilft es natürlich, diese zu meiden oder zumindest einzuschränken. Andererseits kann eine reizarme, Basische Ernährung durchaus helfen, die Entzündungsprozesse im Körper zu entschärfen. Dabei sollten Sie Zucker, weißes Mehl und Fleisch möglichst einschränken und stattdessen vollwertig und gemüselastig essen.

Behandlung mit Homoöpathie und Naturheilkunde

Nach der klassischen chinesischen Medizin (TCM) entsteht Rosacea ebenso wie Migräne, hoher Blutdruck und Schilddrüsenerkrankungen wie Hashimoto durch Hitze in der Leber. Dieses meist emotional bedingte "aufsteigende Feuer" zeigt sich dann durch Hitze und Rötungen im Gesicht.

Geeignete pflanzliche Hausmittel sind beispielsweise Masken aus gemahlenen Haferflocken und Wasser, Aloe Vera oder Leinsamenöl sowie Hautumschläge mit abgekühltem grünem Tee.

In der Homöopathie kommen die Mittel Abrotanum, Kalium phosphoricum und Kalium sulfuricum zur Anwendung. Aufgrund der komplexen, unterschiedlichen Erscheinungsformen gehört die Behandlung bei Rosacea aber unbedingt die Hände eines erfahrenen Homöopathen oder Heilpraktikers.

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