Mehr als nur schüchtern

Soziale Phobie: Was tun bei sozialer Angst?

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Menschen mit sozialer Phobie haben Angst vor anderen Menschen und davor im Mittelpunkt zu stehen. Oft leben sie in stetiger Sorge, von anderen beobachtet und bewertet zu werden, beziehungsweise peinlich zu sein. Was die soziale Angst genau ist, mit welchen Symptomen sie sich zeigt und wie sie behandelt und überwunden werden kann.

soziale phobie
Eine soziale Phobie beginnt meist im Jugendalter und braucht viel Verständnis aus dem Umfeld.
© Getty Images/KatarzynaBialasiewicz

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Was ist soziale Angst?

Soziale Angst, auch soziale Phobie oder soziale Angststörung genannt, ist eine psychische Erkrankung, die als Situationsangst zu den Angststörungen zählt und für Betroffene sehr belastend ist. Sie tritt immer dann auf, wenn Betroffene sich einer kritischen Betrachtung durch andere ausgesetzt fühlen. Dabei geht es jedoch nicht nur um Prüfungen oder ähnliches, sondern die soziale Angst tritt in fast allen sozialen Situationen auf, in denen Menschen aufeinander treffen. Betroffene haben extreme Angst, sich zu blamieren oder unangenehm aufzufallen, das heißt, sie verspüren immer eine Bedrohung des eigenen Selbstwerts.

Die Häufigkeit der sozialen Phobie wird mit vier bis zwölf Prozent der Bevölkerung angegeben. Erkrankungsbeginn ist meist im jugendlichen oder jungen Erwachsenenalter. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen.

Symptome: Wie zeigt sich eine soziale Phobie?

Eine soziale Phobie zeigt sich durch verschiedene Anzeichen und Symptome. Wer an sozialer Angst leidet, kann in Situationen, die mit anderen Menschen zu tun haben, folgende Symptome zeigen:

  • Herzrasen, Erröten, Schweißausbrüche
  • Übelkeit oder Bauchschmerzen
  • starre Körperhaltung, wenig Augenkontakt mit anderen, Sprechen mit leiser Stimme
  • Angstgefühle bei Kontakt mit anderen Menschen, insbesondere mit Fremden
  • große Befangenheit und Verlegenheit im Umgang mit anderen Menschen
  • Befürchtung, dass das eigene Verhalten peinlich ist
  • große Angst davor, von anderen Menschen verurteilt zu werden
  • Fernhalten von Orten, wo man auf andere treffen könnte

Menschen mit sozialer Angst neigen manchmal dazu, ein, zwei Gläser Alkohol zu trinken, um sich zu beruhigen. Da sich so die Probleme, die mit einer sozialen Phobie einhergehen, nicht lösen lassen und sich hieraus schnell eine Sucht entwickeln kann, sollte keinesfalls zum Alkohol als vermeintlicher "Problemlöser" gegriffen werden.

In schweren Fällen von sozialer Phobie kann es auch zu Panikattacken kommen, wenn die Angst zu stark beeinträchtigt und unbehandelt bleibt. Wird eine soziale Phobie nicht behandelt, kann sie chronisch werden und ist dann nur noch schwer behandelbar. Eine frühzeitige Therapie ist deshalb sinnvoll.

Test: Habe ich eine soziale Phobie?

Wer denkt, dass er*sie an einer sozialen Angst leiden könnte, dem können folgende Fragen helfen:

  • Habe ich große Angst, von anderen verurteilt zu werden?
  • Habe ich große Angst, vor anderen Menschen zu sprechen, auch wenn ich sie kenne?
  • Habe ich große Angst, im Kino oder Restaurant auf die Toilette gehen zu müssen?
  • Habe ich große Angst, vor anderen zu essen oder zu trinken?
  • Habe ich große Angst, mich mit anderen zu unterhalten, weil ich vielleicht gar nichts zu sagen habe oder Unsinn reden könnte?
  • Habe ich große Angst zu schreiben, wenn andere zuschauen?

Wenn mehrere dieser Fragen zutreffen und die Problematik bereits seit mindestens sechs Monaten besteht und den Alltag immer schwieriger zu bewältigen macht, sollte ärztliche Hilfe gesucht werden. Es könnte sich um eine soziale Phobie handeln, die mit zu den belastendsten psychischen Störungen gehört. Eine soziale Angst ist sehr wahrscheinlich, wenn bestimmte Aktivitäten ohne Gesellschaft angstfrei ausgeübt werden können, in Anwesenheit anderer jedoch nicht.

Frau sieht nachdenklich in die Kamera
Selbsttest
Selbsttest: Bin ich ein Soziopath?

Soziopathen sind Menschen, die an einer dissozialen Persönlichkeitsstörung leiden. Sie haben Schwierigkeiten, langfristige Bindungen einzugehen. Andere bezeichnen sie oft als skrupellos, kaltschnäuzig oder manipulativ. Sie sind extrem risikobereit und verhalten sich in den Augen anderer verantwortungslos. Mitunter geraten sie mit dem Gesetz in Konflikt.

Falls Sie sich in dieser Beschreibung wiedererkennen oder ähnliche Vorwürfe von Ihren Mitmenschen häufiger zu hören bekommen, kann Ihnen unser Selbsttest eine erste Einschätzung liefern, ob sie betroffen sein könnten.

HINWEIS: Dieser Test ersetzt keine ärztliche Diagnose und kann nicht beurteilen, ob Sie an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung leiden. Er gleicht ausschließlich einige Symptome ab, die bei dieser Persönlichkeitsstörung typischwerweise auftreten können. Das Ergebnis hat alleine keine Aussagekraft darüber, ob Sie tatsächlich betroffen sind. Nur ein Facharzt oder Psychologe kann eine zuverlässige Diagnose stellen! Sind Sie sich unsicher, suchen Sie bitte in jedem Fall professionellen Rat auf.

Ursachen der sozialen Phobie

Genaue Ursachen für eine soziale Angst sind schwer zu nennen. Es sind jedoch Einflussfaktoren bekannt, die die Entwicklung einer sozialen Phobie begünstigen:

  • traumatische Lebenserfahrungen, Misshandlungen, Missbrauch
  • Fehlkonditionierungen, nicht ausreichend entwickelte soziale Fähigkeiten, beispielsweise durch ein sozial isoliertes Leben der Familie
  • Ablehnung und Abwertung durch die Eltern
  • genetische Einflüsse
  • neurobiologische Faktoren

Menschen mit sozialer Phobie weisen kognitive Besonderheiten auf, die zu einer unrealistischen Einschätzung von sozialen Situationen führt. Häufig ist die Selbstwahrnehmung verzerrt und führt zu verstärkter Selbstbeobachtung. Bei Menschen mit sozialer Phobie wird oft eine Störung der Emotionsregulation beobachtet und sie können mit ihren eigenen Gefühlen nur schwer umgehen.

Diagnose bei sozialer Phobie

Nicht jeder Mensch, der schüchtern ist, leidet unter einer sozialen Phobie. Die ärztliche Diagnose umfasst Fragen nach den Symptomen, wann diese auftreten und seit wann die Problematik besteht. Durch psychologische Tests kann die Diagnose soziale Phobie gestellt werden. Außerdem werden in der Regel einige Laboruntersuchungen und ein EKG durchgeführt, um organische Ursachen auszuschließen. Differenzialdiagnostisch abgegrenzt werden müssen weitere psychische Erkrankungen wie Depressionen oder andere Angststörungen.

Was tun? Behandlung der sozialen Phobie

Die soziale Phobie kann mithilfe von Psychotherapie sehr gut behandelt werden, wie zahlreiche Studien belegen. Ziel der Behandlung ist es, dass Ängste verschwinden oder zumindest so überwunden werden können, dass Betroffene damit umgehen können. Welche Form der Psychotherapie im Einzelfall sinnvoll ist, entscheidet der*die Behandler*in. In vielen Fällen hat sich die kognitive Verhaltenstherapie bewährt. Nachweislich verändern sich durch die Therapie bei Menschen mit sozialer Phobie Hirnareale, die Emotionen verarbeiten, in der Hinsicht, dass diese besser miteinander verknüpft sind.

Sind die Ängste sehr stark, können unterstützend Medikamente, wie beispielsweise Beruhigungsmittel, Antidepressiva oder Betablocker, eingesetzt werden, die das Durchführen der Psychotherapie leichter machen. Ergänzend zur Psychotherapie und gegebenenfalls zur medikamentösen Therapie können Entspannungsmethoden wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson helfen, den Stress im Körper zu reduzieren.

Verlauf: Leben mit sozialer Angst

Eine soziale Phobie verschwindet nicht von alleine, weshalb Menschen, die davon betroffen sind, möglichst früh professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollten. Die soziale Phobie ist eine psychische Störung, die für Betroffene sehr belastend ist und sie stark einschränkt. Wenn die soziale Angst unbehandelt bleibt, ziehen sich viele Betroffene zurück, um belastende Situationen zu vermeiden. Dies führt in der Folge zu einem Verlust des Selbstwerts und kann im schlimmsten Fall zu vollständiger sozialer Isolation führen. Der Leidensdruck ist meist sehr groß, da Menschen natürlicherweise soziale Wesen sind. Oft kommt deshalb zu der sozialen Phobie noch eine Depression, auch Suchterkrankungen können häufiger auftreten. In schweren Fällen von sozialer Phobie, die unbehandelt bleibt, kann es zu Suizidalität kommen.

Umfeld: Wie kann ich helfen?

Wenn eine Person aus dem eigenen Umfeld von einer Angsterkrankung wie der sozialen Phobie betroffen ist, fragen sich viele Menschen, wie sie helfen und diese Person unterstützen können. Betroffene schämen sich oft ärztlichen Rat zu suchen, da sie sich dann einer fremden Person, von der sie ebenfalls Abwertung befürchten, anvertrauen müssen – was das größte Hindernis für eine Linderung der Beschwerden ist. Deshalb sind die folgenden Tipps im Umgang mit einem Menschen mit sozialer Phobie hilfreich:

  • Haben Sie ein offenes Ohr und seien Sie verständnisvoll.
  • Informieren Sie sich über die soziale Phobie. Machen Sie der Person deutlich, dass eine Behandlung bei Angsterkrankungen sehr gut anschlägt.
  • Überlassen Sie die Entscheidung, ob und wann er*sie Hilfe in Anspruch nehmen möchte, der Person und akzeptieren Sie die Entscheidung.
  • Geben Sie keine ungewünschten Ratschläge und mischen sich nicht ungefragt in das Leben der anderen Person ein. Es ist nicht hilfreich, Personen mit sozialer Angst in Situationen zu drängen, weil sie eben durchmüssen (zum Beispiel Referat halten), da es sich nicht um eine sichere, therapeutische Situation handelt.
  • Fragen Sie die Person, wie Sie sie unterstützen können.

Kommt es in Ihrem Beisein zu einer Situation, in der ein akuter Angstanfall auftritt, können folgende Tipps helfen:

  • Strahlen Sie Zuversicht aus. Ihr Gegenüber spiegelt Ihre Emotionen und wenn Sie vermitteln, dass alles gut werden wird, kann dies beruhigen.
  • Lassen Sie den Anfall zu und halten Sie es aus. Dagegen ankämpfen macht die Situation nur schwerer, denn Akzeptanz führt dazu, dass sich die Situation schneller wieder beruhigt.
  • Ablenkung, wie ein Gespräch über Musik oder Fragen zum Frühstück sorgen dafür, dass das Gehirn abgelenkt wird und von der Angst ablässt.
  • Einfach da sein, keine Fragen zur Situation stellen, bei Bedarf Gesprächspartner*in sein.
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